{"id":7459,"date":"2017-09-08T11:48:38","date_gmt":"2017-09-08T09:48:38","guid":{"rendered":"https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/?p=7459"},"modified":"2017-09-08T11:48:38","modified_gmt":"2017-09-08T09:48:38","slug":"ist-die-digitale-vision-fuer-suedwestfalen-noch-zu-retten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/ist-die-digitale-vision-fuer-suedwestfalen-noch-zu-retten\/","title":{"rendered":"Ist die digitale Vision f\u00fcr S\u00fcdwestfalen noch zu retten?"},"content":{"rendered":"<p>Beim digitalen Wandel in der scheinbaren Beschaulichkeit S\u00fcdwestfalens scheiden sich die Geister. Doch nur auf den ersten Blick. Denn hier dr\u00e4ngen nicht Aufgaben wie das Implementieren neuer Technologien, sondern solche in puncto provinzieller Infrastruktur und (nicht) vorhandener digitaler Mitarbeiterkompetenz in Unternehmen und Betrieben. Vor allem Letzteres hatte unl\u00e4ngst die Studie &#8218;Trendmonitor S\u00fcdwestfalen 4.0&#8216; von PSV Marketing und HEES B\u00fcrowelt faktisch ermittelt. Was mit diesen Ergebnissen zum digitalen Status quo S\u00fcdwestfalens bereits f\u00fcr \u00dcberraschung sorgte, stand jetzt auch auf der Ideen-Agenda des Round Tables von PSV und HEES. Zum l\u00f6sungsfindenden Austausch in analoger Runde waren Vertreter von Unternehmen, Kommunikateure und Impulsgeber mit einer klaren Haltung zum Thema ins Hause der IHK Siegen eingeladen: Sebastian Leipold, Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer HEES B\u00fcrowelt, Niels P\u00f6ppel, Bereichsleiter Vertrieb &amp; Produktion BSW Berleburger Schaumstoffwerk, Stefan Schwenzfeier, Leiter Digitalmarketing PSV Marketing, Gunnar Sohn, Wirtschaftspublizist, Dozent und Blogger (<a class=\"\" href=\"http:\/\/ichsagmal.com\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Ichsagmal.com<\/a>) sowie Marie Ting, Leitung Regionalmarketing und Kommunikation S\u00fcdwestfalen Agentur, setzten sich an einen Tisch, um dem gemeinsamen Ziel zur Gestaltung praxisorientierter Ideen und L\u00f6sungen f\u00fcr die digitalen Herausforderungen der industriell gepr\u00e4gten Region n\u00e4herzukommen.<\/p>\n<p>Dabei sind die digitalen Herausforderungen in S\u00fcdwestfalen durchaus als exemplarisch zu betrachten, wie Moderator Marco Petracca, Senior Markenberater bei PSV, gleich zu Beginn des Austauschs deutlich machte: \u201eDer Begriff &#8218;S\u00fcdwestfalen 4.0&#8216; l\u00e4sst sich ohne Weiteres durch &#8218;Provinz 4.0&#8216; ersetzen. Viele Dinge treffen ja eigentlich auf \u00e4hnliche Regionen in Deutschland zu und nicht nur unbedingt auf diese Region.\u201c\u00a0Die mittelst\u00e4ndischen Hidden Champions und Co. sitzen also deutschlandweit gemeinsam in einem Boot. Doch in welche Richtung es Fahrt aufnimmt, scheint bei vielen noch nicht ganz klar zu sein. Das stellte auch die erste Frage der Runde in den Fokus: \u201eDie Unternehmen in unserer Region: altes Eisen oder Zukunftspotenzial?\u201c Dazu stellte Sebastian Leipold klar: \u201eHinter den Status quo altes Eisen k\u00f6nnen wir doch einen Haken setzen. Ich denke \u00fcber das Thema sind wir hinaus. Viele Unternehmen arbeiten sehr zukunftsorientiert und das Thema Digitalisierung ist h\u00e4ufig schon in die operative Planung mit eingeflossen. Ob die Umsetzung dann nur eine digitale Kommunikation oder bereits auch die Produktion betrifft, variiert jedoch.\u201c<\/p>\n<p>Zur Frage erl\u00e4uterte auch Niels P\u00f6ppel seine Erfahrungen aus der Perspektive von BSW, einem Hidden Champion, dessen Laufbahnen selbst Leichtatlethik-Stars wie Usain Bold sch\u00e4tzen: \u201eEs kommt nat\u00fcrlich immer darauf an, mit wem man sich vergleichen m\u00f6chte. Um es mal \u00fcberspitzt zu formulieren \u2013 in der gro\u00dfen weiten Welt da drau\u00dfen gibt es nat\u00fcrlich etliche Unternehmen, die deutlich digitaler sind als wir aktuell. Ich sehe aber bei uns ein sehr gro\u00dfes Zukunftspotenzial und den Beginn einer effektiven Digitalisierung. Das bedeutet auch, dass wir uns hier personell verst\u00e4rkt haben und bisher gl\u00fccklicherweise noch keine Probleme hatten die entsprechenden Fachkr\u00e4fte in der Region zu finden. Der Impuls mehr zu tun ist gerade im Bereich der Produktion von unserer Strategie motiviert. Aber es gibt auch Digitalisierungsprojekte, die der Markt bestimmt und fordert, wie Kommunikation, Marketing oder neue Datenformate.\u201c<\/p>\n<p>Bei der Frage nach der Relevanz der Digitalisierung in S\u00fcdwestfalen hatte die Studie von PSV und HEES schon gezeigt, dass 92,5 Prozent der Unternehmen dem Thema eine hohe Bedeutung beimessen. Wirtschafstpublizist Gunnar Sohn gab jedoch zu bedenken: \u201eWenn ich irgendwelche Leute h\u00f6re, die von digitalem Darwinismus reden, auf B\u00fchnen rumturnen und sagen wie wichtig es ist, dass man sich von dem was im Silicon Valley l\u00e4uft abgrenzt oder das zuk\u00fcnftige Start ups dieses oder jenes Gesch\u00e4ft pulverisieren, dann kriegen immer alle Angst und sagen &#8218;Ja, ja, wir k\u00fcmmern uns auch um Digitalisierung&#8216;. Aber wenn man dann mal unter die Motorhaube schaut, dann sieht die Welt halt schon ein bisschen anders aus. Es wird beispielsweise wenig kollaborativ gearbeitet, simple Themen wie Videokonferenzen oder F\u00fchren auf Distanz werden nicht adressiert. Da gibt\u2019s ein Auseinanderdriften dessen was wirklich mit den digitalen Werkzeugen gemacht wird und was man in Umfragen dann nach vorne bringt.\u201c<\/p>\n<p>Statt Prozessverbesserungen in der Halle, die ohnehin schon angegangen werden, liegt der nachzuholende Bedarf der Unternehmen demnach auch im Bereich von Informationssystemen, Kommunikation und vernetztem Arbeiten, wie auch Stefan Schwenzfeier, Leiter Digitalmarketing bei PSV, deutlich machte: \u201eViele f\u00fchren einfach noch Excel-Listen, egal \u00fcber was \u2013 \u00fcber Einladungen zu Messen oder \u00fcber alle Produkte, die im Unternehmen existieren. Dann erfolgen Auftrags-Anfragen und es kann z.B. nicht mehr nachvollzogen werden, ob eine Maschine evtl. schon einmal vor drei Jahren gebaut wurde. Hier muss man dringend \u00fcberlegen. Was ist Digitalisierung. Das f\u00e4ngt doch bei einer guten Datenhaltung an und so etwas vereinfacht nach hinten heraus vieles.\u201c<\/p>\n<p>Auch Sebastian Leipold appellierte in diese Richtung: \u201eWir sind hier nicht im Silicon Valley mit Google, Intel &amp; Co., sondern bei uns \u00fcberwiegt die metallverarbeitende Industrie. Trotzdem ist es wichtig eine Basis zu schaffen und zwar so, dass Systeme mit den vorgehaltenen Informationen auch nach einem Ausfall wieder relativ schnell herzustellen sind. Daf\u00fcr braucht es Struktur.\u201c<\/p>\n<p>Die Frage nach der Notwendigkeit von Digitalisierung im Mittelstand oder der Sinnhaftigkeit von extern motiviertem Aktionismus sollte sich also nicht mehr stellen, sondern eine klare Zielsetzung gegeben sein. Marie Ting betonte, dass man gemeinsam an einem Strang ziehen m\u00fcsse, um erfolgreich zu bleiben, f\u00fcr und in der Region S\u00fcdwestfalen: \u201eIn den letzten Monaten ist es gelungen, im Schulterschluss der Region eine &#8218;Vision 2030\u2018 f\u00fcr S\u00fcdwestfalen zu entwickeln. Die definierten Ziele lauten unter anderem: S\u00fcdwestfalen will bundesweit bekannt sein f\u00fcr das kooperative Miteinander bei der Zukunftsgestaltung und als st\u00e4rkste Region des industriellen Mittelstandes eine Spitzenposition in Deutschland einnehmen. Bei der Erreichung dieser Ziele spielt das Thema Digitalisierung in der Vision eine zentrale Rolle. S\u00fcdwestfalen braucht Leuchtturmprojekte mit einer ganz speziellen DNA: Digital gedacht, nachhaltig umgesetzt und authentisch, also zur Region passend gew\u00e4hlt. Viele Herausforderungen in der Wirtschaft k\u00f6nnen branchen\u00fcbergreifend bearbeitet werden, so wie wir auch das Thema Standort- und Fachkr\u00e4ftemangel regional angehen. Die Regionale 2025 wird ein guter Rahmen sein, um neue Projektideen mit Strahlkraft voranzubringen, die den Unternehmen der Region wirklich n\u00fctzen.\u201c<\/p>\n<p>Zusammenarbeit macht in vielen Belangen der Digitalisierung Sinn. Beim Reizthema digitaler Infrastruktur schl\u00e4gt Gunnar Sohn vor, auch die Kommunen wieder st\u00e4rker in die Verantwortung zu nehmen und gegebenenfalls mit Genossenschaften auf die Tr\u00e4gheit des privatwirtschaftlichen Netzausbau zu reagieren. Kooperation ist auch gefragt, wo man sich bei der Rekrutierung neuer Fachkr\u00e4fte attraktiver positionieren m\u00f6chte. Denn ohne diese wird der digitale Wandel zur un\u00fcberwindbaren H\u00fcrde. Speziell in der Studie sahen Unternehmen die Kompetenz der Mitarbeiter als besondere zuk\u00fcnftige Herausforderung. F\u00fcr Stefan Schwenzfeier liegt der Ball hier auch bei den Schulen, Universit\u00e4ten und Unternehmen: \u201eMan darf sich nicht in den entscheidenden Bereichen voneinander entfernen. Wenn ich als Hightech-Hersteller nur im Fachbereich Maschinenbau universit\u00e4re Kollaborationen suche, statt auch im Informatikbereich anzudocken, lasse ich mir Chancen entgehen. Ausbildung und Arbeit m\u00fcssen viel st\u00e4rker zusammenwachsen und gleichzeitig Raum bieten, den die nachr\u00fcckenden digitalen Generationen fordern.\u201c Das bedeutet auch, dass bei der Sorge um die zuk\u00fcnftig fehlende digitale Kompetenz der Mitarbeiter die Industrie sowie Kommunal-, Landes- und Bundespolitik gleicherma\u00dfen gefordert sind, L\u00f6sungen zu finden.<\/p>\n<div class=\"\">\n<p>Die Teilnehmer des aktuellen Round Tables haben mit ihren Ans\u00e4tzen die erste gemeinsame Ideensuche zu einer runden Sache gemacht, die auf jeden Fall einer Fortsetzung Bedarf. Vielleicht dann mit einem erweiterten Teilnehmerkreis, der S\u00fcdwestfalen ebenfalls mit einer neuen Haltung und mehr Offenheit digital voranbringen m\u00f6chte. Und die f\u00e4ngt ganz klar ebenfalls beim Thema Relevanz an. Hier m\u00fcssen sich vor allem auch Berater und Agenturen selbst den Spiegel vorhalten, wie es Gunnar Sohn auf den Punkt brachte: \u201eEin Malermeister zeigt dir halt den Vogel, wenn Du irgendwas \u00fcber Marketing-Kampagnen oder \u00fcber Content-Marketing erz\u00e4hlst. Der will wissen wie er seine Gewerke vielleicht besser darstellen kann, wie er den Kundendienst besser in den Griff bekommt, besser auf die Stammdaten zur\u00fcckgreifen kann, wie er Muster erkennt und wo er vielleicht lokale M\u00e4rkte besser erschlie\u00dft. Und da musst Du halt auch das Gesch\u00e4ft kennen sonst werden nur Tabula-Rasa-Content-Marketing-<wbr \/>Spr\u00fcche an den Kopf geknallt und niemand f\u00fchlt sich abgeholt.\u201c In diesem Sinne: Auf der Suche nach Antworten zum digitalen Wandel sind alle gefordert.<\/p>\n<p>Die vollst\u00e4ndige Studie sowie eine Kurzzusammenfassung kann unter <a class=\"\" href=\"http:\/\/www.swf-vier-null.de\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">www.swf-vier-null.de<\/a> heruntergeladen werden. Hier werden demn\u00e4chst auch weitere Inhalte des 90-min\u00fctigen Round Tables digital zur Verf\u00fcgung stehen.<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Beim digitalen Wandel in der scheinbaren Beschaulichkeit S\u00fcdwestfalens scheiden sich die Geister. Doch nur auf den ersten Blick. 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