{"id":4206,"date":"2016-07-12T14:35:03","date_gmt":"2016-07-12T12:35:03","guid":{"rendered":"http:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/?p=4206"},"modified":"2016-07-13T14:09:39","modified_gmt":"2016-07-13T12:09:39","slug":"carolin-feldmann-will-fuer-angenehmere-geraeusche-im-haushalt-sorgen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/carolin-feldmann-will-fuer-angenehmere-geraeusche-im-haushalt-sorgen\/","title":{"rendered":"Carolin Feldmann will f\u00fcr angenehmere Ger\u00e4usche im Haushalt sorgen"},"content":{"rendered":"<p>Fast jeder kennt die Erleichterung, wenn der Staubsauger endlich wieder aus ist oder die Dunstabzugshaube nach dem Kochen herunterf\u00e4hrt. Das Brummen, Zischen oder Heulen solcher Ger\u00e4te kann extrem nervig sein. Ganz abschalten lassen sich die Ger\u00e4usche leider nicht. Aber sie k\u00f6nnen so optimiert werden, dass sie f\u00fcr unsere Ohren deutlich angenehmer klingen. \u201eGer\u00e4uschdesign im Haushalt\u201c nennt sich dieses Fachgebiet.<\/p>\n<p>Am Lehrstuhl f\u00fcr Str\u00f6mungstechnik der Universit\u00e4t Siegen wird aktuell Vorarbeit daf\u00fcr geleistet: Carolin Feldmann analysiert im Rahmen ihrer Doktorarbeit den Klang verschiedener Haushaltsger\u00e4te. Dazu l\u00e4dt sie Testpersonen in ein \u201epsychoakustisches H\u00f6rlabor\u201c ein, das extra f\u00fcr ihre Studie eingerichtet wurde. An sechs Arbeitspl\u00e4tzen h\u00f6ren die Freiwilligen \u00fcber Hightech-Kopfh\u00f6rer unterschiedliche Ger\u00e4usche, zum Beispiel von Dunstabzugshauben oder Klima- und L\u00fcftungsanlagen. Vor ihnen steht jeweils ein Laptop, auf dem Bildschirm sind insgesamt 37 Adjektiv-Paare zu sehen. Anhand dieser Adjektive muss jedes einzelne Ger\u00e4usch beurteilt werden. Eine Klimaanlage kann sich zum Beispiel \u201egar nicht r\u00f6hrend\u201c bis \u201ev\u00f6llig r\u00f6hrend\u201c anh\u00f6ren, \u201estumpf\u201c bis \u201escharf\u201c. Andere Adjektiv-Paare sind \u201ebillig\u201c oder \u201ehochwertig\u201c, \u201edunkel\u201c oder \u201ehell\u201c, \u201egrob\u201c oder \u201esanft\u201c. Dazwischen liegt jeweils eine siebenstufige Skala, auf der die Testpersonen das Ger\u00e4usch einordnen m\u00fcssen.<\/p>\n<p>\u201eF\u00fcr die Teilnehmenden bedeutet das h\u00f6chste Konzentration\u201c, sagt Carolin Feldmann. Zwischen 40 Minuten und einer Stunde dauert eine Testreihe f\u00fcr einen Ger\u00e4tetyp, kleine Pausen inklusive. 230 Freiwillige hat Carolin Feldmann seit Beginn ihrer Doktorarbeit im Herbst 2014 schon durch das H\u00f6rlabor geschleust. Bis zum Ende der Studie sollen noch einmal so viele dazu kommen. \u201eZiel ist es, am Ende sagen zu k\u00f6nnen: So klingt eine Dunstabzugshaube oder eine Klimaanlage am angenehmsten \u2013 und das ist der entscheidende Punkt, das Ger\u00e4usch zu verbessern\u201c, erkl\u00e4rt die Doktorandin.<\/p>\n<p>Konkrete Ergebnisse ihrer Arbeit kann die 28-J\u00e4hrige zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht nennen, aber erste Tendenzen. Zum Beispiel haben die Versuche gezeigt, dass Ger\u00e4usche mit tiefen Frequenzen h\u00e4ufig eher als angenehm empfunden werden. Ein Dr\u00f6hnen oder Klappern empfinden viele Menschen dagegen als sehr st\u00f6rend: \u201eSolche Anteile erzeugen das Gef\u00fchl, dass etwas unrund l\u00e4uft\u201c, so Feldmann, \u201edas Ger\u00e4usch l\u00e4sst sich dann nicht mehr so gut ausblenden wie ein monotones Summen.\u201c<\/p>\n<p>Erkenntnisse, an denen die Industrie gro\u00dfes Interesse hat. Auto-Hersteller t\u00fcfteln bekanntlich schon lange daran, wie sich ein Motor am besten anh\u00f6rt oder mit welchem Ger\u00e4usch die Autot\u00fcr ins Schloss fallen sollte. Bei Haushaltsger\u00e4ten ist das Thema \u201eGer\u00e4uschdesign\u201c noch relativ neu. \u201eAber die Bedeutung steigt\u201c, berichtet Carolin Feldmann: \u201eDie Kunden sind heute viel sensibler, was die Ger\u00e4usche betrifft. Sie beschweren sich auch viel h\u00e4ufiger bei den Herstellern.\u201c<\/p>\n<p>Den Auftrag f\u00fcr ihre psycho-akustische Studie hat Carolin Feldmann folglich auch direkt von der Industrie bekommen: Das Zuliefer-Unternehmen ebm-papst steckt rund 200.000 Euro in das auf drei Jahre angelegte Forschungsprojekt. Die Firma mit Sitz im Baden-W\u00fcrttembergischen Mulfingen ist der weltweit gr\u00f6\u00dfte Hersteller von Ventilatoren. \u201eIn fast jedem Haushaltsger\u00e4t, das man bei uns kaufen kann, steckt ein Ventilator von ebm-papst\u201c, erkl\u00e4rt Feldmann: \u201eDie Ventilatoren sind es auch, die eine Dunstabzugshaube summen oder eine Klimaanlage zischen lassen.\u201c<\/p>\n<p>Ventilatoren werden am Lehrstuhl f\u00fcr Str\u00f6mungstechnik der Universit\u00e4t Siegen schon lange erforscht. \u201eDie Expertise haben wir hier schon seit Jahrzehnten\u201c, erkl\u00e4rt Leiter Prof. Dr. Thomas Carolus: \u201eAber bisher haben wir bei Ventilatoren vor allem den Schalldruck-Pegel gemessen, eine objektive Gr\u00f6\u00dfe. Die Psycho-Akustik, also das subjektive Ger\u00e4uschempfinden, ist jetzt ganz neu dazugekommen.\u201c F\u00fcr die Arbeit am Lehrstuhl sei das hervorragend, so Carolus. Durch die Verbindung beider Bereiche lie\u00dfen sich in Zukunft ganz neue Forschungsfelder erschlie\u00dfen.<\/p>\n<p>Carolin Feldmann l\u00e4sst ihre Arbeit auch in der Freizeit nicht mehr los. \u201eWenn ich im Hotelzimmer eine Klimaanlage h\u00f6re, fange ich sofort an, das Ger\u00e4usch zu analysieren\u201c, berichtet sie und l\u00e4chelt. Dann l\u00e4uft vor dem inneren Auge automatisch die Liste der Adjektiv-Paare ab. Wer neugierig ist und sich selbst einen (H\u00f6r-)Eindruck verschaffen m\u00f6chte, kann sich \u00fcbrigens beim Lehrstuhl f\u00fcr Str\u00f6mungstechnik melden, zum Beispiel per Mail \u00fcber <a class=\" cd_mailto\" href=\"mailto:carolin.feldmann@uni-siegen.de\" target=\"_blank\">carolin.feldmann@uni-siegen.de<\/a>. Testpersonen f\u00fcr die H\u00f6rversuche werden nach wie vor gesucht!<\/p>\n<p>Tanja Hoffmann<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Fast jeder kennt die Erleichterung, wenn der Staubsauger endlich wieder aus ist oder die Dunstabzugshaube nach dem Kochen herunterf\u00e4hrt. 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