{"id":9545,"date":"2018-06-26T13:51:45","date_gmt":"2018-06-26T11:51:45","guid":{"rendered":"https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/?p=9545"},"modified":"2018-06-26T13:51:45","modified_gmt":"2018-06-26T11:51:45","slug":"bodenwischen-fuer-wissenschaft-und-verbraucher","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/bodenwischen-fuer-wissenschaft-und-verbraucher\/","title":{"rendered":"Bodenwischen f\u00fcr Wissenschaft und Verbraucher"},"content":{"rendered":"<p>40 Testpersonen wischen nacheinander einen Laborboden mit einem Bodenreinigungssystem, insgesamt 140 Stunden lang. Alle Testpersonen sind mit Sensoren verkabelt, die die muskul\u00e4re Aktivit\u00e4t einzelner Muskeln aufzeichnen. Zus\u00e4tzlich wird der gesamte Mensch \u00fcber ein Bewegungsanalysesystem als 3D-Modell abgebildet, sodass jede Bewegung und K\u00f6rperhaltung analysiert werden kann. Forscherin Sandra Groos vom Department Maschinenbau der Universit\u00e4t Siegen sitzt vor ihrem Computer und verfolgt live die Daten, die die Sensoren \u00fcbermitteln. Wie stark f\u00e4llt die Beanspruchung einzelner Muskeln aus, wie weit wird der Oberk\u00f6rper nach unten gebeugt oder wie stark das Handgelenk ausgelenkt? Groos arbeitet am Lehrstuhl f\u00fcr Arbeitswissenschaft \/ Ergonomie und analysiert das Produkt. Regelm\u00e4\u00dfig fragen renommierte Unternehmen aus der ganzen Welt am Lehrstuhl an, ob die WissenschaftlerInnen der Uni Siegen ihre Produkte testen, bewerten und Tipps f\u00fcr Verbesserungen geben k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/wp-content\/uploads\/2018\/06\/bodenwischen_web.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-9546\" src=\"https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/wp-content\/uploads\/2018\/06\/bodenwischen_web.jpg\" alt=\"\" width=\"250\" height=\"296\" \/><\/a>Das Bodenwischsystem mit langem Stiel und einem Tank f\u00fcr Reinigungsfl\u00fcssigkeit kommt von einem Unternehmen aus den USA. Dieses ist Marktf\u00fchrer f\u00fcr Fensterputzsysteme und m\u00f6chte mit dem Bodenwischer jetzt einen neuen Markt erschlie\u00dfen. Das Ger\u00e4t wird von Putzunternehmen eingesetzt, zum Beispiel in der Gastronomie, um nicht nur Staub und Dreck, sondern auch Fl\u00fcssigkeiten und Scherben wegzuwischen. F\u00fcr die Produkttests suchte Prof. Dr. Karsten Kluth, Leiter des Lehrstuhls Arbeitswissenschaft \/ Ergonomie, \u00fcber Facebook Probanden. \u201eUns war wichtig, dass die Testpersonen keine professionelle Putzerfahrung haben\u201c, erkl\u00e4rt er.<\/p>\n<p>Professor Kluth und Groos wollen mit den Labortests k\u00f6rperliche Fehlhaltungen dokumentieren und messen, wie anstrengend die Arbeit ist. Elektromyographie hei\u00dft die Methode zur Datenerhebung der k\u00f6rperlichen Beanspruchung mittels auf die Haut aufgeklebter Sensoren. \u201eIn diesem Fall geht es uns vor allem um die kleinen Details, die verbessert werden k\u00f6nnen, um die Arbeit mit dem handgef\u00fchrten Bodenreiniger zu erleichtern und die ein gutes Produkt zu einem sehr guten Produkt werden lassen\u201c, sagt Kluth. Die WissenschaftlerInnen pr\u00fcfen zum Beispiel, ob der Griff ergonomisch gestaltet ist und dokumentieren wie am Ende das empfohlene Design des Reinigers die Putzkr\u00e4fte weiter entlasten k\u00f6nnte. Etwa 100 Personen wollten an den Tests teilnehmen, 40 wurden schlie\u00dflich ausgew\u00e4hlt, die meisten von ihnen Studierende.<\/p>\n<p>Der Ablauf sieht so aus: Jeder Testdurchlauf dauert dreieinhalb Stunden und es werden pro Testperson insgesamt 360m\u00b2 Boden gewischt. Vorher wurde dieser mit eingef\u00e4rbter Fl\u00fcssigkeit eingespr\u00fcht. \u201eEine definierte Menge Dreck auf einer definierten Fl\u00e4che muss m\u00f6glichst gut entfernt werden\u201c, erl\u00e4utert Kluth. Neben der Ergonomie des Bodenreinigers testen die WissenschaftlerInnen auch dessen Reinigungsf\u00e4higkeit. Wie leistungsstark ist das Produkt, wie schnell und gut wischt es die Fl\u00fcssigkeit weg, auch im Vergleich mit anderen handgef\u00fchrten Reinigern? Nach dem Putzen werden alle Personen zu ihrer Meinung befragt. Zu den objektiven Daten kommen die subjektiven Eindr\u00fccke der Probanden.<\/p>\n<p>Alle Produktempfehlungen zusammengefasst, geben die ForscherInnen in einem Bericht an das Unternehmen zur\u00fcck. Darin bewerten sie die Qualit\u00e4t und unterst\u00fctzen damit die Entwicklung des Produkts. Solche Produkttests haben die WissenschaftlerInnen zuvor zum Beispiel schon f\u00fcr verschiedene Handwerkzeuge, innovative Computer-M\u00e4use und \u2013 ganz aktuell \u2013 f\u00fcr einen im Nachgang sogar mit einem Ergonomiepreis ausgezeichneten Paketbandabroller gemacht. Ihre Tests sind nicht nur im Labor, sondern auch im Industrie-, Handels- und Dienstleistungsbetrieb m\u00f6glich. Damit k\u00f6nnen die ForscherInnen mithilfe von High-Tech-Sensoren auch Arbeitsplatzanalysen vor Ort anfertigen, was unter anderem den Dienstplan der Siegener Feuerwehrhauptwache schon mehrfach bereicherte. \u201eAuch Feuerwehrleute sollen bei ihrer anstrengenden Arbeit die bestm\u00f6glichen Arbeitsmittel nutzen k\u00f6nnen. Am Ende haben beide Seiten einen Gewinn erzielt, der von der Arbeitsgruppe beratene Produktentwickler und die Arbeitsgruppe selbst, die mit dem erwirtschafteten Gewinn aus dem Drittmittelprojekt die technische Ausstattung auf einem hohen Niveau h\u00e4lt\u201c, sagt Kluth Das freut dann auch die Studierenden, wenn sie in Labor\u00fcbungen und bei Abschlussarbeiten diese Ausstattung selbst anwenden d\u00fcrfen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>40 Testpersonen wischen nacheinander einen Laborboden mit einem Bodenreinigungssystem, insgesamt 140 Stunden lang. 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