{"id":418,"date":"2012-02-24T14:32:18","date_gmt":"2012-02-24T13:32:18","guid":{"rendered":"http:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/?p=418"},"modified":"2012-02-24T14:32:18","modified_gmt":"2012-02-24T13:32:18","slug":"verdeckte-innovationen-sichern-den-erfolg","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/verdeckte-innovationen-sichern-den-erfolg\/","title":{"rendered":"Verdeckte Innovationen sichern den Erfolg"},"content":{"rendered":"<p>Siegen, 24. Februar 2012. Im Rahmen einer Pressekonferenz pr\u00e4sentierte die Industrie- und Handelskammer Siegen (IHK) eine wissenschaftliche Studie der Universit\u00e4t Siegen zur \u201eInnovationsf\u00e4higkeit und Innovationst\u00e4tigkeit heimischer Unternehmen\u201c. IHK-Hauptgesch\u00e4ftsf\u00fchrer Franz J. Mockenhaupt formulierte das Motiv f\u00fcr den Gutachterauftrag: \u201eSeit Jahren hat uns irritiert, wenn in amtlichen Statistiken oder \u00f6ffentlich stark beachteten wissenschaftlichen Erhebungen unsere Region als bestenfalls mittelm\u00e4\u00dfig in Bezug auf Innovationsst\u00e4rke und Innovationsf\u00e4higkeit bezeichnet wurde. Ein Rang 231 beziehungsweise 253 f\u00fcr die Wirtschaft in den Kreisen Olpe beziehungsweise Siegen-Wittgenstein (PROGNOS 2010) hat sowohl die IHK irritiert als auch insbesondere manche unserer am Weltmarkt so erfolgreichen Unternehmen. Die Studie korrigiert die bisherige Diagnose durch zahlreiche Befragungsergebnisse und verdeutlicht eindrucksvoll: Uns geht es gut, weil wir Industrieregion sind und weil wir innovativ sind. Deshalb\u201c, so Mockenhaupt \u201elautete die konkrete Frage: Wie passt es zusammen, dass eine beachtliche Anzahl von Hidden Champions das falsche Gesamtbild einer angeblich nicht gerade innovativen Wirtschaftsregion repr\u00e4sentieren?\u201c<\/p>\n<p>Dieser Fragestellung widmeten sich Professorin Hanna Schramm-Klein und Dr. Sascha Steinmann, Lehrstuhl f\u00fcr Marketing der Universit\u00e4t Siegen, in einer eingehenden Untersuchung. Zus\u00e4tzlich zu 155 Unternehmen, die einen eigens entwickelten differenzierten Fragebogen als Erhebungsbasis beantworteten, wurden jeweils zus\u00e4tzlich mehrst\u00fcndige intensive Expertengespr\u00e4che mit circa 20 Inhabern oder Gesch\u00e4ftsf\u00fchrern ausgew\u00e4hlter mittelst\u00e4ndischer Unternehmen gef\u00fchrt, um vorherige Umfrageergebnisse mit Blick auf das zu hinterfragende Innovationsgeschehen in zahlreichen weiteren Details zu durchleuchten.<\/p>\n<p>Wesentliche Ergebnisse der Studie fasste Professorin Schramm-Klein mit dem Fazit zusammen \u201eVerdeckte Innovation \u2013 sichtbarer Erfolg\u201c. Auf diesen kurzen Nenner gebracht verdeutlichte sie, was sich in der Studie best\u00e4tigt hat, \u201edass n\u00e4mlich die \u00fcblichen Messgr\u00f6\u00dfen und Ma\u00dfst\u00e4be zur Ermittlung von Innovationsf\u00e4higkeit und Innovationst\u00e4tigkeit in einer so stark mittelst\u00e4ndisch gepr\u00e4gten Wirtschaftsregion einfach nicht passen\u201c. Solche Parameter, die \u00fcblicherweise von Forschungsinstituten bundesweit angewandt werden und auch ihren Niederschlag in amtlichen Statistiken finden, sind zum Beispiel die Anzahl der Patente, die in einer Region generiert werden, die statistisch ermittelten Ausgaben f\u00fcr Forschung und Entwicklung (FuE) in den Unternehmen einer Region oder auch die Anzahl wissenschaftlicher Mitarbeiter im prozentualen Verh\u00e4ltnis zur jeweiligen Gesamtbelegschaft der Unternehmen.<\/p>\n<p>Professorin Schramm-Klein: \u201eDies ist hier anders. Der hochqualifizierte Mitarbeiter tr\u00e4gt im Produktionsprozess zu einer Innovation, einer Produktverbesserung bei, die aufgrund einer flachen Hierarchie meist sofort umgesetzt wird. Die Lohnkosten dieses Mitarbeiters werden nicht gesondert als Forschungs- und Entwicklungskosten erfasst. Der Unternehmer setzt das qualitativ verbesserte Produkt im Interesse des schnellen Markterfolgs am Markt ab, ohne ein Patent anzumelden, was wiederum statistisch nicht erfasst wird. Und das typische mittelst\u00e4ndische Industrieunternehmen im Bezirk der Industrie- und Handelskammer Siegen hat in der Regel keine ausgegliederten Forschungs- und Entwicklungsabteilungen, deren Sach- und Personalkosten in Landes- und Bundesstatistiken erfasst werden. Au\u00dferdem ist die Anzahl der wissenschaftlich ausgebildeten Mitarbeiter in regionalen Unternehmen im Bundesvergleich deutlich unterrepr\u00e4sentiert, was jedoch bisher den so beachtlich zahlreichen heimischen Unternehmen, die Europa- und Weltliga \u201aspielen\u2019, keinen Abbruch getan hat \u2013 im Gegenteil. Also k\u00f6nnen wir zu Recht formulieren, dass die Innovation verdeckt abl\u00e4uft, der Erfolg aber umso sichtbarer ist\u201c, res\u00fcmierte Professorin Schramm-Klein.<\/p>\n<p>\u201eDie wissenschaftliche Studie h\u00e4lt aber auch mahnende Hinweise bereit: So haben wir festgestellt, dass die Kooperationsbereitschaft zwischen Unternehmen vergleichsweise zu wenig ausgepr\u00e4gt ist, sei es aus falschem Konkurrenzdenken oder einer zu starken Konzentration auf das eigene Unternehmen (\u201eKooperationsferne\u201c). Eine solche Denkweise ist sicherlich in der Zukunft und langfristig nicht besonders zielf\u00fchrend und insbesondere nicht innovationsf\u00f6rdernd. Auch die Kontakte zwischen heimischen Unternehmen und den Hochschulen, sei es die Universit\u00e4t Siegen am Ort oder zum Beispiel die Fachhochschule S\u00fcdwestfalen, sollten auf Sicht dringend intensiviert werden. Klar ist, dass nat\u00fcrlich auch die Hochschulen selbst hierzu einen Beitrag leisten m\u00fcssen, sich noch st\u00e4rker \u00f6ffnen und insbesondere mittelst\u00e4ndischer denken m\u00fcssen\u201c, formulierte Professorin Schramm-Klein durchaus auch selbstkritisch aus Sicht der Universit\u00e4tsprofessorin.<\/p>\n<p>Welche weiteren Konsequenzen wird die IHK Siegen aus der Studie ziehen? Hinweise darauf gab Hermann-Josef Droege, stellvertretender Hauptgesch\u00e4ftsf\u00fchrer der IHK Siegen: \u201eNicht nur die Vollversammlung wird sich intensiv mit der Studie befassen, sondern auch \u00fcber den IHK-Bezirk hinaus werden wir die inhaltlichen Aussagen und Ergebnisse nachdr\u00fccklich zur Sprache bringen. Dabei ist an den gerade anlaufenden Regionalmarketing-Prozess f\u00fcr S\u00fcdwestfalen zu denken, der unter dem Aspekt der Fachkr\u00e4ftesicherung das regionale Image st\u00e4rken und verbessern soll. In einer vermeintlich innovationsschwachen Region werden dringend ben\u00f6tigte Fachkr\u00e4fte tendenziell keine innovativen Unternehmen und somit attraktive Arbeitgeber vermuten. Aber auch mit der Politik in D\u00fcsseldorf und Berlin soll geredet werden. Parlamentariern in Land- und Bundestag muss ebenso verdeutlicht werden wie etwa dem Wissenschaftsministerium, dass wir entgegen der Testate von Prognos und anderen Instituten sehr wohl innovationsstark sind und bisher nur mit untauglichen Ma\u00dfst\u00e4ben beurteilt wurden, die logischerweise zu sachlich falschen Ergebnissen und einem irritierenden, das Image sch\u00e4digenden, Ranking f\u00fchren mussten\u201c, so Droege.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Siegen, 24. Februar 2012. 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