{"id":6805,"date":"2017-06-19T10:34:40","date_gmt":"2017-06-19T08:34:40","guid":{"rendered":"https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/?p=6805"},"modified":"2017-06-20T06:43:54","modified_gmt":"2017-06-20T04:43:54","slug":"der-mittelstand-ist-digitaler-als-man-glaubt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/der-mittelstand-ist-digitaler-als-man-glaubt\/","title":{"rendered":"Der Mittelstand ist digitaler, als man glaubt."},"content":{"rendered":"<p>Von allen Seiten kam es kn\u00fcppeldick f\u00fcr den Mittelstand. Medien und Meinungsmacher aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft konstatierten dem deutschen Mittelstand, er habe den digitalen Wandel in technischer Hinsicht verschlafen. Doch statt in Panik zu verfallen, bleibt man in einer Industrieregion wie S\u00fcdwestfalen, die immerhin die drittst\u00e4rkste Deutschlands ist, eher konzentriert gelassen. Was ist da los? Wird die Industrie 4.0 von all den Hidden Champions nicht nur verschlafen, sondern gar einfach wegignoriert? Wer das immer noch glaubt, kennt die tats\u00e4chlichen Hintergr\u00fcnde und Fakten nicht und ist Vorurteilen gefolgt, die jetzt die erste Studie zum digitalen Status quo S\u00fcdwestfalens mit \u00fcberraschenden Ergebnissen widerlegt.<\/p>\n<p>Die quantitative und qualitative Online-Untersuchung bei 198 Unternehmensentscheidern aus der Industrieregion zeigt, woher der Wind in der zum digitalen Mittelstands-Hinterland degradierten Region (wie \u00e4hnliche Gebiete anderswo in Deutschland auch) tats\u00e4chlich weht. Denn der Schuh dr\u00fcckt ganz woanders, als bisher vermutet und man ist in einigen Bereichen durchaus auf der digitalen \u00dcberholspur unterwegs.<\/p>\n<p>\u201eUns selbst hat die Untersuchung zwar auch in einigen Teilen \u00fcberrascht, aber sie zeigt auch, was wir zumindest vermutet haben\u201c, r\u00e4umt Frank H\u00fcttemann, Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer der Agentur PSV Marketing, ein. Gemeinsam mit dem Partner HEES B\u00fcrowelt hatten die B2B-Experten die Umfrage initiiert. \u201eDas, was in der Gesellschaft an digitalem Wandel vom Internet bis zum Smartphone l\u00e4ngst angekommen ist, f\u00e4rbt nat\u00fcrlich auch auf die Unternehmenswelt ab. Controlling, Rechnungswesen und Vertrieb sind bereits sehr stark digitalisiert. Das zeigen die Ergebnisse.\u201c Sebastian Leipold, Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer der HEES B\u00fcrowelt, zieht ein \u00e4hnlich positives erstes Resum\u00e9e: \u201eEs freut uns, dass wir durchaus besser dastehen, als von vielen erwartet \u2013 allen Unkenrufen zum Trotz. Denn die befragten Unternehmen sch\u00e4tzen sich beim Grad der Digitalisierung im oberen Mittelfeld ein. Und fast alle planen ihre digitalen Ma\u00dfnahmen aktiv zu verst\u00e4rken. Es gibt ihn also durchaus, den digitalen Wandel in S\u00fcdwestfalen.\u201c<\/p>\n<p>Soweit schon einmal die gute Nachricht f\u00fcr die Region. In konkreten Zahlen spiegeln sich diese Fakten beispielsweise in 92 % der befragten Unternehmen wider, die der Digitalisierung eine sehr hohe Bedeutung fu\u0308r ihre jeweilige Branche beimessen. Eine hohe strategische Relevanz macht das Thema fu\u0308r 96 % der Unternehmen aus. Bedenkt man, dass f\u00fcr die s\u00fcdwestf\u00e4lische Wirtschaft vorwiegend das produzierende Gewerbe typisch ist, zeichnet sich hier das Bild eines traditionellen mittelst\u00e4ndischen Unternehmertums ab, das den teils radikalen Wandel von Arbeit und Organisation offen angeht. Das stellt einmal mehr auch die Innovationskraft und den unternehmerischen Mut der Region unter Beweis.<\/p>\n<p>Angeregt wird der Wandel von Vorst\u00e4nden und Gesch\u00e4ftsleitungen. Die Kundenorientierung steht dabei besonders im Fokus. Markttrends wie die Individualisierung von Produkten und Leistungen sowie die sich mehr und mehr online abspielende Beschaffungsdynamik zwingen Unternehmen dazu, die Digitalisierung voranzutreiben.<\/p>\n<p>Was jedoch bei dieser fokussierten Kundenorientierung stutzig macht, ist, dass Marketing eher eine Nebenrolle spielt. Frank H\u00fcttemann weist auf den Widerspruch hin: \u201eIch brauche doch das Marketing, um Kundenbed\u00fcrfnisse zu ermitteln. Insbesondere mit fortschrittlichen Online-Marketing-Werkzeugen kann man die Informationsbed\u00fcrfnisse potenzieller Kunden ausgezeichnet messen und analysieren.\u201c H\u00fcttemanns Appell wird von der Studie best\u00e4tigt. Denn mehr als die H\u00e4lfte der befragten Unternehmen gibt die Sicherstellung von Kundenbed\u00fcrfnissen als prim\u00e4res Ziel an. Hier klafft eine Wissensl\u00fccke, wenn Marketing im betriebswirtschaftlichen Sinn nichts anderes als die Ausrichtung eines Unternehmens auf Kundenbed\u00fcrfnisse ist. Und das ist Fakt.<\/p>\n<div id=\"attachment_6808\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/psv-digitalisierung2.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-6808\" class=\"size-medium wp-image-6808\" src=\"https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/psv-digitalisierung2-300x169.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"169\" srcset=\"https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/psv-digitalisierung2-300x169.jpg 300w, https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/psv-digitalisierung2-768x432.jpg 768w, https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/psv-digitalisierung2-180x101.jpg 180w, https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/psv-digitalisierung2-260x146.jpg 260w, https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/psv-digitalisierung2-373x210.jpg 373w, https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/psv-digitalisierung2-120x67.jpg 120w, https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/psv-digitalisierung2.jpg 777w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-6808\" class=\"wp-caption-text\">Die Mitarbeiterkompetenz ist eine der gro\u00dfen Herausforderungen der Digitalisierung.<\/p><\/div>\n<p>Bei dieser Frage sind sich 13,55 % der befragten Unternehmen einig und sehen die Sicherheit auf Platz eins der gr\u00f6\u00dften Herausforderungen, dicht gefolgt von der Mitarbeiterkompetenz auf Platz zwei mit 11,61 %. Bei dieser Einsch\u00e4tzung spielt wohl vor allem eine gewichtige Rolle, dass Technologie und Rechtslage in puncto Daten- und Prozesssicherheit noch nicht ausgereift sind. Aufkl\u00e4rungs- und Marktbedarf ist dennoch vorhanden, den die voranschreitende Digitalisierung voraussichtlich decken wird.<\/p>\n<p>Doch was den Faktor Mensch angeht, herrscht Unsicherheit: Denn die Industrie-Region Su\u0308dwestfalen leidet bereits unter dem Fachkr\u00e4ftemangel. Der demografische Wandel tut sein \u00dcbriges: Altersstrukturen in Unternehmen werden zum Problem. Mitarbeiter, die meist jahrzehntelang immer dieselbe T\u00e4tigkeit verrichtet haben, lassen sich nur sehr schwer f\u00fcr die neuen Anforderungen der Digitalisierung begeistern. Die Frage nach dem Digitalisierungsgrad des Personals im eigenen Unternehmen wurde von 61 % der Teilnehmer als gering eingestuft.<\/p>\n<p>Das macht eine v\u00f6llig neue Dimension des Umdenkens notwendig: Nicht die Technik, sondern der Faktor Mensch ist entscheidend f\u00fcr den Erfolg der Digitalisierung. F\u00fchrungskr\u00e4fte sind in der Pflicht, ein Umdenken in Unternehmen voranzubringen und Lernen zu f\u00f6rdern und zu fordern. Gefordert ist aber auch ein neuer Blick auf digitale Methoden und M\u00f6glichkeiten bei Ausbildung und Studium. Denn die Berufsbilder der Industrie werden sich zweifellos radikal \u00e4ndern. Und damit heute schon die Anforderungen an vorausschauendes Denken und proaktives Handeln.<\/p>\n<div id=\"attachment_6809\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/psv-digitalisierung3.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-6809\" class=\"size-medium wp-image-6809\" src=\"https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/psv-digitalisierung3-300x169.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"169\" srcset=\"https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/psv-digitalisierung3-300x169.jpg 300w, https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/psv-digitalisierung3-768x432.jpg 768w, https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/psv-digitalisierung3-180x101.jpg 180w, https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/psv-digitalisierung3-260x146.jpg 260w, https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/psv-digitalisierung3-373x210.jpg 373w, https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/psv-digitalisierung3-120x67.jpg 120w, https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/psv-digitalisierung3.jpg 777w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-6809\" class=\"wp-caption-text\">Das soll die Digitalisierung bringen.<\/p><\/div>\n<p>Was die Studie von PSV und HEES auch zeigt, ist, dass sich ein Gro\u00dfteil der Digitalisierungsprojekte bisher auf die Umstellung von Informationssystemen, die Verbesserung von Prozessen und das vernetzte Arbeiten bezieht. Dabei wird\u00a0allerdings au\u00dfer Acht gelassen, dass der Erfolg dieser Umstellung von den Mitarbeitern, ihrer Ausbildung und ihrer F\u00fchrung abh\u00e4ngt. Die Digitalisierung erfordert kollaboratives Arbeiten, transparente Prozesse und eine flexiblere, ortsunabh\u00e4ngige Kommunikation \u2013 Eigenschaften, die in der klassischen Industrie bisher eher beil\u00e4ufig beachtet und in der Ausbildung kaum behandelt wurden. Doch das Thema Arbeit muss im digitalen Wandel g\u00e4nzlich \u00fcberdacht werden \u2013 insbesondere mit Blick auf den demographischen Wandel, der ein Umdenken unabdingbar macht. Mitarbeiterpotenziale m\u00fcssen mit Blick auf die digitale Zukunft dementsprechend st\u00e4rker gef\u00f6rdert werden.<\/p>\n<p>Der digitale Wandel ist f\u00fcr eine Industrieregion wie S\u00fcdwestfalen, die in ihrer Beschaffenheit stellvertretend f\u00fcr den deutschen, industriellen Mittelstand steht, eine gro\u00dfe Chance, das Thema Arbeit in die Zukunft zu bringen. Vorausgesetzt, dass sich die Sichtweise auf das Arbeiten und die Rolle der Mitarbeiter grundlegend ver\u00e4ndert.\u00a0\u201eGanz gleich, ob hier oder anderswo in Deutschland: Wir m\u00fcssen Arbeit neu denken, wenn wir den Anschluss an die digitale Welt nicht verpassen wollen\u201c, so Sebastian Leipold. Und Frank H\u00fcttemann f\u00fcgt hinzu: \u201eMit der Digitalisierung \u00e4ndern sich nicht nur die Anforderungen an die Arbeit selbst, sondern auch an den Menschen, der eine Rolle in dieser Arbeit spielt. Vor diesem Hintergrund wollen wir eine Diskussion mit Industrie, Bildung und Politik ansto\u00dfen, um L\u00f6sungen f\u00fcr unsere und andere Regionen zu finden. L\u00f6sungen, die dabei helfen, eben nicht nur die Technologie, sondern vor allem die Haltung im digitalen Wandel weiterzuentwickeln.\u201c<\/p>\n<p>Die vollst\u00e4ndige Studie sowie eine Kurzzusammenfassung kann unter <a href=\"http:\/\/www.swf-vier-null.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><strong>www.swf-vier-null.de<\/strong><\/a> heruntergeladen werden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von allen Seiten kam es kn\u00fcppeldick f\u00fcr den Mittelstand. Medien und Meinungsmacher aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft konstatierten dem deutschen Mittelstand, er habe den digitalen&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":6806,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_jetpack_newsletter_access":"","_jetpack_dont_email_post_to_subs":false,"_jetpack_newsletter_tier_id":0,"_jetpack_memberships_contains_paywalled_content":false,"_jetpack_feature_clip_id":0,"_jetpack_memberships_contains_paid_content":false,"footnotes":"","jetpack_post_was_ever_published":false},"categories":[1,32,30,11],"tags":[],"class_list":["post-6805","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-aktuell","category-infos","category-vermischtes","category-regionale-wirtschaft"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/psv-digitalisierung1.jpg","jetpack_sharing_enabled":true,"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/6805","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=6805"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/6805\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":6810,"href":"https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/6805\/revisions\/6810"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/wp-json\/wp\/v2\/media\/6806"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=6805"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=6805"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=6805"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}