{"id":4246,"date":"2016-07-20T11:45:01","date_gmt":"2016-07-20T09:45:01","guid":{"rendered":"http:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/?p=4246"},"modified":"2016-07-20T11:45:01","modified_gmt":"2016-07-20T09:45:01","slug":"rentenkonzept-der-ig-metall-funktioniert-so-nicht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/rentenkonzept-der-ig-metall-funktioniert-so-nicht\/","title":{"rendered":"Rentenkonzept der IG Metall funktioniert so nicht"},"content":{"rendered":"<p>Die Zahl der Rentenbezieher steigt in den kommenden Jahren deutlich an. Gleichzeitig wird es immer weniger aktive Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer geben, die in die Rentenkasse einzahlen. Diese Prognose ist schon seit l\u00e4ngerem bekannt und trifft in besonderer Weise auch auf die Region Siegen-Olpe-Wittgenstein zu. Und dennoch hat die IG Metall jetzt ein rentenpolitisches Konzept vorgelegt, dass den zuk\u00fcnftigen Rentnerinnen und Rentner ein sorgenfreies Leben im Alter allein auf der Grundlage der gesetzliche Rente suggeriert. Eine zus\u00e4tzliche\u00a0private Vorsorge sei nicht notwendig, um den Lebensstandard im Alter halten zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Die Fachleute des <a href=\"http:\/\/www.iwkoeln.de\/presse\/iw-nachrichten\/beitrag\/rentenreform-private-vorsorge-nicht-unterschaetzen-294028\" target=\"_blank\">Instituts der deutschen Wirtschaft in K\u00f6ln (IW)<\/a> haben sich das Rentenkonzept der IG Metall einmal genauer angesehen und kommen zu einem ganz anderen Ergebnis. &#8222;Die IG Metall suggeriert mit ihrem Slogan `mehr Rente \u2013 mehr Zukunft\u00b4, dass ein h\u00f6heres gesetzliches Rentenniveau die private Vorsorge ersetzen k\u00f6nne. Ein fatales Signal, denn auch ein Sicherungsniveau von 50 Prozent kann nicht treffsicher vor Armutsrisiken sch\u00fctzen. Sicher ist nur, dass damit die j\u00fcngeren Beitragszahler noch st\u00e4rker belastet werden.&#8220;<\/p>\n<p>Diese Vorstellung ist bereits deswegen falsch, so das IW weiter, weil die Berechnung des Rentenniveaus auf der Fiktion eines Eckrentners mit 45 Beitragsjahren und jeweils durchschnittlichen Verdiensten beruht. Familienbedingte Auszeiten oder freiwillige Teilzeitphasen f\u00fchren im Einzelfall aber dazu, dass die eigene Rente den Lebensstandard alleine nicht sichern kann. So lagen Ende 2014 fast die H\u00e4lfte aller Versichertenrenten unter dem Grundsicherungsniveau eines Haushaltsvorstands. Ein Problem? Offensichtlich nicht, denn nur 2,5 Prozent der gesetzlichen Rentner waren in dem Zeitraum auf die Grundsicherung im Alter angewiesen. Der Grund ist einfach: Im Haushalt kommen mehrere gesetzliche, betriebliche und private Renten sowie Verm\u00f6gen zusammen, die f\u00fcr das Auskommen im Alter sorgen. Es zeigt sich: Private Vorsorge war also bereits in der Vergangenheit wichtig und wird es k\u00fcnftig mehr denn je sein.<\/p>\n<p>Davon abgesehen liefert das Rentenkonzept der IG Metall keine tragf\u00e4hige Grundlage f\u00fcr das Umlageverfahren, wenn die Bev\u00f6lkerung stark altert:<\/p>\n<ul class=\"square\">\n<li>Erst das Absenken des Sicherungsniveaus vor Steuern bis auf 43 Prozent macht es m\u00f6glich, den steigenden Beitragssatz auf 22 Prozent zu deckeln. Selbst wenn das Rentenniveau auf dem aktuellen Niveau von 47,5 Prozent vor Steuern (Stand November 2015) eingefroren w\u00fcrde, m\u00fcssten die Beitragszahler im Jahr 2029 rund 28 Milliarden Euro mehr schultern als urspr\u00fcnglich erwartet. Sp\u00e4testens in der zweiten H\u00e4lfte des Jahrzehnts w\u00e4re ein Beitragssatz von \u00fcber 22 Prozent f\u00e4llig. Bei einem Sicherungsniveau vor Steuern von 50 Prozent steigt die Zusatzlast sogar auf 52 Milliarden Euro, der Beitragssatz w\u00fcrde an der 25-Prozent-Marke kratzen. Vor allem die j\u00fcngeren Beitragszahler w\u00fcrden dabei verlieren.<\/li>\n<li>Das Problem l\u00f6st sich auch dann nicht, wenn k\u00fcnftig Selbst\u00e4ndige in die Gesetzliche Rentenversicherung einzahlen w\u00fcrden, wie die IG Metall vorschl\u00e4gt. Werden alle Selbst\u00e4ndigen auf einen Schlag beitragspflichtig, stehen zwar zun\u00e4chst mehr Einnahmen auf der Habenseite. Wenn damit aber zus\u00e4tzliche Leistungen finanziert oder der Beitragssatz kurzfristig gesenkt werden soll, dann profitieren davon ausgerechnet die ohnehin gut situierten Rentner oder die Beitragszahler der geburtenstarken Jahrg\u00e4nge. Leidtragende sind wiederum die j\u00fcngeren Beitragszahler, die neben der demografischen Last k\u00fcnftig auch noch die Versorgungsanspr\u00fcche der Selbst\u00e4ndigen tragen m\u00fcssen.<\/li>\n<li>Schlie\u00dflich hilft auch eine steuerfinanzierte Beg\u00fcnstigung niedriger Rentenanwartschaften nicht \u2013 ob als Rente nach Mindesteinkommen oder als solidarische Lebensleistungsrente. Hier drohen vor allem hohe Streuverluste durch unerw\u00fcnschte Mitnahmeeffekte. Denn die Rentenversicherung kann nicht feststellen, ob eine geringe Rente aus freiwilliger Teilzeitbesch\u00e4ftigung und familienbedingter Auszeit resultiert oder auf niedrigen Vollzeit-Verdiensten beruht. Die Einkommens- und Verm\u00f6genswerte eines Haushalts k\u00f6nnen die Verwaltungsfachkr\u00e4fte der Rentenversicherung ohnehin nicht einsehen.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Auch wenn es f\u00fcr einen Sozialpolitiker wenig \u201esexy\u201c erscheint: Angesichts der unver\u00e4nderten demografischen Bedingungen bleibt das Festhalten an dem eingeschlagenen rentenpolitischen Kurs weiterhin notwendig. Politischer Aktionismus und nicht haltbare Versprechen verunsichern dagegen und halten die Menschen im schlimmsten Fall von der notwendigen privaten Vorsorge ab.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Zahl der Rentenbezieher steigt in den kommenden Jahren deutlich an. Gleichzeitig wird es immer weniger aktive Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer geben, die in die Rentenkasse&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":4247,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_jetpack_memberships_contains_paid_content":false,"footnotes":""},"categories":[32],"tags":[],"class_list":["post-4246","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-infos"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/newspaper-183785_1280.jpg","jetpack_sharing_enabled":true,"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4246","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=4246"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4246\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":4248,"href":"https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4246\/revisions\/4248"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/wp-json\/wp\/v2\/media\/4247"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=4246"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=4246"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=4246"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}