{"id":7510,"date":"2017-09-15T20:52:08","date_gmt":"2017-09-15T18:52:08","guid":{"rendered":"https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/?p=7510"},"modified":"2017-09-15T20:52:08","modified_gmt":"2017-09-15T18:52:08","slug":"an-neuen-gewerbeflaechen-fuehrt-kein-weg-vorbei","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/an-neuen-gewerbeflaechen-fuehrt-kein-weg-vorbei\/","title":{"rendered":"An neuen Gewerbefl\u00e4chen f\u00fchrt kein Weg vorbei"},"content":{"rendered":"<p>\u201eFr\u00fcher haben wir getanzt, wenn sich die Betriebstore \u00f6ffneten und der Boden zu vibrieren begann, als die Maschinen anliefen. Wie sich die Zeiten ge\u00e4ndert haben! Produzieren und in der Region leben muss kein Gegensatz sein!\u201c Eindringlich ermutigte J\u00fcrgen Wagener, Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer der ISOWA GmbH, Freudenbergs B\u00fcrgermeisterin Nicole Reschke, weiter f\u00fcr das geplante Gewerbegebiet Ischeroth zu werben. Die aktuelle Diskussion um dringend ben\u00f6tigte Erweiterungsfl\u00e4chen f\u00fcr Freudenberger Betriebe war ein zentrales Thema des Wirtschaftsgespr\u00e4ches bei der Albrecht B\u00e4umer GmbH &amp; Co. KG, zu dem die Industrie- und Handelskammer Siegen (IHK) Siegen eingeladen hatte.<\/p>\n<p>Bis zu 80 Prozent der Ansiedlungen auf neuen Gewerbefl\u00e4chen erfolgten durch bestehende heimische Betriebe, die erweitern m\u00fcssten, erl\u00e4uterte Hermann-Josef Droege, stv. IHK-Hauptgesch\u00e4ftsf\u00fchrer. Wenn Freudenberg ein florierender Wirtschaftsstandort bleiben und seine guten Strukturdaten hinsichtlich Besch\u00e4ftigung und Einzelhandelskaufkraft erhalten wolle, f\u00fchre an neuen Fl\u00e4chen kein Weg vorbei.<\/p>\n<p>Jan Henrik Leisse, Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer der Albrecht B\u00e4umer GmbH &amp; Co. KG, veranschaulichte die Bedeutung ausreichend verf\u00fcgbarer Gewerbefl\u00e4chen anhand der eigenen Produktion. Das Unternehmen fertigt hochwertige Schaumstoffschneidmaschinen, Schneidmedien sowie komplette Anlagentechnik. Wachsende Bedeutung haben zudem umfassende Servicedienstleistungen. Bei einem Betriebsrundgang gewannen die 60 Teilnehmer des Wirtschaftsgespr\u00e4ches einen Einblick in die Produktion und die Lehrwerkstatt des Betriebes, der einen Jahresumsatz von rund 65 Millionen Euro aufweist und 90 Prozent seiner Produkte ins Ausland exportiert, etwa nach Mexiko oder Polen. \u201eDas Unternehmen ist r\u00e4umlich an seine Grenzen gelangt. Die weltweite Nachfrage nach unseren Produkten ist enorm. Die Folge sind zunehmend l\u00e4ngere Lieferzeiten, teilweise von bis zu einem Jahr. Das kann auf Strecke zu einem Wettbewerbsnachteil werden, wenn wir keine anderen Optionen haben\u201c, hob der Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer hervor.<\/p>\n<p>B\u00fcrgermeisterin Nicole Reschke erinnerte daran, dass die Planungen f\u00fcr den Standort Ischeroth Ergebnis eines langen Suchprozesses gewesen seien und dass die Verwaltung auf Grundeigent\u00fcmer und Kritiker zugegangen sei. Ergebnis sei das derzeit diskutierte \u201eDenkmodell\u201c in Form einer reduzierten Fl\u00e4che f\u00fcr Gewerbe auf dem Ischeroth. \u201eDas Modell wird fachlich untersucht. Die Ergebnisse werden mit den Waldbesitzern besprochen, bevor Ende des Jahres in den politischen Gremien hier\u00fcber beraten wird\u201c, zeigte Nicole Reschke die n\u00e4chsten Schritte auf. IHK-Hauptgesch\u00e4ftsf\u00fchrer Klaus Gr\u00e4bener erinnerte daran, dass die Unternehmen im heimischen Wirtschaftsraum trotz des hohen Industrieanteils erheblich weniger Fl\u00e4chen in Anspruch n\u00e4hmen als dies im Landesdurchschnitt der Fall sei. \u201eMit Blick auf die k\u00fcnftige Attraktivit\u00e4t der Stadt, muss politisch die Frage beantwortet werden, wo unsere Kinder in zehn oder 15 Jahren Besch\u00e4ftigung finden sollen.\u201c<\/p>\n<p>Nicht alle Rahmenbedingungen sind gut in Freudenberg: Der Breitbandausbau durch die Telekommunikationsunternehmen verlief bislang schleppend, so dass viele Ortsteile auf schnelles Internet verzichten m\u00fcssen. \u201eWir sitzen in Dirlenbach, das in diesem Jahr sein 675-j\u00e4hriges Bestehen feiert. So alt f\u00fchlen wir uns dort auch mit unseren 2-3 Mbit\/s. Wir wollen jetzt nicht noch einmal drei Jahre warten, bis sich endlich etwas \u00e4ndert\u201c, erkl\u00e4rte Norbert Uebach, Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer der Uebach GmbH. Ganz konkrete Probleme schilderte auch Sebastian Quast von der OTTO QUAST Bau AG: \u201eDie Ausschreibungsverfahren- und Planungsunterlagen werden immer komplexer und umfangreicher, Stichwort \u201eBuilding Information Modelling\u201c und \u201eVirtuelle Projektr\u00e4ume\u201c. Ohne ausreichende Breitbandanbindung werden Planer und ausf\u00fchrende Firmen damit kaum effizient arbeiten k\u00f6nnen. Wir sehen anhand unserer Standorte in Siegen und Lindenberg, welchen Unterschied es macht, ob man eine Anbindung von 10 oder 100 Mbit\/s hat.\u201c Tats\u00e4chlich geh\u00f6rt Freudenberg in Sachen Internet zu den am schlechtesten erschlossenen Kommunen der Region. Deshalb profitieren Unternehmen und B\u00fcrger in den kommenden Monaten besonders vom Breitbandausbau, den der Kreis Siegen-Wittgenstein in Kooperation mit den St\u00e4dten und Gemeinden organisiert. Das Ziel: eine fl\u00e4chendeckende Versorgung mit 50-100 Mbit\/s im Download bis Ende 2018.<\/p>\n<p>Einig waren sich die Teilnehmer, dass der Ausbau mit Glasfaseranschl\u00fcssen viel zu langsam erfolgt, als dass er den Unternehmen Wettbewerbsvorteile erm\u00f6glichen k\u00f6nnte. Deutschland sei hierbei europaweit immer noch auf den hinteren Pl\u00e4tzen. Und nicht nur das: Viele Unternehmen pflegten weltweite Kundenbeziehungen und st\u00fcnden im internationalen Wettbewerb. Ein guter Standort m\u00fcsse international bestehen k\u00f6nnen, um Wettbewerbsvorteile hieraus zu generieren. \u201ePolitisch angek\u00fcndigt ist ein fl\u00e4chendeckendes Giganetz bis 2025. Das sind noch acht Jahre. Vor gerade einmal zehn Jahren wurde das erste iPhone der \u00d6ffentlichkeit vorgestellt und hat seitdem die Welt einmal auf den Kopf und zur\u00fcck gestellt. So wird Deutschland nicht auf die internationale \u00dcberholspur gelangen. Und heimische Unternehmen, darunter Weltmarktf\u00fchrer, sehen pl\u00f6tzlich ihre Marktposition gef\u00e4hrdet\u201c, so IHK-Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer Hans-Peter Langer.<\/p>\n<p>Und auch das zeigte das Wirtschaftsgespr\u00e4ch: Um dem Fachkr\u00e4fteengpass zu begegnen, verfolgen die Unternehmen in Freudenberg je nach Branche und gesuchtem Profil unterschiedliche Wege. Claudius Rink, Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer der Lachmann &amp; Rink Ingenieurgesellschaft f\u00fcr Prozessrechner und Microcomputeranwendungen mbH, berichtete, dass das Unternehmen in den letzten Jahren \u00fcber 30 Ingenieure eingestellt habe und weitere suche. \u201eEs z\u00e4hlt die pers\u00f6nliche Ansprache, auch \u00fcber soziale Netzwerke. Auch Recruitingmessen werden von uns besucht. Wir machen dabei die Erfahrung, dass sich die Einstellungen der j\u00fcngeren Generation ge\u00e4ndert haben. Hierauf gilt es zu reagieren und beispielsweise dem Bed\u00fcrfnis nach einer Work-Life-Balance, das f\u00fcr viele immer wichtiger wird, nachzukommen.\u201c<\/p>\n<p>Die Albrecht B\u00e4umer GmbH &amp; Co. KG setzt unter anderem auf Ma\u00dfnahmen zur Familienfreundlichkeit, f\u00fcr die das Unternehmen sogar zertifiziert wurde, aber auch auf eine gute Vernetzung vor Ort, etwa mit \u00f6rtlichen Schulen. \u201eGro\u00dfe renommierte Unternehmen, die mit den Schulen kooperieren und sich auch online attraktiv pr\u00e4sentieren, haben erfahrungsgem\u00e4\u00df weniger Probleme geeignete Fachkr\u00e4fte zu finden als kleine Unternehmen mit unbekannten Berufsbildern\u201c, erl\u00e4uterte IHK-Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer Klaus Fenster. Gleichwohl sei die Situation insgesamt trotz der demografischen Entwicklung und der zunehmenden Akademisierung zwar ernst, aber noch nicht dramatisch<span style=\"font-family: Arial; font-size: medium;\">.<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eFr\u00fcher haben wir getanzt, wenn sich die Betriebstore \u00f6ffneten und der Boden zu vibrieren begann, als die Maschinen anliefen. 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