{"id":8787,"date":"2018-03-02T14:41:01","date_gmt":"2018-03-02T13:41:01","guid":{"rendered":"https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/?p=8787"},"modified":"2018-03-02T14:41:01","modified_gmt":"2018-03-02T13:41:01","slug":"gefahr-eines-handelskriegs-waechst","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/gefahr-eines-handelskriegs-waechst\/","title":{"rendered":"Gefahr eines Handelskriegs w\u00e4chst"},"content":{"rendered":"<p>Die USA drohen mit Strafz\u00f6llen auf Stahl- und Aluminiumimporte. Die EU will mit eigenen Z\u00f6llen auf US-Produkte reagieren. Damit steigt die Gefahr eines Handelskriegs, denn auch andere Staaten d\u00fcrften nicht tatenlos zuschauen. Schlimmstenfalls droht ein Zusammenbruch der Welthandelsordnung \u2013 mit fatalen Folgen f\u00fcr die exportorientierte\u00a0 Wirtschaft in Deutschland und in Siegen-Wittgenstein.<\/p>\n<p>US-Pr\u00e4sident Donald Trump hat angek\u00fcndigt, im Rahmen seiner \u201eAmerica First\u201c-Politik in K\u00fcrze Strafz\u00f6lle auf Stahl- und Aluminiumimporte zu erheben. Auf Einfuhren von Stahl ist ein Zoll von 25 Prozent und von Aluminium von 10 Prozent geplant. Diese Ma\u00dfnahmen begr\u00fcndet er mit einer vermeintlichen Gef\u00e4hrdung der nationalen Sicherheit, beispielsweise weil die USA im Kriegsfall milit\u00e4risches Ger\u00e4t wie U-Boote nicht mehr ohne Hilfe aus dem Ausland herstellen k\u00f6nnten. Es ist aber sehr fraglich, ob diese Begr\u00fcndung vor der Welthandelsorganisation (WTO) Bestand haben wird. Gerade Deutschland exportiert viele hochmoderne Stahlprodukte, die die breite Wirtschaft in den USA und nicht nur die R\u00fcstungsindustrie ben\u00f6tigen.<\/p>\n<p>Derzeit bestehen gro\u00dfe \u00dcberkapazit\u00e4ten auf dem globalen Stahlmarkt \u2013 vor allem durch die starke chinesische Produktion. Sollten die USA tats\u00e4chlich Strafz\u00f6lle erheben, d\u00fcrften andere L\u00e4nder ihre Stahl- und Aluminiumprodukte statt in die Vereinigten Staaten vermehrt nach Europa ausf\u00fchren. Das wird die Lage der europ\u00e4ischen Stahlfirmen zus\u00e4tzlich erschweren, die bereits jetzt mit den Dumping-Importen aus China zu k\u00e4mpfen haben. Wenn die europ\u00e4ischen Einfuhren von Stahl und Aluminium tats\u00e4chlich stark zunehmen und die Branchen deutlichen Schaden nehmen, kann die EU ihrerseits Schutzma\u00dfnahmen in Form von Z\u00f6llen auf Produkte aus aller Welt erheben. Damit gibt schon dieses Beispiel einen Hinweis auf das Eskalationspotenzial der angedrohten US-Strafz\u00f6lle. Tats\u00e4chlich besteht jetzt die ernste Gefahr eines Handelskriegs. Denn gleichzeitig droht die EU den USA mit Gegenma\u00dfnahmen. Sie wird \u2013 wie viele andere Staaten vermutlich auch \u2013 zum einen vor der Welthandelsorganisation (WTO) gegen die US-Ma\u00dfnahmen klagen. Wenn sie Recht bekommt, kann sie ihrerseits Strafz\u00f6lle gegen US-Produkte erheben. Allerdings dauert ein WTO-Streitschlichtungsverfahren, bei dem die USA wohl in die Berufung gehen werden, zwei bis drei Jahre. In diesem Zeitraum w\u00e4ren die Sch\u00e4den f\u00fcr die europ\u00e4ischen Stahl- und Aluminiumhersteller gro\u00df.<\/p>\n<p>Daher erw\u00e4gt die EU zum anderen, Strafz\u00f6lle auf ausgew\u00e4hlte US-Produkte zu erheben. Dazu sollen offenbar Motorr\u00e4der, Bourbon Whiskey, Tomaten, Rum und Orangensaft z\u00e4hlen. Damit will die EU gezielt Hersteller in US-Bundesstaaten treffen, die im US-Kongress eine wichtige politische Rolle spielen und Trump vielleicht noch stoppen k\u00f6nnten. Dagegen w\u00fcrden aber voraussichtlich die USA wieder vor der WTO klagen.<\/p>\n<p>Die gr\u00f6\u00dfte Eskalationsgefahr besteht daher mit Blick auf die WTO, die stark in die Schusslinie des transatlantischen Handelsstreits geriete. Im schlimmsten Fall w\u00fcrden sich die USA aus der WTO distanzieren. Daf\u00fcr gibt es bereits deutliche Anzeichen. So verhindert die Trump-Administration die Wiederbesetzung von WTO-Richtern und droht das WTO-Gericht damit zu l\u00e4hmen. Ein solches Szenario w\u00e4re fatal und w\u00fcrde das R\u00fcckgrat der Welthandelsordnung brechen. Dann best\u00fcnde die Gefahr, dass die globalen Handelsregeln nicht mehr eingehalten w\u00fcrden. F\u00fcr die stark exportorientierte deutsche Wirtschaft, in der mehr als jeder vierte Arbeitsplatz vom Export abh\u00e4ngt, ist dies ein Schreckensszenario.<\/p>\n<p>Trotzdem darf die EU nicht unt\u00e4tig bleiben und muss durch angedrohte Gegenma\u00dfnahmen versuchen, den politischen Widerstand in den USA gegen den Protektionismus der Trump-Administration zu st\u00e4rken. Denn vielleicht lassen sich so Ausma\u00df und Dauer der US-Strafz\u00f6lle noch mindern.<\/p>\n<p><em>Ein Beitrag von\u00a0J\u00fcrgen Matthes, Leiter Kompetenzfeld Internationale Wirtschaftsordnung und Konjunktur beim Institut der deutschen Wirtschaft in K\u00f6ln.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die USA drohen mit Strafz\u00f6llen auf Stahl- und Aluminiumimporte. Die EU will mit eigenen Z\u00f6llen auf US-Produkte reagieren. 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