{"id":4829,"date":"2016-10-12T09:10:08","date_gmt":"2016-10-12T07:10:08","guid":{"rendered":"http:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/?p=4829"},"modified":"2016-10-12T09:10:08","modified_gmt":"2016-10-12T07:10:08","slug":"wir-wollen-den-super-crash-verhindern","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/wir-wollen-den-super-crash-verhindern\/","title":{"rendered":"&#8222;Wir wollen den Super-Crash verhindern&#8220;"},"content":{"rendered":"<p>H\u00e4tte der VW-Abgasskandal verhindert werden k\u00f6nnen? Zumindest die unternehmensbedrohliche Dimension h\u00e4tte vermieden werden k\u00f6nnen, sagen Dr. Arnd Wiedemann und Dr. Volker Stein von der Uni Siegen. Die beiden BWL-Professoren erforschen, wie Unternehmen Risiken berechnen, abw\u00e4gen und Gefahren fr\u00fchzeitig erkennen k\u00f6nnen. Risk Governance, auf Deutsch risikoorientierte Unternehmensf\u00fchrung, nennen sie diese Methode. Volkswagen wurde von milliardenschweren Klagen aus den USA \u00fcberrascht. Dabei h\u00e4tte das Unternehmen eigentlich vorhersehen m\u00fcssen, dass sein Fehlverhalten gerade in den USA besonders teuer werden w\u00fcrde, sagen die Forscher. Egal ob DAX-Konzern oder mittelst\u00e4ndische Firma im Siegerland \u2013 von dieser Art der risikobewussten Unternehmensf\u00fchrung kann jedes Unternehmen profitieren. Das zeigen Experten am 12. und 13. Oktober bei der 4. Siegener Jahreskonferenz Risk Governance, die Wiedemann und Stein als Teil einer interdisziplin\u00e4ren Forschergruppe organisiert haben.<\/p>\n<div id=\"attachment_4830\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"http:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/wp-content\/uploads\/2016\/10\/risk_governance_thumb.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-4830\" class=\"size-medium wp-image-4830\" src=\"http:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/wp-content\/uploads\/2016\/10\/risk_governance_thumb-300x300.jpg\" alt=\"Die BWL-Professoren Arnd Wiedemann und Volker Stein von der Universit\u00e4t Siegen erforschen, wie Unternehmen vor Risiken und Skandalen gesch\u00fctzt werden k\u00f6nnen. Dazu veranstalten sie die 4. Siegener Jahreskonferenz Risk Governance.\" width=\"300\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/wp-content\/uploads\/2016\/10\/risk_governance_thumb-300x300.jpg 300w, https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/wp-content\/uploads\/2016\/10\/risk_governance_thumb-150x150.jpg 150w, https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/wp-content\/uploads\/2016\/10\/risk_governance_thumb.jpg 400w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-4830\" class=\"wp-caption-text\">Die BWL-Professoren Arnd Wiedemann und Volker Stein von der Universit\u00e4t Siegen erforschen, wie Unternehmen vor Risiken und Skandalen gesch\u00fctzt werden k\u00f6nnen. Dazu veranstalten sie die 4. Siegener Jahreskonferenz Risk Governance.<\/p><\/div>\n<p>\u201eWenn Umweltschutz drauf steht, muss auch Umweltschutz drin stecken\u201c, sagt Volker Stein, Professor f\u00fcr Personalmanagement und Organisation. Volkswagen habe seine Kunden get\u00e4uscht, die eigenen Anspr\u00fcche nicht ernst genug genommen und die Konsequenzen seines Handelns untersch\u00e4tzt. Dabei w\u00e4re es relativ einfach gewesen, die Risiken nicht einzul\u00f6sender Versprechen vorher durchzuspielen. Die Gesetze in den USA waren eindeutig: \u201eEs war klar, dass ein solcher Skandal Gerichts- und Kompensationskosten nach sich ziehen w\u00fcrde. Das Image w\u00fcrde leiden und das Problem w\u00fcrde sich auf Europa ausweiten\u201c, stellt Stein fest. Trotzdem hat VW es soweit kommen lassen \u2013 genau wie andere Unternehmen, die ungebremst in Skandale schlittern. Warum?<\/p>\n<p>\u201eDas Problem ist, dass oft nur finanzielle Risiken berechnet werden, weil das gut messbar ist: Wie viel Geld k\u00f6nnte ich verlieren?\u201c, meint Wiedemann, Professor f\u00fcr Finanz- und Bankmanagement. Dabei gebe es andere Risiken, die genauso schwerwiegend sind: Imageverlust und Personalrisiken wie Entlassungen zum Beispiel. Die Unternehmensf\u00fchrungen sind sich laut Wiedemann oft nicht bewusst, dass all diese Risiken zusammenh\u00e4ngen und sich gegenseitig verschlimmern. Eine Abteilung werkelt vor sich hin und wei\u00df nicht, was die Abteilung neben ihr tut. Sie m\u00fcssten mehr und besser kommunizieren und sich vernetzen. Prof. Wiedemann: \u201eEs geht darum, eine Risikokultur zu schaffen. Das gesamte Unternehmen muss Risiken mitdenken und das muss von ganz oben vorgelebt werden.\u201c Das ist auch deshalb wichtig, weil daran Arbeitspl\u00e4tze und Kunden h\u00e4ngen.<\/p>\n<p>\u201eBisher wird das Thema einfach nicht ernst genug genommen, das wollen wir \u00e4ndern, indem wir das Bewusstsein daf\u00fcr sch\u00e4rfen\u201c, sagt Wiedemann. \u201eDass so traditionsreiche Konzerne wie VW pl\u00f6tzlich komplett ihren Ruf verlieren, ist schon be\u00e4ngstigend. Es zeigt aber, wie n\u00f6tig Risk Governance ist. Damit wollen wir Unternehmen dabei unterst\u00fctzen, den Super-Crash zu verhindern.\u201c<\/p>\n<p>Der Sinn ist nicht, jedes Risiko zu vermeiden, betont Wiedemann. Denn zu betriebswirtschaftlichem Handeln geh\u00f6rt immer eine Portion Risiko. Die Frage ist: Wie robust ist ein Unternehmen, wenn verschiedene als Risiken eingestufte Faktoren tats\u00e4chlich eintreten? \u00dcbertragen auf den Fall VW bedeutet diese Frage: Wenn die \u00d6ffentlichkeit bemerkt, dass das Unternehmen versucht, Abgasnormen zu umgehen, sind die Konsequenzen zu ertragen oder sollten sie unbedingt vermieden werden?<\/p>\n<p>\u201eDiese Art der Unternehmensf\u00fchrung kann jedes Unternehmen anwenden, egal wie gro\u00df, und egal, welche Branche\u201c, meint Volker Stein. Das machen die beiden Professoren bei der 4. Siegener Jahreskonferenz Risk Governance deutlich. Der Fokus liegt in diesem Jahr auf dem Mittelstand. \u201eNat\u00fcrlich ist eine risikoorientierte Unternehmensf\u00fchrung auch f\u00fcr kleine Unternehmen wichtig, und davon haben wir im Siegerland viele wichtige. Schlie\u00dflich h\u00e4ngen auch dort Arbeitspl\u00e4tze von Risk Governance ab\u201c, sagt Prof. Stein. \u201eWer vorausschauend mit den gesamtunternehmerischen Risiken \u2013 insbesondere in ihrer Vernetzung und ihrer Eigendynamik \u2013 umgeht, der kann Entlassungen vermeiden, das ist bewiesen.\u201c<\/p>\n<p>Damit Unternehmen m\u00f6gliche Risiken vorhersagen k\u00f6nnen, sollten sie nicht mit veralteten Modellen arbeiten. Denn die sind laut Stein f\u00fcr die heutige, digitalisierte Zeit nicht mehr geeignet. \u201eWichtig ist, dass die Unternehmensf\u00fchrung Modelle hinterfragt und auch unwahrscheinliche Szenarien ernst nimmt\u201c, erkl\u00e4rt Prof. Stein. Beispielsweise w\u00e4ren Negativzinsen vor einigen Jahren noch undenkbar gewesen. \u201eWenn wir m\u00f6glichst viele M\u00f6glichkeiten durchspielen, h\u00e4tten wir aber auch damals schon den Negativzins beachten m\u00fcssen. Auch wenn das zu der Zeit verr\u00fcckt geklungen hat\u201c, sagt Prof. Wiedemann.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>H\u00e4tte der VW-Abgasskandal verhindert werden k\u00f6nnen? 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