Stärkung und Erhalt der Gesundheit von Mitarbeitern spielen im betrieblichen Alltag eine immer größere Rolle: „Die Krankheitstage in den Betrieben steigen seit mehreren Jahren an. Das wachsende Durchschnittsalter der Beschäftigten und der anhaltende Mangel an Fach- und Arbeitskräften, verschärft durch die schwierige wirtschaftliche Lage, belasten die Betriebe zusätzlich. Deshalb sind Gesundheitsmaßnahmen im Betrieb besonders wichtig“, erklärt Adrian Schöps von der IHK Siegen. „Investitionen in Gesundheitsmaßnahmen zahlen sich aus: Ein gesundes Arbeitsumfeld steigert die Produktivität, stärkt das Unternehmensimage und hilft, Mitarbeiter langfristig zu binden. So können dringend benötigte Fachkräfte gewonnen und gehalten werden.“ Gesundheitsfördernde Maßnahmen wirken gleich mehrfach: Sie reduzieren krankheitsbedingte Fehlzeiten, erhöhen Motivation und Zufriedenheit der Belegschaft und leisten einen wichtigen Beitrag zur Prävention von Berufskrankheiten.
Gerade kleine Unternehmen sind jedoch häufig unsicher, welche Maßnahmen sinnvoll und praktikabel sind. Aus diesem Grund hat der Arbeitskreis Demografie die Workshop-Reihe der Gesundheitsscouts initiiert. Melanie Schreier, Projektkoordinatorin der Regionalagentur der Kreise Siegen-Wittgenstein und Olpe, erläutert: „Gesundheitsscouts sind Beschäftigte, die innerhalb des Unternehmens Impulse für die betriebliche Gesundheitsförderung setzen. Sie sensibilisieren für das Thema Gesundheit, stoßen Veränderungen an und erarbeiten Maßnahmen, die den Arbeitsalltag nachhaltig verbessern.“
Gesundheitsscouts: Mit Workshops zum Ziel
In fünf Workshops erarbeiteten die teilnehmenden Unternehmensvertreter aus unterschiedlichen Branchen wertvolle Erkenntnisse rund um das Thema Betriebliche Gesundheit. Neben Impulsvorträgen standen dabei auch praxisnahe Übungen auf dem Programm. Zum Auftakt führte Referentin Maria Röming von GEQUAMA in das Thema „Gesundheitsscouts – Individuelle Gesundheit im Fokus“ ein und gab konkrete Handlungsempfehlungen für den Einstieg ins Betriebliche Gesundheitsmanagement (BGM). Besonderes Augenmerk legte sie dabei auf die Arbeitsorganisation und deren Einfluss auf die individuelle Gesundheit.
Im zweiten Workshop definierte Dr. Sebastian Beitz, Dozent für Arbeits- und Organisationspsychologie der Universität Wuppertal, die Rolle von Führung für eine gesunde Kommunikationskultur im Unternehmen. Nach einem Exkurs zum Thema Arbeitsschutz von Dr. Regina Masius vom Arbeitsmedizinischen Zentrum (AMZ) Siegerland e.V. präsentierte Andrea Faller „Gesundheit wirksam gestalten: Individuelle Resilienz und präventive Verantwortung im Unternehmen“. André Remmert-Klinken (rk-wege) widmete sich im vierten Workshop dem Thema Burnout. In seinem Vortrag „Stressbedingte Erschöpfung (Burnout) auf der Spur – Anzeichen, Dynamiken und Hilfen kennenlernen“ gab er einen Überblick über verschiedenste Belastungsfaktoren sowie entsprechende Hilfestellungen und Unterstützungsangebote.
Bei der Abschlussveranstaltung präsentierten Dr. Stephan Sandrock und Nora Johanna Schüth vom Institut für angewandte Arbeitswissenschaft (ifaa) einen Alterssimulationsanzug. Mit verschiedenen Simulationselementen konnten die Teilnehmer Beschwerden, etwa Bewegungseinschränkungen oder Sehkrankheiten, nachempfinden. Im vorangehenden Vortrag „Ergonomie: Produktivität und Wohlergehen steigern – Verhältnis und Verhaltensprävention wirksam verknüpfen“ wurden verschiedene Möglichkeiten, gesundheitliche Belastungen im oder durch den Arbeitsalltag vorzubeugen, erläutert.
An zwei Terminen waren zudem einige „Gesundheitsscouts“ der letzten Workshopreihen zu Gast. Mit ihnen hatten die Teilnehmer die Gelegenheit, sich über Erfahrungen und Maßnahmen aus den eigenen Betrieben auszutauschen. Zum Ende der Workshopreihe erhielten die Teilnehmer ein Zertifikat sowie eine Auszeichnung, mit der sie das Thema Betriebliche Gesundheit weiter bewerben und in ihren Unternehmen verankern können.
Zum Hintergrund:
Der „Arbeitskreis Demografie“ setzt sich aus der federführenden Regionalagentur der Kreise Siegen-Wittgenstein und Olpe, der IHK Siegen, dem Arbeitsmedizinischen Zentrum Siegerland e.V., der AOK Nordwest Regionaldirektion Siegen, dem Deutschen Gewerkschaftsbund Region Südwestfalen, den Arbeitgeberverbänden Siegen-Wittgenstein und Olpe, der Universität Siegen, der Einheitlichen Ansprechstelle für Arbeitgeber (EAA) sowie dem Kreis Siegen-Wittgenstein zusammen. Ziel der regionalen Kooperation ist ein gemeinsames Service- und Informationsangebot zum Thema Gesundheitsmanagement, insbesondere für die betriebliche Praxis.
Foto: / Text: IHK Siegen

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