{"id":6637,"date":"2017-05-29T12:40:41","date_gmt":"2017-05-29T10:40:41","guid":{"rendered":"https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/?p=6637"},"modified":"2017-05-29T12:40:41","modified_gmt":"2017-05-29T10:40:41","slug":"industriestandort-nrw-ja-bitte","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/industriestandort-nrw-ja-bitte\/","title":{"rendered":"Industriestandort NRW? Ja, bitte!"},"content":{"rendered":"<p>Nordrhein-Westfalen ohne Industrie ist wie Fu\u00dfball ohne Fans, K\u00f6ln ohne Dom oder D\u00fcsseldorf ohne Altbier: m\u00f6glich, aber sinnlos. Doch wenn im Lande NRW nicht bald etwas geschieht, m\u00fcssen in den Schulen die Erdkunde-B\u00fccher umgeschrieben werden. Bereits im vergangenen Jahr diagnostizierte das RWI \u2013 Leibniz-Institut f\u00fcr Wirtschaftsforschung in Essen in seinem \u201eL\u00e4ndervergleich\u201c NRW eine Tendenz zur De-Industrialisierung: Die Industrie in Nordrhein-Westfalen habe im Vergleich zu anderen Bundesl\u00e4ndern eine \u00e4u\u00dferst schlechte Phase durchlaufen. Ob Entwicklung der industriellen Bruttowertsch\u00f6pfung, Zahl der Besch\u00e4ftigten oder Produktivit\u00e4t \u2013 der traditionelle Industriestandort schw\u00e4chelte in \u00a0allen Kennziffern, die das RWI untersucht hat. Doch weil sich eine starke Industrie und vor allem ein starker industrieller Mittelstand in Deutschland stets als die Garanten f\u00fcr wirtschaftlichen Erfolg und Wohlstand erwiesen haben, muss NRW dringend \u201edie Kurve kriegen\u201c.<\/p>\n<p>Worauf es an Rhein und Ruhr jetzt ankommt, habe ich vor kurzem <em>(gemeinsam mit dem Vorsitzenden der FDP, Christian Lindner) <\/em>dargelegt. Den Schl\u00fcssel zur St\u00e4rkung des Industriestandorts NRW bergen aus unserer Sicht vor allem die Digitalisierung, die Bildung \u2013 sowie beider Schnittmenge: die digitale Bildung. Eine Zusammenfassung unserer spannendsten Ideen f\u00fcr NRW in f\u00fcnf Hashtags:<\/p>\n<p><strong>#Ausbildung40<\/strong>. Ohne die Bergleute w\u00e4re die Kohle- und Stahlindustrie einst nicht zum Markenzeichen von NRW geworden \u2013 und ohne topqualifizierte Fachkr\u00e4fte kommt eine moderne Industrie auch heute nicht aus. Nordrhein-Westfalen kann nur gewinnen, wenn es seine Berufsausbildung, vor allem die duale, ohne Wenn und Aber auf die Anforderungen der Zukunft trimmt. Das beginnt bei aktualisierten Berufsbildern f\u00fcr das digitale Zeitalter, geht weiter \u00fcber Ausbildungsst\u00e4tten 4.0, die Azubis mit den Erfordernissen der Industrie 4.0 vertraut machen, und h\u00f6rt beim Berufsabitur \u2013 der Verkn\u00fcpfung von dualer Ausbildung und Erwerb der Hochschulreife \u2013 nicht auf. Noch so eine gute Idee ist der Meister-Bonus \u2013 er bietet beruflich Qualifizierten einen finanziellen Anreiz zur Weiterbildung und kann dar\u00fcber hinaus mit einem Gr\u00fcndungszuschuss kombiniert werden, der die Start-up-Kultur unterst\u00fctzen w\u00fcrde.<\/p>\n<p><strong>#DigitaleBildung<\/strong>. Nordrhein-Westfalen ben\u00f6tigt ein Sofortprogramm zur Modernisierung der IT-Ausr\u00fcstung und der digitalen Infrastruktur an allen Schulen und weiteren Bildungseinrichtungen. Fachleute dringen schon heute darauf, dass jede Sch\u00fclerin und jeder Sch\u00fcler Programmierkenntnisse erwerben sollte \u2013 und zwar in der Schule. Darauf m\u00fcssen (mit entsprechender Aus- und Weiterbildung) \u00a0sowohl die Lehrkr\u00e4fte eingestellt sein \u00a0als auch die f\u00fcr den Unterricht notwendigen Ressourcen zur Verf\u00fcgung stehen.<\/p>\n<p><strong>#Digitalministerium<\/strong>. Wer NRW zur Speerspitze der Digitalisierung in Deutschland machen will, kommt um ein Ministerium f\u00fcr Digitales nicht herum. Das gilt \u00fcbrigens f\u00fcr die Landes- wie f\u00fcr die Bundesebene. Denn Digitalisierung ben\u00f6tigt Politik aus einem Guss \u2013 und wir alle ben\u00f6tigen die digitale Vernetzung von Bund , L\u00e4ndern und Gemeinden. E-Government\u00a0 spart Zeit und Geld und setzt Kr\u00e4fte f\u00fcr andere Aufgaben frei, in den Administrationen wie in den Unternehmen unseres Landes.<\/p>\n<p><strong>#Breitband<\/strong>. Im Verantwortungsbereich des Digitalministers l\u00e4ge nat\u00fcrlich auch die fl\u00e4chendeckende Versorgung Nordrhein-Westfalens mit gigabitf\u00e4higen Glasfasernetzen vom Sauerland bis in die Eifel. Tempo ist angesagt. Umgehend\u00a0 sollten \u00a0deshalb ein Glasfaser-F\u00f6rderfonds sowie ein \u201eServiceb\u00fcro Kommune 4.0\u201c eingerichtet werden, das die nordrhein-westf\u00e4lischen Gemeinden bei der Erschlie\u00dfung mit Glasfaserkabeln ber\u00e4t. Hilfreich w\u00e4re auch eine \u201eGlasfaser-First\u201c-Strategie bei der Vergabe von Regionalf\u00f6rdermitteln der EU und des Bundes \u2013 diese d\u00fcrfen dann nur noch in gigabitf\u00e4hige Netze investiert werden und nicht mehr in veraltete Kupferkabel.<\/p>\n<p><strong>#Arbeit40<\/strong>. Der demografische Wandel, die Digitalisierung und ganz konkret die Entwicklung zur Industrie 4.0 stellen neue Anforderungen an die Besch\u00e4ftigten und ihre Arbeitgeber, bieten aber auch Chancen auf mehr Selbstbestimmung und Flexibilit\u00e4t. Das k\u00e4me der Vereinbarkeit von Familie und Beruf zugute \u2013 und w\u00fcrde den Unternehmen zugleich beim Kampf gegen den Fachkr\u00e4ftemangel helfen. Von seiten der Politik bieten sich drei flankierende Ma\u00dfnahmen an, um den Erfordernissen der Arbeitswelt 4.0 gerecht zu werden: Erstens sollte die bisherige Grenze der t\u00e4glichen H\u00f6chstarbeitszeit im Arbeitszeitgesetz aufgehoben und stattdessen nur die w\u00f6chentliche H\u00f6chstarbeitszeit von 48 Stunden weiterhin vorgegeben werden. Zweitens muss das Angebot von Kinderbetreuungspl\u00e4tzen massiv ausgeweitet werden. Und drittens w\u00fcrde ein flexibilisierter Renteneintritt ohne Beschr\u00e4nkung der Lebensarbeitszeit mehr Selbstbestimmung schaffen.<\/p>\n<p>Beherzigt eine \u00a0neue Landesregierung im D\u00fcsseldorfer Stadttor diese Ziele \u2013 und vergisst dar\u00fcber hinaus auch nicht, die Verkehrswege auf Vordermann zu bringen und den Unternehmen bessere Rahmenbedingungen f\u00fcr Forschung und Entwicklung zu bieten \u2013, dann hat Nordrhein-Westfalen die besten Voraussetzungen, Industriestandort zu bleiben. Und nicht nur das: Es wird sich zum Industriestandort 4.0 weiter entwickeln.<\/p>\n<p><em>Von Wolfgang Clement im <a href=\"http:\/\/www.wirtschaftsblog.nrw\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">NRW-Wirtschaftsblog &#8222;Klartext im Westen&#8220;<\/a><\/em><\/p>\n<p><em>Kuratoriumsvorsitzender der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM), ehemaliger Bundesminister f\u00fcr Wirtschaft und Arbeit und ehemaliger Ministerpr\u00e4sident des Landes Nordrhein-Westfalen.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nordrhein-Westfalen ohne Industrie ist wie Fu\u00dfball ohne Fans, K\u00f6ln ohne Dom oder D\u00fcsseldorf ohne Altbier: m\u00f6glich, aber sinnlos. 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