{"id":32043,"date":"2024-04-11T09:41:56","date_gmt":"2024-04-11T07:41:56","guid":{"rendered":"https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/?p=32043"},"modified":"2024-04-11T09:42:54","modified_gmt":"2024-04-11T07:42:54","slug":"sigmar-gabriel-gehen-sie-waehlen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/sigmar-gabriel-gehen-sie-waehlen\/","title":{"rendered":"Sigmar Gabriel: \u201eGehen Sie w\u00e4hlen!\u201c"},"content":{"rendered":"<p>Europa steht vor einer richtungsweisenden Wahl. Denn wenn am Abend des 9. Juni die Stimmen der rund 350 Mio. Wahlberechtigten ausgez\u00e4hlt werden, entscheidet das den k\u00fcnftigen politischen Kurs des gr\u00f6\u00dften multinationalen Wirtschaftsraums der Welt. Wohin steuert Deutschland innerhalb Europas in der Welt? Und wie werden wir Deutschen von unseren europ\u00e4ischen Nachbarn gesehen? Diese und viele andere Fragen beantwortete Sigmar Gabriel, ehemaliger Bundesau\u00dfenminister und heute Vorsitzender der Atlantik-Br\u00fccke. Eingeladen hatten ihn die IHK Siegen, die Kreishandwerkerschaft Westfalen-S\u00fcd, der Deutsche Gewerkschaftsbund Region S\u00fcdwestfalen, ver.di S\u00fcdwestfalen sowie die IG Metall und die Arbeitgeberverb\u00e4nde in den Kreisen Olpe und Siegen-Wittgenstein.<\/p>\n<p>Wichtigstes Fazit des Abends im beinahe voll besetzten Schauplatz des Siegener L\u00ffz: Die B\u00fcrger sollten auch im Falle der oftmals ungeliebten und untersch\u00e4tzten Europawahl ihr Kreuzchen machen, denn, so Gabriel: \u201eDiejenigen, die Europa bek\u00e4mpfen wollen, die werden in jedem Fall hingehen.\u201c Der einstige SPD-Vorsitzende und Wirtschaftsminister richtete den Blick gem\u00e4\u00df dem Titel seines Vortrags \u201eEuropa in unbequemen Zeiten\u201c aber nicht nur auf die Europ\u00e4ische Union selbst, sondern auch auf deren Rolle in der Welt.<\/p>\n<p>Baustellen warten aber schon vor der eigenen Haust\u00fcr zur Gen\u00fcge: Die immer wieder auch im Schulterschluss von Wirtschaftsverb\u00e4nden und Gewerkschaften angemahnten Verbesserungen der Infrastruktur, die Beschleunigung von Planungsprozessen und Entb\u00fcrokratisierung betrachtete Gabriel mit erhobenem Zeigefinger: \u201eEs ist uns nach der Wende mit den Verkehrsprojekten Deutsche Einheit gelungen, im Bundestag festzulegen, wie Stra\u00dfen, Wasserwege und Schienen zwischen Ost und West f\u00fcr den L\u00fcckenschluss verbunden werden sollen. So etwas brauchen wir jetzt wieder!\u201c Es gebe zu viele Klagem\u00f6glichkeiten, die wichtige Prozesse, wie beispielsweise auch den Bau von Stromtrassen, unendlich verl\u00e4ngerten.<\/p>\n<p>Christian F. Kocherscheidt, IHK-Vizepr\u00e4sident und Vorsitzender der Arbeitgeberverb\u00e4nde Siegen-Wittgenstein, pflichtete ihm in der anschlie\u00dfend von Prof. Dr. Alexandra Nonnenmacher (Universit\u00e4t Siegen) moderierten Diskussionsrunde bei: \u201eWir entscheiden ideologisch oder gar nicht.\u201c Das jahrzehntelange Warten auf eine akzeptable Stra\u00dfenverbindung zwischen Siegerland und Wittgenstein sei nur ein Beispiel von vielen. Ein Punkt, den Sigmar Gabriel unterst\u00fctzte: \u201eWir brauchen weniger Werte-Entscheidungen als Priorit\u00e4ten-Setzungen. Werte und Interessen m\u00fcssen immer miteinander abgewogen werden.\u201c<\/p>\n<div id=\"attachment_32045\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/PM-Sigmar-Gabriel-Bild-1-scaled.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-32045\" class=\"size-medium wp-image-32045\" src=\"https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/PM-Sigmar-Gabriel-Bild-1-300x200.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"200\" srcset=\"https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/PM-Sigmar-Gabriel-Bild-1-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/PM-Sigmar-Gabriel-Bild-1-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/PM-Sigmar-Gabriel-Bild-1-768x512.jpg 768w, https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/PM-Sigmar-Gabriel-Bild-1-1536x1024.jpg 1536w, https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/PM-Sigmar-Gabriel-Bild-1-2048x1366.jpg 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-32045\" class=\"wp-caption-text\">Diskussion zur Lage Europas: Sigmar Gabriel, Christian F. Kocherscheidt, Tobias Tigges,<br \/>Christopher Mennekes, Prof. Dr. Alexandra Nonnenmacher (v.l.).<\/p><\/div>\n<p>Mit Blick auf die Politik und das demokratische System warnte er zudem davor, Politik nicht mehr vern\u00fcnftig zu erkl\u00e4ren. Es herrsche bei vielen Menschen gro\u00dfes Unverst\u00e4ndnis dar\u00fcber, was \u201edie da oben\u201c trieben: \u201eDiesen Eindruck der Menschen m\u00fcssen wir wieder reduzieren.\u201c Ebenso m\u00fcsse man mit den W\u00e4hlern, die extrem links oder extrem rechts w\u00e4hlten, ins Gespr\u00e4ch kommen.<\/p>\n<p>Ein Hebel, da pflichteten die weiteren Podiumsteilnehmer Christopher Mennekes (IHK-Vizepr\u00e4sident und Vorsitzender des Arbeitgeberverbandes f\u00fcr den Kreis Olpe) und Tobias Tigges (Gesamtbetriebsratsvorsitzender SMS Group) dem Ex-Minister bei, sei eine klare und gemeinsame Kommunikation von Arbeitnehmern und Arbeitgebern in den Betrieben. Tigges: \u201eWir m\u00fcssen die Debatte gemeinsam f\u00fchren.\u201c Und das in aller Deutlichkeit, wie Mennekes unterstrich: \u201eSonst besudeln wir unser Ansehen in der Welt.\u201c<\/p>\n<p>Auf den Globus hatte zuvor auch bereits Sigmar Gabriel geblickt: Schon unter George W. Bush und Barack Obama sei der Fokus der einstigen \u201eWeltpolizei\u201c Amerika deutlich von Europa abgewendet und in Richtung China sowie des indopazifischen Raums gerichtet worden. Die Amerikaner h\u00e4tten die anstehende Verschiebung der Kr\u00e4fteverh\u00e4ltnisse fr\u00fch erkannt und sich nur \u201edank\u201c des Ukraine-Kriegs wieder ein wenig mehr auf unseren Kontinent fokussiert. Denn dort wiederum gehe es um viel. \u201eEs bleibt uns nichts anderes \u00fcbrig, als an der Ostflanke der NATO verteidigungswillig und verteidigungsf\u00e4hig zu sein.\u201c Die von Bundeskanzler Olaf Scholz ausgerufene Zeitenwende sei in den K\u00f6pfen vieler Deutscher noch nicht angekommen. Deutschland, ja ganz Europa, m\u00fcsse Verantwortung \u00fcbernehmen \u2013 in besagtem Konflikt, aber auch in der Welt. \u201eWenn es einem Land in Europa gelingt, Grenzen wieder mit Gewalt zu verschieben, dann sind wir zur\u00fcck in der dunkelsten Zeit des 20. Jahrhunderts\u201c, warnte der Niedersachse.<\/p>\n<p>Die Deutschen untersch\u00e4tzten, wie genau ihr Agieren auf der Weltb\u00fchne beobachtet werde, und das immer noch vor historischem Hintergrund. China sei gewillt, die Kr\u00e4fteverh\u00e4ltnisse weg von Europa und Amerika zu verschieben. Um das zu verhindern, m\u00fcssten die Europ\u00e4er lernen, Verantwortung zu \u00fcbernehmen. In allen Krisen der vergangenen Jahre sei ein entstehendes Machtvakuum gef\u00fcllt worden \u2013 von China, von Russland, vom Iran und von anderen: \u201eDie einzigen, die solch ein Vakuum nie gef\u00fcllt haben, waren wir Europ\u00e4er!\u201c Dabei k\u00f6nne es nicht um deutsche Sonderwege gehen, die schon ganz grunds\u00e4tzlich Gefahr liefen, Misstrauen in den Nachbarstaaten hervorzurufen. Wichtig sei gerade deshalb, dass Olaf Scholz und Emmanuel Macron als europ\u00e4ische Schwergewichte mit einer Stimme spr\u00e4chen \u2013 nicht nur, was weitere Ukraine-Hilfen angehe.<\/p>\n<p>Text: AGV Siegen-Wittgenstein \/ Fotos: Thomas Range<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Europa steht vor einer richtungsweisenden Wahl. Denn wenn am Abend des 9. Juni die Stimmen der rund 350 Mio. 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