Passende Fort- und Weiterbildungen für Beschäftigte sind ein zentraler Schlüssel zur Sicherung der Beschäftigungsfähigkeit in einer sich rasant wandelnden Arbeitswelt. Gerade für kleine und mittlere Unternehmen (KMU) leisten sie einen wichtigen Beitrag zur Fachkräftesicherung sowie zur Innovations- und Wettbewerbsfähigkeit. Genau hier setzt das neue Verbundprojekt „Weiterbildungsmentor:innen (WBM) in Siegen-Wittgenstein“ an.
Mit einer Gesamtfördersumme von fast 800.000 Euro wird das aus Mitteln des Bundesministeriums für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMBFSFJ) geförderte Projekt bis Ende 2028 umgesetzt. Ziel ist es, das Konzept des Weiterbildungsmentorings im Kreis Siegen-Wittgenstein branchenübergreifend zu etablieren und somit die berufsbezogene Weiterbildung im ländlichen Raum nachhaltig zu stärken.
Umgesetzt wird das Kooperationsprojekt vom Bildungszentrum Wittgenstein (BZW), dem Berufsbildungszentrum (bbz) der IHK Siegen sowie dem Institut für Forschung, Training und Projekte (iftp) im bfw – Unternehmen für Bildung (Berufsfortbildungswerk Gemeinnützige Bildungseinrichtung des DGB GmbH).
Begleitet wird das Projekt von einem starken, sozialpartnerschaftlichen Netzwerk regionaler Akteure, darunter die DGB-Region Südwestfalen, die Arbeitgeberverbände Siegen-Wittgenstein (AGV), die IHK Siegen, die Agentur für Arbeit Siegen sowie die Regionalagentur des Kreises. Diese enge Zusammenarbeit stellt sicher, dass die Interessen von Beschäftigten und Betrieben gleichermaßen berücksichtigt werden und eine trägerneutrale Beratung gewährleistet ist.
Orientierung im „Weiterbildungsdschungel“
Trotz des steigenden Weiterbildungsbedarfs besteht in vielen Betrieben ein hoher Beratungsbedarf, um sich im unübersichtlichen Angebot an Qualifizierungsmaßnahmen zurechtzufinden. Hier setzt das Konzept des Weiterbildungsmentorings an: Weiterbildungsmentoren und Weiterbildungsmentorinnen ermitteln auf Augenhöhe Qualifizierungsbedarfe, motivieren Kolleginnen und Kollegen und beraten niedrigschwellig zu passgenauen Weiterbildungsangeboten. Auf diese Weise soll insbesondere die Weiterbildungsbeteiligung formal gering oder nicht qualifizierter Beschäftigter erhöht werden. Im Rahmen des Projekts werden eine kostenfreie Qualifizierung, regionale Vernetzung sowie eine fachliche Begleitung der Weiterbildungsmentoren und Weiterbildungsmentorinnen während der gesamten Projektlaufzeit angeboten.
Mehrebenen-System für den ländlichen Raum
Kern des Projekts ist die Entwicklung und Erprobung eines Mehrebenen-Systems des Weiterbildungsmentorings. Auf betrieblicher Ebene werden interessierte Fachkräfte des beruflichen Bildungspersonals, insbesondere Ausbilderinnen und Ausbilder, aus Unternehmen verschiedener Branchen zu Weiterbildungsmentoren und Weiterbildungsmentorinnen qualifiziert. Sie wirken anschließend direkt im Betrieb als Ansprechpersonen für Weiterbildung und kontinuierliches Lernen. Ergänzend werden auf überbetrieblicher Ebene Weiterbildungsmentoren und Weiterbildungsmentorinnen an überbetrieblichen Bildungsstätten (ÜBS) etabliert. Diese sprechen branchenübergreifend Beschäftigte an und setzen das Weiterbildungsmentoring als externe Mentorinnen und Mentoren um. Gerade für Kleinstunternehmen ohne eigene personelle Ressourcen eröffnet dieser Ansatz einen niedrigschwelligen Zugang zu Beratung und Unterstützung.
Multiplikator:innen für nachhaltige Strukturen
Durch ihre erweiterte Rolle können Weiterbildungsmentoren und Weiterbildungsmentorinnen aufbauend auf bestehenden Ausbildungsaktivitäten lernförderliche Strukturen in Unternehmen anstoßen, Weiterbildungshemmnisse abbauen und lebensbegleitendes Lernen stärken. Insbesondere die außerbetrieblichen Weiterbildungsmentoren und Weiterbildungsmentorinnen übernehmen zudem eine Multiplikator-Funktion, machen den Mehrwert von Weiterbildung sichtbar und begleiten die Gewinnung weiterer Mentorinnen und Mentoren. So soll langfristig eine
nachhaltige Struktur zur Etablierung von Weiterbildungsmentoring in Siegen-Wittgenstein entstehen.

Die Stärkung der berufsbezogenen Weiterbildung ist zentraler Baustein des Weiterbildungsmentorings in Siegen-Wittgenstein. Foto: pixabay/ jannonivergall.
Antwort auf den Strukturwandel in Siegen-Wittgenstein
Siegen-Wittgenstein zählt mit einem Industrieanteil von nahezu 50 Prozent zu den stärksten Industrieregionen Deutschlands, ist jedoch zugleich durch eine ländliche Struktur geprägt. Diedezentrale Lage vieler Betriebe erschwert den Zugang zu Weiterbildungsinformationen, während der technologische Wandel den Qualifikationsbedarf weiter erhöht. Das Projekt erprobt daher gezielt den Zugang zu KMU über überbetriebliche Bildungsstätten als zentrale Akteure der Berufsbildung und als wichtige Netzwerker im ländlichen Raum.
Text: Unternehmen / Foto: pixabay

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