{"id":5558,"date":"2017-02-03T14:28:45","date_gmt":"2017-02-03T13:28:45","guid":{"rendered":"http:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/?p=5558"},"modified":"2017-02-06T11:40:44","modified_gmt":"2017-02-06T10:40:44","slug":"facebook-kennt-uns-ohne-dass-wir-registriert-sind","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/facebook-kennt-uns-ohne-dass-wir-registriert-sind\/","title":{"rendered":"\u201eFacebook kennt uns, ohne dass wir registriert sind\u201c"},"content":{"rendered":"<p class=\"newsitem_lead\">Wie sch\u00fctze ich mich gegen das wilde Datensammeln von Unternehmen? Kann ich im Internet wirklich anonym unterwegs sein? Und kann Big Data die Demokratie aush\u00f6hlen? Dr. Anke Sch\u00fcll vom Institut f\u00fcr Wirtschaftsinformatik der Uni Siegen gibt Antworten.<\/p>\n<p align=\"justify\"><em>In den Medien geistert das Schreckgespenst \u201eBig Data\u201c herum. Unternehmen, Beh\u00f6rden und Geheimdienste sammeln Daten \u00fcber uns, um uns zu \u00fcberwachen und zu manipulieren. Was ist dran an solchen Behauptungen?<\/em><br \/>\nJe mehr Daten wir von uns preisgeben und je besser die Analysem\u00f6glichkeiten werden, desto st\u00e4rker n\u00e4hern wir uns dem Bild des \u201egl\u00e4sernen B\u00fcrgers\u201c. Alle Daten, die wir \u2013 bewusst oder unbewusst &#8211; im Web hinterlassen, k\u00f6nnen im Prinzip mit Video\u00fcberwachung, Gesundheitsdaten und Geldtransaktionen verkn\u00fcpft werden. Daraus ergibt sich die M\u00f6glichkeit, umfassende Profile zu erstellen. In manchen L\u00e4ndern werten Kreditinstitute die Profile einer Person in Sozialen Medien aus, um zu analysieren, ob die Person kreditw\u00fcrdig ist oder nicht. Unternehmen k\u00f6nnen uns passgenau Werbung zuschicken. Es gibt zum Teil Unternehmen, bei denen man Personendaten kaufen kann. Die Erstellung von W\u00e4hlerprofilen, wie sie im Rahmen des Wahlkampfes in den USA angeblich verwendet wurden, zeigt wie zielgerichtet und wirksam eine W\u00e4hleransprache erfolgen k\u00f6nnte.<br \/>\n<strong><br \/>\n<\/strong><em>K\u00f6nnen wir dagegen \u00fcberhaupt etwas tun?<\/em><br \/>\nDas Bewusstsein sch\u00e4rfen. Wenn man zum Beispiel der Versicherung gegen\u00fcber erkl\u00e4rt hat, keinerlei Risiko-Sportarten auszu\u00fcben, ist man sich in manch anderen L\u00e4ndern st\u00e4rker dar\u00fcber im Klaren, dass Posts zur Planung eines Motorradtrips, Videos des letzten Gleitschirmflugs oder Meldungen mit den letzten Zeiten beim Apnoe-Tauchen in sozialen Medien zu Problemen f\u00fchren k\u00f6nnen. Insbesondere dann, wenn die Meldungen, Fotos und Videos mit Datum und Uhrzeit gekennzeichnet sind und damit eine zeitliche Zuordnung zur Vertragslaufzeit gestatten. Auch wenn man beim Arbeitgeber eine Krankschreibung wegen R\u00fcckenproblemen eingereicht hat, sind Fotos vom Bau einer Trockenmauer im Garten verr\u00e4terisch. Wir stellen in diesen Beispielen s\u00e4mtliche Daten selbst bereit, um die T\u00e4uschung aufzudecken. Das ist der springende Punkt: In vielen F\u00e4llen entscheiden wir selbst, welche Daten wir \u00fcber uns zur Verf\u00fcgung stellen. Daher ist Sensibilit\u00e4t im Umgang mit den eigenen Daten wichtig. Welche Daten wir posten, welchen AGBs wir zustimmen und welche Privatsph\u00e4re-Einstellungen in sozialen Medien wir vornehmen, entscheiden wir selbst. Auch ob wir Daten verschl\u00fcsselt \u00fcbertragen oder \u00fcber The Onion Router (TOR) anonym surfen wollen, entscheiden wir selbst.<\/p>\n<p><em>Bringen solche Ma\u00dfnahmen wirklich etwas?<\/em><br \/>\nDie Ma\u00dfnahmen sind besser, als v\u00f6llig unachtsam zu sein. Wir k\u00f6nnen trotzdem nicht davor weglaufen, dass wir erfasst werden. Freunde posten Fotos von uns im Internet oder \u00fcberlassen Facebook ihr Adress- und Telefonbuch, und schon sind wir im System. Facebook kennt uns, ohne dass wir registriert sind. Es gab ein Experiment in den USA, bei dem eine Frau es bewusst unterbinden wollte, dass ihre pers\u00f6nliche Lebenssituation erkannt wird. Sie hat auf Barzahlung umgestellt, TOR zum anonymen surfen benutzt, Prepaid-Karten f\u00fcrs Handy verwendet und f\u00fcr jede Bestellung in Online-Shops ein Gastkonto verwendet oder ein neues Konto angelegt, damit ihr Kaufverhalten nicht f\u00fcr die Entwicklung eines Profils genutzt werden konnte. Das war sehr aufw\u00e4ndig und f\u00fchrte dazu, dass pl\u00f6tzlich Ermittler vor ihrer T\u00fcr standen: Ohne es zu wissen hat sie ein Verhaltensmuster angenommen, das auf Geldw\u00e4sche hindeutete und damit die Aufmerksamkeit der Beh\u00f6rden erregt.<\/p>\n<p><em>Das hei\u00dft, dass wir nicht effektiv unterbinden k\u00f6nnen, st\u00e4ndig \u00fcberwacht zu werden. Welche Konsequenzen kann das im schlimmsten Fall haben?<\/em><br \/>\nWenn Menschen aus Sorge davor, ob und Daten verwendet werden, aus bestimmten Foren austreten, die Eingabe bestimmter Suchbegriffe vermeiden und davor zur\u00fcckschrecken ihre Meinungen zu \u00e4u\u00dfern, w\u00e4re das bedenklich. Eine solche \u201eSelbstzensur\u201c w\u00e4re etwas, das man im Auge behalten m\u00fcsste. Auf der anderen Seite k\u00f6nnen Beh\u00f6rden Big Data auch positiv nutzen, zum Beispiel zur Terrorabwehr. Sie k\u00f6nnen Kontakte von Terroristen sowie Vorbereiter und Mitwisser von terroristischen Aktivit\u00e4ten besser \u00fcberwachen und festnehmen.<br \/>\n<strong><br \/>\n<\/strong><em>Big Data hat also auch gute Seiten. Welchen Nutzen haben wir B\u00fcrger durch Big Data im allt\u00e4glichen Leben?<\/em><br \/>\nAnalysen von Big Data haben positive wie negative Seiten. Wenn mein Navigationssystem basierend auf den Fahrtprofilen anderer Nutzer eine Route ermittelt, die wirklich schneller ist, ist das nicht schlecht. Wenn basierend auf den von mir ge\u00e4u\u00dferten Meinungen zu bestimmten Produktmerkmalen, zum Beispiel eines Smartphones, diese Merkmale angepasst werden, verbessert sich das Produkt in meinem Sinne. Zudem ist mit Big Data nicht nur die Auswertung personenbezogener Daten verbunden, sondern auch von Wetterdaten, Sensordaten und vielem mehr. Wenn die Auswertung von Sensordaten dazu f\u00fchrt, dass mein Auto selbst bemerkt, dass sich eine St\u00f6rung anbahnt, bevor es einfach liegen bleibt und fahrunt\u00fcchtig ist, hat auch das Vorteile. Unternehmen entwickeln schon heute Produkte st\u00e4rker darauf ausgerichtet, was Menschen wirklich brauchen und wollen, weil sie unsere W\u00fcnsche und unser Verhalten besser kennen. Es gibt eine ganze Reihe positiver Folgen. Wichtig ist, dass Unternehmen und Beh\u00f6rden verantwortungsvoll mit sensiblen Daten umgehen.<br \/>\n<em><br \/>\nDas Interview f\u00fchrte Nora Frei<\/em><\/p>\n<p><strong>Umfrage<\/strong><br \/>\nDie BWL-Studierenden Oliver Prinz und Melanie Kansy forschen gerade f\u00fcr ihre Bachelorarbeit, welche Rahmenbedingungen f\u00f6rderlich sind, damit mittelst\u00e4ndische Unternehmen Big Data als Chance begreifen und Daten analysieren und auswerten. Mittelst\u00e4ndische Unternehmen k\u00f6nnen bis zum 28.2.2017 an der dazugeh\u00f6rigen <strong><a class=\" cd_extlink\" href=\"https:\/\/umfragen.uni-siegen.de\/index.php\/253473\/lang-de\" target=\"_blank\">Umfrage <\/a><\/strong>teilnehmen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wie sch\u00fctze ich mich gegen das wilde Datensammeln von Unternehmen? Kann ich im Internet wirklich anonym unterwegs sein? 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