{"id":6349,"date":"2017-04-24T15:25:35","date_gmt":"2017-04-24T13:25:35","guid":{"rendered":"https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/?p=6349"},"modified":"2017-04-25T08:00:54","modified_gmt":"2017-04-25T06:00:54","slug":"foerdermassnahmen-und-betriebspraktika-schaffen-perspektiven","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/foerdermassnahmen-und-betriebspraktika-schaffen-perspektiven\/","title":{"rendered":"F\u00f6rderma\u00dfnahmen und Betriebspraktika schaffen Perspektiven"},"content":{"rendered":"<p>Die Einreise von Fl\u00fcchtlingen nach Deutschland hatte im Jahr 2015 ihren H\u00f6hepunkt. Seitdem sind die Zahlen deutlich r\u00fcckl\u00e4ufig \u2013 das mag vor allem am Fl\u00fcchtlingspakt zwischen der EU und der T\u00fcrkei liegen. Dieser R\u00fcckgang der Zahlen veranlasst bereits einige Kommunen, einen Teil ihrer Unterbringungseinrichtungen f\u00fcr Fl\u00fcchtlinge zu schlie\u00dfen. Hei\u00dft das, die Arbeit ist getan? Nein \u2013 denn auch wenn nicht mehr ganz so viele Menschen aus dem Iran, Irak, Syrien oder Afghanistan zu uns kommen, geht die Integration derjenigen, die gekommen sind, jetzt erst richtig los. Mit diesem Eingangsstatement er\u00f6ffnete IHK-Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer Klaus Fenster die Diskussionsveranstaltung \u201eIntegration von Fl\u00fcchtlingen in Ausbildung und Arbeit\u201c in den R\u00e4umen der Industrie- und Handelskammer Siegen. Experten des Kreises Siegen-Wittgenstein, der Bildungstr\u00e4ger, der Agentur f\u00fcr Arbeit und des Jobcenters haben dazu aus ihrer Arbeit berichtet. Es ging um eine erste Bilanz der schon durchgef\u00fchrten Integrationsma\u00dfnahmen und eine Er\u00f6rterung m\u00f6glicher Schwerpunkte und Bedarfe der n\u00e4chsten Jahre. Rund 60 Teilnehmer waren der Einladung durch die IHK Siegen und den Kreis Siegen-Wittgenstein gefolgt.<\/p>\n<p>Aktuell gibt es laut Martin Schreier von der Ausl\u00e4nderbeh\u00f6rde des Kreises 1.228 Asylbewerber in Siegen-Wittgenstein (die Stadt Siegen erhebt eigene Zahlen). Davon haben 455 Personen gute Bleibeperspektiven, denn sie befinden sich im sogenannten qualifizierungsf\u00e4higen Alter. Hierzu z\u00e4hlen diejenigen zwischen 18 und 50 Jahren.<\/p>\n<p>Die zentrale Anlaufstelle f\u00fcr Fl\u00fcchtlinge und Zuwanderer \u2013 die mit hoher Wahrscheinlichkeit bleiben d\u00fcrfen oder zumindest eine Duldung bekommen \u2013 ist der Integration Point Siegen. Er befindet sich in den R\u00e4umen des Jobcenters. Seine Aufgabe: Fl\u00fcchtlinge so fr\u00fch wie m\u00f6glich in den Ausbildungs- und Arbeitsmarkt integrieren. Eine der Grundvoraussetzungen daf\u00fcr ist die entsprechende F\u00f6rderung, insbesondere im Bereich der Sprache, aber auch auf anderen Gebieten. \u201eDie ersten kommen gerade aus den Qualifizierungsma\u00dfnahmen zur\u00fcck\u201c, berichtete Nina Appel. Sie ist im Integration Point f\u00fcr die Arbeitsagentur zust\u00e4ndig und f\u00fchrte weiter aus: \u201eDie Sprachkenntnisse entwickeln sich dabei schlechter als gedacht.\u201c Nicht jeder k\u00f6nne oder d\u00fcrfe einen Integrationssprachkurs absolvieren, das sei von Fall zu Fall unterschiedlich. Alternativ bek\u00e4men sie andere Ma\u00dfnahme angeboten. \u201eDas wollen aber nicht alle\u201c, so Appel. Ein erforderliches Grundniveau f\u00fcr einen Sprachkurs best\u00fcnde aber nicht, erg\u00e4nzte sie.<\/p>\n<p>Das Jobcenter betreut momentan 1.400 Kunden im Integration Point und zus\u00e4tzlich ca. 500 gefl\u00fcchtete Menschen in den regionalen Anlaufstellen. An den Integration Point vermittelt werden die Gefl\u00fcchteten vor allem \u00fcber die St\u00e4dte und Gemeinden in Siegen-Wittgenstein und Olpe. Hier \u00e4u\u00dferte Nina Appel den Wunsch, dass die Kommunen mit genug Informationsmaterial ausgestattet werden, um zu einer besseren Vermittlung beizutragen. Eine andere Anregung kam aus dem Teilnehmerkreis. Andr\u00e9 Schmidt von der Stadt Siegen kritisierte den zentralen Standort: \u201eWer zum Beispiel aus Wittgenstein kommt, hat es unglaublich schwer, nach Siegen zu gelangen. Es w\u00e4re besser, wenn der Integration Point in die Kommunen reinginge.\u201c Achim Otto vom Jobcenter in Siegen merkte an, dass die Betreuung bereits teilweise in der Fl\u00e4che erfolge. Dar\u00fcber hinaus biete der Integration Point bedarfsabh\u00e4ngig Sprechstunden vor Ort an.<\/p>\n<p>\u201eGrunds\u00e4tzliches Ziel des Jobcenters ist\u201c, so Achim Otto in seinem Diskussionsbeitrag, \u201edie Fl\u00fcchtlinge nicht in spezielle Fl\u00fcchtlingsqualifizierungen zu stecken, sondern in \u201anormale\u2018. Dadurch funktioniert die Integration besser\u201c. Ein wichtiger Punkt dabei: Betriebspraktika. So fr\u00fch wie m\u00f6glich m\u00fcsse eine berufsbegleitende Qualifizierung stattfinden. Otto erhofft sich deshalb, mehr Unternehmen lie\u00dfen sich genau darauf ein. Dazu m\u00fcsste zun\u00e4chst die Bereitschaft der Einzelnen besser erfasst werden, um sie im Anschluss entsprechend schnell nutzen zu k\u00f6nnen. IHK-Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer Klaus Fenster f\u00fcgte hinzu: \u201eWir haben im Berufsbildungszentrum die Erfahrung gemacht, dass der Wille, Fl\u00fcchtlinge zu integrieren und auch auszubilden, gro\u00df ist.\u201c Er erg\u00e4nzte: \u201eDer n\u00e4chste Schritt ist jetzt, Betriebe systematisch nach Praktikumspl\u00e4tzen anzufragen.\u201c<\/p>\n<p>Einen Schritt fr\u00fcher setzt das kommunale Integrationszentrum des Kreises Siegen-Wittgenstein an: Die Integration der Kinder und Jugendlichen in den Schulen. In einem Gespr\u00e4ch sucht Friederike Schlehbusch die passende Schulform aus. Aber auch hier wird ein Problem offenkundig: \u201eWir haben das mit der Sprache untersch\u00e4tzt\u201c, sagte sie im Rahmen der IHK-Veranstaltung. F\u00fcr Kinder und Jugendliche sei es schwierig, Deutsch zu lernen. Normalerweise br\u00e4uchte man sechs bis acht Jahre, um eine Sprache soweit zu beherrschen, dass man im Unterricht mitk\u00e4me. Das sei Grundvoraussetzung, um zum Beispiel die gymnasiale Oberstufe zu meistern. \u201eBei den meisten besteht allerdings der unbedingte Wunsch, ein Gymnasium zu besuchen\u201c, verdeutlichte Friederike Schlehbusch weiter. \u201eSehr wenige schaffen das \u2013 aktuell sind es vier. Wenn man das den Kindern und Jugendlichen kundtut, sinkt die Motivation ganz schnell.\u201c<\/p>\n<p>Am Ende der Veranstaltung kristallisierten sich zwei wesentliche Gesichtspunkte heraus, die f\u00fcr eine erfolgreiche Integration von Fl\u00fcchtlingen in Ausbildung und Arbeit unabdingbar sind und in Zukunft verst\u00e4rkt behandelt werden m\u00fcssen: Zum einen geht es um die F\u00f6rderma\u00dfnahmen. Diese m\u00fcssen so abgestimmt werden, dass keine zeitlichen L\u00fccken zwischen ihnen entstehen. So wird verhindert, dass Fl\u00fcchtlinge das Erlernte durch die besagte zeitliche Trennung wieder vergessen. Zum anderen geht es um Betriebspraktika. \u201eEine berufliche Qualifizierung muss in den Betrieben stattfinden\u201c, res\u00fcmierte IHK-Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer Klaus Fenster. Denn nur durch eine Kombination aus Arbeit und Qualifikation lernten Fl\u00fcchtlinge die Arbeitswelt kennen und k\u00f6nnten eigene Ziele entwickeln. \u201eSie haben dann eine Perspektive vor Augen\u201c, so Fenster abschlie\u00dfend.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Einreise von Fl\u00fcchtlingen nach Deutschland hatte im Jahr 2015 ihren H\u00f6hepunkt. 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