{"id":3135,"date":"2016-01-18T16:17:13","date_gmt":"2016-01-18T15:17:13","guid":{"rendered":"http:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/?p=3135"},"modified":"2016-01-18T16:17:13","modified_gmt":"2016-01-18T15:17:13","slug":"zukunftsfaehigkeit-der-wirtschaft-im-fokus-behalten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/zukunftsfaehigkeit-der-wirtschaft-im-fokus-behalten\/","title":{"rendered":"Zukunftsf\u00e4higkeit der Wirtschaft im Fokus behalten"},"content":{"rendered":"<p>In ihrem Herbstgutachten vom 8. Oktober 2015 bezeichnen die Wirtschaftsforschungsinstitute die \u201eDeutsche Konjunktur\u201c als stabil. In 2015 lag die Steigerung des realen Bruttoinlandproduktes (BIP) bei 1,7 Prozent. F\u00fcr das nun neue Jahr wird auch von einem \u00e4hnlichen Ergebnis auszugehen sein.\u00a0\u201eIn Anbetracht dessen, dass sich die Zinsen auf einem historischen Allzeittief befinden, der gesunkene Roh\u00f6lpreis Kaufkraftgewinne bringt und die Euro-Abwertung einem kleinen Konjunkturprogramm gleichkommt, ist das keine hohe Wachstumsprognose. Ob sie denn \u00fcberhaupt nach dem chinesischen B\u00f6rsenbeben, das\u00a0 vor dem Hintergrund\u00a0 der Sorge um eine harte Landung der chinesischen Wirtschaft zu sehen ist und entsprechende Auswirkungen f\u00fcr deutsche Unternehmen haben k\u00f6nnte, zu realisieren ist, bleibt abzuwarten\u201c, so Siegfried Koepp, der Vorsitzende des Allgemeinen Arbeitgeberverbandes f\u00fcr den Kreis Olpe e.V.\u00a0Gemeinsam mit seinem Vorstandskollegen Arndt G. Kirchhoff und dem Verbandsgesch\u00e4ftsf\u00fchrer Stephan Stracke stellte er in einem Pressegespr\u00e4ch die Ergebnisse der regelm\u00e4\u00dfig zum Jahreswechsel stattfindenden Konjunkturumfrage vor. An der Umfrage beteiligten sich 25 Unternehmen der Metall- und Elektroindustrie im Kreis Olpe mit rund 6200 Besch\u00e4ftigten, darunter 445 Auszubildenden.<\/p>\n<p>Auch der Sachverst\u00e4ndigenrat (SVR) zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung &#8211; genannt die F\u00fcnf Wirtschaftsweisen \u2013 sch\u00e4tze die Situation in seinem Jahresgutachten 2015\/2016 so ein. In seinem Gutachten vom 11. November 2015 liegt der Schwerpunkt seiner Analyse auf folgenden drei Themen:<\/p>\n<ol>\n<li>Die wirtschaftliche Herausforderungen der Fl\u00fcchtlingsmigration, die Deutschland und Europa vor bisher kaum gekannte Herausforderungen stellen.<\/li>\n<li>Die St\u00e4rkung der Architektur des Euroraumes.<\/li>\n<li>Die Zukunftsf\u00e4higkeit der deutschen Wirtschaft.<\/li>\n<\/ol>\n<p>Laut SVR sei derzeit kaum eine Aufbruchstimmung zu sp\u00fcren, die Deutschland bef\u00e4higen k\u00f6nnte, seine starke wirtschaftliche Stellung in einer immer enger verflochtenen und digitalisierten Welt zu behaupten. Besonders der vom SVR bereits im Vorjahr angeprangerte fl\u00e4chendeckende Mindestlohn, der f\u00fcr sich genommen schon wachstums- und besch\u00e4ftigungshemmend wirke, solle besonders unter dem Aspekt des enormen Asylanten- und Fl\u00fcchtlingsstroms, der aus \u00fcberwiegend nicht oder nur unzureichend ausgebildeten Menschen bestehe, \u00fcberdacht werden.\u00a0Dar\u00fcber hinaus weist Koepp darauf hin, dass sich das gesamtwirtschaftliche Produktivit\u00e4tswachstum seit dem Jahre 2005 verlangsamt habe, was u.a. damit zu erkl\u00e4ren sei, dass die international vorgenommene Umstrukturierung der Wertsch\u00f6pfungsketten besonders im \u201eVerarbeitenden Gewerbe\u201c nahezu abgeschlossen sei.<\/p>\n<p>Nach Zeiten st\u00e4ndig neuer Ausgabenpakete in der Sozialversicherung &#8211; man denke an die \u201eRente mit 63\u201c oder die \u201eM\u00fctterrente\u201c &#8211; sowie steigender Abgabenlasten m\u00fcssten die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen dringend verbessert werden. Ebenso seien bei zunehmender Digitalisierung der Arbeitswelt verst\u00e4rkte Bildungs- und Weiterbildungsanstrengungen notwendig.\u00a0Letzteres besonders, um die Integration der Migranten sicherzustellen. Mit ihnen sei zwar durchaus eine Chance f\u00fcr den Arbeitsmarkt verbunden, doch werde diese Chance nur genutzt werden k\u00f6nnen, wenn eine Integration sowohl in den Arbeitsmarkt als auch in die Gesellschaft gelinge.\u00a0Dies k\u00f6nne aber kein Ersatz f\u00fcr eine zielgenau gesteuerte Zuwanderung qualifizierter Fachkr\u00e4fte sein, die es in Deutschland schon wegen eines fehlenden Einwanderungsgesetzes nicht gebe.<\/p>\n<p>\u201eIm Hinblick auf den Gesamtarbeitsmarkt sollten Regelungen, die die Tariffreiheiten weiter einschr\u00e4nken, sowie Regulierungen f\u00fcr Werkvertr\u00e4ge und zus\u00e4tzliche Einengungen bei der Zeitarbeit vermieden werden\u201c. Stattdessen f\u00fchren jedoch die Umwelt-, Sozial- und Energiepolitiker in ihrer Arbeitsweise so fort, als sei die Kraft unserer Betriebe unersch\u00f6pflich. Man beachte nur den gerade vorgelegten Referentenentwurf zu Zeitarbeit und Werkvertr\u00e4gen. \u201eWerden diese flexiblen Besch\u00e4ftigungsm\u00f6glichkeiten tats\u00e4chlich weiter beschnitten, kann eine Arbeitsmarktintegration von Arbeitskr\u00e4ften mit Einstellungserschwernissen nicht gelingen\u201c. Im Gegenteil. Angesichts des steigenden Arbeitsangebots im Niedriglohnbereich d\u00fcrfe der Mindestlohn nicht erh\u00f6ht werden und zudem m\u00fcsse die Ausnahme vom Mindestlohn f\u00fcr Langzeitarbeitslose von sechs auf zw\u00f6lf Monate verl\u00e4ngert werden.\u00a0\u201eEs bleibt nun abzuwarten, welche Richtung die gro\u00dfe Koalition in diesen Fragen einschlagen wird und ob sie es schafft, wirtschaftliche Priorit\u00e4ten zu setzen, die helfen, die Zukunftsf\u00e4higkeit von Deutschland zu sichern\u201c, so Koepp abschlie\u00dfend.<\/p>\n<p>\u201eDie Produktion bei der M+E-Industrie in Deutschland hat bis Oktober 2015 nur um etwa 0,8 Prozent (2014 etwa 2,4 Prozent) zulegen k\u00f6nnen. Gleichzeitig unterschreitet man noch deutlich das Vorkrisenniveau des Jahres 2008. Dies hat in Verbindung mit den hohen Entgeltsteigerungen der Vorjahre zu stark erh\u00f6hten Lohnst\u00fcckkosten gef\u00fchrt. Damit erkl\u00e4rt sich ebenfalls, dass der Oktober-Besch\u00e4ftigungsstand in der nordrhein-westf\u00e4lischen M+E \u2013 Industrie mit etwa 693 T. Personen (bundesweit 3.825 T Besch\u00e4ftigte) den Vorkrisenstand um etwa 21 T. Besch\u00e4ftigte unterschreitet und auch f\u00fcr das laufende Jahr allenfalls eine leichte Belebung erwartet wird. Nach der Auswertung unserer Mitgliederbefragung vom Dezember 2015 stellen sich die Prognosen f\u00fcr die M+E \u2013 Industrie unseres Verbandsgebietes im Vergleich zu NRW etwas optimistischer dar. 84 Prozent der befragten Unternehmen gehen von einem gleichbleibenden Besch\u00e4ftigtenstand aus, und nur 4 Prozent sehen Entlassungen bzw. Kurzarbeit auf sich zukommen. Neueinstellungen planen 12 Prozent der Unternehmen\u201c, so Stephan Stracke.<\/p>\n<p>\u201eAls recht positiv k\u00f6nnen auch die Gesch\u00e4ftserwartungen der heimischen Unternehmen angesehen werden. Etwa 88 Prozent der Unternehmen bewerten sie als besser oder gleich gut. Nur 8 Prozent geben das Votum \u201egleich schlecht\u201c und wiederum nur 4 Prozent das Votum \u201eschlechter\u201c ab. Diese Lageentwicklung spiegelt sich auch bei den Inlandsauftr\u00e4gen wieder. Hier gehen 84 Prozent der Unternehmen von einem besseren oder gleich guten Verlauf aus. Eine Verschlechterung erwarten dagegen 12 Prozent der Befragten. 4 Prozent bewerten die Entwicklung bei den Inlandorders als gleich negativ. Weniger optimistisch werden die zuk\u00fcnftigen Auslandsauftr\u00e4ge bewertet. Nur 71 Prozent der Unternehmen sehen hier eine Verbesserung oder ein gleichbleibend gutes Niveau auf sich zukommen. 29 Prozent erwarten eine gleich schlechte oder schlechtere Entwicklung\u201c.\u00a0\u201eDie aktuelle Ertragslage der Unternehmen werde von 92 Prozent der Unternehmen als befriedigend oder gut angesehen. Die Erwartungen f\u00fcr das Jahr 2016 seien per Saldo ebenfalls positiv. Zwar rechne jedes sechste (Vorjahr jedes zweite) Unternehmen mit einer verschlechterten Ertragslage, doch erwarteten etwa 84 Prozent der Unternehmen (Vorjahr etwa 20 Prozent) eine gleichbleibende oder sogar verbesserte Ertragslage\u201c, so Stracke weiter.<\/p>\n<p>\u201eBetont werden muss\u201c, so Siegfried Koepp, \u201edass sich die zugrunde liegende Auswertung der Konjunkturumfrage 2015 \/ 2016 auf Erwartungen der Unternehmen st\u00fctzen und die hier getroffenen Aussagen infolge dessen lediglich als Stimmungslage zu werten sind\u201c.\u00a0\u00dcbereinstimmend mit den Wirtschaftsforschungsinstituten und den Wirtschaftsweisen rechne auch er f\u00fcr das laufende Jahr 2016 mit einem sich &#8211; mit 1,8 Prozent &#8211; nur m\u00e4\u00dfig entwickelnden gesamtwirtschaftlichen Wachstum. Zwar solle die Industrieproduktion um 1,5 Prozent wachsen, doch heruntergebrochen auf die M+E-Industrie bedeute dies gerade einmal 4 Prozent mehr als im Jahre 2008, dem Beginn der globalen Wirtschaftskrise.<\/p>\n<p>\u201eDie nordrhein-westf\u00e4lischen Unternehmen der M+E-Industrie sind insgesamt ordentlich aufgestellt. Ansonsten w\u00e4re die M+E-Besch\u00e4ftigung in Nordrhein-Westfalen noch st\u00e4rker zur\u00fcckgegangen, als tats\u00e4chlich geschehen. Aber der R\u00fcckgang der Besch\u00e4ftigung bis Oktober des letzten Jahres um 6.140 Personen oder 0,88 Prozent ist ein Alarmzeichen. Wir haben damit NRW-weit mehr Besch\u00e4ftigung eingeb\u00fc\u00dft, als wir in den Jahren 2013 und 2014 m\u00fchsam aufgebaut haben. Besonders betroffen sind dabei der Maschinenbau und die Automobilindustrie. Erkl\u00e4rbar ist diese Negativentwicklung u.a. dadurch, dass sich seit April 2012 die Tarifentgelte um 14 Prozent erh\u00f6ht haben. Die Produktivit\u00e4tsentwicklung konnte damit bei weitem nicht Schritt halten. Alleine im letzten Jahr betrug die Steigerung bei den Arbeitskosten 3,1 Prozent. Gleichzeitig machte der Produktivit\u00e4tsfortschritt je Besch\u00e4ftigtenstunde nur 0,1 Prozent aus. So haben sich die Lohnst\u00fcckkosten zwangsl\u00e4ufig um weitere 3 Prozent erh\u00f6ht. Erkl\u00e4rtes Ziel f\u00fcr die anstehende Tarifrunde muss es sein, zu einer produktivit\u00e4tsorientierten Tarifpolitik zur\u00fcckzukehren\u201c, so Arndt G. Kirchhoff, der stellvertretende Vorsitzende des AGV Olpe und Vorsitzende der Fachgruppe Metall. Als Pr\u00e4sident von Metall NRW leitete Kirchhoff die letztj\u00e4hrige M+E-Tarifrunde in NRW.<\/p>\n<p>\u201eDie Zahl der Arbeitslosen in Deutschland hat sich abermals verringert und mit ca. 2,681 Millionen den Vorjahresstand im Dezember um etwa 115 T oder 3,84 Prozent (Arbeitslosenquote: 6,1 Prozent, Vorjahresmonat 6,4 Prozent) unterschritten. Nicht ganz so stark hat die Zahl der Arbeitslosen in NRW abgenommen. Hier konnten die Arbeitslosenzahlen nur um etwa 1,4 Prozent auf zuletzt 717 T. abgesenkt werden (Arbeitslosenquote: 7,7 Prozent, Vorjahresmonat 7,8 Prozent). Im Gesamtbezirk Siegen \/ Wittgenstein \/ Olpe ist sogar die niedrigste Arbeitslosenquote seit 1998 zu verzeichnen. Hier waren im Dezember 2015 insgesamt 598 Personen weniger arbeitslos als ein Jahr zuvor. Dies spiegeln auch die Arbeitslosenquoten wider, die f\u00fcr den Gesamtbezirk 4,8 Prozent (Vorjahresmonat 5,1 Prozent) aller zivilen Erwerbspersonen und f\u00fcr die Teilregion Olpe niedrige 4,0 Prozent (Vorjahresmonat 4,4 Prozent) ausweisen. Gleichzeitig wuchs im Agenturbezirk die Anzahl freier Stellen um 12,7 Prozent auf nunmehr 2.322. Absehbar ist jedoch bereits zum jetzigen Zeitpunkt, dass die zunehmende Zahl von Fl\u00fcchtlingen die Gesamtstatistik verschlechtern wird\u201c.\u00a0Angesichts der abgefragten Besch\u00e4ftigungsentwicklung rechnet Kirchhoff f\u00fcr das Jahr 2016 allenfalls \u201emit einer sich leicht verbessernden Besch\u00e4ftigungsentwicklung in der M+E- Industrie\u201c.<\/p>\n<p>Dieser verhaltene Optimismus n\u00e4hre sich aus der leicht ansteigenden Investitionsneigung. Immerhin 36 Prozent (Vorjahr: 10,5 Prozent) der Unternehmen planten steigende Investitionen. Mit einem unver\u00e4nderten Niveau rechneten dagegen fast 40 Prozent der Unternehmen (Vorjahr fast 60 Prozent). Immer noch jedes vierte Unternehmen erwarte dem gegen\u00fcber sinkende Investitionen (Vorjahr jedes dritte). Dieser per Saldo leicht positive Aspekt f\u00fcr den Arbeitsmarkt werde jedoch durch die Tatsache getr\u00fcbt, dass die Zahl der offenen Stellen von 610 T im Dezember 2014 auf nunmehr 590 T zur\u00fcckgegangen sei, so Kirchhoff weiter.<\/p>\n<p>Positiv zu vermerken sei allerdings, dass sich die Ausbildungsplanungen weiterhin auf hohem Niveau bef\u00e4nden. Insgesamt gingen 72 Prozent der Unternehmen von einer gleichbleibenden H\u00f6he des Ausbildungsplatzangebotes aus. Die Meldungen bzgl. Auf- bzw. Abbau hielten sich etwa die Waage. Insgesamt d\u00fcrfe somit wiederholt mit einer Ausbildungsquote von \u00fcber 7 Prozent gerechnet werden. \u201eIn dieser Verstetigung spiegelt sich ein hohes soziales Engagement der im Kreis angesiedelten Unternehmen und die Verinnerlichung der demographischen Entwicklung wider\u201c, so Kirchhoff abschlie\u00dfend.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In ihrem Herbstgutachten vom 8. 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