{"id":7844,"date":"2017-10-30T17:40:04","date_gmt":"2017-10-30T16:40:04","guid":{"rendered":"https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/?p=7844"},"modified":"2017-10-30T17:40:04","modified_gmt":"2017-10-30T16:40:04","slug":"digitalisierung-und-sozialpartnerschaft-kein-widerspruch-in-nrw","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/digitalisierung-und-sozialpartnerschaft-kein-widerspruch-in-nrw\/","title":{"rendered":"Digitalisierung und Sozialpartnerschaft &#8211; Kein Widerspruch in NRW"},"content":{"rendered":"<p>Nordrhein-Westfalen kann f\u00fcr sich in Anspruch nehmen, der Sozialpartnerschaft in Deutschland wichtige, wenn nicht sogar entscheidende Impulse gegeben zu haben. Als das Bundesland noch gar nicht existierte, war es der in M\u00fclheim a. d. Ruhr ans\u00e4ssige Unternehmer Hugo Stinnes, der mit seinem Partner von den Gewerkschaften Carl Legien das November-Abkommen von 1918 vereinbarte. In mitten sich aufl\u00f6sender staatlicher Strukturen bewahrten die Sozialpartner die deutsche Wirtschaft davor, in den Mahlstrom der Revolution gezogen zu werden. Im Jahre 2018 wird man sich an diese f\u00fcr die Weimarer Republik so wegweisende Vereinbarung, die noch heute die sozialpartnerschaftlichen Strukturen in Deutschland pr\u00e4gt, erinnern.<span id=\"more-497\"><\/span><\/p>\n<div id=\"attachment_7845\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/Mallmann-mit-Mikro.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-7845\" class=\"size-medium wp-image-7845\" src=\"https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/Mallmann-mit-Mikro-300x200.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"200\" srcset=\"https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/Mallmann-mit-Mikro-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/Mallmann-mit-Mikro-768x511.jpg 768w, https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/Mallmann-mit-Mikro.jpg 777w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-7845\" class=\"wp-caption-text\">Dr. Luitwin Mallmann<\/p><\/div>\n<p>In der schwersten Wirtschaftskrise 2008 bis 2010 nach dem 2. Weltkrieg waren es die Tarifvertragsparteien der Metall- und Elektroindustrie in Nordrhein-Westfalen, die das ma\u00dfgebliche Abkommen aushandelten, dass es in den Firmen erlaubte, Entlassungen zu vermeiden und stattdessen auf Kurzarbeit zu setzen. Als die Konjunktur spontan und heftig ansprang, waren die alten Belegschaften am Bord, um die Auftr\u00e4ge abzuarbeiten.<\/p>\n<p>In Nordrhein-Westfalen praktiziert man in kritischer Zeit mit Erfolg die Sozialpartnerschaft. Nun steht die Digitalisierung der NRW-Wirtschaft unabweisbar bevor. Es ist mit Umw\u00e4lzungen in allen Produktions- und Arbeitsbereichen zu rechnen. Das kritische daran ist, dass kein seri\u00f6ser Beobachter sagen kann, wo sich Verwerfungen ergeben werden und wie genau die Chancen der Entwicklung zu nutzen sind. Wir haben also eine schwierige Situation. Die Sozialpartner in Nordrhein-Westfalen werden auch hier gefordert sein, denn das der Prozess ohne Auswirkungen auf die Arbeitsbeziehungen bleibt, ist mehr als unwahrscheinlich. Wie in jedem technologischen Wandlungsprozess zuvor, werden Jobs wegfallen, aber mindestens ebenso viele neue entstehen.<\/p>\n<p>Den \u00dcbergang der Menschen in diese neuen Berufe sollten die Sozialpartner mit organisieren, Qualifikation und Umschulung Raum geben, den Wechsel, da wo soziale Verwerfungen entstehen, mitgestalten. Der tarifliche Instrumentenkasten f\u00fcr solche Operationen ist wohl gef\u00fcllt, neue Werkzeuge k\u00f6nnen jederzeit situationsabh\u00e4ngig geschaffen werden. Wie die Unternehmen und deren Mitarbeiter selbst, m\u00fcssen auch die Sozialpartner bereit sein, schnell und flexibel zu reagieren, um auftauchende Probleme anzugehen. Ich bin nach den Erfahrungen in Nordrhein-Westfalen optimistisch, dass eine \u201eSozialpartnerschaft der flexiblen Antwort\u201c in unserem Bundesland besonders gute Voraussetzungen hat. Eine solche flexible Antwort auf die Herausforderung Digitalisierung wird es aber nur geben, wenn die Sozialpartner \u00fcber ihre ideologischen Schatten springen.<\/p>\n<p>Wir brauchen keinen tariflich festgeschriebenen \u201eHeizer auf der E-Lok\u201c und kein Zentimetergerangel bei der Mitbestimmung. Vielmehr m\u00fcssen die Sozialpartner den praktischen Bedarf der Betriebe und die berechtigten Bed\u00fcrfnisse der dort arbeitenden Menschen zum Ma\u00dfstab ihrer Arbeit machen. Der Menschenschlag an Rhein, Ruhr und Lippe hat eigentlich ein gutes Gesp\u00fcr daf\u00fcr, dass man zupacken muss, wenn man etwas bewegen will und dass man im gemeinsamen Interesse auch einmal f\u00fcnfe gerade sein lassen muss. Deshalb k\u00f6nnen wir in NRW den Prozess der Digitalisierung gestaltend begleiten. Anderswo wird man versuchen zu regulieren und damit die vielen Chancen abw\u00fcrgen, die die Entwicklung bietet. Unsere Erfahrung mit pragmatisch verstandener Sozialpartnerschaft wird uns vor diesem Fehler bewahren. NRW, das Land der Sozialpartnerschaft hat aus seiner besonderen Tradition heraus gute Chancen beim Aufbruch in die Digitalisierung im Konsens weit voran zu gehen.<\/p>\n<p><em>Ein Beitrag von Dr. Luitwin Mallmann im NRW Wirtschafts-Blog &#8222;Klartext im Westen&#8220;. Er ist Hauptgesch\u00e4ftsf\u00fchrer der Landesvereinigung der Unternehmensverb\u00e4nde Nordrhein-Westfalen (unternehmer nrw).<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nordrhein-Westfalen kann f\u00fcr sich in Anspruch nehmen, der Sozialpartnerschaft in Deutschland wichtige, wenn nicht sogar entscheidende Impulse gegeben zu haben. 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