{"id":3496,"date":"2016-04-06T10:36:54","date_gmt":"2016-04-06T08:36:54","guid":{"rendered":"http:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/?p=3496"},"modified":"2016-04-06T10:36:54","modified_gmt":"2016-04-06T08:36:54","slug":"eu-fordert-glaeserne-firmen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/eu-fordert-glaeserne-firmen\/","title":{"rendered":"EU fordert gl\u00e4serne Firmen"},"content":{"rendered":"<p>Die OECD hat seit einiger Zeit der Gewinnverlagerung und Steuervermeidung durch globale Konzerne den Kampf angesagt. Nun will auch die EU-Kommission handeln. Dass Firmenstrategen grenz\u00fcberschreitend Zahlen hin- und herschieben, um den Steuerbeh\u00f6rden ein Schnippchen zu schlagen, soll der Vergangenheit angeh\u00f6ren. K\u00fcnftig soll ein fairer Wettbewerb zwischen nur in einem Land t\u00e4tigen Firmen und multinationalen Unternehmen herrschen. Dabei geht es auch um die Staatsfinanzen \u2013 immerhin sind die Unternehmenssteuern in den EU-L\u00e4ndern wichtige Geldquellen f\u00fcr den Fiskus (Grafik):<\/p>\n<p><strong>Im Schnitt aller EU-L\u00e4nder kam 2014 fast jeder zehnte Steuer-Euro aus den Ertr\u00e4gen der Unternehmen.<\/strong><\/p>\n<p>Um die Steuergerechtigkeit zu st\u00e4rken, setzt die EU-Kommission vor allem auf mehr Transparenz. Ihre Logik: Wenn beispielsweise ein deutscher Betriebspr\u00fcfer die weltweiten Gesch\u00e4fte eines Konzerns genau kenne, w\u00fcrde dessen angemessene Besteuerung in Deutschland leichter.<\/p>\n<p>Einen entsprechenden Vorschlag hat die Kommission bereits in der Schublade. Multinationale Unternehmen sollen demnach f\u00fcr ihre Konzerngesellschaften, nach EU-L\u00e4ndern getrennt, minuti\u00f6s eine Reihe von Kennzahlen wie Umsatz, Gewinn, Zahl der Mitarbeiter, aber auch die abgef\u00fchrten Steuern auflis\u00adten. Stehen geringen Steuerzahlungen hohe Erl\u00f6se und viele Besch\u00e4ftigte gegen\u00fcber, sollen die Alarmglocken in den Finanz\u00e4mtern schrillen und die Betriebspr\u00fcfer noch genauer hinschauen.<\/p>\n<p>So gut die Absicht der EU-Kommission sein mag, so kritikw\u00fcrdig ist der Plan in zweierlei Hinsicht:<\/p>\n<ul class=\"square\">\n<li><strong>Wettbewerbsnachteile.<\/strong> W\u00e4hrend die OECD empfiehlt, l\u00e4nderbezogene Unternehmensberichte nur der Finanzverwaltung vorzulegen, wird die EU voraussichtlich eine Ver\u00f6ffentlichung der Daten fordern. Damit w\u00e4ren die Firmen aber unter Umst\u00e4nden gezwungen, strategische Informationen preiszugeben und damit Wettbewerbsvorteile zu verlieren. Zudem k\u00f6nnten die Daten von den Medien unsachgerecht verwendet werden.<\/li>\n<li><strong>B\u00fcrokratie.<\/strong> Derzeit spricht einiges daf\u00fcr, dass die EU dem OECD-Vorschlag folgt und k\u00fcnftig nur jene Konzerne die Berichtspflichten erf\u00fcllen m\u00fcssen, die einen Gesamt\u00adumsatz von mindestens 750 Millionen Euro pro Jahr erzielen.<\/li>\n<\/ul>\n<p><strong>M\u00f6glicherweise m\u00fcssen in Zukunft aber auch alle laut EU-Definition \u201egro\u00dfen\u201c Unternehmen ihre Daten offenlegen \u2013 also all jene, die mindes\u00adtens zwei der drei folgenden Kriterien erf\u00fcllen: 40 Millionen Euro Umsatz, 20 Millionen Euro Bilanzsumme und 250 Mitarbeiter.<\/strong><\/p>\n<p>K\u00e4me es so, m\u00fcssten nach deutschem Verst\u00e4ndnis sogar eher mittelst\u00e4ndische Unternehmen den b\u00fcrokratischen Mehraufwand schultern \u2013 die ben\u00f6tigten Ressourcen st\u00fcnden dann zum Beispiel nicht mehr f\u00fcr betriebliche Investitionen zur Verf\u00fcgung.<\/p>\n<p>Was die EU-Kommission bei ihren Pl\u00e4nen ohnehin zu \u00fcbersehen scheint, ist die Rolle der Mitgliedsl\u00e4nder. Denn es sind die nationalen Gesetze, die Steuerschlupfl\u00f6cher und die daraus folgenden Anreize zur Gewinnverlagerung erst m\u00f6glich machen.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.iwkoeln.de\/infodienste\/iwd\/archiv\/beitrag\/steuerpolitik-eu-fordert-glaeserne-firmen-273809\" target=\"_blank\">Institut der deutschen Wirtschaft, K\u00f6ln<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die OECD hat seit einiger Zeit der Gewinnverlagerung und Steuervermeidung durch globale Konzerne den Kampf angesagt. Nun will auch die EU-Kommission handeln. 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