Hohe Lebensqualität in Südwestfalen

Typischerweise steigen in Regionen mit einer hohen Arbeitsnachfrage auch schnell die Mieten – und umgekehrt. Da die Märkte allerdings teilweise unterschiedlich schnell reagieren, lassen sich auch Regionen finden, die einen starken Arbeitsmarkt und unterdurchschnittliche Mieten aufweisen. Zu diesen Regionen gehört nach einer Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) auch Südwestfalen.

Der Fachkräftemangel in Deutschland ist ein großes Thema für Unternehmen. Für viele Unternehmen stellt die Sicherstellung qualifizierter Mitarbeiter mittlerweile die größte Herausforderung dar (DIHK, 2018), und auch konjunkturell hinterlässt der Fachkräftemangel Bremsspuren (IW-Forschungsgruppe Konjunktur, 2018). Für Arbeitnehmer sind dies gute Aussichten, sie können sich vielfach aussuchen, wo sie arbeiten und leben möchten. Doch ein erster Blick in die Wohnungsannoncen zeigt, dass attraktive Arbeitsmärkte häufig mit hohen Mieten korrespondieren. Ein Extrembeispiel ist München: Die bayerische Landeshauptstadt bietet zahlreiche Arbeitsplätze, doch die Mieten in München sind mit einem Niveau von durchschnittlich knapp 13 Euro pro Quadratmeter nur für wenige Haushalte erschwinglich. Wer hochqualifiziert ist, erhält entsprechend der hohen Lebenskosten oft eine gehaltliche Kompensation, doch bei vielen Normalverdienern ist dies nicht der Fall.

Es gibt aber auch Regionen, die beides vereinen und gute Beschäftigungschancen bei geringen Mieten bieten. Das schafft Vorteile für Arbeitnehmer, aber auch für Unternehmen. Überregionale Rekrutierung kann in einigen Berufen und Regionen dabei helfen, Fachkräfteengpässe zu lindern (Burstedde/Risius, 2017). In Regionen mit vielen Vakanzen sind niedrige Mieten ein Standortfaktor, den Unternehmen betonen können, um Fachkräfte aus anderen Landesteilen von ihrer Region zu überzeugen. Insgesamt lässt sich feststellen, dass der Süden und Westen mehr Beschäftigungschancen als der Osten und Norden bietet. Drei Regionen sollen die Ergebnisse veranschaulichen: Jena, Südwestfalen und die bayerische Oberpfalz.

In Jena, das zu den Regionen mit guten Werten bei Wohnen und Arbeiten gehört, liegen die Mieten ca. 20 Prozent unter dem Bundesdurchschnitt. Dennoch ist die Zahl der gemeldeten offenen Stellen mit 67 pro 100 Arbeitslose sehr hoch. Da nur knapp jede zweite offene Stelle auch gemeldet wird (IAB, 2018), liegt die Zahl der tatsächlich offenen Stellen sogar höher als die der Arbeitslosen. Besonders gefragt sind in Jena dual ausgebildete Fachkräfte in der Energietechnik, Mechatronik und Metallbearbeitung. Die Region gilt als wichtigster High-Tech-Standort in Thüringen und bietet sowohl weltweit führenden Unternehmen im Bereich Optik und Photonik als auch kleinen und mittleren Unternehmen ein Zuhause. Die Ansässigkeit zweier Hochschulen sowie zahlreicher Forschungsinstitute schafft eine gut ausgebaute Infrastruktur in Wissenschaft und Wirtschaft. Insgesamt erscheint Jena aus diesen Gründen als attraktive Region, in der Leben wegen günstiger Mieten zudem erschwinglich ist. Gleiches gilt für andere Gebiete Mitteldeutschlands wie Suhl oder Erfurt.

Ähnlich viel Potenzial birgt Südwestfalen. Als drittgrößte Industrieregion Deutschlands zeichnet sich der Arbeitsmarkt hier durch eine große Dynamik aus. Die stark mittelständisch geprägte Wirtschaft mit ihren über 150 „Hidden Champions“ ist auf viele Fachkräfte angewiesen, die Mieten sind günstig und die Lebensqualität hoch (ZDFzeit, 2018).

Letztlich sind es aber vor allem bayerische Bezirke, die das Feld bespielen. Hier steht die Oberpfalz rund um das Zentrum Regensburg ganz oben – eine Region, die sich wirtschaftlich gut aufgestellt hat. Viele große und kleine Unternehmen entwickeln hier neue Technologien – insbesondere digitale – und wirken als Innovationsmotor.  Aus Arbeitgebersicht ist die Suche nach passend qualifizierten Fachkräften besonders schwierig: 2017 entfielen in der Region Regensburg 93 Prozent aller offenen Stellen auf Berufe mit Fachkräfteengpässen. Gleichzeitig liegen in der Region die Mieten ziemlich genau im Bundesschnitt. Für Arbeitnehmer ist die Oberpfalz also mit Blick auf Mieten vergleichsweise attraktiv, der Arbeitsmarkt gleichzeitig hoch attraktiv.

 

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