{"id":3050,"date":"2016-01-01T09:00:24","date_gmt":"2016-01-01T08:00:24","guid":{"rendered":"http:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/?p=3050"},"modified":"2015-12-11T09:37:54","modified_gmt":"2015-12-11T08:37:54","slug":"urzeit-monster-aus-dem-siegerland","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/urzeit-monster-aus-dem-siegerland\/","title":{"rendered":"&#8222;Urzeit-Monster&#8220; aus dem Siegerland"},"content":{"rendered":"<p>Die Maschine wirkt wie ein gigantisches Urzeit-Monster. Aus einem kompakten, massigen Stahlk\u00f6rper, auf dem der Bediener wie eine Ameise wirkt, ragt, gleich einem gefr\u00e4\u00dfigen Maul, eine gewaltige Zange heraus. Ge\u00f6ffnet hat die eine Spannweite von mehr als zwei Metern. Diese Zange packt jetzt einen am Boden liegenden gro\u00dfen rotgl\u00fchenden Stahlzylinder. Fast spielerisch hebt die Maschine den rund 150 Tonnen schweren Klotz an und schiebt ihn auf den Tisch einer ebenfalls gigantischen Presse. Nach jedem Hub der Presse dreht der sogenannte Schmiedemanipulator das gl\u00fchende Metall um einige Grad. Auf diese Weise entsteht Hub f\u00fcr Hub, Drehung f\u00fcr Drehung, die riesige Welle eines Generators. Dabei l\u00e4sst die Zange nicht einmal los.<\/p>\n<p>Was den Besucher allein schon wegen der schieren Gr\u00f6\u00dfe und der unb\u00e4ndigen Kraft ganz and\u00e4chtig werden l\u00e4sst, ist f\u00fcr Rainer Dango im Prinzip nichts Besonderes. &#8222;Wir k\u00f6nnen noch wesentlich gr\u00f6\u00dfer&#8220;, sagt der Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer der <a href=\"http:\/\/www.dango-dienenthal.com\/\" target=\"_blank\">Dango &amp; Dienenthal GmbH<\/a> in Siegen (DDS). Mit einer Traglast von mehr als 250 Tonnen baue das Unternehmen seit einigen Jahren die st\u00e4rksten Schmiedemanipulatoren der Welt. Die fahren auf Schienen und wiegen selbst an die 1.000 Tonnen. Und der Bedarf an solchen Giganten sei weiterhin vorhanden, da vor allem bei der Energieerzeugungsindustrie die Nachfrage nach immer schwereren Schmiedeteilen mit gro\u00dfen Abmessungen wachse. Dabei handelt es sich beispielsweise um Dampfturbinen-Wellen, Rotoren, Kurbelwellen f\u00fcr Hochleistungs-Dieselmotoren, aber auch Antriebswellen f\u00fcr Schiffe und Druckbeh\u00e4lter f\u00fcr Kernkraftwerke.<\/p>\n<p><strong>Millimeter-Pr\u00e4zision bei 150 Tonnen<\/strong><\/p>\n<div id=\"attachment_3053\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"http:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/?attachment_id=3053\" rel=\"attachment wp-att-3053\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-3053\" class=\"size-medium wp-image-3053\" src=\"http:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/wp-content\/uploads\/2016\/01\/dds-4-300x200.jpg\" alt=\"Schwei\u00dfarbeiten an der D\u00fcse einer Stichlochstopfmaschine.\" width=\"300\" height=\"200\" srcset=\"https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/wp-content\/uploads\/2016\/01\/dds-4-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/wp-content\/uploads\/2016\/01\/dds-4-768x512.jpg 768w, https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/wp-content\/uploads\/2016\/01\/dds-4.jpg 777w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-3053\" class=\"wp-caption-text\">Schwei\u00dfarbeiten an der D\u00fcse einer Stichlochstopfmaschine.<\/p><\/div>\n<p>Dass solch gro\u00dfe Schmiedemanipulatoren keine Serienprodukte sind, versteht sich fast von selbst. &#8222;Die Manipulatoren werden von Auftrag zu Auftrag weiterentwickelt&#8220;, sagt Dango. Mitgesch\u00e4ftsf\u00fchrer Arno Dienenthal erg\u00e4nzt: &#8222;Unsere Kunden kommen hier mit klaren anwenderspezifischen Anforderungen auf uns zu. Daraus entstehen dann die individuellen Maschinen.&#8220; Bei denen geht es vor allem um Schnelligkeit und Pr\u00e4zision. &#8222;Millimeter-Pr\u00e4zision&#8220;, wie die beiden Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer betonen. Schlie\u00dflich w\u00fcrden f\u00fcr die Kunden enorme Kosten entstehen, wenn beispielsweise ein gl\u00fchender Metallblock von 150 Tonnen ungeplant wieder in den Ofen m\u00fcsse, weil bei der Handhabung zu viel Zeit vergangen ist. Allein die zus\u00e4tzlichen Arbeits- und Energiekosten w\u00fcrden so Wettbewerbsvorteile verschlingen.<\/p>\n<p>Doch auf die Siegener Schmiedemanipulatoren ist Verlass. Schlie\u00dflich ist das Unternehmen nicht von ungef\u00e4hr Weltmarktf\u00fchrer in diesem Segment. Es geht bei DDS aber auch einige Nummern kleiner. Manipulatoren bis zwei Tonnen Traglast sind weniger individuell und k\u00f6nnen deshalb schon mal in Kleinserien hergestellt werden. Dar\u00fcber hinaus entwickelt und produziert die Firma unterschiedlichste Maschinen und Anlagen, die vor allem in Stahlwerken, Schmieden und Hammerwerken zum Einsatz kommen.<\/p>\n<p><strong>Zwei Familien, ein Unternehmen<\/strong><\/p>\n<p>Der Erfolg des Unternehmens basiert zu einem gro\u00dfen Teil auf der 150-j\u00e4hrigen Geschichte und dem damit \u00fcber viele Jahrzehnte gewachsenen Know-how. Im Jahre 1865 wurde die Firma von August Dango und Louis Dienenthal als Gie\u00dferei gegr\u00fcndet. Sie legten den Grundstein f\u00fcr ein Familienunternehmen, das heute von Rainer Dango und Arno Dienenthal in f\u00fcnfter Generation weitergef\u00fchrt wird. Zun\u00e4chst produzierte man damals Armaturen f\u00fcr Hoch\u00f6fen. Bereits 1901 bauten die Spezialisten aus dem Siegerland die erste sogenannte Stichlochstopfmaschine. Mit der wird bei einem Hochofen das Ausflussloch f\u00fcr die gl\u00fchende Metallschmelze wieder sicher verschlossen. Auch bei diesem Produkt sind die Siegener Marktf\u00fchrer.<\/p>\n<div id=\"attachment_3054\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"http:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/?attachment_id=3054\" rel=\"attachment wp-att-3054\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-3054\" class=\"size-medium wp-image-3054\" src=\"http:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/wp-content\/uploads\/2016\/01\/dds-3-300x200.jpg\" alt=\"Zwei Familien, ein Unternehmen: Im Bild die beiden Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer Rainer Dango (links) und Arno Dienenthal. (Fotos: Gesamtmetall\/Pit Junker, Dango &amp; Dienenthal)\" width=\"300\" height=\"200\" srcset=\"https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/wp-content\/uploads\/2016\/01\/dds-3-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/wp-content\/uploads\/2016\/01\/dds-3-768x512.jpg 768w, https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/wp-content\/uploads\/2016\/01\/dds-3.jpg 777w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-3054\" class=\"wp-caption-text\">Zwei Familien, ein Unternehmen: Im Bild die beiden Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer Rainer Dango (links)<br \/>und Arno Dienenthal. (Fotos: Gesamtmetall\/Pit Junker, Dango &amp; Dienenthal)<\/p><\/div>\n<p>Seit Mitte der 1950er Jahre kamen dann auch Stichlochbohrmaschinen zum \u00d6ffnen der Hoch\u00f6fen hinzu sowie Fl\u00fcssigkeitsfilter und Messeinrichtungen zur Temperaturermittlung, F\u00fcllstandskontrolle und Gasanalyse in Hoch\u00f6fen sowie anderen metallurgischen Einrichtungen. &#8222;Wir haben unser Produktspektrum stetig ausgeweitet und schauen auch heute noch&#8220;, sagt Arno Dienenthal, &#8222;welche Produkte in unser Portfolio passen.&#8220; So geh\u00f6ren zum Programm von DDS unter anderem auch Schwerlastroboter und Wasserfilter, die sich automatisch selbst reinigen und in fast allen Industriebereichen zum Einsatz kommen. &#8222;Die sind hoch flexibel&#8220;, sagt Rainer Dango, &#8222;und eignen sich f\u00fcr alle offenen Wasserkreisl\u00e4ufe, in denen Schmutz ist, der raus muss.&#8220;<\/p>\n<p>Aus dem Einzelunternehmen ist heute eine Gruppe mit 430 Mitarbeitern geworden, die Niederlassungen in den USA, Indien, Japan, China und S\u00fcdafrika betreibt. Entwickelt und konstruiert werden die Spezialausr\u00fcstungen f\u00fcr Hochofenbetriebe \u00fcbrigens von TMT \u2013 Tapping Measuring Technology, einem 2003 von Dango &amp;\u2008Dienenthal in Siegen und Paul Wurth in Luxemburg gegr\u00fcndeten Gemeinschaftsunternehmen. Verantwortlichkeiten habe man dadurch nicht abgegeben, versichert Arno Dienenthal. Im Gegenteil: Alle bisher gegr\u00fcndeten T\u00f6chter und Joint Venture dienten vor allem auch der Sicherung des Standortes Siegen mit seinen 250 Mitarbeitern. Wie wichtig den Verantwortlichen das Stammwerk ist, belegt allein schon die Tatsache, dass hier in den letzten Jahren ein h\u00f6herer, zweistelliger Millionenbetrag in neue Hallen und Anlagen investiert wurde.<\/p>\n<p><strong>\u00dcberdurchschnittliche Ausbildungsquote<\/strong><\/p>\n<p>Investieren w\u00fcrden die Inhaber-Familien auch in die Mitarbeiter. Die sollen m\u00f6glichst lange im Unternehmen bleiben, um n\u00f6tige Qualifikationen aufzubauen und das Firmen-Know-how weiter zu entwickeln. Auch das scheint den Siegenern zu gelingen. &#8222;Firmenzugeh\u00f6rigkeiten von 45 Jahren&#8220;, sagt Rainer Dango, &#8222;sind bei uns keine Seltenheit.&#8220; Einen besonderen Wert legen die Verantwortlichen zudem auf die eigene und \u00fcberbetriebliche Ausbildung. Mit Ausbildungsquoten von \u00fcber zehn Prozent liegt DDS dabei weit \u00fcber dem Branchendurchschnitt.<\/p>\n<p>Sorgen, gen\u00fcgend Auszubildende zu finden, meint Arno Dienenthal, habe man nicht. Das Unternehmen sei in der Region bekannt und habe bei den Jugendlichen einen guten Ruf. Nicht zuletzt auch aufgrund der Tatsache, dass jeder Auszubildende, bei entsprechenden Leistungen, f\u00fcr vier Wochen in eine der Auslandsniederlassungen gehen k\u00f6nne. Aber auch die Produkte an sich seien schlie\u00dflich mehr als spannend. Wo sonst k\u00f6nne man Maschinen bauen, die an gigantische Urzeit-Monster erinnern.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Maschine wirkt wie ein gigantisches Urzeit-Monster. 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