Im Rahmen des 2. SDFS Impulsforums mit dem Titel „Nachhaltig. Wettbewerbsfähig. Schlüsseltechnologien für die Produktion von morgen“ präsentierte sich die SDFS Smarte Demonstrationsfabrik Siegen GmbH jetzt mehr als 200 Gästen aus Industrie, Universität und Politik. Im Mittelpunkt standen zukunftsweisende Forschungsprojekte und eine Industriemesse auf der heute 2.000 Quadratmeter großen Produktionsfläche des Campus Buschhütten. Hochkarätige Impulse aus Wissenschaft, Anwendungsforschung und industrieller Praxis unterstrichen die Relevanz des Themas. Zu den Referentinnen und Referenten zählten unter anderem Prof. Dr. Friederike Welter, Prof. Dr. Christina Reuter, Dr. Stefan Breit, Rainer Klug, Benno Blumoser und Prof. Dr. Peter Burggräf.
Das Impulsforum machte sichtbar, welche industrielle Innovationskraft in Südwestfalen steckt und setzte einmal mehr Impulse für eine New Industry, die nachhaltig, digital und international wettbewerbsfähig bleibt. „Denn“, so Prof. Dr. Peter Burggräf, „die deutsche Industrie ist nicht gefährdet, weil sie schwach ist. Vielmehr steht sie unter Druck, weil sich ihr bisheriges Erfolgsmodell zunehmend überholt: Digitale Transformation und Klimawandel verlangen von den Unternehmen, sich schneller und konsequenter neu aufzustellen. Genau hier setzt New Industry an.“
Das bedeutet: Die vorhandene industrielle Substanz wie technologische Exzellenz, hohe Qualität, Präzision und ein tiefes Verständnis industrieller Wertschöpfung muss sich mit anderen Schwerpunkten und ergänzt um neue Themen zu neuer Stärke formieren. Zu diesen neuen Themen zählt die konsequente Verankerung der Nachhaltigkeit in alle produktionstechnischen Innovationsprozesse. Nachhaltigkeit wird dabei nicht nur ökologisch verstanden, sondern als Dreiklang von Ökologie, Ökonomie und Sozialem.
Durch den gezielten Einsatz von KI können Produktivität erhöht, Qualität gesichert sowie der Einsatz von Energie und Ressourcen gesenkt werden. Digitalisierung und Nachhaltigkeit müssen konsequent zusammen gedacht werden. Damit geht es bei New Industry im Kern um die nachhaltige Transformation der Industrie mit KI, Daten und nicht zuletzt auch um Verantwortung, treffend als Twin Transformation bezeichnet.
Im Rahmen des Impulsforums übergab Staatssekretär Viktor Haase in Vertretung für NRW-Umweltminister Oliver Krischer den Förderbescheid über 22,46 Millionen Euro für das REGIONALE 2025-Projekt GreenFactory. Die Förderung läuft über drei Jahre ab dem 1. Juli 2026. Mit der GreenFactory wird der Campus Buschhütten durch die Ertüchtigung einer weiteren ehemaligen Produktionshalle (ebenfalls aus den 1890er-Jahren) erweitert. Dort entsteht ein Forschungs- und Transferzentrum für kreislauffähige Produktion, nachhaltige Gebäudenutzung und industrielle Ressourceneffizienz.
Projektträger ist die SDFS Smarte Demonstrationsfabrik Siegen GmbH. Projektpartner sind sechs Lehrstühle der Universität Siegen sowie das am Campus Buschhütten ansässige Start-up Smart Plastify. Damit entsteht in Südwestfalen unter dem Dach des Campus Buschhütten ein Leuchtturmprojekt für Kreislaufwirtschaft und ein weiterer Knotenpunkt für die Produktion der Zukunft.
Die GreenFactory bündelt zwei zentrale Entwicklungsfelder: Im Bereich Green Manufacturing entstehen Lösungen für kreislauffähige Metall- und Kunststoffbearbeitung sowie für den Einsatz nachwachsender Rohstoffe. Im Bereich Green Building geht es um den nachhaltigen Umgang mit bestehenden Industriegebäuden mit dem Ziel, einen Leitfaden für die ressourcenschonende Ertüchtigung von Industriebestand zu erstellen. „Die Green Factory ist ein echtes Leuchtturmprojekt für das Thema Kreislaufwirtschaft in Südwestfalen“, lobte Haase das Projekt: „Die Verbindung aus Industriekompetenz, Forschung und Transfer hat das große Potenzial, vom Campus Buschhütten in die gesamte Region zu wirken. Kreislaufwirtschaft in industrielle Produktion zu überführen, schont nicht nur Umwelt und Ressourcen, es spart Betrieben auch Geld und Energie und zeigt ihnen neue zirkuläre Geschäftsmodelle auf. Die Green Factory schafft somit insbesondere für kleine und mittlere Industriebetriebe neue Zukunftsperspektiven.“
Es gibt insgesamt drei Erfolgsfaktoren:
- Erstens folgt der Campus Buschhütten mit der SDFS Smarte Demonstrationsfabrik Siegen GmbH dem Prinzip des Reallabors. Unter einem Dach treffen Forschungswissen, industrielle Erfahrung und Marktwissen aufeinander. Nachhaltigkeit und Digitalisierung werden gemeinsam gedacht, Innovationsprozesse gezielt angestoßen und neue Erkenntnisse in den Microfactories schnell demonstriert und in die Anwendung gebracht. Unternehmen aus Industrie und IT – aus Südwestfalen und darüber hinaus – erhalten so konkrete technologische Impulse, welche sie für ihre eigene Wettbewerbsfähigkeit nutzen können.
- Zweitens verfolgt der Campus Buschhütten einen ganzheitlichen Transferansatz. Gewonnene Erkenntnisse fließen nicht nur in die universitär-technische Lehre ein, sondern darüber hinaus in die gewerblich-technische Aus- und Weiterbildung in der SLB Smarte Lernfabrik Buschhütten gUG, ebenfalls unter dem Dach des Campus Buschhütten.
- Drittens prägt ein Mindset der Offenheit die Zusammenarbeit im Campus Buschhütten: Offenheit für unterschiedliche Perspektiven, für neue technologische Themen und für den Austausch zwischen Wissenschaft, Industrie und Bildung. Dahinter steht die Überzeugung, dass Wissen sich mehrt, wenn man es teilt.
NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst sagte bei seinem Besuch am 17. Mai 2023: „Hier ist jeder Euro gut angelegt.“ Darauf nimmt Dr.-Ing. Carl René Sauer, Geschäftsführer der SDFS Bezug und verspricht: „Im REGIONALE 2025-Projekt GreenFactory mit einer mehr als dreimal so hohen Förderung werden wir alles daransetzen, dass er diesen Satz in ein, zwei Jahren wiederholen würde.“


Kommentar hinterlassen zu "Campus Buschhütten wird zum Leuchtturm für kreislauffähige Industrieproduktion"