{"id":5922,"date":"2017-03-10T15:06:01","date_gmt":"2017-03-10T14:06:01","guid":{"rendered":"https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/?p=5922"},"modified":"2017-03-10T15:06:01","modified_gmt":"2017-03-10T14:06:01","slug":"siegener-forschende-entwickeln-loewen-warnsystem","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/siegener-forschende-entwickeln-loewen-warnsystem\/","title":{"rendered":"Siegener Forschende entwickeln L\u00f6wen-Warnsystem"},"content":{"rendered":"<p>Etwa 1.200 L\u00f6wen leben heute noch im Okavango-Delta in Botswana, bis zu 70 davon an der n\u00f6rdlichen Grenze des Weltnaturerbes. Doch immer wieder werden die Tiere von Anwohnern des Deltas erschossen oder vergiftet. Grund sind in den meisten F\u00e4llen Angriffe der Raubkatzen auf das Vieh der lokalen Bev\u00f6lkerung \u2013 allein in den letzten anderthalb Jahren wurden mehr als hundert F\u00e4lle registriert, in denen L\u00f6wen frei umherlaufende Rinder gerissen haben. WissenschaftlerInnen der Universit\u00e4t Siegen m\u00f6chten den Konflikt nun mit moderner Technik abmildern: Sie arbeiten an einem weltweit einzigartigen Fr\u00fchwarnsystem, das die Einwohner alarmiert, wenn die L\u00f6wen ihnen oder ihren Rindern zu nahekommen. Die Forschenden kooperieren dazu mit den Raubtierforschern des Naturschutz- und Forschungsprojektes \u201eCLAWS Conservancy\u201c.<\/p>\n<p>\u201eF\u00fcr uns ist eine solche IT-Entwicklung auf der Grundlage ethnografischer Forschung in Afrika absolutes Neuland. Es ist toll, mit unserem Wissen zum Schutz der L\u00f6wen im Okavango-Delta beizutragen\u201c, sagt Dr. Helmut Hauptmeier von der<a class=\" cd_intlink\" href=\"https:\/\/i-school.wineme.fb5.uni-siegen.de\/\" target=\"_blank\"> \u201eiSchool\u201c (School of Media and Information)<\/a>der Universit\u00e4t Siegen. Zusammen mit seinem Kollegen Konstantin Aal vom Lehrstuhl f\u00fcr\u00a0<a class=\" cd_intlink\" href=\"http:\/\/www.wineme.uni-siegen.de\/\" target=\"_blank\">Wirtschaftsinformatik und Neue Medien<\/a> ist der Medienwissenschaftler im Februar von einem mehrw\u00f6chigen Aufenthalt im Delta zur\u00fcckgekehrt. Die Rinder seien f\u00fcr die Menschen dort wichtige Statussymbole \u2013 dennoch w\u00fcrden herk\u00f6mmliche Methoden der Viehhaltung wie das H\u00fcten der Tiere kaum praktiziert, berichten die Forscher. Tags\u00fcber bewegen sich die teils riesigen Rinderherden nahezu unkontrolliert durch das Delta. Um sie vor L\u00f6wen-Angriffen zu sch\u00fctzen, m\u00f6chten die Siegener einen dynamischen \u201eGeofence\u201c entwickeln \u2013 einen virtuellen Zaun. Kommen die L\u00f6wen diesem Zaun zu nahe, werden die Viehhalter automatisch alarmiert und k\u00f6nnen ihre Tiere in Sicherheit bringen. \u201eEs geht uns darum, die Balance zwischen Menschen und L\u00f6wen wiederherzustellen und eine friedliche Co-Existenz zu erm\u00f6glichen\u201c, erkl\u00e4rt Aal.<\/p>\n<p>In den vergangenen Monaten haben Biologen der \u201eCLAWS Conservancy\u201c bereits einige L\u00f6wen-Rudel mit GPS-Sendern ausgestattet. Dazu wird jeweils ein Tier des Rudels bet\u00e4ubt und bekommt ein Halsband mit einem integrierten GPS-Sender umgelegt. \u201eF\u00fcr die Tiere ist das ungef\u00e4hrlich\u201c, versichert Hauptmeier. \u201eDie GPS-Halsb\u00e4nder st\u00f6ren sie nicht. Alle zwei Stunden senden sie \u00fcber Satellit ein Signal, das den Aufenthaltsort der L\u00f6wen verr\u00e4t. Ist die Batterie des Senders nach etwa drei Jahren leer, f\u00e4llt das Halsband von alleine ab.\u201c<\/p>\n<p>In den kommenden Monaten sollen noch mehr L\u00f6wen mit GPS-Sendern ausgestattet werden, ebenso die Leitk\u00fche der gro\u00dfen Rinderherden. \u201eAnhand der Daten sehen wir, bis wohin sich die Tiere jeweils bewegen und k\u00f6nnen eine kritische Linie festlegen, an der entlang Begegnungen wahrscheinlich sind. Dieser Geofence ist dynamisch und passt sich automatisch an die Bewegungen der Tiere an\u201c, erkl\u00e4rt Hauptmeier. Zus\u00e4tzlich m\u00f6chten die WissenschaftlerInnen um die D\u00f6rfer herum jeweils einen statischen Zaun ziehen. Kommen die L\u00f6wen diesen virtuellen Grenzen zu nahe, soll per SMS ein Alarm direkt an die Bewohner, beziehungsweise die Rinderhalter gesendet werden.<\/p>\n<p>Zwar beobachten die Biologen der \u201eCLAWS Conservancy\u201c auch heute schon, wo sich die L\u00f6wen im Delta bewegen und warnen gegebenenfalls die Bev\u00f6lkerung. Das funktioniert bisher aber nur \u00fcber eine umst\u00e4ndliche Telefonkette und kostet viel Zeit, wie das Siegener Forscherteam festgestellt hat. \u201eUnser System soll flexibel, schnell und direkt sein\u201c, sagen Aal und Hauptmeier. \u201eDazu m\u00fcssen wir eine Technik entwickeln, die f\u00fcr die Menschen vor Ort auch nutzbar ist.\u201c In Interviews und Workshops m\u00f6chten die WissenschaftlerInnen herausfinden, welche technischen Vorkenntnisse die Bewohner entlang des Deltas haben und wie sie in ihrem Alltag mit Technik umgehen. Im Juli soll bereits ein erster Prototyp des neuen Warnsystems stehen. \u201eDiesen m\u00f6chten wir zusammen mit den k\u00fcnftigen NutzerInnen weiterentwickeln und ihren Bed\u00fcrfnissen anpassen\u201c, erkl\u00e4rt Aal.<\/p>\n<p>Bis zum Jahresende soll das technisch weiterentwickelte L\u00f6wen-Warnsystem einsatzbereit sein.<br \/>\nEs k\u00f6nnte mit relativ geringem Aufwand auch auf andere Situationen und Gebiete \u00fcbertragen werden. Einige Ideen haben die ForscherInnen der CLAWS Conservancy zusammen mit den Siegener WissenschaftlerInnen dazu schon entwickelt: So k\u00f6nnte die Technik etwa zum Schutz der Schneeleoparden in Kasachstan oder der W\u00f6lfe im und um den amerikanischen Yellow Stone-Nationalpark beitragen \u2013 oder auch zur Umsetzung des europaweit einzigartigen Wisent-Auswilderungsprojektes im deutschen Rothaargebirge.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Etwa 1.200 L\u00f6wen leben heute noch im Okavango-Delta in Botswana, bis zu 70 davon an der n\u00f6rdlichen Grenze des Weltnaturerbes. 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