{"id":5746,"date":"2017-02-22T08:46:17","date_gmt":"2017-02-22T07:46:17","guid":{"rendered":"http:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/?p=5746"},"modified":"2017-02-22T08:46:17","modified_gmt":"2017-02-22T07:46:17","slug":"ein-populistischer-griff-in-die-mottenkiste","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/ein-populistischer-griff-in-die-mottenkiste\/","title":{"rendered":"Ein populistischer Griff in die Mottenkiste"},"content":{"rendered":"<p>Die Agenda 2010 hat unser Land in schwierigen Zeiten voran\u00a0 gebracht, aber Gerhard Schr\u00f6der die Kanzlerschaft gekostet. Die deutsche Sozialdemokratie hat dieses Dilemma nie verwunden. Wenn Martin Schulz heute Teile der Reformen wieder r\u00fcckg\u00e4ngig machen will, dann heilt er damit zwar eine seit langem schw\u00e4rende Wunde seiner Partei, er schadet aber gleichzeitig der Zukunft unseres \u00a0Landes und der Wettbewerbsf\u00e4higkeit unserer Wirtschaft.<\/p>\n<p>Deutschland und den Deutschen geht es heute so gut wie noch nie in der Geschichte der Bundesrepublik. Erstaunlicherweise hat diese Tatsache nicht etwa ein positives Grundgef\u00fchl in unserer Gesellschaft zur Folge. Eher das Gegenteil ist der Fall oder wird zumindest von vielen Politikern, Gewerkschaftern und Soziallobbyisten suggeriert.<\/p>\n<p>Deutschland erlebt heute einen H\u00f6chststand an Besch\u00e4ftigung, davon der \u00fcberwiegende Teil in Vollzeit. Die Zahl der Menschen ohne Arbeit ist so niedrig wie seit langem nicht mehr. Das gilt auch f\u00fcr Jugendliche und Berufsanf\u00e4nger, die entgegen der Behauptung von Martin Schulz nur zu zw\u00f6lf Prozent in zeitlich befristeter Besch\u00e4ftigung t\u00e4tig sind und nicht zu 40 Prozent.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich haben wir auch Probleme: der demografische Wandel in unserer Gesellschaft wird unsere sozialen Sicherungssysteme in den n\u00e4chsten Jahren vor immense Herausforderungen stellen. Das Gleiche gilt f\u00fcr den zunehmenden Mangel an qualifizierten Fachkr\u00e4ften in der Industrie. Die Digitalisierung der Wirtschaft erfordert g\u00e4nzlich neue Qualifizierungen und Arbeitszeitmodelle. Unsere Infrastruktur entspricht nicht mehr den Anforderungen an moderne, zukunftsorientierte Kommunikation und Verkehrstechnik. Unser Bildungssystem ist trotz aller Reformen in der Vergangenheit ebenfalls nicht auf die Herausforderungen von Industrie 4.0 vorbereitet. Hinzu kommen die Fl\u00fcchtlingskrise und ihre Folgen und der zunehmende internationale Terrorismus. Einmal ganz abgesehen von den Problemen der Europ\u00e4ischen Union und den g\u00e4nzlich unw\u00e4gbaren Handlungen des neuen US-amerikanischen Pr\u00e4sidenten.<\/p>\n<p>Es gibt also Themen genug, mit denen sich der designierte Kanzlerkandidat der SPD auseinandersetzen\u00a0 k\u00f6nnte und m\u00fcsste. Aber anscheinend geht es ihm erst einmal darum, die eigene Partei aus dem Tal der Tr\u00e4nen der Agenda 2010 herauszuf\u00fchren. Und das gegen jede \u00f6konomische und arbeitsmarktpolitische Vernunft. Man darf gespannt sein, welche Antworten Martin Schulz und die SPD auf die wirklich wichtigen Fragen unserer Zeit findet. \u00dcbrigens hat inzwischen auch die NRW-SPD auf Wahlkampfmodus umgeschaltet. Bei den Ank\u00fcndigungen von Hannelore Kraft sollte eigentlich jedem seri\u00f6sen Finanzpolitiker Angst und Bange werden. Und da behaupte noch jemand, Populismus g\u00e4be es nur bei den politischen Gegnern.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Agenda 2010 hat unser Land in schwierigen Zeiten voran\u00a0 gebracht, aber Gerhard Schr\u00f6der die Kanzlerschaft gekostet. 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