{"id":30521,"date":"2023-02-27T11:17:39","date_gmt":"2023-02-27T10:17:39","guid":{"rendered":"https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/?p=30521"},"modified":"2023-02-27T11:18:16","modified_gmt":"2023-02-27T10:18:16","slug":"genderpay-gap-genauer-blick-lohnt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/genderpay-gap-genauer-blick-lohnt\/","title":{"rendered":"Gender\u00a0Pay Gap: Genauer Blick lohnt"},"content":{"rendered":"<p><em>Das Urteil des Bundesarbeitsgerichts in Erfurt, das einer Arbeitnehmerin Sachen gleicher Bezahlung Recht gibt, hat in vielerlei Hinsicht Reaktionen ausgel\u00f6st (Urteil vom 16. Februar 2023 \u2013 8 AZR 450\/21). W\u00e4hrend einige Arbeitnehmervertreter schon eine \u201e\u00dcberpr\u00fcfungswelle\u201c von Arbeitsvertr\u00e4gen kommen sehen und im gro\u00dfen Stil Morgenluft wittern, kritisiert manch Arbeitgebervertreter die \u00fcberbordende B\u00fcrokratie, die auch an dieser Stelle nun wieder zuschl\u00e4gt. Die Wahrheit liegt wohl irgendwo dazwischen. Denn sicher w\u00fcrde jeder dem Ruf nach \u201egleichem Lohn f\u00fcr gleiche Arbeit\u201c grunds\u00e4tzlich zustimmen. Doch wie so oft liegt der Teufel doch im Detail.<\/em><\/p>\n<p><strong>Vergleich oftmals schwierig<\/strong><\/p>\n<p><em>Wie sollen au\u00dfer in einer Produktion, in der wom\u00f6glich zwei Arbeitnehmer(innen) ein und dieselbe Aufgabenstellung an ein und demselben Arbeitsplatz haben, Arbeit und Leistung miteinander verglichen werden? Wie flie\u00dfen, besonders in \u201enicht-produzierenden\u201c T\u00e4tigkeiten (Konstruktion, kaufm\u00e4nnische oder kreative Berufe etc.), Aspekte mit ein, die man nicht allein an Kennzahlen messen kann? Wie flie\u00dfen Kreativit\u00e4t, der Wille zur Verbesserung von Prozessen und Abl\u00e4ufen oder besonders fehlerfreies Arbeiten in eine Bewertung mit ein? Im Fall einer Montaget\u00e4tigkeit kann man zweifelsfrei nachweisen, welcher Arbeitnehmer (oder welche Arbeitnehmerin) in einer bestimmten Zeit wieviel \u201eOutput\u201c hat. Diesen Output aber in anderen T\u00e4tigkeiten, n\u00e4mlich den oben beschriebenen, anhand objektiver Kriterien zu bemessen, erscheint mir schwierig, ja beinahe unm\u00f6glich. Und da zeigt sich auch wieder, wie sehr ein solches Urteil vorbeigeht an der Praxis in den Betrieben. Man kann Arbeitskraft und Leistung nicht am Rei\u00dfbrett planen. Unsere Industrie und somit unser Land haben auch immer von Erfindergeist und dem Willen zur Verbesserung gelebt. Beide Attribute stehen kontr\u00e4r zu planwirtschaftlichen Vorstellungen.<\/em><\/p>\n<p><em>In der Praxis hat die manchmal unterschiedliche und auf den ersten Blick ungerecht wirkende Bezahlung von Mann und Frau oft doch auch Ursachen, die eben nicht die Unternehmen, sondern Politik und Gesellschaft zu verantworten haben. Denn noch immer sind die Erwerbsbiografien der beiden Geschlechter oftmals unterschiedlich. Noch immer m\u00fcssen Familien um Kita-Pl\u00e4tze k\u00e4mpfen. Und noch immer f\u00fchrt das immer wieder auch dazu, dass der weibliche Part in einer Familie l\u00e4nger zuhause bleiben oder Teilzeit arbeiten muss, als es beiden Partnern lieb w\u00e4re.<\/em><\/p>\n<p><em>Dabei sind die Arbeitgeber auf mehr Fachkr\u00e4fte angewiesen. Die Unternehmer, die tausende Stellen derzeit nicht besetzen k\u00f6nnen, wissen nur zu gut, dass es wenige Hebel gibt, mit denen man der alternden Gesellschaft auf dem Arbeitsmarkt entgegentreten kann. Da sind Langzeitarbeitslose oder schlecht qualifizierte Schulabbrecher, die wir in Lohn und Brot bringen sollten \u2013 wohl wissend um die vielen Schwierigkeiten im Alltag. Ein zweiter Hebel ist die Schaffung von Anreizen, um qualifizierte Zuwanderer f\u00fcr die Bundesrepublik begeistern zu k\u00f6nnen. Und die dritte M\u00f6glichkeit ist eben die Reduzierung von Teilzeitarbeit bei Frauen. Wir brauchen jede Frau und jeden Mann in Lohn und Brot, um im internationalen Wettbewerb weiter konkurrenzf\u00e4hig sein zu k\u00f6nnen.<\/em><\/p>\n<p><strong>MINT-Berufe: Frauen auf dem Vormarsch<\/strong><\/p>\n<p><em>Die jahrelangen Bem\u00fchungen der Arbeitgeberverb\u00e4nde, ihrer Unternehmen und anderer Institutionen tragen Fr\u00fcchte: MINToring, Miniph\u00e4nomenta, M+E-Truck, der Aufwand, der in der Industrie allgemein mittlerweile in die Ausbildung gesteckt wird, und vieles mehr haben dazu gef\u00fchrt, dass der Anteil der Frauen in MINT-Berufen stetig bergauf geht. Laut MINT-Herbstreport 2022 des Instituts der Deutschen Wirtschaft ist der Anteil der Frauen in MINT-Facharbeiterberufen im Vergleich von 2012 zu 2022 immerhin von 13 auf 14 Prozent gestiegen. Wesentlich erfreulicher: der Anteil von Frauen in Ingenieurberufen ist im gleichen Zeitraum von 15,1 auf 19,4 Prozent nach oben geschnellt.<\/em><\/p>\n<p><em>Da w\u00e4ren die Unternehmen doch nun mit dem Klammerbeutel gepudert, Frauen bei gleicher Leistung schlechter zu bezahlen als ihre m\u00e4nnlichen Kollegen. Abpr\u00fcfbare Bewertungskriterien f\u00fcr eine Eingruppierung, die bei vielen Unternehmen mittlerweile zum Standard geh\u00f6ren, tun ihr \u00dcbriges. Und wenn Arbeitskr\u00e4fte knapper werden, entscheidet auch hier der Markt, ergo der Preis (der freilich nicht nur aus Euro und Cent, sondern aus vielen anderen Benefits zusammengesetzt ist). Das l\u00e4sst sich eins zu eins auf das\u00a0<span class=\"markyltwh4vz5\" data-markjs=\"true\" data-ogac=\"\" data-ogab=\"\" data-ogsc=\"\" data-ogsb=\"\">Gender<\/span>\u00a0Pay Gap \u00fcbertragen: Stellen Frauen fest, dass die Gleichbehandlung in manchen Unternehmen besser gelingt, als in anderen, ist die Entscheidung f\u00fcr oder gegen einen Arbeitgeber im Zweifel schnell getroffen.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Urteil des Bundesarbeitsgerichts in Erfurt, das einer Arbeitnehmerin Sachen gleicher Bezahlung Recht gibt, hat in vielerlei Hinsicht Reaktionen ausgel\u00f6st (Urteil vom 16. 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