Neue Antriebstechnologien im Blick

Modernste Antriebstechnologie auf dem Prüfstand - auch auf das Betriebsgelände der KSW gelangt die Bombardier Traxx 187 AC 3 First/Last Mile dank ihres Diesel-Hilfsmotors ohne fremde Unterstützung.Freuen sich über den gemeinsamen Test der hochmodernen E-Lok (v.l.): Christian Betchen (Geschäftsführer der Kreisbahn Siegen-Wittgenstein), Thomas Knechtel (Managing Director von KombiRail Europe B.V.) und Landrat Andreas Müller (Vorsitzender des Aufsichtsrates der KSW).

In den vergangenen Tagen hat die KSW Kreisbahn Siegen-Wittgenstein GmbH (KSW) eine der modernsten Elektro-Lokomotiven getestet, die derzeit am Markt erhältlich ist: die Bombardier Traxx 187 AC 3 First/Last Mile. Sie ist zusätzlich mit einem Dieselhilfsmotor ausgestattet und kann kurze Strecken sogar nur mit Hilfe einer Batterie bewältigen. Die Testfahrten fanden in den überregionalen Stahlverkehren auf den Strecken vom Dortmunder Hafen und von Ginsheim-Gustavsburg statt. „Es ist das erste Mal seit den 1960er Jahren, dass wir eine E-Lokomotive in unseren eigenen Verkehren einsetzen“, sagt Kreisbahn-Geschäftsführer Christian Betchen. Bisher setzt die KSW ausschließlich auf Dieselloks, die überwiegend auf regionalen Nebenstrecken ohne die für Elektro-Lokomotiven erforderliche Oberleitung unterwegs sind.

Die Bombardier Traxx 187 AC 3 First/Last Mile wurde 2011 als Prototyp auf der weltweit größten Logistikmesse „transport logistic“ in München vorgestellt. Das Besondere: Mit der Last-Mile-Funktion gehört der Wechsel von einer elektrischen Lokomotive hin zu Rangier- oder regulären Dieselloks auf nicht-elektrifizierten Streckenabschnitten der Vergangenheit an. „Das erhöht die Flexibilität für die Bedienung von Terminals, Werksbahnhöfen und Hafenbahnstrecken und sorgt für niedrigere Kosten und eine höhere Effizienz des Schienenverkehrs“, so Betchen. Die relativ wenigen Modelle dieser Baureihe sind alle bei ihren Eigentümern im Dauereinsatz „Eigentlich kommt man an diese Lok selbst für Testfahrten derzeit überhaupt nicht heran“, erläutert Betchen: „Dass uns das gelungen ist, verdanken wir unserem Partner KombiRail, einer indirekten Beteiligungsgesellschaft der Kombiverkehr mit der wir das Südwestfalen Container-Terminal in Kreuztal betreiben werden.“

Für Thomas Knechtel, Managing Director von KombiRail Europe B.V., war es wegen des engen Kontakts zur Betriebsleitung der KSW und seiner regionalen Verbundenheit keine Frage diesen gemeinsamen Test zu ermöglichen: „Als erfahrener E-Traktionär im grenzüberschreitenden Verkehr unterstützen wir unsere Partner gerne dabei, fundierte Betriebserfahrung mit neuen Antriebstechnologien zu sammeln und die Leistungsfähigkeit des Equipments auf den Prüfstand zu stellen.“

Mit den Testfahrten verfolgt die Kreisbahn verschiedene Ziele, erläutert Landrat Andreas Müller, Vorsitzender des Aufsichtsrates der KSW: „Zum einen wollen wir die Belastungsfähigkeit des Diesel-Hilfsmotors testen, auf den wir auf den ersten und letzten Streckenabschnitten ohne Oberleitung angewiesen sind. Die können wir hier vor Ort auf den tatsächlichen Streckenprofilen im Stahltransport ausgiebig im Echtbetrieb ermitteln.“ Zugleich liefern die Testfahrten überprüfbare Verbrauchsdaten. Damit können am Ende die Betriebskosten von reinen Diesel- und Elektroloks auf der topographisch anspruchsvollen Ruhr-Sieg-Strecke an Hand konkreter Zahlen verglichen werden. „Außerdem erproben wir bei diesem Testlauf die Zusammenarbeit mit KombiRail Europe B.V. für künftige Verkehrsprojekte in den Bereichen Lokomotiven- und Personaleinsatz“, so Müller.

Auch Thomas Knechtel sieht in dieser Kooperation einen Win-Win-Situation: „Die Mitarbeiter von KombiRail erlangen Streckenkenntnisse in den KSW-Bestandsverkehren und die Mitarbeiter der Kreisbahn Siegen-Wittgenstein können erste Erfahrungen auf E-Lokomotiven dieses hochmodernen Typs sammeln“. Für die KSW ist es strategisch unverzichtbar, sich laufend mit den modernsten Antriebstechnologien auseinander zu setzen, insbesondere mit dem Ziel, den Kunden im Bedarfsfall auch entsprechende Angebote mit Elektrolokomotiven bei hochfrequenten Streckenverkehren anbieten zu können. „Darüber hinaus versuchen wir, wenn immer möglich, bestehende Partnerschaften zum beiderseitigen Nutzen zu vertiefen, um Synergien in der Ausbildung, beim Ressourceneinsatz oder bei der Geschäftsentwicklung der jeweiligen Partner zu generieren“, so Christian Betchen: „KombiRail und KSW werden deshalb auch künftig schauen, wo Kooperationen möglich und sinnvoll sind.“

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