3000t-Presse für die schwersten Stahlträger der Welt

Unser Bild zeigt einen Stahlträger auf der 3000t-Presse bei der Röcher Maschinen GmbH & Co. KG.

Bei der Firma Röcher in Dreis-Tiefenbach stand kürzlich eine hydraulische 3000t-Presse bereit zum Transport in ein luxemburgisches Stahlwerk. Der Kunde ArcelorMittal betreibt dort am Standort Differdingen unter anderen eine Walzstraße für die weltweit schwersten Stahlträger (so genannte Jumbos). Diese Erzeugnisse finden vor allem beim Bau von Superwolkenkratzern Verwendung und zwar im Bereich der unteren Stockwerke, wo besonders hohe Lasten aufgenommen werden müssen. Die unter Fachleuten als Doppel-T-Träger bekannten Profile sind nach dem Warmwalzen und abschließenden Abkühlen nicht gerade genug, um auf der Baustelle verwendet zu werden. Daher ist ein Richtvorgang vor der Auslieferung erforderlich. Erfahrene Ma­schinenbediener sind in der Lage, im Wesentlichen mit dem Auge die Träger in die erforderliche Geradheit zu bringen, wenn eine Maschine entsprechender Leistung und Ausrüstung zur Verfügung steht. Die nunmehr von Röcher gebaute Anlage erfüllte nach ersten Tests voll die Erwartungen des Kunden auch bei den besonders schwierig zu richtenden Profilen.

Das Team der Röcher Maschinen GmbH & Co. KG vor der Presse und hinter einem der gewaltigen Doppel-T-Träger, die zukünftig auf der Anlage gerichtet werden.

Interessantes Detail am Rande: Von den erfolgreichen Tests sind noch zwei beeindruckende Träger mit einem Gesamtgewicht von etwa 25 t „übrig“. In diesem Zusammenhang möchte Röcher den Erlös aus der Verwertung der beiden Jumbos spenden und sucht noch Interessenten für eine sinnvolle – gerne auch kreative – Anwendung. Wer dazu Ideen oder Lösungen beisteuern kann, darf sich gerne bei der Geschäftsleitung von Röcher melden.

Der Auftrag zur Lieferung der Richtpresse wurde Röcher gegen starken weltweiten Wettbewerb erteilt. Dafür war neben der vorhandenen Kompetenz im Bau derartiger Anlagen auch die Fähigkeit maßgeblich, eine relativ kurze Lieferzeit zu realisieren. Aufgrund der vorhandenen guten Auslastung erfolgte die Durchführung des Projekts mit Un­terstützung externer Partner. Auch in diesem Punkt zeigt sich einmal mehr die hervorragende industrielle Infrastruktur des Siegerlands als besonders hilfreich.

Die Herstellung von Richtanlagen ist nur ein Ge­schäftsfeld der Röcher Ma­schinen GmbH und Co. KG. Traditionell besteht ein we­sentlicher Teil der Aktivitäten in der Herstellung von hydraulischen Pressen für die Blechverarbeitung. Diese Ma­schinen werden beispielsweise an Automobilzulieferer oder Hersteller von Fördertechnik, Elektrogeräten oder Haushaltsartikeln geliefert. Dazu gehören auch etliche Kunden in der Region.

Für Werkzeugbauer sind spezielle und maßgeschneiderte Werkzeugprobierpressen im Angebot. Darüber hinaus nutzen verschiedenste Kunden die bei Röcher vorhandenen Kompetenzen im Bereich von Konstruktion, Hydraulik und Steuerung z. B. für den Bau von Sondermaschinen oder dem Umbau vorhandener An­lagen. Einige Anlagen sind so anspruchsvoll, dass die jeweiligen Kunden mit Röcher Ge­heimhaltungsvereinbarungen getroffen haben und daher einige besondere Highlights gar nicht genannt werden dürfen. Im regionalen Umfeld werden gerne auch Sicherheitsüberprüfungen und Service von vorhandenen Anlagen nachgefragt und realisiert. Dies erfolgt unabhängig vom Fabrikat der Pressen.

Der überwiegende Teil der bei Röcher tätigen Mitarbeiter wurde selbst ausgebildet. Bedingt durch das kontinuierliche Wachstum der letzten Jahre konnten aber auch immer wieder neue Einstellun­gen vorgenommen werden. So ist über die Jahre ein Team von einsatzbereiten und vielseitigen Mitarbeitern gewachsen, mit deren Hilfe immer wieder anspruchsvolle Aufgaben bewältigt werden konnten. Für interessierte Bewerber, die Technik mögen und anpacken wollen, steht die Tür auch weiterhin offen.

Die jetzigen Inhaber Frieder Lingemann und Heiko Röcher haben die Firma im Jahr 2000 übernommen. In den ersten Jahren ging es zunächst darum, die Firma mit damals ca. 20 Mitarbeitern zu stabilisieren. Dabei war auch die Sparkasse Siegen ein verlässlicher Partner. Nach und nach konnten bestehende Aktivitäten erweitert und neue Geschäftsfelder erschlossen werden, so dass heute eine Mitarbeiterzahl von etwa 50 erreicht wurde. Bis zum Jahre 2011 war der Standort von Röcher in gemieteten Räumlichkeiten auf dem Deuma-Gelände in Deuz. Nach einer kurzfristigen Kündigung durch den zwischenzeitlich in Insolvenz gegangenen Vermieter musste innerhalb kürzester Zeit ein neuer Standort gefunden werden. Dies konnte durch eine neue Verteilung der Aktivitäten im Firmenverbund sowie den Neubau einer Halle für Schwermontage inklusive 80t-Kran realisiert werden. Auch dabei konnte man sich auf die Unterstützung der Banken, im einzelnen der Stadtsparkasse Freudenberg und der Sparkasse Siegen, verlassen.

Nach nunmehr sechs erfolgreichen Jahren am neuen Standort in Dreis-Tiefenbach können Unternehmensleitung und Mitarbeiter zufrieden und dankbar feststellen, dass die damalige Entscheidung richtig war. Die Firma ist mit er­weiterten Möglichkeiten und solidem finanziellen Fundament auf nachhaltigem Er­folgskurs. Man darf also ge­spannt sein, welche Highlights in Zukunft die Hallen verlassen werden.

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