{"id":6870,"date":"2017-06-27T09:13:09","date_gmt":"2017-06-27T07:13:09","guid":{"rendered":"https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/?p=6870"},"modified":"2017-06-27T09:13:09","modified_gmt":"2017-06-27T07:13:09","slug":"millionen-fuer-zivile-sicherheitsforschung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/millionen-fuer-zivile-sicherheitsforschung\/","title":{"rendered":"Millionen f\u00fcr zivile Sicherheitsforschung"},"content":{"rendered":"<p>Der 21. Januar 2013 ist vielen Menschen in Siegen noch gut in Erinnerung. Ein Brand bei der Vermittlungsstelle der Deutschen Telekom legte damals zahlreiche Kommunikationswege lahm. 500.000 Menschen sowie hunderte Unternehmen waren tagelang von Telefon und Internet abgeschnitten, die Internetseiten von Beh\u00f6rden und Rettungsdiensten offline, die 110 und 112 au\u00dfer Betrieb und der lokale Radiosender au\u00dfer Betrieb. Die von ForscherInnen der Uni Siegen entwickelte Facebook-Seite der Kreisleitstelle funktionierte dagegen: Sie wurde auch von der Bev\u00f6lkerung rege genutzt, um sich \u00fcber die aktuelle Situation zu informieren. Wie sich B\u00fcrgerInnen und Unternehmen in Katastrophenlagen \u00fcber soziale Medien vernetzen k\u00f6nnen, m\u00f6chte eine Forschergruppe der Uni Siegen jetzt genauer untersuchen. Das Projekt \u201eKontiKat\u201c (Zivilgesellschaftliche und betriebliche Kontinuit\u00e4t durch sozio-technische Vernetzung in Katastrophenlagen) wird vom Bundesministerium f\u00fcr Bildung von Forschung (BMBF) mit rund 2,77 Millionen Euro gef\u00f6rdert.<\/p>\n<p>\u201eWir freuen uns sehr, dass unser Projekt den Zuschlag bekommen hat. Eine F\u00f6rderung in dieser H\u00f6he ist schon etwas Besonderes und er\u00f6ffnet uns tolle M\u00f6glichkeiten\u201c, sagt der Leiter der neuen Forschergruppe, Dr. Christian Reuter vom Institut f\u00fcr Wirtschaftsinformatik der Uni Siegen. \u201eWie k\u00f6nnen Freiwillige \u00fcber soziale Medien schnell und einfach Hilfe organisieren? Wie kommen sie mit Hilfsbed\u00fcrftigen zusammen? Und wie k\u00f6nnen sich Unternehmen vernetzen und in Notlagen gegenseitig unterst\u00fctzen? Diese Fragen m\u00f6chten wir kl\u00e4ren und entsprechende Konzepte daf\u00fcr entwickeln.\u201c Nicht nur technische Pannen oder Unwetter k\u00f6nnen rasch ganze Infrastrukturen lahmlegen, betont Reuter. \u201eAuch Terrorismus und Cyberangriffe stellen heute eine gro\u00dfe Gefahr dar und f\u00fchren schnell zu massiven St\u00f6rungen. Mit unserem Vorhaben wollen wir dazu beitragen, die Auswirkungen solcher Ereignisse m\u00f6glichst gering zu halten.\u201c<\/p>\n<p>Sechs Nachwuchs-WissenschaftlerInnen der Uni Siegen arbeiten im \u201eKontiKat\u201c- Projekt zusammen, ProfessorInnen aus verschiedenen Disziplinen unterst\u00fctzen sie dabei als fachliche Mentoren. Beteiligt sind neben dem Bereich \u201eComputergest\u00fctzte Gruppenarbeit\u201c auch die F\u00e4cher \u201eWirtschaftsinformatik und Neue Medien\u201c, Medienwissenschaften, Betriebswirtschaftslehre und Germanistik. \u201eDurch Interviews und die Auswertung empirischer Daten m\u00f6chten wir zun\u00e4chst herausfinden, welche Medien und Plattformen B\u00fcrgerInnen und Betriebe nutzen und wie sie jeweils vernetzt sind\u201c, erkl\u00e4rt der Projektleiter. Auf der Basis dieser Erkenntnisse sollen dann konkrete Unterst\u00fctzungs-Konzepte entwickelt und technisch umgesetzt werden. Auch m\u00f6gliche externe St\u00f6rfaktoren wie die so genannten \u201eFake News\u201c gelte es dabei zu ber\u00fccksichtigen, sagt Reuter: \u201eFalschmeldungen verbreiten sich im Internet mit rasender Geschwindigkeit und k\u00f6nnen gerade in Katastrophensituationen gro\u00dfen Schaden anrichten.\u201c<\/p>\n<p>Kleine und mittlere Unternehmen k\u00f6nnte eine bessere Vernetzung im Krisenfall auch vor finanziellen Sch\u00e4den bewahren. St\u00f6rungen im Kundenkontakt oder bei den internen betrieblichen Abl\u00e4ufen gehen schnell in die Millionen. Im Unterschied zu gro\u00dfen Konzernen sind viele kleinere Unternehmen bei Katastrophenlagen nicht optimal abgesichert, haben Reuter und seine KollegInnen festgestellt: \u201eH\u00e4ufig neigen sie dazu, die Komplexit\u00e4t solcher Krisen zu untersch\u00e4tzen und verlassen sich bei der Bew\u00e4ltigung ausschlie\u00dflich auf ihr direktes Umfeld.\u201c Im Rahmen von \u201eKontiKat\u201c sollen den Unternehmen Wege aufgezeigt werden, sich mit anderen Betrieben zu vernetzen und die Situation gemeinsam zu meistern. \u201eWir m\u00f6chten den Betrieben dazu einfache und effiziente Instrumente zur Verf\u00fcgung stellen, die wir anschlie\u00dfend gemeinsam mit ihnen umsetzen und erproben werden\u201c, sagt Reuter.<\/p>\n<p><strong>Hintergrund:<\/strong><br \/>\nDas Projekt \u201eKontiKat\u201c der Uni Siegen ist insgesamt auf vier Jahre angelegt. Es wird im Rahmen des Programms \u201eZivile Sicherheit \u2013 Nachwuchsf\u00f6rderung durch interdisziplin\u00e4ren Kompetenzaufbau\u201c vom Bundesministerium f\u00fcr Bildung und Forschung (BMBF) gef\u00f6rdert \u2013 als eine von insgesamt f\u00fcnf Forschergruppen in ganz Deutschland. Assoziierte Partner sind unter anderem das Bundesamt f\u00fcr Bev\u00f6lkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK), die IHK Siegen, Katastrophenschutzbeh\u00f6rden in Siegen und Frankfurt und verschiedene Unternehmen. Weitere Informationen zu dem Projekt gibt es im Internet, unter <strong><a class=\"\n\t  cd_extlink\" href=\"http:\/\/www.kontikat.de\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">www.kontikat.de<\/a>.<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der 21. Januar 2013 ist vielen Menschen in Siegen noch gut in Erinnerung. 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