{"id":7303,"date":"2017-08-18T11:21:12","date_gmt":"2017-08-18T09:21:12","guid":{"rendered":"https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/?p=7303"},"modified":"2017-08-18T11:26:28","modified_gmt":"2017-08-18T09:26:28","slug":"pepper-der-neue-kollege-im-altenheim","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/pepper-der-neue-kollege-im-altenheim\/","title":{"rendered":"Pepper, der neue Kollege im Altenheim"},"content":{"rendered":"<p>Er kann Pantomime spielen, High Five geben, tanzen und Witze rei\u00dfen. Dabei ist Pepper ein Roboter. 1,20 Meter ist er gro\u00df und bewegt sich auf Rollen. Seine gro\u00dfen Augen sehen freundlich aus und leuchten in verschiedenen Farben. Er ist extra kindlich konstruiert, damit Menschen keine Angst vor ihm haben. Wenn man ihm \u00fcber den Kopf streichelt, f\u00e4ngt er an zu kichern und spricht: \u201eIch bin heute so kitzelig.\u201c Pepper ist seit zwei Monaten im Forschungswohnzimmer (XLAB) an der Universit\u00e4t Siegen zu Hause. Die WissenschaftlerInnen vom Lehrstuhl f\u00fcr Wirtschaftsinformatik und Neue Medien (Prof. Dr. Volker Wulf) und Studierende aus dem Masterstudiengang Human Computer Interaction (HCI) haben Gro\u00dfes mit dem Kleinen vor: Pepper soll schon bald im Altersheim zum Einsatz kommen, soll die \u00e4lteren Menschen unterhalten, mit ihnen R\u00e4tsel raten, Musik spielen und ihnen die Zeit vertreiben, wenn die Pfleger mit anderen Aufgaben besch\u00e4ftigt sind.<\/p>\n<p>Pepper hat Sensoren am Kopf und an den Fingern, kann h\u00f6ren, sehen, sprechen und sogar Stimmlagen und Emotionen erkennen. Entwickelt wurde der Roboter in Frankreich, dann nach Japan verkauft und auf den Massenmarkt gebracht. In der japanischen Sprache f\u00fchlt er sich deshalb am wohlsten. In Siegen lernt Pepper, wie er auch im Deutschen auf Alltagssituationen reagieren kann.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium\" src=\"http:\/\/www.uni-siegen.de\/start\/news\/images_new\/2017\/pepper3_web.jpg\" width=\"1000\" height=\"1400\" \/>Einen ersten Besuch hat Pepper dem Marienheim in Siegen-Weidenau schon abgestattet. Die Heimleitung und das Pflegepersonal waren sofort begeistert, die Bewohner am Anfang eher skeptisch. Sp\u00e4testens nachdem Pepper das Alter der Senioren erraten sollte und manchmal um ein paar Jahrzehnte daneben lag, war das Eis gebrochen. \u201eDie Erfahrung zeigt, dass die Senioren sehr schnell neugierig werden und merken, dass sie Spa\u00df mit Pepper haben k\u00f6nnen und dadurch steigt sofort die Akzeptanz\u201c, erz\u00e4hlt Projektleiter Dr. Rainer Wieching. Wenn Pepper zum Beispiel anf\u00e4ngt zu tanzen, schauen sich die Senioren die Bewegungen ab und machen dann lachend die Armbewegungen oder Tai-Chi \u00dcbungen nach.<\/p>\n<p>Pantomime kann Pepper schon jetzt spielen. Die Senioren k\u00f6nnen raten und ihre Antwort auf Peppers Tablet eintippen, das am Bauch befestigt ist. In Anlehnung an das Galgenm\u00e4nnchen-Spiel k\u00f6nnen sie es so lange versuchen, bis das Galgenm\u00e4nnchen komplett ist. \u201eIn Gespr\u00e4chen mit den Senioren und den Pflegekr\u00e4ften haben wir erfahren, dass die \u00e4lteren Menschen vor allem Ged\u00e4chtnis-Spiele ausprobieren m\u00f6chten, um sich die Zeit zu vertreiben. Also haben wir extra f\u00fcr diese Bed\u00fcrfnisse etwas programmiert\u201c, erkl\u00e4rt Dr. Wieching. Eine studentische Gruppe aus dem HCI-Masterstudiengang hat in seinem Seminar die Funktionen daf\u00fcr entwickelt. \u201eUns ist besonders wichtig, dass wir immer vorab mit den Nutzern sprechen, um deren Bed\u00fcrfnisse und Alltagspraktiken zu erfahren. Wir k\u00f6nnen uns nur bedingt in ihre Welt hineinversetzen, also sagen die Senioren und Pflegekr\u00e4fte uns, was sie sich w\u00fcnschen und was ihr Leben einfacher machen kann.\u201c<\/p>\n<p>Pepper soll nicht nur gute Laune verbreiten. Er soll den Senioren in Zukunft auch dabei helfen, k\u00f6rperliche \u00dcbungen zur Pr\u00e4vention von St\u00fcrzen durchzuf\u00fchren. Der Roboter soll die Senioren aktiv ansprechen und zum Mitmachen motivieren, die \u00dcbungen erkl\u00e4ren und mit positiven Kommentaren oder Tipps helfen.<\/p>\n<p>In Japan ist der demographische Wandel bereits deutlich weiter fortgeschritten als im Rest der Welt. Dort arbeitet Pepper auch schon in Shops und Superm\u00e4rkten, zeigt den Kunden den Weg zum Produkt oder informiert \u00fcber Preise und Inhaltsstoffe. Manche Familien haben ihn sogar schon privat gekauft und leben mit ihm zu Hause. Generell seien Japaner Robotern gegen\u00fcber anders eingestellt als Deutsche, sagt Dr. Wieching und erkl\u00e4rt die kulturellen Unterschiede: \u201eViele Japaner glauben, dass auch Dinge eine Seele haben k\u00f6nnen, Roboter also auch. Deutsche f\u00fchlen sich eher durch die Technik bedroht und haben Angst, dass der Roboter wie im Science-Fiction Film dem Menschen gef\u00e4hrlich werden kann.\u201c Viele Pflegekr\u00e4fte h\u00e4tten auch Bedenken, dass die Roboter ihnen Arbeitspl\u00e4tze wegnehmen w\u00fcrden. \u201eWir wollen Pflegekr\u00e4fte niemals ersetzen\u201c, sagt Wieching. Roboter und Menschen sollten vielmehr hybride Teams bilden und sich gegenseitig erg\u00e4nzen.<\/p>\n<p>Damit das klappt, m\u00fcssten die Pflegekr\u00e4fte den Roboter einfach und schnell \u00fcber eine App auf die Bed\u00fcrfnisse der Patienten einstellen k\u00f6nnen. Der Roboter muss sich gegen\u00fcber einer dementen Person zum Beispiel anders verhalten als bei jemanden, der nicht mehr gut gehen kann. \u201eDas Ziel muss sein, dass Laien ohne Programmier- oder IT-Kenntnisse Pepper bedienen und konfigurieren k\u00f6nnen\u201c, meint der Projektleiter. Daran arbeiten er und sein Team.<\/p>\n<p>Das Rad neu erfinden, wollen sie bei alldem nicht. Die Siegener setzen vor allem auf Kooperationen mit der Fachhochschule Kiel und der Waseda Universit\u00e4t in Tokio, Japan. Die Japanischen Partner forschen gerade daran, wie die Akzeptanz der Menschen gegen\u00fcber Robotern im Alltagsleben noch erh\u00f6ht werden kann, wenn diese zum Beispiel spirituelle Musik oder religi\u00f6se Symbole aus dem japanischen Kulturkreis benutzen, um die Menschen besser zu erreichen. \u201eWir m\u00fcssen noch viel gemeinsam forschen, bis die Roboter uns semi-autonom oder sogar in Teilbereichen voll-autonom in der Pflege unterst\u00fctzen k\u00f6nnen\u201c, sagt Dr. Wieching. Es gehe in der Zukunft dann viel mehr auch um ethische, rechtliche und soziale Fragestellungen, nicht nur um Robotik-Programmierung.<\/p>\n<p>An den Namen Pepper sollte sich der Siegener Roboter \u00fcbrigens nicht allzu sehr gew\u00f6hnen. Denn beim Sommerfest des Marienheims am 27. August d\u00fcrfen die Bewohner und G\u00e4ste ihm einen neuen Namen geben.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Er kann Pantomime spielen, High Five geben, tanzen und Witze rei\u00dfen. 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