{"id":3365,"date":"2016-03-15T14:03:48","date_gmt":"2016-03-15T13:03:48","guid":{"rendered":"http:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/?p=3365"},"modified":"2016-03-15T14:03:49","modified_gmt":"2016-03-15T13:03:49","slug":"politische-weichenstellungen-fuer-bessere-berufliche-integration","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/politische-weichenstellungen-fuer-bessere-berufliche-integration\/","title":{"rendered":"Politische Weichenstellungen f\u00fcr bessere berufliche Integration"},"content":{"rendered":"<p>\u201eEin gro\u00dfer Teil der eingewanderten Personen wird l\u00e4ngerfristig in Deutschland leben. Je schneller es gelingt, diese Menschen in Ausbildung und Arbeit zu bringen, desto eher kann die zuweilen doch sehr emotional gef\u00fchrte politische Debatte um die Fl\u00fcchtlinge auf eine sachlichere Grundlage gestellt werden. Dies setzt voraus, dass hierzu insbesondere in Berlin einige politische Weichenstellungen vorgenommen werden.\u201c Dies betonte IHK-Hauptgesch\u00e4ftsf\u00fchrer Klaus Gr\u00e4bener angesichts der nach den Landtagswahlen erneut intensiv gef\u00fchrten Diskussion \u00fcber den Zuzug von Fl\u00fcchtlingen. Nach wie vor fl\u00f6ssen erhebliche Mittel in ein System, das dazu beitrage, Fl\u00fcchtlinge eher von der Arbeit abzuhalten. Das mache wenig Sinn. Der Staat m\u00fcsse ein zentrales Interesse daran haben, dass hier bleibende Zuwanderer ihren Unterhalt selbst verdienen k\u00f6nnten. Es gebe schlie\u00dflich keine bessere Integration als diejenige \u00fcber den Beruf.<\/p>\n<p>Um nicht von vornherein eine Abh\u00e4ngigkeit der Fl\u00fcchtlinge von staatlichen Transferleistungen zu zementieren, seien verschiedene Voraussetzungen zu schaffen, erg\u00e4nzte IHK-Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer Klaus Fenster: \u201eZun\u00e4chst sollte nicht danach unterschieden werden, aus welchem Grund eine R\u00fcckf\u00fchrung nicht m\u00f6glich ist. Befristete Aufenthaltsrechte m\u00fcssen an den erkennbaren Willen zur Integration gekn\u00fcpft werden. Dies ist nachpr\u00fcfbar nachzuweisen, bevor die Aufenthaltstitel verl\u00e4ngert werden. Dazu z\u00e4hlen ausreichende Deutschkenntnisse, die Aufnahme von Arbeit oder Ausbildung beziehungsweise der Besuch von Schule oder anderen Bildungseinrichtungen.\u201c Die allgemeine Schulpflicht sollte f\u00fcr Einwanderer \u00fcber 18 Jahre ausgeweitet werden. Dem Grunde nach, so Fenster weiter, solle jeder Fl\u00fcchtling einen deutschen Schulabschluss erwerben m\u00fcssen, mindestens aber diejenigen, die unter 25 Jahre alt seien: \u201eDas Nachholen von Schulabschl\u00fcssen muss daher auch \u00e4lteren Migranten m\u00f6glich sein. Und zwar ebenfalls auf einem Niveau, das eine dauerhafte Integration in den deutschen Arbeitsmarkt erm\u00f6glicht\u201c. Eine Befreiung sollte der Staat nur dann in Betracht ziehen, wenn entsprechende Kenntnisse nachgewiesen w\u00fcrden. Dabei sei der Spracherwerb das wichtigste Element der Qualifizierung von Fl\u00fcchtlingen, jedoch f\u00fcr sich genommen nicht hinreichend, um tragf\u00e4hige Br\u00fccken in den Arbeitsmarkt zu errichten. Klaus Gr\u00e4bener: \u201eSprache ist Grundvoraussetzung f\u00fcr gesellschaftliche Teilhabe. Es ist nicht davon auszugehen, dass ein so wichtiges Element der Integration dauerhaft auf freiwilliger Basis sowohl der Einwanderer als auch der ehrenamtlich Unterrichtenden fu\u00dfen kann. Insofern sollten Studenten, Lehrer im Ruhestand und auch unterrichtsfreie Zeiten genutzt werden, um den Spracherwerb zu organisieren.\u201c Dabei sei ein differenzierter und verbindlicher Zugang zum Sprachunterricht erforderlich, der sowohl die vorhandene Sprachkompetenz der Teilnehmer als auch die unterschiedlichen Angebote vor Ort (von VHS bis Arbeitsagentur) ber\u00fccksichtige.<\/p>\n<p>Insbesondere die restriktiven Regelungen f\u00fcr Praktika stellten einen Hinderungsgrund f\u00fcr die Einstellung von Geringqualifizierten dar. Und von denen gebe es unter den Fl\u00fcchtlinge sehr viele. In vielen F\u00e4llen fehlten derzeit die grundlegenden Voraussetzungen f\u00fcr eine produktive T\u00e4tigkeit, was angesichts von Flucht und Vertreibung jedoch auch nicht wirklich verwundere. Klaus Gr\u00e4bener: \u201eWer sein eigenes Einkommen erwirtschaftet, gewinnt Selbstsicherheit und Selbstachtung. Dies setzt neben der Sprachkompetenz vor allem berufliche Qualifikation voraus. Verf\u00fcgt man weder \u00fcber das eine noch \u00fcber das andere, sinkt indessen der eigene Preis, den man im Besch\u00e4ftigungssystem f\u00fcr seine Arbeit einfordern kann\u201c. Genau an diesem Punkt konkurrierten die Fl\u00fcchtlinge perspektivisch mit den Langzeitarbeitslosen und schwer vermittelbaren Personen. Um diesen Personenkreisen die \u00c4ngste zu nehmen und zugleich den Fl\u00fcchtlingen Einstiegsperspektiven zu vermitteln, sollten nach Auffassung der IHK Unternehmen, die zus\u00e4tzliche Arbeitspl\u00e4tze f\u00fcr Fl\u00fcchtlinge schafften, in ihrem Engagement unterst\u00fctzt werden, etwa indem Sozialversicherungsbeitr\u00e4ge f\u00fcr alle neu eingestellten Geringqualifizierten halbiert w\u00fcrden. Auch Ausnahmen im Bereich des K\u00fcndigungsschutzes und der Lohnzusatzkosten k\u00f6nnten helfen, hier schnell zus\u00e4tzliche Stellen zu schaffen. Beim \u201eMindestlohn\u201c werde die deutsche Arbeitsmarktpolitik im Ergebnis drei Alternativen haben. Klaus Gr\u00e4bener: \u201eEntweder senkt man den Mindestlohn allgemein. Dies scheitert am politischen Willen. Oder der Mindestlohn wird speziell f\u00fcr Fl\u00fcchtlinge gesenkt. Dies wird man juristisch nicht durchhalten. Oder aber man zahlt Lohnkostenzusch\u00fcsse, um f\u00fcr die Unternehmen den Mindestlohn akzeptabel zu gestalten. Hierauf sollte man sich konzentrieren. Je schneller, desto besser\u201c.<\/p>\n<p>Schlie\u00dflich m\u00fcssten auch die Voraussetzungen daf\u00fcr geschaffen werden, dass junge Fl\u00fcchtlinge eine betriebliche Lehre bis zum Schluss durchlaufen k\u00f6nnten. Hierzu m\u00fcssten sie Aufenthaltstitel f\u00fcr die komplette Ausbildungszeit plus mindestens zwei Jahre zus\u00e4tzlich erhalten. Um m\u00f6glichst hohe \u00dcbergangsquoten in eine betriebliche Lehre zu flankieren, m\u00fcsse auch die Berufsvorbereitung st\u00e4rker auf die Zielgruppe zugeschnitten werden. Klaus Fenster: \u201eDas bedeutet, dass der Wert der deutschen Sprache st\u00e4rker in den Mittelpunkt r\u00fcckt, aber auch die Vermittlung mathematischer Grundkenntnisse. Auch hieran mangelt es.\u201c Schlie\u00dflich sei eine gesetzliche Verankerung und Aufwertung von Teilqualifikationen im Berufsbildungsgesetz (BBiG) erforderlich. Teilqualifikationen m\u00fcssten in das Pr\u00fcfungswesen aufgenommen, Ausbildungsberufe entsprechend modularisiert werden. Es m\u00fcsse erm\u00f6glicht werden, dass Fl\u00fcchtlinge nach Erwerb modularer Qualifikationen in den Beruf eintreten und sich berufsbegleitend weiter \u2013 gegebenenfalls bis zum Erwerb des Vollabschlusses \u2013 qualifizieren k\u00f6nnen. Dem Ziel der raschen Integration seien grunds\u00e4tzliche bildungspolitische Argumente unterzuordnen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eEin gro\u00dfer Teil der eingewanderten Personen wird l\u00e4ngerfristig in Deutschland leben. 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