Ab Oktober rollen die Bagger auf dem Campus

Die Universität Siegen erreicht beim THE Engineering and Technology Subject Ranking einen Platz unter den besten 400 Universitäten weltweit. Unter anderem spielen die Qualität von Lehre und Forschung sowie die internationale Ausrichtung eine Rolle bei der Auswahl.

Es ist eines der größten Modernisierungsprojekte an Hochschulen in NRW. Und es ist ambitioniert. Auf dem Campus Adolf-Reichwein-Straße der Uni Siegen werden ab Oktober die Bibliothek, die Mensa samt Foyer und die beiden Büro- und Seminargebäude AR-H und AR-K komplett erneuert. Das entspricht knapp 34.000 Quadratmetern – und umfasst damit ein Drittel der gesamten Campusfläche. „Es wird eine Zeit geben, in der es ruckelt und in der viele ihre Komfortzone verlassen müssen. Aber mit dem Wissen, dass hinterher alles schöner ist, lässt sich das in Kauf nehmen“, erklärte Uni-Kanzler Ulf Richter. Im Rahmen einer Pressekonferenz stellte die Universität das Modernisierungsprojekt und die damit einhergehende Interimslösung gemeinsam mit Vertretern des Bau- und Liegenschaftsbetriebs (BLB) NRW und des Studierendenwerks Siegen vor.

40 Jahre haben die zu sanierenden Gebäude mittlerweile auf dem Buckel. Ausgelegt waren sie ursprünglich für rund 25 Jahre. Ein Problem, das die Uni Siegen mit vielen anderen Hochschulen im Land teilt. Um den Sanierungsstau aufzulösen, hat die Landesregierung 2015 das so genannte Hochschulbaukonsolidierungsprogramm (HKoP) aufgelegt. Die Uni Siegen habe einen „brillanten Plan“ vorgelegt, berichtete Helmut Heitkamp, Niederlassungsleiter des BLB in Dortmund. Mit dem Förderantrag habe man bereits ein genehmigtes Raumprogramm vorweisen können. Diese Vorarbeit lohnte sich: Die Uni schaffte es in die höchste Kategorie des HKoP-Programms. Und: Sie ist die erste Hochschule im ganzen Land, die mit ihrem Modernisierungs-Projekt starten kann.

„Die Uni Siegen geht wirklich einen beeindruckend schnellen Weg“, lobte BLB-Niederlassungsleiter Heitkamp. Das liege nicht zuletzt an einem besonderen Vergabeverfahren, mit dem BLB und Uni ein Pilotprojekt umsetzen. Bauausführung und Planung wurden dabei gekoppelt ausgeschrieben und vergeben. „Auf diese Weise konnten wir das ansonsten sehr langwierige und aufwändige Vergabeverfahren deutlich verkürzen“, erläuterte Heitkamp. Bis zu zwei Jahre Zeit für die Planung und Umsetzung des Projekts werden so eingespart. Schon im Oktober 2017 sollen auf dem Adolf Reichwein-Campus die Bagger anrollen. Läuft alles nach Plan, wird die Modernisierung im November 2019 abgeschlossen.

Für die Bauphase hat das Baudezernat der Universität eine Interimslösung entwickelt. Denn die Campus-Modernisierung wird im laufenden Betrieb umgesetzt. Ein Vorgehen, das zwar aufwändig ist, aus Sicht von Uni-Kanzler Ulf Richter aber gleichzeitig alternativlos: „Würden wir den Campus in vielen kleinen Abschnitten sanieren, hätten wir hier über viele Jahrzehnte eine Baustelle. Das möchte niemand“, erklärte Richter. Da „Nichtstun“ ebenfalls keine Alternative darstellte, wird ein zentraler Bestandteil des Campus nun in einer gebündelten Aktion saniert.

Um Ersatz für die knapp 300 Büros und 31 Seminarräume im Sanierungsbereich sowie die Bibliothek und die Versorgungsbetriebe des Studierendenwerks zu schaffen, hat die Universität zusätzliche Gebäude angemietet. Die ehemalige Haardter-Berg-Schule dient als Interims-Seminarzentrum, ein Großteil der Bibliothek zieht vorübergehend in ein Ersatzgebäude an der Weidenauer Straße. Für Mensa und Cafeteria sind auf einer ehemaligen Freifläche auf der westlichen Campusseite Modulbauten entstanden, ebenso für die Philosophische Fakultät. Das Bistro wird in einen Modulbau auf dem Hölderlin-Campus ziehen.

Auch für das Studierendenwerk sind die bevorstehenden zwei Jahre eine „stramme Herausforderung“, wie Geschäftsführer Detlef Rujanski deutlich machte. Allein der Umzug der Mensa in das Interimsgebäude sei ein logistischer Kraftakt: „Wir müssen ja nicht nur ein paar Pfannen und Töpfe von A nach B transportieren, sondern teils tonnenschwere Großgeräte.“ Ende September/ Anfang Oktober soll der Umzug über die Bühne gehen. Man werde ein verlängertes Wochenende nutzen und dann sofort wieder in den Betrieb starten, versprach Rujanski. Insgesamt muss das Studierendenwerk in Mensa, Cafeteria und Bistro während der Übergangszeit auf etwa ein Drittel der Sitzplätze verzichten. „Es wird eng, aber wir gehen mit einer maximal positiven Einstellung in die kommenden zwei Jahre“, sagte Rujanksi.

Entwarnung gab der BLB für die Anwohner auf dem Haardter Berg. Der Baustellenverkehr werde nicht durch das Wohngebiet fahren, erklärte Niederlassungsleiter Helmut Heitkamp. Da es sich bei dem Projekt nicht um einen Neubau, sondern um eine Sanierung handele, fallen weniger intensive Arbeiten wie der Guss eines Fundaments und damit verbundene Erd- und Betonbewegungen an. Außerdem wird ein Leitsystem für eine geordnete Anfahrt der LKW sorgen, sodass sich der Verkehr in Grenzen hält. Baufirmen können online Zeitfenster buchen, in denen sie die Baustelle anfahren können.

Die Anstrengung wird sich für die Uni Siegen lohnen – daran haben alle Beteiligten keinen Zweifel. Es gehe nicht nur darum, die zu sanierenden Gebäude technisch auf den neusten Stand zu bringen, sondern darum, „zukunftsfähige“ Arbeitsbedingungen für Studierende und Beschäftigte zu schaffen, erklärte Richter und betonte: „Der Standort Siegen wird dadurch deutlich an Attraktivität gewinnen. Für uns ist das eine unglaubliche Chance.“

Hintergrund
Im Rahmen des HKoP-Programms werden auf dem Adolf Reichwein-Campus der Uni Siegen die Gebäudeteile AR-M, AR-UB, AR-H und AR-K modernisiert. Beginn der Arbeiten ist im Oktober 2017, beendet werden sie voraussichtlich im November 2019. Für das Projekt steht ein Gesamtbudget von 113,7 Millionen Euro zur Verfügung (einschließlich Risikorücklagen und Finanzierungskosten). 11 Prozent der Kosten bringt die Universität Siegen auf. Weitere Informationen zur Campusmodernisierung und der Interimslösung auf www.uni-siegen.de/baut

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