{"id":3256,"date":"2016-02-12T14:06:43","date_gmt":"2016-02-12T13:06:43","guid":{"rendered":"http:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/?p=3256"},"modified":"2016-02-16T11:11:53","modified_gmt":"2016-02-16T10:11:53","slug":"gespalten-wie-selten-ins-neue-jahr","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/gespalten-wie-selten-ins-neue-jahr\/","title":{"rendered":"\u201eGespalten wie selten ins neue Jahr\u201c"},"content":{"rendered":"<p>\u201eSelten \u00e4u\u00dferten heimische Unternehmen derart gespaltene Konjunktureinsch\u00e4tzungen wie derzeit. Sowohl innerhalb einzelner Branchen als auch zwischen beiden Kreisen gibt es stark gegenl\u00e4ufige Entwicklungen. Im Kreis Olpe vermelden die Automobilzulieferer \u00fcberwiegend \u201eeitel Sonnenschein\u201c. In den f\u00fcr die Siegerl\u00e4nder Wirtschaftsstruktur relevanten Unternehmen des Maschinenbaus sowie der Gie\u00dfereien \u00fcberwiegen massive Sorgen und im Wittgensteiner Land herrscht ein ausgepr\u00e4gter, wenn auch nicht \u00fcbersch\u00e4umender Grundoptimismus.\u201c Mit diesen Worten fasste IHK-Hauptgesch\u00e4ftsf\u00fchrer Klaus Gr\u00e4bener die Ergebnisse der aktuellen Konjunkturumfrage zusammen, an der sich erneut die stolze Zahl von \u00fcber 480 Unternehmen beteiligten. Der Konjunkturklimaindex stieg zum Jahresbeginn gegen\u00fcber dem Herbst 2015 von 112 auf 117 Punkte an. Sowohl Lage also auch Erwartungen werden besser eingestuft als im vergangenen Jahr: Deutlich mehr als ein Drittel aller Unternehmen stuft die Lage als gut ein, ein Viertel aller Betriebe erwartet k\u00fcnftig Steigerungen. Vor allem die Bauunternehmen, aber auch Handel und Dienstleitungen zeigten sich \u2013 alles in allem gesehen \u2013 durchaus zufrieden.<\/p>\n<p>Zweifelsfrei wirkt der extrem gesunkene \u00d6lpreis vorwiegend wie ein \u201eKonjunkturdoping\u201c. Auch der gegen\u00fcber dem Dollar sehr niedrige Eurokurs und die historisch tiefen Zinsen bef\u00f6rdern die Gesch\u00e4fte. \u201eEin geliehener Aufschwung, der verschleiert, dass die Unternehmen im Inland zu wenig investieren. Ein von kr\u00e4ftigen Investitionen in der Heimat getragener Aufschwung f\u00fchlt sich jedenfalls anders an. Das Strohfeuer k\u00f6nnte bald verpuffen\u201c, f\u00fcgte Klaus Gr\u00e4bener hinzu: \u201eDie weltweiten \u00dcberkapazit\u00e4ten auf den Stahlm\u00e4rkten werden uns schneller auf den Boden der Tatsache zur\u00fcckholen als uns dies lieb sein kann. Wir erwarten hier eine l\u00e4nger andauernde Seitw\u00e4rtsbewegung auf niedrigem Niveau. Und die Firmen, die damit umzugehen haben, spielen zumindest im Siegerland f\u00fcr die Gesamtbesch\u00e4ftigung eine erhebliche Rolle.\u201c<\/p>\n<p>Dennoch sch\u00e4tzten die regionalen Unternehmen alles in allem gesehen ihre Ertragslage besser ein als zuvor. Immerhin 43 Prozent der Industriebetriebe melden Spitzenauslastungen (\u00fcber 85 Prozent). Auch die Bauindustrie ist trotz Wintersaison gut besch\u00e4ftigt. Im Gro\u00dfhandel ist die Stimmung nach dem D\u00e4mpfer im vergangenen Herbst wieder deutlich positiver. Bei Einzelh\u00e4ndlern und Dienstleistern verl\u00e4uft die Konjunktur auf relativ hohem Niveau, allerdings jetzt in etwas bescheideneren Bahnen. IHK-Konjunkturexperte Stephan J\u00e4ger: \u201eDie Rahmenbedingungen f\u00fcr den Konsum sind nach wie vor gut: die Arbeitslosigkeit ist niedrig, die Realeinkommen legten weiter zu, niedrige Zinsen und gesunkene Ausgaben f\u00fcr \u00d6l und Kraftstoffe er\u00f6ffnen den Privatleuten Ausgabespielr\u00e4ume.\u201c<\/p>\n<p>Zugleich best\u00fcnden erheblich gestiegene Konjunkturrisiken, insbesondere f\u00fcr das Auslandsgesch\u00e4ft: Chinaschw\u00e4che, sich ausweitende geopolitischen Krisen, Terrorgefahren, wachsende Sorgen und europ\u00e4ischen Uneinigkeiten im Zuge des Fl\u00fcchtlingsstroms, tats\u00e4chliche und bef\u00fcrchtete Beeintr\u00e4chtigungen im europ\u00e4ischen Warenverkehr sowie zunehmende Unabw\u00e4gbarkeiten f\u00fcr die gesamte Weltwirtschaft.<\/p>\n<p>Auch die Aussagen zu den Auftr\u00e4gen aus In- und Ausland k\u00f6nnen nicht wirklich \u00fcberzeugen: Die Salden aus positiven und negativen Einsch\u00e4tzungen haben zugelegt, bleiben aber im negativen Bereich. Es ist zudem nicht alles Gold, was gl\u00e4nzt, erl\u00e4utert Stephan J\u00e4ger: \u201eDer niedrige \u00d6lpreis schw\u00e4cht Kunden und L\u00e4nder, die vom \u00d6l abh\u00e4ngig sind. Das sp\u00fcren einige regionale Branchen schon jetzt sehr deutlich. Auf Dauer wird ein extrem niedriger \u00d6lpreis zu einem hohen Risiko f\u00fcr die gesamte Weltwirtschaft. Auch die niedrigen Zinsen sind zum Beispiel f\u00fcr Finanzdienstleister eine gro\u00dfe Herausforderung.\u201c<\/p>\n<p>Trotz positiver Gesamtaussage l\u00e4uft es in manchen Zweigen alles andere als rund: etwa im \u201estahlnahen Bereich\u201c und bei den Lieferanten f\u00fcr die Grundstoffindustrie. Sinkende Rohstoffpreise sowie Krisen in vielen Schwellenl\u00e4ndern, etwa in Brasilien, erschweren zus\u00e4tzlich die Gesch\u00e4fte. All das merken momentan vor allem Hersteller von Stahl- und Walzwerken und andere Investitionsg\u00fcterhersteller in diesem Bereich. Die regionalen Maschinenbauer sch\u00e4tzen die Auftragseing\u00e4nge aus dem Ausland insgesamt deutlich ung\u00fcnstiger ein als im vergangenen Herbst. Allein durch Auslandseinbu\u00dfen von knapp 25 Prozent im Maschinen- und Anlagenbau im vergangenen Jahr ist das regionale Exportvolumen der Industrieunternehmen mit mehr als 50 Besch\u00e4ftigten gegen\u00fcber 2014 um insgesamt 2,3 Prozent geschrumpft; und dies, obwohl die anderen wichtigen Industriezweige \u00fcberwiegend positiv bilanzierten. Insgesamt verlief der regionale Industrieumsatz in 2015 allerdings auf hohem Niveau.<\/p>\n<p>Positivere Stimmen kommen aus dem Automotive-Sektor, von den Kunststoff verarbeitenden Unternehmen und der baurelevanten Produktion. Durch die unterschiedlichen Wirtschaftsstrukturen in den Teilregionen f\u00e4llt infolgedessen die aktuelle Stimmung der Industrie im Kreis Olpe deutlich besser aus als im Kreis Siegen-Wittgenstein. Aber auch dort werden erhebliche politische Risiken wahrgenommen. Klaus Gr\u00e4bener: \u201eNicht auszudenken, wenn wieder fl\u00e4chendeckend Grenzkontrollen eingef\u00fchrt w\u00fcrden. Unsere Industrie exportiert viel. Sie w\u00e4re davon also besonders betroffen. Wer die heimische Besch\u00e4ftigung sichern will, sollte daher in der Fl\u00fcchtlingsdebatte keine allzu hohen Z\u00e4une an den Grenzen fordern.\u201c<\/p>\n<p>Zu den Ergebnissen im Einzelnen:<\/p>\n<p>Ein Drittel der <strong>Industrieunternehmen<\/strong> stuft die Lage als gut ein, nur 17 Prozent als \u201eschlecht\u201c. 43 Prozent verzeichnen Spitzenauslastungen (\u00fcber 85 Prozent). 77 Prozent der Betriebe sind zu \u00fcber 70 Prozent ausgelastet. F\u00fcr fast jeden Dritten haben sich die Ertr\u00e4ge verbessert. Rund ein F\u00fcnftel melden steigende Order aus dem In- und Ausland, jeweils ein Viertel aber auch fallende. Nicht in allen Industriebranchen l\u00e4uft es rund. Trotzdem blicken die Unternehmen unter dem Strich wieder zuversichtlicher nach vorne als in 2015: \u00dcber ein Viertel erwartet k\u00fcnftig Zuw\u00e4chse, nur 19 Prozent R\u00fcckg\u00e4nge.<\/p>\n<p>Mehr als jedes zweite <strong>Bauunternehmen<\/strong> sch\u00e4tzt die Lage \u201egut\u201c ein, nur 12 Prozent \u201eschlecht\u201c. Mehr als die H\u00e4lfte ist bis zur Spitze ausgelastet, f\u00fcr \u00fcber 70 Prozent ist der Auftragsbestand ausreichend bis hoch. Ein Gro\u00dfteil von 72 Prozent der Betriebe setzt in den kommenden Monaten auf stabile Gesch\u00e4fte, fast ein Viertel sogar auf bessere.<\/p>\n<p>28 Prozent der <strong>Einzelh\u00e4ndler<\/strong> melden eine gute Lage, nur 14 Prozent ein schlechte. Die Kauffreude wird in etwa so eingestuft wie im vergangenen Herbst. Nicht \u00fcberall l\u00e4uft es aber zufriedenstellend: Textil- und Kfz-H\u00e4ndler beurteilen die Situation unerfreulicher, erwarten aber k\u00fcnftig bessere Gesch\u00e4fte. Angesichts der g\u00fcnstigen Rahmenbedingungen bleibt der Einzelhandel im Hinblick auf die nahe Zukunft eher zuversichtlich: Fast ein Viertel der Betriebe erwartet Steigerungen, nur 19 Prozent Einbu\u00dfen.<\/p>\n<p>Knapp die H\u00e4lfte der <strong>Gro\u00dfh\u00e4ndler<\/strong> gibt eine gute Lage an, nur 11 Prozent eine schlechte. Sowohl der produktions- als auch der konsumnahe Bereich urteilt positiver als im Herbst des vergangenen Jahres. 29 Prozent aller Gro\u00dfh\u00e4ndler gehen von k\u00fcnftigen Zuw\u00e4chsen aus, nur 13 Prozent von R\u00fcckg\u00e4ngen.<\/p>\n<p>Die Stimmung der <strong>Dienstleister<\/strong> hat auf hohem Niveau etwas nachgelassen: Gleichwohl beschreibt fast jeder Zweite seine Lage als gut, nur 13 Prozent als schlecht. Verkehrsgewerbe und unternehmensnahe Dienstleistungen urteilen nicht mehr so positiv wie im September 2015, sind aber nach wir vor gut besch\u00e4ftigt. Die sonstigen Dienstleister sind zufriedener als zuvor. \u00dcber alle Branchen hinweg ist der Blick nach vorn vorsichtiger geworden. Trotzdem sind 23 Prozent der Betriebe optimistisch eingestellt, nur 12 Prozent pessimistisch.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eSelten \u00e4u\u00dferten heimische Unternehmen derart gespaltene Konjunktureinsch\u00e4tzungen wie derzeit. Sowohl innerhalb einzelner Branchen als auch zwischen beiden Kreisen gibt es stark gegenl\u00e4ufige Entwicklungen. 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