{"id":6831,"date":"2017-06-21T15:34:43","date_gmt":"2017-06-21T13:34:43","guid":{"rendered":"https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/?p=6831"},"modified":"2017-06-21T15:34:43","modified_gmt":"2017-06-21T13:34:43","slug":"die-schweigende-mehrheit-beachtet-niemand","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/die-schweigende-mehrheit-beachtet-niemand\/","title":{"rendered":"\u201eDie schweigende Mehrheit beachtet niemand\u201c"},"content":{"rendered":"<p>\u201eWenn fr\u00fcher Licht am Ende des Tunnels erschien, haben wir Deutschen stets den Tunnel verl\u00e4ngert. Das ist vorbei. Von der vielfach zitierten \u201eGerman Angst\u201c ist derzeit nicht mehr viel zu sp\u00fcren. Das ist auch gut so!\u201c Mit diesen Worten beschrieb Arndt G. Kirchhoff in der j\u00fcngsten Vollversammlung der Industrie- und Handelskammer Siegen (IHK) anschaulich das aus seiner Sicht vorherrschende Klima innerhalb der deutschen Industrie. \u201eUnsere industriellen Aussichten sind das Zukunftsthema schlechthin\u201c, verdeutlichte der Pr\u00e4sident der Arbeitgeberverb\u00e4nde NRW. Mit ihren rund 7 Millionen Besch\u00e4ftigten stelle die deutsche Industrie und die sie pr\u00e4genden Wertsch\u00f6pfungsketten qualitativ hochwertige Produkte her, die sich von den Wettbewerbern im Ausland deutlich abh\u00f6ben. Deutschland sei vom \u201ekranken Mann des Kontinents\u201c wieder zur Wachstumslokomotive Europas geworden. Die St\u00e4rke der heimischen Industrie h\u00e4tte wesentlich dazu beigetragen, dass Deutschland sich \u00fcber vergleichsweise niedrige Arbeitslosen- und Jugendarbeitslosenquoten freuen k\u00f6nne. Gleichwohl d\u00fcrfe man die aktuellen Herausforderungen nicht \u00fcbersehen, warnte der Attendorner Unternehmer. Dazu geh\u00f6rten ein fragiles und unsicheres internationales Umfeld, die Fl\u00fcchtlingsstr\u00f6me, die Schuldenkrise, der Brexit und der Pr\u00e4sidentenwechsel in den USA ebenso wie die unsichere Lage im Nahen Osten.<\/p>\n<p>Trotz allem wirtschaftlichen Erfolg vermisste Kirchhoff wichtige Weichenstellungen. \u201eWir d\u00fcrfen auf keinen Fall im Erfolg die gr\u00f6\u00dften Fehler machen! Stichwort Bildung: Es gibt zu wenige Spitzenleistungen.\u201c Die Unternehmen m\u00fcssten sich um einen intensiveren Kontakt zu den Hochschulen bem\u00fchen. In Siegen sei in dieser Hinsicht in der j\u00fcngeren Vergangenheit einiges geschehen. \u201eUnter anderem dadurch hat die heimische Universit\u00e4t deutlich an Profil und Exzellenz gewonnen.\u201c Oder die Ausbildungssituation: \u201eEin Sechstel bis ein F\u00fcnftel aller Jahrg\u00e4nge sind derzeit nicht ausbildungsf\u00e4hig\u201c, kritisierte er. \u201eLassen Sie nicht nach, jungen Leuten eine zweite Chance zu geben\u201c, forderte Kirchhoff mit Blick auf den Fachkr\u00e4ftemangel. Auch beim Thema Digitalisierung gebe es M\u00e4ngel, zeigte der geb\u00fcrtige Essener auf. So sollten vor allem Lehrer weitergebildet werden, sie m\u00fcssten sehr viel st\u00e4rker dazu angehalten werden, mit der Wirtschaft zu kooperieren. \u201eHier m\u00fcssen wir viel schneller werden, sonst werden unsere Kinder nicht mehr zeitgem\u00e4\u00df ausgebildet.\u201c Bekannterma\u00dfen stelle die Verkehrsinfrastruktur ebenfalls ein Manko dar. Kirchhoff: \u201eWir haben unseren Schwerlastverkehr, der weder aus der Region heraus noch in sie hineinkommt.\u201c Hier vermisse er unkonventionelle L\u00f6sungen, indem beispielsweise Br\u00fccken, anstatt sie abzulasten, als \u00dcbergangsl\u00f6sung mit weiteren Pfeilern unterbaut w\u00fcrden. Die vielerorts nicht vorhandenen schnellen Datenleitungen mahnte er ebenfalls an. \u201eWir in Attendorn sind gezwungen, uns selbst zu helfen. Das kann es doch nicht sein!\u201c Grunds\u00e4tzlich m\u00fcssten in Deutschland wieder die richtigen Priorit\u00e4ten gesetzt werden. \u201eWir neigen dazu, auf Herausforderungen mit Regulierungsdebatten zu antworten\u201c, konstatierte Kirchhoff. Beispielsweise in der Schaffung von Gewerbefl\u00e4chen, von denen die Industrie mehr ben\u00f6tige. \u201eIn Industriegebieten kann es nicht sein, eigens Artenschutzgutachten anfertigen lassen zu m\u00fcssen. Entweder wir haben ein Industriegebiet, oder wir haben keins.\u201c Daher brauche die Politik ein \u201eneues Grundempfinden f\u00fcr die Industrie: Wir ben\u00f6tigen Vertrauen, nicht aber Misstrauen; wir brauchen Akzeptanz, nicht jedoch Widerstand. Und wir sollten die Industrie als notwendig ansehen, wenn wir stark bleiben wollen.\u201c<\/p>\n<p>Auch die Politik nahm Arndt G. Kirchhoff in die Pflicht. In den Medien k\u00e4men vorwiegend die Reichen und die Armen vor. \u201eDie schweigende Mitte beachtet niemand.\u201c Sie aber trage die Leistungsgesellschaft, die eine Politik der Reallohnsteigerungen erst erm\u00f6gliche. \u201eUnd das sind unsere Mitarbeiter, die Basis f\u00fcr die Industrie und unseren Wohlstand\u201c. Hierzulande m\u00fcsse die neue NRW-Regierung schnell daf\u00fcr sorgen, dass sich im Land die Rahmenbedingungen \u00e4nderten: \u201eWir sind es satt, Schlusslicht zu sein.\u201c Im Prinzip funktioniere die Wirtschaft als Dreieck, symbolisierte Kirchhoff abschlie\u00dfend: die \u00d6konomie an der Spitze, gest\u00fctzt auf soziale Projekte und \u00d6kologie. \u201eDas Dreieck darf man nicht auf den Kopf stellen. Wenn wir uns daran halten, dann bin ich \u00fcberzeugt, dass wir den Wohlstand halten k\u00f6nnen. Der Schl\u00fcssel dazu ist eine funktionierende nachhaltige Industrie.\u201c<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eWenn fr\u00fcher Licht am Ende des Tunnels erschien, haben wir Deutschen stets den Tunnel verl\u00e4ngert. Das ist vorbei. 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