Siegerländer Familienunternehmen kritisieren Forderungen der IG Metall

Im Bild (von links): Nina Patisson und Jan Henrik Leisse, Albrecht Bäumer GmbH & Co. KG, Mark Georg, Heinrich Georg GmbH Maschinenfabrik, André E. Barten, Achenbach Buschhütten GmbH & Co. KG, und Dr. Thorsten Doublet, VdSM Verband der Siegerländer Metallindustriellen e.V.

Warnstreiks und weit drastischere Streikandrohungen beschäftigen die Siegerländer Familienunternehmen Heinrich Georg Maschinenfabrik, Achenbach Buschhütten und Albrecht Bäumer zunehmend. Denn die IG Metall versucht aktuell neben den üblichen Entgelterhöhungen zum ersten Mal auch eine Reduzierung der Arbeitszeit auf bis zu 28 Stunden durchzusetzen, einschließlich Rückkehrrecht in Vollzeit und insbesondere den Teillohnausgleich für bestimmte Beschäftigtengruppen. Dieser Konflikt wird dabei aus Sicht der Unternehmen gerade bei den Firmen ausgetragen, die sich der Forderung nach Vereinbarkeit von Arbeit und Leben seit Jahren schon verpflichtet fühlen. Das machten die Unternehmen heute in einem Pressegespräch im Haus der Siegerländer Wirtschaft in Siegen deutlich.

Die Familienunternehmen Georg, Achenbach Buschhütten und Bäumer sehen  ihre Interessen im derzeitigen Flächentarifvertragssystem nicht gut vertreten und sorgen sich ernsthaft um die Zukunft ihrer Betriebe und um die Arbeitsplätze in der Region. Da sie weder zu den Kleinbetrieben noch zu den konzernähnlichen Großunternehmen gehören, tun sie sich mit den pauschalen Forderungen der IG Metall schwer, die sich an die ganze Metall- und Elektroindustrie richten, nun aber in die heimischen Betriebe hineingetragen werden.

Georg, Achenbach Buschhütten und Bäumer bieten nach eigenen Angaben insgesamt 1.200 Menschen Arbeit im Siegerland und eine ganze Menge mehr bei Zulieferern und Partnern. 85 Millionen Euro Personalkosten fallen dafür durchschnittlich pro Jahr an, weitere zehn Millionen Euro werden jedes Jahr in die Erhaltung der Arbeitsplätze am Standort Siegerland investiert. Aktuell sind die Auftragsbücher voll, jede Hand wird dringend zur Erfüllung der Aufträge gebraucht und der wachsende Fachkräftemangel ist bereits deutlich zu spüren. Engpässe in allen Fachbereichen können schon lange nicht mehr durch Neueinstellungen behoben werden. André Barten, Geschäftsführer von Achenbach Buschhütten betont: „Unsere Mitarbeiter wissen, dass wir als Siegerländer Familienunternehmer zu Ihnen halten, so wie sie es für uns tun. Das gilt in guten wie in schlechten Zeiten. Variable Arbeitszeiten, sei es für Innovationen, für die Familie oder für den derzeit hohen Auftragsbestand sind unser Trumpf im internationalen Wettbewerb, den wir uns durch eine starre 28-Stunden-Woche nicht kaputt machen lassen dürfen.“

Vielmehr wäre es sinnvoll und notwendig die tarifvertraglichen Regelungen für ein variables, bedarfsgerechtes und modernes Arbeitszeitregime umzubauen, so die Unternehmer. Dazu gehört aus Sicht der Arbeitgeber besonders die Möglichkeit, bei Bedarf die Arbeitszeit zwischen 20 und 40 Wochenstunden hinaus variabel und individuell anzupassen. Wenn die ohnehin knappen Fachkräfte in den Unternehmen ihre Wochenarbeitszeit auf pauschal 28 Stunden verringern, können Aufträge nicht mehr abgewickelt werden, zwingend notwendige Schichtarbeit wird zur Unmöglichkeit und jegliche Planbarkeit geht verloren. Mark Georg, Geschäftsführer der Heinrich Georg Maschinenfabrik: „Unser tägliches Handeln im Familienunternehmen ist geprägt durch das Bewusstsein, langfristig und nachhaltig Verantwortung zu tragen. Der kurzfristige Vorteil, der schnelle Euro oder der so beliebte Shareholder Value interessieren uns weniger. Der von der Gewerkschaft geforderte Rechtsanspruch auf eine Arbeitszeitreduzierung auf 28 Stunden steht im krassen Gegensatz zu unserem Langfristdenken und untergräbt die im Mittelstand längst vorhandenen individuellen Arbeitszeitmodelle.“

Auch Nina Patisson, Geschäftsführende Gesellschafterin von Albrecht Bäumer, kritisiert diese Forderung der IG Metall: „Bei uns ist kein Mitarbeiter eine Nummer, sondern unsere Mitarbeiter sind Persönlichkeiten, deren Bedürfnisse uns wichtig sind. Wir bieten ihnen auch heute schon zahlreiche individuelle Teilzeitmodelle an, die auf ihre Belange zugeschnitten sind. Eine tarifliche Vorgabe, die für alle Beschäftigten gleich gilt, ist daher für unsere Mitarbeiter eher eine Einschränkung als ein Fortschritt.“ Der Teillohnausgleich für bestimmte Beschäftigungsgruppen, die auf 28-Stunden-Teilzeit reduzieren, würde zudem zu einer Ungleichbehandlung von Beschäftigten führen, nämlich unterschiedlichen Stundenlöhnen für gleiche Arbeit. „Diese Regelung ist unserer Meinung nach nicht vermittelbar und würde ernsthaft den Betriebsfrieden gefährden“, so Patisson.

Die Unternehmen fordern daher von den Tarifvertragsparteien die Einführung von Öffnungsklauseln, die ihnen insbesondere auch im Hinblick auf konjunkturelle Schwankungen Möglichkeiten bieten, in den Betrieben individuelle Lösungen anzubieten. Vor diesem Hintergrund müssen die Tarifvertragsparteien den bisher beschriebenen Weg eines von den Unternehmen als zu starr empfundenen Flächentarifvertragssystems verlassen und in einem viel größeren Umfang als bisher differenzierende Elemente in den Flächentarifvertrag verankern. Der Verbleib im Flächentarifvertragssystem ist nur dann gewährleistet.

Die Unternehmer zeigen sich zudem betroffen davon, dass Forderungen, die die Mittelständler und insbesondere die Arbeitsplätze ernsthaft gefährden, mit aller Macht durchgesetzt werden sollen. In die Zange genommen von Kostendruck, Fachkräftemangel und einer großen Unplanbarkeit der Arbeitsabläufe und damit der Produktivität, so die drei Unternehmer, müssten irgendwann weitere Investitionen am Standort infrage gestellt werden. Denn dann können die für die Wettbewerbsfähigkeit notwendigen Standards nicht mehr gehalten werden.

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