{"id":6413,"date":"2017-05-02T13:51:44","date_gmt":"2017-05-02T11:51:44","guid":{"rendered":"https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/?p=6413"},"modified":"2017-05-02T19:09:48","modified_gmt":"2017-05-02T17:09:48","slug":"nrw-ein-land-der-traeume","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/nrw-ein-land-der-traeume\/","title":{"rendered":"NRW: Ein Land der Tr\u00e4ume!"},"content":{"rendered":"<p>\u201eWir haben vom Paradies getr\u00e4umt und wachten auf in Nordrhein-Westfalen\u201c. Mit diesem Satz zierte Joachim Gauck seine Rede zum 9. November 1999 im Deutschen Bundestag, was seinerzeit fr\u00f6hliche Heiterkeit im Plenum ausl\u00f6ste. Heute w\u00e4re eher mit h\u00e4mischem Gel\u00e4chter zu rechnen. Denn unser Bundesland hat in den vergangenen 16 Jahren ein im L\u00e4ndervergleich nur unterdurchschnittliches Wachstum des Bruttoinlandsprodukts erreicht. Die Arbeitslosigkeit ist verglichen mit den Fl\u00e4chenl\u00e4ndern \u00fcberdurchschnittlich, die Landesfinanzen sind in unver\u00e4ndert schwieriger Verfassung und das Investitionsgeschehen unbefriedigend. Kurz: Das bev\u00f6lkerungsreichste Land der Bundesrepublik h\u00e4ngt durch.<\/p>\n<p>Den Weg nach vorne findet man aus einer solchen Situation nicht mit St\u00fcckwerk und nicht mit Feuerwerk, sondern nur gesamthaft und strategisch. Das ist freilich leichter gesagt als getan. Einerseits bedarf es einer klaren und akzeptierten Sicht auf die Probleme und Herausforderungen sowie die Schw\u00e4chen und St\u00e4rken. Andererseits muss Politik darauf konzeptionell antworten, und zwar mit langem Atem. Das verlangt im demokratischen Gruppenstaat, indem stets unterschiedliche Interessen mit aus der jeweiligen Sicht hoher Legitimation verhandelt werden m\u00fcssen, eine besonders \u00fcberzeugende Begr\u00fcndung der gew\u00e4hlten politischen Strategie. Daf\u00fcr gilt: Nichts ist erfolgreicher als der Erfolg. Deshalb ist zu empfehlen, bei den St\u00e4rken des Landes zu beginnen.<\/p>\n<p>Ermutigend ist zun\u00e4chst, dass Nordrhein-Westfalen starke Potenzialfaktoren hat: Dazu z\u00e4hlt zun\u00e4chst eine reichhaltige Industriestruktur, die sich in allen Regionen des Landes findet und in Clustern sowie Netzwerken verankert ist. Die Unternehmen des Industrie-Dienstleistungsverbundes sind international wettbewerbsf\u00e4hig und vielfach als Weltmarktf\u00fchrer sowie Hidden Champions unterwegs. Vielf\u00e4ltige und starke Forschungsinstitutionen, industrielle Verbundforschung und eine gut ausgebaute Hochschullandschaft sind ebenso auf der Habenseite zu finden.<\/p>\n<p>Schlie\u00dflich ist die Digitalisierung als Treiber des Strukturwandels in NRW st\u00e4rker in der Wirtschaft angekommen als im bundesdeutschen Schnitt. Mehr noch: NRW hat hier in den letzten Jahren deutlich aufgeholt. Das gilt f\u00fcr mehrere Aspekte der digitalen Transformation. So konnten in unserem Bundesland in kurzer Zeit \u00fcber 1000 neue Startups f\u00fcr die digitale Wirtschaft entstehen. Bei dem in dieser Hinsicht sich eher langsam bewegenden kleineren und mittleren Unternehmen ist der Digitalisierung mittlerweile st\u00e4rker als im Bundesdurchschnitt. Und bei den Industrieunternehmen wird NRW sogar zu einem Paradebeispiel f\u00fcr den digitalen Wandel. Besonders bedeutsam ist daf\u00fcr, dass die etablierten Unternehmen bereits in beachtlichem Umfang mit Startups kooperieren, so dass neue Netzwerke als k\u00fcnftige Wachstumstreiber entstehen.<\/p>\n<p>Aus alldem folgt: Die Wettbewerbsf\u00e4higkeit der Unternehmen ist nicht das Problem. Sie zu st\u00e4rken und noch wirksamer werden zu lassen, darin liegt das Potenzial guter Standortbedingungen. Da kann und muss NRW an vielen Stellen besser werden: Der Umfang der fr\u00fchkindlichen Betreuung, die Qualit\u00e4t der schulischen Bildung, die verl\u00e4ssliche Grundfinanzierung der Hochschulen, der Ausbau der Verkehrsinfrastruktur und die Nutzung modernster Mobilit\u00e4tssteuerung durch die Digitalisierung, die Effizienz der Verwaltung und die Last der B\u00fcrokratie sowie die \u00f6ffentliche Sicherheit. Es sind f\u00fcr sich genommen eigentlich \u00fcberschaubare Themen mit hoher Konsensneigung. Doch in der Summe f\u00fcgen sie sich erst zusammen, wenn mit klarer Linie und verl\u00e4sslich solider Finanzpolitik ein Gesamtrahmen definiert wird.<\/p>\n<p>Die Perspektiven, die bei einer solchen Anstrengung als konzertierte Aktion aller Akteure guten Willens entstehen k\u00f6nnen, sind beachtlich. Die Potentialfaktoren des Landes NRW sind stark. Daraus etwas zu machen, sollte Ansporn sein, in anderen Dimensionen zu denken. NRW als Land der Tr\u00e4ume f\u00fcr Lebenschancen und Leistungseinkommen anstatt als Land der Alptr\u00e4ume f\u00fcr Staatsversagen.<\/p>\n<p><em>Ein Beitrag von\u00a0Prof. Dr. Michael H\u00fcther, Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft K\u00f6ln, im\u00a0<a href=\"http:\/\/www.wirtschaftsblog.nrw\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">NRW-Wirtschaftsblog<\/a> &#8222;Klartext im Westen&#8220;.\u00a0Prof. Dr. Michael H\u00fcther ist Direktor und Mitglied des Pr\u00e4sidiums des Instituts der deutschen Wirtschaft K\u00f6ln und Gerda Henkel Adjunct Professor 2016\/17, Stanford University, CA, USA.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eWir haben vom Paradies getr\u00e4umt und wachten auf in Nordrhein-Westfalen\u201c. Mit diesem Satz zierte Joachim Gauck seine Rede zum 9. 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