{"id":4719,"date":"2016-09-29T11:58:53","date_gmt":"2016-09-29T09:58:53","guid":{"rendered":"http:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/?p=4719"},"modified":"2016-09-30T08:27:03","modified_gmt":"2016-09-30T06:27:03","slug":"gut-gestimmt-trotz-zunehmender-risiken","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/gut-gestimmt-trotz-zunehmender-risiken\/","title":{"rendered":"\u201eGut gestimmt trotz zunehmender Risiken\u201c"},"content":{"rendered":"<p>\u201eKonjunkturell treten wir auf der Stelle. Dennoch ist die Stimmung alles in allem halbwegs passabel. Die Unternehmenseinsch\u00e4tzungen in beiden Kreisen driften weiter auseinander. Zugleich w\u00e4chst die Besorgnis \u00fcber die weltweiten Krisenherde. Die nach wie vor leicht steigende Gesamtbesch\u00e4ftigung ist vor diesem Hintergrund ebenso erfreulich wie erstaunlich.\u201c Mit diesen Worten fasste IHK-Pr\u00e4sident Felix G. Hensel die Ergebnisse der j\u00fcngsten Konjunkturumfrage zusammen, an der sich mehr als 470 Unternehmen aus Industrie, Handel und Dienstleistungen in den Kreisen Siegen-Wittgenstein und Olpe beteiligt haben.<\/p>\n<p>Die IHK-zugeh\u00f6rigen Unternehmen beurteilen ihre Lage im September 2016 etwas besser als zu Jahresbeginn: \u00dcber 40 Prozent der antwortenden Betriebe sch\u00e4tzen ihre Situation aktuell als gut ein, zwei Prozentpunkte mehr als im Januar dieses Jahres. Mit 12 Prozent urteilen weniger als zuvor negativ. Indessen ist der Blick nach vorne etwas zur\u00fcckhaltender: Knapp mehr als ein F\u00fcnftel erwartet Steigerungen. Vor sechs Monaten meldete das noch jedes vierte Unternehmen. Dennoch sind nur 14 Prozent der Betriebe pessimistisch eingestellt. Unter dem Strich bewegt sich das Konjunkturklima in der Kombination von Lage und Erwartungen mit 118 Punkten nur auf geringf\u00fcgig h\u00f6herem Niveau als im Januar 2016 (117). In einzelnen Wirtschaftszweigen fallen die jeweiligen Konjunkturbarometer trotz der gestiegenen Vorsicht weiter relativ hoch aus. Felix G. Hensel: \u201eUnter dem Strich ist die regionale Wirtschaft in einer soliden Verfassung und auf Kurs. Gleichwohl gibt es nach wie vor gewichtige Ausnahmen im stahlnahen Bereich. Die Industrie im Kernraum Siegen macht uns erhebliche Sorgen. Probleme dieser Art sind andererseits im Kreis Olpe derzeit so gut wie \u00fcberhaupt nicht zu beobachten. Hier l\u00e4uft es alles in allem pr\u00e4chtig, obwohl die internationalen Unw\u00e4gbarkeiten eher zu- als abgenommen haben.\u201c Die Binnennachfrage sei ein positives Pfund, reiche aber als Hauptkonjunkturs\u00e4ule nicht aus. Zumal sie von aktuellen Sonderfaktoren beg\u00fcnstigt werde.<\/p>\n<p>In der regionalen Industrie sind die Produktionskapazit\u00e4ten im Saldo gut ausgelastet. Die Ertr\u00e4ge werden unter dem Strich besser beurteilt. IHK-Hauptgesch\u00e4ftsf\u00fchrer Klaus Gr\u00e4bener: \u201eAuch die Investitionsneigung im Inland steigt wieder. Das ist positiv. Die Unternehmen investieren allerdings \u00fcberwiegend in den Ersatzbedarf, nicht aber, um Produktionskapazit\u00e4ten auszuweiten. Im Siegener Kernraum w\u00e4ren wir schon froh, wenn die Bestandssicherung gel\u00e4nge.\u201c In etlichen stahlnahen und besch\u00e4ftigungsintensiven Betrieben seien die Sorgen indessen weiterhin gro\u00df. Die Ums\u00e4tze in der Metallerzeugung und \u2013bearbeitung w\u00e4ren in den ersten sieben Monaten um 15,9 Prozent regelrecht eingebrochen. Auch der Maschinenbau verzeichnet mit &#8211; 2,1 Prozent Einbu\u00dfen. \u201eDas ist alles andere als beruhigend. Wenn es so bleibt, sollte man sich warm anziehen. Nicht nur unsere Gie\u00dfereien bewegen sich in M\u00e4rkten, in denen sich Preise, Mengen und Margen im tiefsten Keller befinden. Da braucht es schon einer ausgepr\u00e4gt optimistischen Grundhaltung, um frohgemut in die kommenden Monate zu gehen\u201c, bringt es Klaus Gr\u00e4bener auf den Punkt. Im Kreis Olpe hingegen seien zahlreiche Unternehmen \u201enah am Auto\u201c unterwegs. Hier werde die Situation deutlich besser eingesch\u00e4tzt. Aber auch dort w\u00fcrden die Auftragseing\u00e4nge teils nicht mehr so positiv eingestuft wie noch zu Jahresbeginn.<\/p>\n<p>Die Stimmung im regionalen Baugewerbe ist gut bis sehr gut. Dort gehen die Betriebe aber angesichts der Wintersaison und den bisherigen Vorzieheffekten k\u00fcnftig von einer nachlassenden Dynamik aus. Im Einzelhandel ist nicht jede Branche mit dem Sommergesch\u00e4ft zufrieden. Insgesamt werden Rahmenbedingungen und Verlauf des privaten Konsums weiter eher g\u00fcnstig eingestuft. Der Gro\u00dfhandel ist aktuell auf hohem Niveau weniger zufrieden als zu Jahresbeginn, hofft nun aber auf Zuw\u00e4chse. Bei den Dienstleistern f\u00e4llt die Stimmung noch etwas besser aus als zuvor. Sie urteilen am positivsten von allen Wirtschaftszweigen.<\/p>\n<p>Auf den Weltm\u00e4rkten ist durch den Syrienkrieg, die Fl\u00fcchtlingssituation, die Ukraine- und Russlandkrise, die steigenden Terrorgefahren, den Brexit sowie die Chinaschw\u00e4che und weitere Unw\u00e4gbarkeiten in Schwellenl\u00e4ndern die Unsicherheit in den letzten Monaten gestiegen. Die politische Skepsis gegen\u00fcber dem internationalen Handel kommt hinzu. Nicht ohne Grund stehen die Freihandelsabkommen CETA und TTIP auf der Kippe. Ein Unsicherheitsfaktor ist zudem die ungewisse Ausrichtung der k\u00fcnftigen US-Wirtschaftspolitik kurz vor der Pr\u00e4sidentenwahl. Dennoch hoffen die regionalen Exportfirmen in den kommenden Monaten auf eine leichte Belebung der Auslandsimpulse.<\/p>\n<p>\u201e\u00dcber die H\u00e4lfte der Unternehmen treibt zudem die Sorge, dass die Inlandsnachfrage nicht mehr in dem Ausma\u00df wie bisher die Konjunktur st\u00fctzen k\u00f6nnte. Sie f\u00fcrchten, dass die positiven Effekte der privaten und staatlichen Konsumausgaben in ihrer Dynamik nachlassen\u201c, erg\u00e4nzt Stephan J\u00e4ger, Leiter des Referates \u201eKonjunktur, Arbeitsmarkt und Statistik\u201c der IHK. Etwa 40 Prozent der Unternehmen sehen zudem die Entwicklung der Arbeitskosten als Risiko. Die Firmen sorgen sich angesichts immer neuer Regelungen und Auflagen um die Wettbewerbsf\u00e4higkeit in diesem Bereich, zumal die Besch\u00e4ftigungssituation weiterhin gut ausf\u00e4llt, aber an Wachstumsdynamik verloren hat.<\/p>\n<p>Die Entwicklung im Einzelnen:<\/p>\n<p>36 Prozent der Industriebetriebe geben aktuell ein gute Lage an, nur 16 Prozent eine schlechte. Gegen\u00fcber Januar 2016 ist das im Saldo ein Plus von vier Prozentpunkten. \u00dcber 42 Prozent der Firmen melden weiterhin Spitzenauslastungen (\u00fcber 85 Prozent). Mehr Unternehmen als zuvor geben steigende Eing\u00e4nge bei den Inlands- (24 Prozent) und Auslandsauftr\u00e4gen (21 Prozent) an. Allerdings ist der Anteil derer mit fallenden Auslandsorders noch sehr hoch (29 Prozent). Fast jeder Dritte m\u00f6chte k\u00fcnftig die Ausgaben f\u00fcr Inlandsinvestitionen erh\u00f6hen, jedoch vorrangig f\u00fcr Ersatzbedarfe und Rationalisierungen. Nur noch 22 Prozent der Industriebetriebe setzen auf eine demn\u00e4chst bessere Entwicklung (Januar 2016: 26 Prozent), 17 Prozent sind pessimistisch eingestellt.<\/p>\n<p>Weit \u00fcber die H\u00e4lfte der Bauunternehmen (57 Prozent) meldet eine gute Lage und Spitzenauslastungen. Nur 3 Prozent urteilen \u201eschlecht\u201c. Deutlich mehr als jeder Dritte registriert hohe Auftragsbest\u00e4nde. Drei Viertel der Baufirmen erwarten f\u00fcr die nahe Zukunft einen stabilen Verlauf auf diesem Niveau. Nur noch 7 Prozent gehen k\u00fcnftig von Steigerungen aus, fast jeder F\u00fcnfte ist skeptisch eingestellt. Letzteres ist vor allem saisonal bedingt. Zum anderen setzen die Firmen angesichts des guten ersten Halbjahres mit Vorzieheffekten nicht auf noch weitere Zuw\u00e4chse.<\/p>\n<p>Mehr als jeder vierte Einzelh\u00e4ndler gibt eine gute Lage ein, nur 14 Prozent eine schlechte. Deutlich mehr als jeder Dritte verzeichnete zuletzt auch Umsatzzuw\u00e4chse. Allerdings nicht in jeder Branche: Nahrungsmittel- und Textilh\u00e4ndler sind nicht so zufrieden wie zu Jahresbeginn. Angesichts der weiter relativ guten Bedingungen f\u00fcr den Konsum geht insgesamt fast ein Viertel der Einzelhandelsbetriebe von k\u00fcnftig g\u00fcnstigeren Gesch\u00e4ften aus, nur 11 Prozent f\u00fcrchten Einbu\u00dfen.<\/p>\n<p>\u00dcber ein Drittel der Gro\u00dfh\u00e4ndler sch\u00e4tzt die Lage \u201egut\u201c ein, nur 8 Prozent \u201eschlecht\u201c. Die \u00fcberwiegend produktionsnahen Betriebe sind auf hohem Niveau nicht mehr ganz so mit ihren Gesch\u00e4ften zufrieden wie zuvor. Sie erwarten aber k\u00fcnftig Zuw\u00e4chse. Insgesamt setzen so knapp 30 Prozent aller Gro\u00dfh\u00e4ndler auf eine bessere Entwicklung, nur 11 Prozent auf eine schlechtere.<\/p>\n<p>Mehr als jeder zweite Dienstleister sieht sich in einer guten Lage, nur 6 Prozent in einer schlechten. Die positive Stimmung \u00fcberwiegt in allen Teilbranchen deutlich. In Bezug auf das Dienstleistungsgewerbe insgesamt gehen in etwa wie zuvor zwei Drittel von einer gleich bleibend ausk\u00f6mmlichen Entwicklung aus, 22 Prozent hoffen auf Steigerungen. Nur 6 Prozent sind skeptisch eingestellt.<\/p>\n<p>Der regionale Arbeitsmarkt ist in einer soliden Verfassung: Mit 11.928 Arbeitslosen sind in der Region im August 2016 etwas weniger Menschen registriert als zum Vorjahresmonat. Die aktuelle Quote liegt mit 5,1 Prozent um 0,1 Prozentpunkte unter der von 2015. Fast ein Viertel aller Unternehmen m\u00f6chte ihre Mitarbeiterzahl erh\u00f6hen (24 Prozent), nur 12 Prozent erwarten einen Abbau. In der Industrie sind trotz nicht zufriedenstellender Ums\u00e4tze insgesamt etwas mehr Mitarbeiter (plus 0,3 Prozent) besch\u00e4ftigt als vor einem Jahr. Allerdings ging die Industriebesch\u00e4ftigung im Kreis Siegen-Wittgenstein um 1,1 Prozent zur\u00fcck. Im Kreis Olpe stieg sie um 2,3 Prozent.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eKonjunkturell treten wir auf der Stelle. Dennoch ist die Stimmung alles in allem halbwegs passabel. Die Unternehmenseinsch\u00e4tzungen in beiden Kreisen driften weiter auseinander. 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