{"id":3887,"date":"2016-06-01T08:12:15","date_gmt":"2016-06-01T06:12:15","guid":{"rendered":"http:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/?p=3887"},"modified":"2016-06-01T08:12:15","modified_gmt":"2016-06-01T06:12:15","slug":"das-wissen-der-fachkraefte-sichern","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/das-wissen-der-fachkraefte-sichern\/","title":{"rendered":"Das Wissen der Fachkr\u00e4fte sichern"},"content":{"rendered":"<p>Mehr als 150 Weltmarktf\u00fchrer haben ihre Heimat in S\u00fcdwestfalen. Die industrielle St\u00e4rke der Region und ihrer Unternehmen basiert auf der Kompetenz ihrer Fachkr\u00e4fte. Doch deren Wissen und Erfahrungen gehen verloren, wenn sie aus der Berufswelt ausscheiden \u2013 sofern es nicht an junge Fachkr\u00e4fte weitergegeben wird. Dieser Wissenstransfer steht im Zentrum eines neuen Forschungsprojekts der Uni Siegen und mehrerer Partner. Der Forschungsverbund hat sich das Ziel gesetzt, im Zuge der Industrie 4.0 und auf Grund der Herausforderung des demografischen Wandels eine Methode zu entwickeln, wie das Wissen der erfahrensten Mitarbeiter herauskristallisiert werden kann, um dieses f\u00fcr die industrielle Ewigkeit vorzuhalten und davon zu profitieren.<\/p>\n<p>Ein Beispiel: Um ein Stahlrohr im Rahmen eines Biegeprozesses (Rotationszugbiegen mit Dorn und Faltengl\u00e4tter) zu fertigen, m\u00fcssen sechs Werkzeuge unabh\u00e4ngig voneinander eingestellt werden. Die Einstellung beruht auf den Erfahrungswerten des Maschinenbedieners. Je erfahrener der Bediener, desto schneller der Biegeprozess. Der erste Schritt des Projekts ist deshalb, die Fachkr\u00e4fte zu Einstell- und Handhabungsvorg\u00e4ngen an den jeweiligen Maschinen zu befragen und zu beobachten. So wird das individuelle Wissen erfasst.<\/p>\n<p>Dieses Wissen soll die Datengrundlage bilden und eine zuk\u00fcnftige Entscheidungshilfe bieten. Maschinenbediener k\u00f6nnen dar\u00fcber Vorschl\u00e4ge f\u00fcr ein optimales Vorgehen zur Prozesseinstellung erhalten. Der Mensch soll so im Rahmen der Industrie 4.0 eine Hilfestellung im Sinne eines Leitfadens erhalten. Menschliche Arbeit soll nicht durch Automatisierung ersetzt werden, sondern die Automatisierung dem Menschen zum Nutzen gemacht und an dessen demographische Anforderungen angepasst werden.<\/p>\n<p>Dieses Arbeitspaket wird vornehmlich durch das Siegener Mittelstandsinstitut (SMI) zusammen mit dem Lehrstuhl f\u00fcr Technologiemanagement sowie dem Lehrstuhl f\u00fcr Wirtschaftsinformatik und neue Medien an der Uni Siegen durchgef\u00fchrt. Der Lehrstuhl f\u00fcr Umformtechnik stellt das maschinenseitige Equipment zur Verf\u00fcgung und separiert die umformtechnischen Parameter von den Entscheidungen des Maschinenbedieners.<\/p>\n<p>Auf Basis dieses Wissenstransfers und einer Prozesseinflussmatrix im Laborma\u00dfstab erfolgt die \u00dcbertragung auf einen industriellen Serienprozess, welcher im Hause des Verbundpartners Westfalia Metallschlauchtechnik GmbH &amp; Co. KG mit Sitz in Hilchenbach in den Fokus genommen wird. Die Trennung von Labor- und Serienumgebung ist notwendig, um die ganzheitlichen Einflussfaktoren abbilden zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Im Anschluss erfolgt die Integration dieses Wissens in ein Prototypen-Leitsystem, das von der Lachmann &amp; Rink GmbH mit Sitz in Freudenberg an unterschiedlichste Maschinen angekoppelt werden soll. Eine hieran integrierte Visualisierungshilfe stellt dem Maschinenbediener bestimmte Einstellungen zur Auswahl, die schnellstm\u00f6glich zum Erfolg und damit zu einem innerhalb den Prozessgrenzen laufenden Umformprozess f\u00fchren.<\/p>\n<p>Das Projekt tr\u00e4gt den Titel \u201eCyber R\u00fcsten 4.0 \u2013 Cyber-physische Unterst\u00fctzung des Menschen beim R\u00fcstvorgang am Beispiel eines Biegeprozesses zur Kleinserienfertigung auf Basis eines Wissenstransferansatzes\u201c und hat einen Gesamtumfang von 2,6 Millionen Euro. Auf die Universit\u00e4t Siegen entfallen hierbei fast 1,5 Millionen Euro, wovon 90 Prozent vom F\u00f6rdermittelgeber getragen werden.<\/p>\n<p>Das Land Nordrhein-Westfalen f\u00f6rdert das Projekt im Rahmen des Leitmarktwettbewerbs EFRE (Europ\u00e4ischer Fonds f\u00fcr regionale Entwicklung). Die Leitmarktwettbewerbe werden durch die Leitmarktagentur.NRW durchgef\u00fchrt. Dar\u00fcber hinaus erhalten die F\u00f6rderpartner Unterst\u00fctzung durch die assoziierten Partner Tracto Technik GmbH &amp; Co. KG (Lennestadt), Fischer HDE (Achern und Menden) sowie PMD Technologies (Siegen). Diese assoziierten Partner fungieren zudem als Multiplikator f\u00fcr die Akzeptanz des Vorhabens innerhalb der mittelst\u00e4ndischen Industriekultur.<\/p>\n<p>Im Anschluss an das Projekt soll die Methodik auf Umformprozesse abseits vom Biegen sowie auf weitere schwer automatisierbare Maschineneinrichtvorg\u00e4nge \u00fcbertragen werden, um branchen\u00fcbergreifend das Erfahrungswissen von langj\u00e4hrigen Maschinenbedienern zu quantifizieren und zuk\u00fcnftig f\u00fcr Entscheidungsprozesse zur Prozesseinstellung vorr\u00e4tig zu halten.<\/p>\n<p><a class=\"\n\t  cd_extlink\" href=\"http:\/\/www.mb.uni-siegen.de\/uts\/lehrstuhl\/forschung\/cyberruesten\/cyberruesten.html?lang=de\" target=\"_blank\">Weitere Informationen finden Sie auf der Projekthomepage<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mehr als 150 Weltmarktf\u00fchrer haben ihre Heimat in S\u00fcdwestfalen. 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