Trinkwasserversorgung trotz Hitzeperiode gesichert

In Siegen-Wittgenstein herrscht seit Monaten eine extreme Trockenheit. Nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes (DWD) verlief der Juli insgesamt erneut zu warm, bei deutlichem Niederschlagsdefizit und enorm viel Sonnenschein. Nur gelegentlich habe es gebietsweise heftige Gewitter mit unwetterartigem Starkregen und teilweise auch mit Hagel gegeben. „Die Niederschläge führten jedoch nur regional zu einer Entspannung der schon seit Monaten anhaltenden extremen Trockenheit“, so heißt es in einer Pressemitteilung des Deutschen Wetterdienstes.

Diese anhaltende Trockenheit hat Auswirkungen auf den Wasserverbrauch. Obwohl er steigt, muss nicht mit Wasserknappheit gerechnet werden. Die beiden Talsperren – die Obernautalsperre bei Netphen und die Breitenbachtalsperre bei Hilchenbach – sind noch gut gefüllt, wenngleich es durch die Hitzeperiode zu einer höheren Verdunstung von den Talsperrenoberflächen kommt. Weitere Auswirkungen durch die Hitzeperiode sind neben dem geringen Wasserstand der Flüsse eine Reduzierung des Stauinhalts in den Talsperren, welcher auf den Grundablass zurückzuführen ist.

Doch nicht nur die Grundwasserstände sinken durch die Hitze. Auch Bäume sind einer großen Belastung ausgesetzt. Um sie vor größeren Schäden aufgrund der anhaltenden Trockenheit zu retten, haben die Siegener Versorgungsbetriebe (SVB) und der Wasserverband Siegen-Wittgenstein (WVS) Erste Hilfe geleistet. Beide Partner haben für die Bäume der Stadt Siegen insgesamt zwei Millionen Liter Wasser gespendet. Die Bewässerung hat die Freiwillige Feuerwehr Siegen vorgenommen. Darüber hinaus haben viele Bürgerinnen und Bürger mitgeholfen die Bäume und Grünflächen vor den eigenen Haustüren zu gießen. (Unseren Beitrag „Erste Hilfe für Siegens durstige Bäume“ finden Sie hier.)

Im Juli 2018 sind nach Angaben des Wasserverbandes Siegen-Wittgenstein (WVS) 1,6 Millionen m3 Trinkwasser verbraucht worden. Das sind 250.000 m3 mehr als der Jahresdurchschnitt. Die jährlich benötigte Trinkwassermenge im Kreis Siegen-Wittgenstein beträgt circa 16 Millionen m3.

Obernautalsperre bei Netphen (Luftbild: Hans Blossey; Flugdatum: 02.06.2002)

Die Obernautalsperre kann bis zu 14,9 Millionen m3   Trinkwasser speichern und die Breitenbachtalsperre bis zu 8,1 Millionen m3. Nach Angaben des Wasserverbandes Siegen-Wittgenstein beträgt der Wasserstand in der Obernautalsperre derzeit 10,8 Millionen m3 Wasser bzw. 72,1 Prozent (Stand 10.08.2018). Die Breitenbachtalsperre sei nur zu 67 Prozent gefüllt. Am 10.08.2018 enthält sie nach Angaben des WVS 5,2 Millionen m3 Trinkwasser.

Der Wasserverband Siegen-Wittgenstein, der am
9. September 1953 als Wasserverband Siegerland gegründet wurde, ist in unserer Region für die Beschaffung, Aufbereitung und Bereitstellung von Trink- und Brauchwasser zuständig. Allerdings beliefert er nicht die einzelnen Haushalte selbst sondern die Städte und Gemeinden im Kreisgebiet. Die kommunalen Wasserwerke erhalten das vom WVS aufbereitete Trinkwasser (= Reinwasser) über ein flächendeckendes Transportleitungsnetz. Dieses hat eine Länge von rund 320 km. Weiterhin gibt es 29 Pumpwerke, die dafür sorgen, dass so mancher Höhenmeter der Mittelgebirgslandschaft überwunden werden kann. Außerdem enthält das Transportleitungsnetz 28 Hochbehälter, in denen das Trinkwasser auf dem Weg zu den Kommunen für kurze Zeit zwischengespeichert und dann bedarfsgerecht weitergeleitet wird. Die kommunalen Wasserversorger verteilen es zu den rund 300.000 Einwohnern. Darüber hinaus beliefert der WVS die Stadt Biedenkopf und die Gemeinde Breidenbach im benachbarten Hessen mit Wasser zur Teilversorgung.

Breitenbachtalsperre bei Hilchenbach (Luftbild: Hans Blossey; Flugdatum: 02.06.2002)

Zur Wassergewinnung stehen dem WVS neben der Obernau- und der Breitenbachtalsperre eine Reihe von Grundwassergewinnungsanlagen zur Verfügung. So betreibt der Verband drei Grundwassergewinnungs- anlagen, die nicht an das allgemeine Transportleitungsnetz angeschlossen sind: Zinse, Wunderthausen und Girkhausen. Die kleinste der drei Anlagen ist die in der Zinse. Sie läuft autark und hat einen Verbrauch von 15 m3 bis 30 m3/Tag. Da das Rohwasserdargebot zurückgegangen ist, erhält die Grundwassergewinnungsanlage in der Zinse im Moment Wasserlieferungen aus einem Tankwagen. Mithilfe der Grundwassergewinnungsanlagen läuft die Wasseraufbereitung beim WVS derzeit auf Hochtouren.

Beim WVS, der sich im Laufe der Jahrzehnte zu einem bedeutenden Arbeitgeber entwickelt hat, sind mehr als 70 Mitarbeiter beschäftigt. Sie sorgen dafür, dass Trink- und Brauchwasser in ausreichender Menge und gleichbleibender Qualität zur Verfügung steht. Jährlich führt der WVS bis zu 38.000 Einzelanalysen von 3.500 Proben durch. Weiterhin arbeitet der Verband mit einer unabhängigen und zugelassenen Untersuchungsstelle zusammen, die das Rohwasser (= noch nicht aufbereitetes Wasser) regelmäßig untersucht und auch Proben für das Gesundheitsamt analysiert.

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