{"id":7222,"date":"2017-08-08T16:31:12","date_gmt":"2017-08-08T14:31:12","guid":{"rendered":"https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/?p=7222"},"modified":"2017-08-31T10:51:38","modified_gmt":"2017-08-31T08:51:38","slug":"moderne-arbeitszeit-nicht-mit-brechstange","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/moderne-arbeitszeit-nicht-mit-brechstange\/","title":{"rendered":"Moderne Arbeitszeit nicht mit Brechstange"},"content":{"rendered":"<section>Die Arbeitszeit muss bei aller R\u00fccksicht auf Mitarbeiterinteressen auch dem Bedarf der Betriebe in einer zunehmend digitalisierten Arbeitswelt gen\u00fcgen. Die Zeit bis zu den Tarifgespr\u00e4chen Ende 2017 sollte intensiv f\u00fcr sozialpartnerschaftliche Verhandlungen genutzt werden, schreibt IW-Pr\u00e4sident Arndt G\u00fcnter Kirchhoff in einem Gastbeitrag in der Rheinischen Post.<\/section>\n<div>\n<p>Die Tarifrunde 2018 liegt scheinbar noch in weiter Ferne. Tats\u00e4chlich aber hat der Erste Vorsitzende der IG Metall, J\u00f6rg Hofmann, schon auf dem Arbeitszeitkongress der Gewerkschaft im Juni 2017 die Ouvert\u00fcre dirigiert. Er hat die Arbeitszeit zum Thema der kommenden Auseinandersetzung ausgerufen.Dar\u00fcber, wie ein modernes, an den Lebensphasen und Bed\u00fcrfnissen der Besch\u00e4ftigten orientiertes Arbeitszeitregime aussehen kann, haben wir Metallarbeitgeber mit der Gewerkschaft in den vergangenen beiden Jahren intensive Gespr\u00e4che gef\u00fchrt. Beiden Seiten war klar, dass ein neues Modell bei aller R\u00fccksicht auf die Mitarbeiterinteressen auch dem Bedarf der Betriebe in einer zunehmend digitalisierten Arbeitswelt gen\u00fcgen muss &#8211; eine zugegebenerma\u00dfen nicht einfache, aber in sozialpartnerschaftlichen Verhandlungen l\u00f6sbare Aufgabe. Die IG Metall hat das Thema im Rahmen ihres Arbeitszeitkongresses dann auch aufgegriffen. Sie diskutierte die Arbeitszeit auf Basis einer sehr umfassenden Mitgliederbefragung.<\/p>\n<p>Die Schlussfolgerungen, die die Gewerkschaftsspitze zum Ende des Kongresses gezogen hat, muten allerdings wenig zukunftsweisend an. Denn bei Lichte betrachtet reduziert der Gewerkschaftsvorsitzende die umfassende Gestaltung der Arbeitszeit auf einen Anspruch f\u00fcr bestimmte Arbeitnehmergruppen auf Verk\u00fcrzung der w\u00f6chentlichen Arbeitszeit mit dem Recht auf R\u00fcckkehr in Vollzeit. Praktiker in mittelst\u00e4ndischen Betrieben und vielen Gro\u00dfunternehmen wird diese Forderung nicht irritieren. Einem Besch\u00e4ftigten, der Angeh\u00f6rige pflegen muss oder sich f\u00fcr eine gewisse Zeit intensiver der Kindererziehung widmen will, wird dies &#8211; wo eben vertretbar &#8211; schon heute erm\u00f6glicht. Wenn die private Aufgabe erledigt ist, folgt auch regelm\u00e4\u00dfig die R\u00fcckkehr in Vollzeit. Neu ist allerdings, dass sich die IG Metall einen Lohnzuschuss f\u00fcr die unteren Entgeltgruppen w\u00e4hrend der Zeit der reduzierten Arbeitszeit vorstellt. Sie verlangt Bezahlung f\u00fcr nicht geleistete Arbeit. Da h\u00f6rt dann allerdings mein Verst\u00e4ndnis auf. Ich bin mir auch sicher, dass sich die Zustimmung bei den Arbeitnehmergruppen in Grenzen halten wird, die nicht in den Genuss dieses Privilegs kommen sollen. Wie man, ohne das Prinzip von Leistung und Gegenleistung zu verletzen, durch den Einsatz von Arbeitszeitkonten zu einem verstetigten Einkommen w\u00e4hrend der reduzierten Arbeitszeit kommen kann, ist \u00fcbrigens im bestehenden Tarifvertrag Bildungsteilzeit nachzulesen. Nicht zuletzt deshalb frage ich mich, ob die IG Metall das Selbstvertrauen verlassen hat, eine komplexe Materie in sozialpartnerschaftlichen Verhandlungen zu erarbeiten. Anders kann ich mir ihre Ank\u00fcndigung nicht erkl\u00e4ren, nur einen Teilaspekt der Thematik notfalls mit der &#8222;Brechstange Streik&#8216; l\u00f6sen zu wollen.<\/p>\n<p>In den letzten Jahren hat man den Arbeitgeberverb\u00e4nden gelegentlich vorgeworfen, sich nur auf die Abwehr von Gewerkschaftsforderungen zu beschr\u00e4nken, anstatt die Tarifautonomie als Gestaltungsaufgabe zu verstehen. Die in NRW gef\u00fchrten, sachlich konstruktiven Gespr\u00e4che \u00fcber die Regelung der Arbeitszeit der Zukunft widerlegen dieses Vorurteil. Und genauso m\u00fcssen wir das f\u00fcr die Unternehmen so wichtige Thema auch weiter bearbeiten. Das &#8222;Klein-Klein&#8216; erstreikter Individualanspr\u00fcche, die auch noch an der betrieblichen Wirklichkeit vorbeigehen, ist jedenfalls nicht mehr zeitgem\u00e4\u00df. Zu global agierenden Betrieben und selbstbewussten Besch\u00e4ftigten passt eine solche Strategie \u00fcberhaupt nicht.<\/p>\n<p>Deshalb bin ich in der Arbeitszeitfrage entschieden f\u00fcr sozialpartnerschaftliche Verhandlungen. Daf\u00fcr sollten die Monate bis zu den Tarifgespr\u00e4chen Ende 2017 genutzt werden. Das schlie\u00dft ja nicht aus, dass strittige Fragen aus diesem Prozess auch noch zum Gegenstand der kommenden Tarifrunde gemacht werden. Eins muss aber auch der IG Metall klar sein: Wir werden uns einer Gewerkschafts-Taktik widersetzen, die nur darauf abzielt, die &#8222;Arbeitszeitrosinen&#8216; aus dem Kuchen zu picken. Wenn wir mehr Zeitsouver\u00e4nit\u00e4t f\u00fcr die Besch\u00e4ftigten anstreben, dann brauchen wir unabdingbar mehr Flexibilit\u00e4t f\u00fcr die Arbeitszeitgestaltung in den Betrieben. Bei weitgehend leer gefegten Arbeitsm\u00e4rkten ist das auch gar nicht anders denkbar. Und: Die Arbeitszeitgestaltung muss krisentauglich sein und darf uns im Wettbewerb nicht zur\u00fcckwerfen. Denn an eine weitere wirtschaftliche Entwicklung ohne Rezessionen glaubt ernsthaft ja wohl kaum jemand.<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Arbeitszeit muss bei aller R\u00fccksicht auf Mitarbeiterinteressen auch dem Bedarf der Betriebe in einer zunehmend digitalisierten Arbeitswelt gen\u00fcgen. 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