IHK-Blitzumfrage: Trump bereitet heimischer Wirtschaft große Sorgen

Bildzeile: Das Verhältnis zwischen den USA und der EU bereitet vielen Unternehmen Sorge.

„31 Prozent der befragten Unternehmen sorgen sich aufgrund der gegenwärtigen internationalen Risiken in erheblichem Maße um ihre Exporte. Bei mehr als jedem Zweiten sind diese Sorgen in den vergangenen Monaten sogar gestiegen. Ursächlich für die Besorgnisse der Firmen sind vor allem die unberechenbare Politik der USA, der Brexit, die hohe Verschuldung der europäischen Staaten sowie gestiegene Öl- und Rohstoffpreise“, fasst IHK-Präsident Felix G. Hensel die Ergebnisse einer IHK-Blitzumfrage zusammen, an der sich mehr als 250 Betriebe aus den Bereichen Industrie, Handel und Dienstleistungen in den Kreisen Siegen-Wittgenstein und Olpe beteiligt haben. Man könne nur hoffen, dass die jüngst zwischen US-Präsident Donald Trump und EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker getroffenen Vereinbarungen zu einem Trendwechsel führten. Felix G. Hensel: „Die Bemühungen gehen zwar in die richtige Richtung. Von einem echten und fairen Freihandelsabkommen zwischen den USA und der EU sind wir aber noch weit entfernt. Auch die ungerechtfertigten Autozölle sind noch nicht endgültig vom Tisch. Das Ganze wird nach meiner Einschätzung momentan eher vom Prinzip Hoffnung getragen.“

Dem US-Präsidenten schlage in den Chefetagen der heimischen Wirtschaft blankes Misstrauen entgegen, ergänzt IHK-Hauptgeschäftsführer Klaus Gräbener: „81 Prozent der Unternehmen sehen das internationale Hauptrisiko in der sprunghaften und vollkommen unkalkulierbaren Außenwirtschaftspolitik des amerikanischen Präsidenten, der damit dreimal schlechtere Werte als der türkische Präsident Erdogan erhält. Es ist unfassbar, wie viel Vertrauenskapital ein einzelner Mensch in so kurzer Zeit vernichten kann.“ Dies sei insofern umso bedauerlicher, als die USA 2017 das Hauptzielland deutscher Exporte im Umfang von insgesamt 111,5 Milliarden Euro waren. Das gelte auch für die NRW-Wirtschaft und die heimischen Unternehmen. Mehr als 250 regionale Betriebe unterhielten Handelsbeziehungen zu den USA. Viele Unternehmen besitzen sogar eigene Niederlassungen dort. Klaus Gräbener: „Wir schätzen den Export der hiesigen Industrie dorthin auf ein Volumen von circa 700 Millionen Euro jährlich. Das entspricht beträchtlichen 10 Prozent des gesamten jährlichen Exportvolumens von 7,3 Milliarden Euro und unterstreicht die Bedeutung der USA für die heimische Wirtschaft. Vielfach wird vergessen, dass auch in unseren Industrieunternehmen jeder zweite Arbeitsplatz vom Export abhängt. Das kann man nicht oft genug wiederholen.“

39 Prozent der Betriebe (Mehrfachnennungen waren möglich) machen sich zudem große Sorgen um die Entwicklung des Brexit. Felix G. Hensel: „In der Politik Großbritanniens ist nach wie vor keine klare Linie erkennbar. Doch die Zeit drängt. Wird mit der EU bis kommenden Herbst kein vernünftiges Austrittsszenario entwickelt, droht ein harter Brexit. Der schadet allen und nutzt keinem.“ Das Vereinigte Königreich stehe 2017 an Platz 3 aller Ausfuhrländer von NRW mit einem Exportumfang von 13,3 Milliarden Euro. Das seien 7 Prozent der Gesamtausfuhr. „Die regionalen Industrieunternehmen exportieren einen ähnlich hohen Anteil nach Großbritannien, das heißt rund 500 bis 600 Millionen Euro. Nimmt man noch andere Wirtschaftszweige hinzu, liegt der Gesamtexport der regionalen Wirtschaft nach Großbritannien wahrscheinlich etwas darüber“, konkretisiert IHK-Konjunkturexperte Stephan Jäger. Über 300 Unternehmen aus dem IHK-Bezirk liefern auf den britischen Markt. Mehr als 30 verfügen zudem über Niederlassungen dort, mindestens sechs über eigene Produktionsstätten.

Schließlich machen sich 31 Prozent der regionalen Betriebe große Sorgen über die Verschuldung in der EU, vor allem in den südeuropäischen Ländern. Stephan Jäger: „Griechenland war soeben noch verkraftbar. Derzeit macht vor allem die italienische Politik keine Anstalten, den Staatshaushalt zu konsolidieren. Sollte die Verschuldung dort aus dem Ruder laufen und sollten die EU-Partner im Notfall finanziell einspringen müssen, sprengt das den bisher bekannten Rahmen. Mit all den negativen fiskalischen Konsequenzen.“

Fast ebenso viele Sorgen bereitet den Unternehmen die aktuelle „Öl- und Rohstoffpreisentwicklung“ (30 Prozent). Mit einigem Abstand folgen die Politik Erdogans (27 Prozent), die Politik Putins (25 Prozent), die Flüchtlingssituation in Europa (24 Prozent), der Konflikt im Nahen Osten bzw. Syrien (20 Prozent) sowie die Politik Chinas (17 Prozent). „Ausgeprägte Unsicherheit kennzeichnet die derzeitige Stimmungslage in der heimischen Wirtschaft. Gemeinsam mit dem DIHK setzt sich die gesamte IHK-Organisation für offene Märkte und fairen Wettbewerb ein. Wenn die Abschottung weltweit Platz greift, verlieren alle“, so Felix G. Hensel und Klaus Gräbener abschließend.

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