{"id":9613,"date":"2018-07-03T14:21:14","date_gmt":"2018-07-03T12:21:14","guid":{"rendered":"https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/?p=9613"},"modified":"2018-07-03T14:21:14","modified_gmt":"2018-07-03T12:21:14","slug":"eine-region-viele-aussichten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/eine-region-viele-aussichten\/","title":{"rendered":"Eine Region, viele Aussichten"},"content":{"rendered":"<p>Westfalen-Lippe ist eine Region, die in mancher Hinsicht nicht den demografischen und wirtschaftlichen Trends in Deutschland folgt. Hier gibt es wirtschaftlich starke l\u00e4ndliche R\u00e4ume, die noch Bewohner anziehen k\u00f6nnen. Doch wenige Kilometer entfernt finden sich vom Strukturwandel gepr\u00e4gte Gro\u00dfst\u00e4dte, die lange Zeit Einwohner verloren haben und bereits deutlich gealtert sind. Das Berlin-Institut f\u00fcr Bev\u00f6lkerung und Entwicklung hat in einer Studie untersucht, wie der demografische Wandel Westfalen ver\u00e4ndert und vor welchen Aufgaben die einzelnen Regionen stehen, damit sie weiterhin oder wieder erfolgreich sein k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Westfalen, das gemeinsam mit dem Rheinland das bev\u00f6lkerungsreichste Bundesland NordrheinWestfalen bildet, pr\u00e4sentiert sich als eine Region, in der sich die vielf\u00e4ltigen Herausforderungen, die der demografische Wandel deutschlandweit stellt, auf engem Raum begegnen. Da ist das bislang junge M\u00fcnsterland mit seiner rasant wachsenden Universit\u00e4tsstadt im Zentrum. Im westf\u00e4lischen Ruhrgebiet gleich nebenan sind die Bewohner im Schnitt schon einige Jahre \u00e4lter. Und w\u00e4hrend die Gro\u00dfst\u00e4dte an Emscher und Ruhr noch immer mit einer hohen Arbeitslosigkeit zu k\u00e4mpfen haben, gehen vielen Betrieben im l\u00e4ndlich gepr\u00e4gten S\u00fcdwestfalen und in Ostwestfalen-Lippe zunehmend die Arbeitskr\u00e4fte aus. Trotz guter Jobangebote ziehen dort die jungen Bewohner in Richtung der urbanen Zentren. Die D\u00f6rfer werden leerer und die Versorgung wird schwieriger. Somit stehen die westf\u00e4lischen Teilregionen vor ganz unterschiedlichen Aufgaben. Die Studie hat untersucht, mit welchen Ideen die verschiedensten Akteure in den Regionen versuchen, die Versorgung auf dem Land weiterhin zu sichern und Fachkr\u00e4fte anzulocken.<\/p>\n<p>\u201eIn Westfalen sehen wir, dass wirtschaftlich erfolgreiche Regionen mit guten Arbeitsm\u00f6glichkeiten nicht automatisch auch junge Menschen halten oder gewinnen k\u00f6nnen\u201c, sagt Reiner Klingholz, Direktor des Berlin-Instituts. Die h\u00e4ufig ge\u00e4u\u00dferte Annahme, es m\u00fcsste nur genug Arbeitspl\u00e4tze geben, dann k\u00f6nnte die Landflucht gestoppt werden, best\u00e4tigt sich in manchen Gebieten Westfalens nicht. Die klein- und mittelst\u00e4ndischen Betriebe stehen sogar vor einem doppelten Problem. Die geburtenstarken Jahrg\u00e4nge der Babyboomer und damit eine Gro\u00dfteil ihrer Belegschaft gehen demn\u00e4chst in Rente, w\u00e4hrend die Jahrg\u00e4nge mit dem potenziellen Nachwuchs d\u00fcnner besetzt sind und die jungen Menschen zum Teil auch noch fortziehen.<\/p>\n<p>\u201eUm diese L\u00fccke einigerma\u00dfen zu schlie\u00dfen, reicht ein Ansatz allein nicht aus\u201c meint Susanne D\u00e4hner, eine der Autorinnen der Studie. Einerseits m\u00fcssen die vor Ort noch schlummernden Arbeitskr\u00e4ftepotenziale besser genutzt werden. Das k\u00f6nnen Frauen sein, die bislang aufgrund famili\u00e4rer Aufgaben kaum beruflich t\u00e4tig sind. Oder \u00e4ltere Arbeitnehmer, deren Kompetenzen mit gezielten Weiterbildungen auch jenseits der 50 m\u00f6glichst lange im Betrieb gehalten werden. Andererseits m\u00fcssen Unternehmen ihre Suche nach Fachkr\u00e4ften r\u00e4umlich weiter ausdehnen. Manche tun dies, indem sie IT-Experten t\u00e4glich mit einem Bus aus einer Gro\u00dfstadt abholen und zum l\u00e4ndlichen Firmensitz bringen. Andere, indem sie Auszubildende aus Spanien mit attraktiven Arbeitsbedingungen ins M\u00fcnsterland locken.<\/p>\n<p>\u201eTrotz vieler guter Ideen werden die Unternehmen im Wettbewerb um die weniger werdenden Fachkr\u00e4fte aber kaum bestehen k\u00f6nnen, solange sie auf sich allein gestellt sind\u201c, so Reiner Klingholz. \u201eDie Lebensbedingungen vor Ort, von der Schule bis zu den Versorgungsangeboten, spielen ebenfalls eine Rolle dabei, ob sich Fachkr\u00e4fte f\u00fcr ein Jobangebot fern der Zentren entscheiden.\u201c Daher werden regionale B\u00fcndnisse von Unternehmen, Kommunen und Verb\u00e4nden immer wichtiger. Denn dort, wo die Jungen wegziehen, die Menschen weniger werden und vor allem \u00c4ltere zur\u00fcckbleiben, verschwinden Versorgungsangebote und lassen die Lebensqualit\u00e4t sinken. Die Studie zeigt an vielen Beispielen, wie sich dies verhindern l\u00e4sst, etwa mit wohnortnahen medizinischen Versorgungangeboten oder neuen, flexiblen Mobilit\u00e4tsl\u00f6sungen. \u201eIn den westf\u00e4lischen Teilregionen werden schon an vielen Orten innovative Konzepte erprobt, wie das Landleben auch bei schwindender Versorgung weiterhin gut funktionieren kann\u201c, berichtet Susanne D\u00e4hner. So beliefert ein regionaler Online-H\u00e4ndler Menschen aus Siegen und Umgebung mit Lebensmitteln und sonstigen Waren aus dem Sortiment lokal ans\u00e4ssiger Einzelh\u00e4ndler. Eine Dorfinitiative erprobt ein Car-SharingModell, bei dem die Bewohner die Kleinbusse selbst fahren oder mit ehrenamtlichen Fahrer mieten k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>\u201eDie Studie richtet den Blick auf ganz Westfalen-Lippe und bildet die Auswirkungen des demografischen Wandels f\u00fcr jede einzelne Kommune ab. Dabei zeigt sich, dass Westfalen insgesamt aus starken St\u00e4dten und Gemeinden besteht, die aber teilweise vor denselben Herausforderungen f\u00fcr die Zukunft stehen\u201c, erkl\u00e4rt LWL-Direktor Matthias L\u00f6b. Daraus k\u00f6nnten sich Ans\u00e4tze ergeben, wie man sich mit Partnern \u00fcber L\u00f6sungen austauschen kann.<\/p>\n<p>\u201eWichtig wird nun sein, auf der Basis der vorliegenden Studie einen m\u00f6glichst westfalenweiten Erfahrensaustausch zu initiieren und dort, wo es n\u00f6tig und m\u00f6glich ist, innovative Probleml\u00f6sungen in Modellprojekten auf den Weg zu bringen. Die Westfalen-Initiative wird sich daran gerne aktiv beteiligen\u201c, richtet Dr. Karl-Heinrich S\u00fcmmermann, Vorsitzender des Stiftungsvorstandes, den Blick in die Zukunft. Es gelte, die gewonnenen Erkenntnisse nutzbringend zu operationalisieren. Die Studie wurde gef\u00f6rdert von der Westfalen-Initiative und dem Landschaftsverband WestfalenLippe (LWL).<\/p>\n<p>Die Studie sowie die demografischen und wirtschaftlichen Daten aller 231 westf\u00e4lischen Gemeinden f\u00fcr die Clusteranalyse stehen Ihnen gratis als Download zur Verf\u00fcgung unter:<br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.berlin-institut.org\/publikationen\/studien\/eine_region_viele_aussichten\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">https:\/\/www.berlin-institut.org\/publikationen\/studien\/eine_region_viele_aussichten <\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Westfalen-Lippe ist eine Region, die in mancher Hinsicht nicht den demografischen und wirtschaftlichen Trends in Deutschland folgt. 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