{"id":31830,"date":"2024-02-06T10:19:36","date_gmt":"2024-02-06T09:19:36","guid":{"rendered":"https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/?p=31830"},"modified":"2024-02-06T10:21:07","modified_gmt":"2024-02-06T09:21:07","slug":"ihk-konjunkturumfrage-investitionsneigung-bricht-weiter-ein","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/ihk-konjunkturumfrage-investitionsneigung-bricht-weiter-ein\/","title":{"rendered":"IHK-Konjunkturumfrage: Investitionsneigung bricht weiter ein"},"content":{"rendered":"<p>\u201eDie Stimmung der heimischen Wirtschaft bleibt tr\u00fcbe. Eine komplexe Gemengelage zahlreicher Risiken belastet die Unternehmen. Nie zuvor kritisierten die heimischen Unternehmen die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen so stark wie derzeit. Investitionen werden aufgrund steigender Unsicherheiten und schwindenden Vertrauens verschoben oder ganz aufgegeben. Das macht mir erhebliche Sorgen. Die Konjunktur tritt auf der Stelle.\u201c Mit diesen Worten kommentiert IHK-Pr\u00e4sident Walter Viegener die Ergebnisse der neuesten IHK-Konjunkturumfrage, an der sich 509 Unternehmen mit mehr als 38.000 Besch\u00e4ftigten aus Industrie, Bauwirtschaft, Handel und Dienstleistungsgewerbe in den Kreisen Siegen-Wittgenstein und Olpe beteiligten. <a href=\"https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/konjunkturumfrage-in-der-industrie-unternehmen-sehen-schwarz-mittelstaendler-aus-siegerland-und-wittgenstein-stehen-aber-zu-ihren-mitarbeitern\/\">Bereits die Konjunkturumfrage der Arbeitgeberverb\u00e4nde Siegen-Wittgenstein hatte ein d\u00fcsteres Bild gezeichnet.<\/a><\/p>\n<p><strong>Konjunkturklimaindex weiter sehr niedrig<\/strong><br aria-hidden=\"true\" \/>Der Konjunkturklimaindex \u2013 er ergibt sich aus Lagebeurteilung und Erwartung \u2013 steigt zwar leicht, bleibt aber mit einem Wert von 88 Punkten deutlich unter dem Mittelwert der letzten 20 Jahre (107). Die aktuelle Gesch\u00e4ftslage und die Zukunftserwartungen haben sich kaum f\u00fchlbar verbessert, insgesamt \u00fcberwiegen weiterhin die negativen Einsch\u00e4tzungen. Dass sich das wirtschaftliche Klima in den kommenden Monaten erholt, erwarten nur 14 % der befragten Firmen. 34 % gehen von einer weiteren Verschlechterung aus. Walter Viegener: \u201eBreiter Optimismus ist in der heimischen Wirtschaft gegenw\u00e4rtig Mangelware. In weiten Teilen leeren sich die Auftragsb\u00fccher. Was fehlt, sind verl\u00e4ssliche Rahmenbedingungen, mehr Zuversicht, steigende Planungssicherheit und weniger b\u00fcrokratische Bremskl\u00f6tze.\u201c<\/p>\n<p><strong>Vertrauen in die Bundesregierung schwindet<\/strong><br aria-hidden=\"true\" \/>Die hohen Energie- und Rohstoffpreise werden weiterhin als gr\u00f6\u00dftes Risiko f\u00fcr die wirtschaftliche Entwicklung eingestuft, gefolgt von den wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen, der Inlandsnachfrage, dem Fachkr\u00e4ftemangel und den Arbeitskosten. Jeweils zwischen 60 und 70 % der Unternehmen aus Siegen-Wittgenstein und Olpe sehen darin die gr\u00f6\u00dften Herausforderungen. IHK-Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer Hans-Peter Langer: \u201eNicht alle, aber doch zahlreiche Belastungen, unter denen die Firmen leiden, sind hausgemacht. Das Vertrauen in die Bundesregierung schwindet merklich. Es herrscht der Eindruck vor, dass sich die politischen Entscheider im l\u00e4hmenden Kleinklein verzetteln. An die vom Bundeskanzler angek\u00fcndigten Wachstumsraten wie in den 50er-Jahren glaubt niemand, im Gegenteil. Der Aufschwung f\u00e4llt wahrscheinlich auch in diesem Jahr aus.\u201c Die politische F\u00fchrung werde als wankelm\u00fctig wahrgenommen. Eine verl\u00e4ssliche Wirtschaftspolitik sei nicht erkennbar. Zugleich fehle es aus Sicht zahlreicher Unternehmen an Pragmatismus. Hans-Peter Langer: \u201eVielleicht w\u00fcrde es ja schon helfen, nicht mit jeder politischen Tat die Welt retten zu wollen und sich stattdessen darauf zu konzentrieren, die Steigerung der privaten Investitionen im eigenen Land zum wesentlichen politischen Ziel auszurufen. Wer heute vor Ort nicht mehr investiert, hat gestern vergeblich nach gen\u00fcgend Gr\u00fcnden f\u00fcr den heimischen Standort gesucht. Mich regt auf, dass das in Berlin nicht mehr Leute aufregt.\u201c<\/p>\n<p><b>Besch\u00e4ftigungspl\u00e4ne verhalten \u2013 Finanzielle Lage aber stabil<\/b><br aria-hidden=\"true\" \/>Aufgrund der \u00fcberwiegend schlechten Perspektiven sind die Besch\u00e4ftigungspl\u00e4ne der Unternehmen verhalten. Nur 13 % der Betriebe rechnen mit einem Anstieg der Mitarbeiterzahl, jedoch 23 % mit einem R\u00fcckgang. Damit bleibt die Einsch\u00e4tzung der Besch\u00e4ftigungsentwicklung weiterhin verhalten. Walter Viegener: \u201eErfreulich ist: Trotz gro\u00dfer Herausforderungen und steigender Kosten bleibt die finanzielle Lage der heimischen Unternehmen in weiten Teilen stabil und \u00e4u\u00dferst robust. Das sieht in einigen Regionen Deutschlands ganz anders aus.\u201c Erneut geben mehr als 70 % der Betriebe eine unproblematische Finanzlage an.<\/p>\n<p><b>Wenig Licht und viel Schatten in der Industrie<\/b><br aria-hidden=\"true\" \/>Die Industrieunternehmen aus Siegen-Wittgenstein und Olpe bewerten ihre Gesch\u00e4ftslage etwas positiver als im Herbst. 20 % melden gute Gesch\u00e4fte und 28 % schlechte. Allerdings tritt der Auftragsbestand bei zahlreichen Betrieben auf der Stelle. Der Auftragseingang kommt nicht in Schwung. Nur 6 % der Industrieunternehmen melden steigende Inlandsauftr\u00e4ge. Das ist der niedrigste Wert seit 15 Jahren. Hans-Peter Langer: \u201eDie Produktionsauslastung bleibt weiterhin deutlich unter dem Durchschnittswert der letzten 20 Jahre. Zwar ziehen die Auslandsauftr\u00e4ge zum Jahresbeginn etwas an. Gro\u00dfe Impulse f\u00fchlen sich jedoch anders an. Die Exporterwartungen sind \u00fcberwiegend negativ.\u201c Die Stimmung innerhalb der Industrie ist weiterhin \u00e4u\u00dferst heterogen. W\u00e4hrend die Lage im Maschinenbau mit einem zufriedenstellenden Auftragsbestand sowie steigenden Auslandsauftr\u00e4gen erfreulich positiv ist, bleibt die Situation in der besonders energieintensiven Metallerzeugung \u00e4u\u00dferst angespannt und ernst.<br aria-hidden=\"true\" \/><br aria-hidden=\"true\" \/><b>Zukunftsaussichten im Bausektor d\u00fcster<\/b><br aria-hidden=\"true\" \/>Zwar meldet fast jedes zweite Bauunternehmen aktuell noch eine gute Gesch\u00e4ftslage. Allerdings ist inzwischen fast ein Viertel mit seinen Gesch\u00e4ften nicht mehr zufrieden. Das ist der h\u00f6chste Wert seit 14 Jahren und eine Verzehnfachung gegen\u00fcber der Herbstumfrage. Der Blick in die Zukunft ist deutlich pessimistisch. Stephan H\u00e4ger, Leiter des Referates Konjunktur, Arbeitsmarkt und Statistik: \u201eDer Tiefbau und Teile des Ausbaugewerbes melden weiterhin einen zufriedenstellenden Auftragsbestand. Der Hochbau und im Besonderen der Wohnungsbau leiden nach wie vor unter der geringen Baut\u00e4tigkeit.\u201c<\/p>\n<p><b>Kaufzur\u00fcckhaltung im Gro\u00df- und Einzelhandel<\/b><br aria-hidden=\"true\" \/>Im regionalen Gro\u00dfhandel hat die weitgehend gute wirtschaftliche Lage nun ein Ende gefunden. Er wird von zwei Seiten in die Zange genommen. Die Konsumzur\u00fcckhaltung der privaten Haushalte und der R\u00fcckgang bei den industriellen Auftr\u00e4gen f\u00fchren dazu, dass die Lagebeurteilung auf den niedrigsten Wert seit Beginn der Corona-Pandemie im Fr\u00fchjahr 2020 f\u00e4llt. Zu Jahresbeginn bewertet der regionale Einzelhandel die Gesch\u00e4ftslage ausgewogen. 29 % melden eine gute Gesch\u00e4ftslage, 26 % eine schlechte. Stephan H\u00e4ger: \u201eDas Weihnachtsgesch\u00e4ft fiel bestenfalls durchwachsen aus. W\u00e4hrend ein Drittel seine Ums\u00e4tze steigern konnte, musste ebenfalls ein Drittel Umsatzr\u00fcckg\u00e4nge verkraften. Hoffnung auf zuk\u00fcnftig bessere Gesch\u00e4fte ist kaum vorhanden.\u201c Sieben von zehn Einzelh\u00e4ndlern berichten von einem nach wie vor zur\u00fcckhaltenden Kaufverhalten. Besonders betroffen ist der Kfz-Handel.<\/p>\n<p><b>Deutliche Aufhellung der Stimmung im Dienstleistungsgewerbe<\/b><br aria-hidden=\"true\" \/>Die Stimmung im regionalen Dienstleistungsgewerbe hat sich indessen in gro\u00dfen Teilen aufgehellt. Die Anzahl der Unternehmen, die von einer guten Gesch\u00e4ftslage berichten, hat sich im Vergleich zum Herbst auf 37 % verdoppelt. Das Verkehrs- und Transportgewerbe bleibt bei den positiven Entwicklungen allerdings au\u00dfen vor. Die Branche \u00e4chzt unter den hohen Energie- und Rohstoffpreisen und der Mauterh\u00f6hung f\u00fcr den G\u00fcterverkehr. Im Gastgewerbe hat sich die Stimmung deutlich eingetr\u00fcbt. Die Betriebe berichten \u00fcberwiegend von geringeren Ums\u00e4tzen sowohl mit Gesch\u00e4fts- als auch mit Urlaubsreisenden. Stephan H\u00e4ger. \u201eNeben den hohen Energie- und Rohstoffpreisen schl\u00e4gt die Mehrwertsteuererh\u00f6hung bei zahlreichen Gastronomen nun voll ins Kontor. Um die Konsumlaune nicht komplett in den Keller zu dr\u00fccken, m\u00fcssen sie Teile der Mehrkosten selbst schultern. Die Finanzlage ist bereits bei mehr als der H\u00e4lfte der Befragten angespannt.\u201c<\/p>\n<p>Text: IHK Siegen, Foto: Pixabay<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eDie Stimmung der heimischen Wirtschaft bleibt tr\u00fcbe. Eine komplexe Gemengelage zahlreicher Risiken belastet die Unternehmen. 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