{"id":8520,"date":"2018-01-29T14:41:45","date_gmt":"2018-01-29T13:41:45","guid":{"rendered":"https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/?p=8520"},"modified":"2018-02-02T08:29:36","modified_gmt":"2018-02-02T07:29:36","slug":"ig-metall-begibt-sich-auf-einen-gefaehrlichen-weg","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/ig-metall-begibt-sich-auf-einen-gefaehrlichen-weg\/","title":{"rendered":"IG Metall begibt sich auf einen gef\u00e4hrlichen Weg"},"content":{"rendered":"<p>Nach einem 16-st\u00fcndigen Sitzungsmarathon sind die Tarifverhandlungen der Metall- und Elektroindustrie in Baden-W\u00fcrttemberg vorerst gescheitert. Jetzt r\u00fcstet die IG Metall f\u00fcr die ersten 24-Stunden-Streiks in der Nachkriegsgeschichte. Insgesamt 250 Betriebe sollen dabei bundesweit f\u00fcr einen ganzen Tag lang lahm gelegt werden. Die wirtschaftlichen Sch\u00e4den, die dadurch entstehen, sind immens und sie treffen nicht nur den ach so widerspenstigen Arbeitgeber, sondern mittel- und langfristig auch die Besch\u00e4ftigten. Sie sollen zwar von ihrer Gewerkschaft ein Streikgeld erhalten. Die Folgesch\u00e4den werden sie aber erst viel sp\u00e4ter zu sp\u00fcren bekommen, wenn die Unternehmen n\u00e4mlich Investitionen vermehrt im Ausland t\u00e4tigen und die Kunden Auftr\u00e4ge stornieren oder erst gar nicht erteilen, weil sie nicht mehr sicher sein k\u00f6nnen, dass sie auch termingerecht ausgeliefert werden.<\/p>\n<p>Die IG Metall begibt sich in der laufenden Tarifauseinandersetzung in der Metall- und Elektroindustrie auf einen gef\u00e4hrlichen Weg, dessen Ende sie anscheinend v\u00f6llig falsch einsch\u00e4tzt. Eigentlich will sie ja f\u00fcr ihre Mitglieder etwas Gutes erreichen, n\u00e4mlich mehr Geld und weniger Arbeit. Allerdings zerst\u00f6rt sie mit ihren Maximalforderungen und einem v\u00f6llig unn\u00f6tigen Arbeitskampf die gemeinsame Basis von Arbeitgebern und Gewerkschaften, auf der in der Vergangenheit immer noch f\u00fcr beide Seiten vertretbare Kompromisse ausgehandelt wurden. Das, was hier gerade von der Frankfurter Gewerkschaftszentrale aus entfacht wird, ist eine klassenk\u00e4mpferische Auseinandersetzung aus dem vorvorigen Jahrhundert, die wahrlich nicht mehr in die heutige Zeit passt. Und sie gef\u00e4hrdet massiv das Vertrauen der Unternehmen in den Fl\u00e4chentarif.<\/p>\n<p>Schon heute sind deutlich mehr Unternehmen au\u00dferhalb des Fl\u00e4chentarifs unterwegs. Und diejenigen, die seine Vorteile nach wie vor sch\u00e4tzen, werden von der Gewerkschaft immer mehr dazu gedr\u00e4ngt, andere Wege zu gehen. Seit der Gr\u00fcndung der Bundesrepublik Deutschland und der Einf\u00fchrung der Sozialen Marktwirtschaft hat sich das System der Tarifpartnerschaft und der Tarifbindung als ordnendes Element der Arbeitsbeziehungen in den Unternehmen bew\u00e4hrt. So wie es derzeit aussieht, hat die IG Metall kein Interesse mehr an einer Weiterf\u00fchrung, geschweige denn an einer modernen Weiterentwicklung. F\u00fcr viele Unternehmen sind die durch den Fl\u00e4chentarif gesetzten Rahmenbedingungen kaum noch einzuhalten. Was fr\u00fcher einmal als Mindestanforderungen gedacht war, orientiert sich heute nicht mehr an den kleinen und mittleren Unternehmen, die das Gros der Arbeitspl\u00e4tze in Deutschland stellen, sondern an den gro\u00dfen Konzernen, vor allem an den potenten Automobilherstellern im S\u00fcdwesten sowie deren Zulieferern.<\/p>\n<p>Die Arbeitgeber haben dieser bedenklichen Entwicklung relativ wenig entgegenzusetzen. Sie sind heute in aller Regel derart in internationale Auftrags- und Lieferbeziehungen eingebunden, die wenig bis gar keinen Spielraum f\u00fcr aus der Zeit gefallene Arbeitsk\u00e4mpfe lassen. Deshalb bleibt ihnen auch nichts anderes \u00fcbrig, als am Verhandlungstisch einigerma\u00dfen ertr\u00e4gliche Vereinbarungen zu treffen. Das kann aber nur dann gelingen, wenn auch der andere Verhandlungspartner daran ein Interesse hat. Das scheint in der laufenden Tarifrunde nicht so zu sein. Letztlich werden sich die Tarifparteien irgendwann wieder zusammensetzen m\u00fcssen, um zu einem Ergebnis zu kommen. Dazu muss es aber erst einmal gelingen, die Gr\u00e4ben, die jetzt von der IG Metall aufgerissen werden, zu \u00fcberbr\u00fccken. Die Gr\u00e4ben wieder zuzusch\u00fctten, d\u00fcrfte weitaus l\u00e4nger dauern.<\/p>\n<p>Helmut Hofmann<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nach einem 16-st\u00fcndigen Sitzungsmarathon sind die Tarifverhandlungen der Metall- und Elektroindustrie in Baden-W\u00fcrttemberg vorerst gescheitert. 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