{"id":9708,"date":"2018-07-09T10:38:45","date_gmt":"2018-07-09T08:38:45","guid":{"rendered":"https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/?p=9708"},"modified":"2018-07-09T10:38:45","modified_gmt":"2018-07-09T08:38:45","slug":"mitreden-bei-oeffentlichen-bauprojekten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/mitreden-bei-oeffentlichen-bauprojekten\/","title":{"rendered":"Mitreden bei \u00f6ffentlichen Bauprojekten"},"content":{"rendered":"<p>Die Stadt Olpe bekommt ein neues Rathaus. Das haben die B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger vor gut einem Jahr per B\u00fcrgerentscheid entschieden \u2013 die Mehrheit hatte dabei gegen eine Sanierung des alten und f\u00fcr den Bau eines neuen Rathauses gestimmt. Der Neubau ist jedoch nur ein Teil eines gro\u00dfen Stadtentwicklungsprogramms entlang der Bigge, das gerade erarbeitet wird. Auch hier m\u00f6chte die Stadt Olpe die Meinungen ihrer B\u00fcrgerInnen einholen: \u00dcber eine eigens daf\u00fcr eingerichtete Homepage k\u00f6nnen sie sich bereits umfassend \u00fcber den Prozess informieren und eigene Ideen einbringen. Dar\u00fcber hinaus wird nach weiteren Beteiligungsm\u00f6glichkeiten gesucht, die sich speziell an bestimmte Interessengruppen richten. WissenschaftlerInnen der Uni Siegen entwickeln aktuell ein Beteiligungstool, das Kommunen f\u00fcr solche Zwecke nutzen k\u00f6nnen. Das interdisziplin\u00e4re Forschungsprojekt l\u00e4uft \u00fcber drei Jahre und wird vom Land NRW mit 1 Million Euro gef\u00f6rdert.<\/p>\n<p>\u201eDas Tool soll einfach und intuitiv zu nutzen sein. Wichtig ist, dass die B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger unkompliziert ihre Eingaben\u00a0machen k\u00f6nnen. Auch f\u00fcr die Kommunen, die die Plattform f\u00fcr ihre Projekte einsetzen, muss der Aufwand so gering wie m\u00f6glich sein\u201c, erkl\u00e4rt Teilprojektleiter Dr. J\u00f6rg Radtke von der Uni Siegen. Ziel sei es, ein Beteiligungsinstrument zu entwickeln, das an die jeweiligen Gegebenheiten vor Ort angepasst werden kann. Plant eine Kommune beispielsweise einen Windpark, k\u00f6nnten auf der Plattform m\u00f6gliche Standorte visualisiert werden. B\u00fcrgerInnen h\u00e4tten die M\u00f6glichkeit, Kommentare dazu abzugeben, Informationen zu den jeweiligen Standorten zu erg\u00e4nzen oder dar\u00fcber abzustimmen. \u201eDemokratischer Meinungsaustausch findet heute sowohl online als auch konkret vor Ort statt. Wir m\u00fcssen neue M\u00f6glichkeiten entwickeln, beide Ebenen zu verbinden \u2013 aber wir m\u00fcssen auch pr\u00fcfen, was sinnvoll und technisch m\u00f6glich ist\u201c, sagt Prof. Dr. Volkmar Pipek, der als Wirtschaftsinformatiker am Projekt beteiligt ist.<\/p>\n<p>Die gesetzlich vorgeschriebenen Beteiligungsverfahren kann und soll die Plattform nicht ersetzen. Die WissenschaftlerInnen sehen sie eher als Erg\u00e4nzung dazu, auch, um Personengruppen zu erreichen, die bei der formellen Beteiligung wenig pr\u00e4sent sind \u2013 etwa \u00c4ltere, sozial Schwache oder Menschen mit Behinderungen. \u201eB\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger werden fr\u00fchzeitig in die Projekte einbezogen und bekommen die M\u00f6glichkeit zur Mitgestaltung. Das schafft Akzeptanz und kann vorhandene Stimmungen auffangen\u201c, sagt J\u00f6rg Radtke. Voraussetzung ist ihm zufolge jedoch, dass die Kommunen sich darauf einlassen und bereit sind, den Input der B\u00fcrgerInnen auch aufzunehmen.<\/p>\n<p>Im Rahmen des Forschungsprojektes arbeiten Politikwissenschaftler und Wirtschaftsinformatiker der Universit\u00e4t Siegen eng zusammen. Projektkoordinator und zust\u00e4ndig f\u00fcr die Software-Entwicklung ist das IT-Unternehmen GeoMobile GmbH aus Dortmund. In den kommenden drei Jahren m\u00f6chten die Partner verschiedene Projekte in NRW begleiten, um das geplante Tool zu entwickeln und zu optimieren. Entsprechende Kontakte gibt es bereits: nicht nur zur Stadt Olpe, sondern auch zu den St\u00e4dten Siegen und Dortmund sowie \u2013 beim Thema Windkraft \u2013 zu verschiedenen nordrhein-westf\u00e4lischen Kreisen. Nach erfolgreicher Erprobung und positiver Evaluation soll eine serienreife Version entstehen, die Kommunen, Unternehmen und Verb\u00e4nde in NRW und dar\u00fcber hinaus nutzen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Bei der Stadt Olpe erhofft man sich, \u00fcber das neue Tool noch mehr B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger zu erreichen und zu einer Beteiligung zu motivieren \u2013 gerade auch diejenigen, die nicht an Veranstaltungen teilnehmen m\u00f6chten oder k\u00f6nnen. \u201eDas muss immer st\u00e4rker auch digital funktionieren, weil die Menschen sich so unabh\u00e4ngig von Zeit und Ort einbringen k\u00f6nnen\u201c, sagt die Technische Beigeordnete der Stadt, Judith Feldner. Sie betont, dass die Entscheidung zur Umsetzung einzelner Projekte letztlich die Stadtverordneten treffen. \u201eDas Tool kann eine gute Hilfestellung f\u00fcr die Stadtverordneten und die Verwaltung sein, die so direkte R\u00fcckmeldungen zu den Projekten aus der B\u00fcrgerschaft bekommen.\u201c<\/p>\n<p>Das Forschungsprojekt \u201eCreactive Citizen \u2013 Kreative elektronische B\u00fcrgerbeteiligung bei Infrastruktur-Projekten: Vernetzung von webbasierten, mobilen und Social-Media-Formaten f\u00fcr bessere \u00dcbersicht und Bedienbarkeit\u201c ist im April 2018 gestartet und l\u00e4uft bis April 2021. Beteiligt sind an der Uni Siegen das Seminar f\u00fcr Politikwissenschaft (Fakult\u00e4t I) und die Wirtschaftsinformatik, Fachgebiet Computergest\u00fctzte Gruppenarbeit und Soziale Medien (Fakult\u00e4t III). Das Projekt wird im Rahmen der F\u00f6rderrichtlinie CreateMedia.NRW mit 1 Million Euro gef\u00f6rdert.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Stadt Olpe bekommt ein neues Rathaus. 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