Was ist da bloß in Deutschland los?

Die Welt wundert sich und stellt sich zunehmend die Frage: „Was ist da bloß in Deutschland los?“. Seit fast zwei Jahren hält die Corona-Pandemie das Land in Atem. Inzwischen ist die vierte Welle unterwegs und noch immer wissen die verantwortlichen Politikerinnen und Politiker nicht, wie sie das Virus in den Griff bekommen können. Da werden immer neue Maßnahmen beschlossen und nach einiger Zeit wieder abgeändert oder ganz aufgehoben. Da sind sich Bund und Länder eher im Weg als einig. Da wird von den Ländern auf eine bundesweite Lösung gepocht, obwohl die Lage in den Regionen deutlich unterschiedlich ist. Warum also alles einheitlich? Warum sollen die Menschen in den Regionen, die eine niedrige Inzidenz haben, die gleichen Einschränkungen hinnehmen müssen, wie die Menschen in Hochinzidenzgebieten? Warum sollen Ungeimpfte gegenüber den Geimpften und Genesenen bloß nicht benachteiligt werden? Warum ist eigentlich am Anfang der Pandemie keine allgemeine Impfpflicht eingeführt worden?

Wie gesagt, die Welt wundert sich, wie in Deutschland mit der Pandemie umgegangen wird. Sie wundert sich über das Versagen des öffentlichen Sektors in unserem Land, das ja bislang bekannt war für seine Korrektheit und seine organisatorischen Fähigkeiten. Spätestens seit dem Desaster um den Berliner Flughafen hat dieses Image erste Kratzer bekommen. Dies sind jetzt noch einmal deutlich kräftiger geworden. Die Pandemie hat die Mängel des Standortes Deutschland gnadenlos offen gelegt. Dazu zählt ein parteipolitisches System, dass eher im gegenseitigen Gezänk verharrt, als geschlossen und konsequent auf die Herausforderungen der Pandemie zu reagieren. Wenn es darum geht, Menschen zu schützen ist es nicht unbedingt sinnvoll, über Tage und Wochen Kompromisse zu suchen, um ja niemanden auf die Füße zu treten, vor allem im Vorfeld einer Bundestagswahl. Da sind dann eher schnelle Entscheidungen gefragt. Daran hat es bis heute gefehlt. Ebenso waren und sind die öffentlichen Verwaltungen mit der Situation völlig überfordert. Gesundheitsämter arbeiten teilweise noch mit Papierlisten um Infizierte zu erfassen. Von Digitalisierung sind viele meilenweit entfernt. Das gilt auch für die Schulen. Gerade die Kinder und Jugendlichen, die bislang keinen Impfschutz erhalten können, haben unter der Pandemie besonders zu leiden. Sie haben nicht nur lange Zeit auf sämtliche sozialen Kontakte verzichten müssen, sie mussten auch mit einem ineffizienten und teils überforderten Bildungssystem zurecht kommen. Die Folgen werden unsere Gesellschaft noch über viele Jahre begleiten.

Auch die Wirtschaft hat das unzureichende Pandemiemanagement zu spüren bekommen. Vor allem Gastronomie und Handel sowie die Freizeit- und Eventbranche haben unter den Lockdowns erheblich gelitten. Nur mit massiven staatlichen Hilfen konnte ein Massenexodus verhindert werden. Der Wirtschaftseinbruch in der Industrie war massiv, aber nicht lebensbedrohend. Inzwischen hat sich die konjunkturelle Lage wieder stabilisiert. Jetzt stehen die Unternehmen vor der Herausforderung: Wie gehen wir mit den Ungeimpften um? Denn auch die staatlich eingeleitete Impfkampagne hat nicht so funktioniert, wie es eigentlich notwendig gewesen wäre. Die Impfquote ist nach wie vor zu niedrig. Gleichzeitig wurden aber die Impfzentren geschlossen. Da passt wieder einmal so Einiges nicht zusammen. Und jetzt soll auch noch geboostert werden.

Immerhin haben sich Bund, Länder und die Ampel-Parteien aktuell auf eine Neufassung des Infektionsschutzgesetzes geeinigt. Ob die darin festgelegten Regeln zu einer Abschwächung der Pandemie führen werden, bleibt abzuwarten. Zumindest wird der Druck auf die Ungeimpften auch am Arbeitsplatz deutlich erhöht. Die langen Warteschlangen vor den Impfstellen beweisen, dass der wachsende Druck bei immer mehr Menschen angekommen ist. Immer mehr Bundesländer führen gleichzeitig für die öffentlichen Bereiche 2G ein. Das alles hätte vermieden werden können, wenn gleich zu Beginn der Pandemie eine allgemeine Impfpflicht eingeführt worden wäre. Österreich hat das inzwischen auch erkannt und wird die Impfung ab dem kommenden Jahr für die Bevölkerung verbindlich machen. Für viele Opfer kommt diese Entscheidung zu spät, aber immerhin sie kommt. Man darf gespannt sein, wann die Verantwortlichen in Deutschland diesen notwendigen Schritt zur Pandemiebekämpfung nachvollziehen werden.

Ho

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