{"id":3271,"date":"2016-02-18T13:58:49","date_gmt":"2016-02-18T12:58:49","guid":{"rendered":"http:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/?p=3271"},"modified":"2016-02-18T13:58:49","modified_gmt":"2016-02-18T12:58:49","slug":"hohe-kosten-und-falsche-signale-aus-der-politik-verschlechtern-den-industriestandort-suedwestfalen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/hohe-kosten-und-falsche-signale-aus-der-politik-verschlechtern-den-industriestandort-suedwestfalen\/","title":{"rendered":"Hohe Kosten und falsche Signale aus der  Politik verschlechtern den Industriestandort S\u00fcdwestfalen"},"content":{"rendered":"<p>In der Metall- und Elektroindustrie (M+E) in S\u00fcdwestfalen gehen zunehmend Arbeitspl\u00e4tze in der Produktion verloren. Betroffen sind vor allem einfache T\u00e4tigkeiten. Dagegen w\u00e4chst der Anteil der Produktion an ausl\u00e4ndischen Standorten. \u00dcberdies investieren immer mehr Unternehmen im Ausland und erzielen dort einen zunehmend gr\u00f6\u00dferen Teil der Gewinne. Dies ist das Ergebnis einer Umfrage der f\u00fcnf Metallarbeitgeberverb\u00e4nde in S\u00fcdwestfalen, an der sich mit 120 Betrieben fast ein Drittel der insgesamt 355 tarifgebundenen Mitgliedsunternehmen der Region beteiligt haben und die im Januar 2016 von der IW Consult GmbH in K\u00f6ln durchgef\u00fchrt wurde.<\/p>\n<p>F\u00fcr J\u00f6rg Dienenthal, Vorsitzender des VdSM Verband der Siegerl\u00e4nder Metallindustriellen e.V., sind die Umfrageergebnisse Ausdruck eines fortschreitenden Abzugs von Produktion in der Metall- und Elektroindustrie S\u00fcdwestfalen. Als Hauptgr\u00fcnde daf\u00fcr nannten die Unternehmen die zuletzt stark gestiegenen Arbeitskosten und zunehmende Belastungen durch falsche politische Weichenstellungen in Bund und Land. \u201eS\u00fcdwestfalen ist das industrielle Kraftzentrum unseres Landes, dessen Wettbewerbsf\u00e4higkeit immer mehr unter Druck kommt. Die Ergebnisse sind hoffentlich ein alarmierender Weckruf an die IG Metall und an die Landespolitik, die Bedingungen f\u00fcr Produktion, Investitionen und wettbewerbsf\u00e4hige Arbeitspl\u00e4tze in NRW z\u00fcgig und sp\u00fcrbar zu verbessern\u201c, so der Verbandsvorsitzende. Die anstehende Tarifrunde d\u00fcrfe die Wettbewerbsf\u00e4higkeit der Unternehmen nicht weiter verschlechtern. Die Landesregierung m\u00fcsse jetzt mit Blick auf Investitionen und Arbeitspl\u00e4tze f\u00fcr Aufbruchstimmung sorgen und alles unterlassen, was die Wirtschaft und vor allem die Industrie weiter schw\u00e4che.<\/p>\n<p>Verbandsgesch\u00e4ftsf\u00fchrer Dr. Thorsten Doublet warnte vor einer weiteren Erosion von Arbeitspl\u00e4tzen. \u201eWir sind in NRW und auch in S\u00fcdwestfalen auf den n\u00e4chsten Abschwung nicht gut vorbereitet, die Erfolge der Fitnesskur durch die Agenda 2010 und durch die Lohnzur\u00fcckhaltung sind l\u00e4ngst aufgebraucht.\u201c Stattdessen habe die Wettbewerbsf\u00e4higkeit der heimischen Standorte in den letzten Jahren dramatisch gelitten. Immer mehr Unternehmen orientierten sich deshalb Richtung Ausland. Zu hohe Lohnkostenspr\u00fcnge bei gleichzeitig minimalen Produktivit\u00e4tsgewinnen h\u00e4tte die Produktion anf\u00e4llig gemacht. \u201eS\u00fcdwestfalen muss jetzt zukunftsfest gemacht werden, das gilt besonders f\u00fcr die Rahmenbedingungen f\u00fcr unsere Industrie\u201c, betonte Dr. Doublet. Sowohl tarifpolitisch als auch wirtschaftspolitisch d\u00fcrfe keine Zeit mehr vergeudet werden. Die \u00f6ffentliche Hand m\u00fcsse verst\u00e4rkt in die Infrastruktur investieren \u2013 und zwar nennenswert. Andernfalls sei eine Beschleunigung des R\u00fcckzugs von Unternehmen aus den M+E-Produktions\u00adstandorten im Sauer- und Siegerland zu bef\u00fcrchten. Es sei jetzt die Zeit, um die M+E-Industrie als Herz der Wirtschaft in S\u00fcdwestfalen und in ganz NRW zu st\u00e4rken.<\/p>\n<p>Die Ergebnisse f\u00fcr die M+E-Industrie in S\u00fcdwestfalen im Einzelnen:<\/p>\n<p><strong>Produktion<\/strong>: Binnen zehn Jahren (von 2011 \u2013 2021) wird der Anteil der Produktion im Inland von drei Viertel auf fast die H\u00e4lfte erheblich gesunken, der Auslandsanteil entsprechend gestiegen sein. Auf einer Skala von 0 (trifft nicht zu) bis 10 (trifft zu) liegt das Kosten-Motiv f\u00fcr Auslandsproduktion bei 8,6 Punkten und das Marktn\u00e4he-Motiv bei 7,0 Punkten.<\/p>\n<p><strong>Investitionen<\/strong>: Fast 45 Prozent der Investitionen werden in f\u00fcnf Jahren in Maschinen und Anlagen an ausl\u00e4ndischen Produktionsstandorten flie\u00dfen \u2013 vor f\u00fcnf waren es erst gerade einmal 28 Prozent. Dabei steht im Inland der Erhalt und die Modernisierung bestehender Anlagen (8,8 Punkte) im Mittelpunkt w\u00e4hrend bei Investitionen im Ausland dagegen vor allem das Erweiterungsmotiv (8,6 Punkte), also der Auf- und Ausbau von Produktionsst\u00e4tten, im Fokus steht.<\/p>\n<p><strong>Gewinne<\/strong>: Die zus\u00e4tzlichen Kapazit\u00e4ten im Ausland f\u00fchren zu einem r\u00fcckl\u00e4ufigen Anteil der Inlandsgewinne an den Gesamtgewinnen der Unternehmen \u2013 von 78 Prozent im Jahr 2011 auf unter 60 Prozent im Jahr 2021. Anders ausgedr\u00fcckt: In f\u00fcnf Jahren wird der Gewinn-Anteil aus dem Ausland 43 Prozent des Gesamtgewinns der M+E-Betriebe in S\u00fcdwestfalen erreichen.<\/p>\n<p><strong>Besch\u00e4ftigung<\/strong>: Der im Landesvergleich hohe Anteil einfacher T\u00e4tigkeiten (Entgeltgruppen 1-5) an der Gesamtbesch\u00e4ftigung wird binnen zehn Jahren deutlich schrumpfen \u2013 von fast 30 Prozent auf etwa 20 Prozent. Als Gr\u00fcnde geben die Unternehmen den erh\u00f6hten Automatisierungsgrad (7,5 Punkte) sowie den Einkauf von durch Einfacht\u00e4tigkeiten hergestellten Produkten \u00fcber inl\u00e4ndische (5,2 Punkte) oder ausl\u00e4ndische (4,3 Punkte) Drittanbieter an. Viele Unternehmen (3,3 Punkte) verlagern diese T\u00e4tigkeiten auch an ihre eigenen ausl\u00e4ndischen Produktionsstandorte.<\/p>\n<p><strong>Ver\u00e4nderung der Produktion im Inland<\/strong>: Aus der langfristigen Perspektive der vergangenen zehn Jahre betrachtet erweisen sich nach Angaben der Unternehmen die Automatisierung der Produktion, die zunehmende Flexibilisierung und die abnehmende Fertigungstiefe im Inland als Mega-Trends. Auf einer Skala von 0 (deutlich verringert) bis 10 (deutlich erh\u00f6ht) liegt die Automatisierung bei 8,1 Punkten, der Einsatz von Flexibilisierungselementen (Zeitkonten) bei 7,1 Punkten, der Einsatz von im Ausland eingekauften Vorprodukten bei 7,0 Punkten, der Einsatz von selbst im Ausland hergestellten Vorprodukten bei 6,3 Punkten. Auch der Einsatz von Zeitarbeit (5,9 Punkte) und Werkvertr\u00e4gen (5,5 Punkte) spielen eine wichtige Rolle.<\/p>\n<p><strong>Politik und Gesetze<\/strong>: Zus\u00e4tzliche Belastungen durch angek\u00fcndigte oder bereits vollzogene Regulierungen in Bund und Land werden von den Unternehmen als investitionshemmend empfunden. Als gravierend werden dabei die Auswirkungen durch die Energiewende, die Einschr\u00e4nkungen bei der Zeitarbeit, der mit der Einf\u00fchrung der Rente mit 63 einhergehende fr\u00fchzeitige Verlust von erfahrenen Fachkr\u00e4ften, zus\u00e4tzliche an die Unternehmen gestellte individuelle Flexibilit\u00e4tsanforderungen der Besch\u00e4ftigten, der NRW-Klimaschutzplan, das NRW-Tariftreue- und Vergabegesetz sowie der NRW-Landes\u00adentwicklungsplan bezeichnet.<\/p>\n<p>Die Ergebnisse sind der regionalisierte Auszug einer durch den Arbeitgeberverband METALL NRW in D\u00fcsseldorf landesweit im Januar 2016 durchgef\u00fchrten Umfrage unter 383 von mehr als 1.200 tarifgebundenen Mitgliedsunternehmen in NRW zur Zukunft des M+E-Produktionsstandortes Nordrhein-Westfalen.<\/p>\n<p>Die vorliegende regionale Auswertung, an der 120 von 355 tarifgebundenen Mitgliedsunternehmen teilgenommen haben, bezieht sich auf die f\u00fcnf Metallarbeitgeberverb\u00e4nde in S\u00fcdwestfalen aus<\/p>\n<p>Arnsberg (UVWM \u2013 Unternehmensverband Westfalen-Mitte),<br \/>\nIserlohn (MAV \u2013 M\u00e4rkischer Arbeitgeberverband)<br \/>\nL\u00fcdenscheid (Arbeitgeberverband der Metall- und Elektroindustrie L\u00fcdenscheid),<br \/>\nOlpe (Arbeitgeberverband f\u00fcr den Kreis Olpe \u2013 Fachgruppe Metall)<br \/>\nSiegen (VdSM Verband der Siegerl\u00e4nder Metallindustriellen)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In der Metall- und Elektroindustrie (M+E) in S\u00fcdwestfalen gehen zunehmend Arbeitspl\u00e4tze in der Produktion verloren. 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