{"id":30332,"date":"2023-01-27T10:15:10","date_gmt":"2023-01-27T09:15:10","guid":{"rendered":"https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/?p=30332"},"modified":"2023-01-30T10:20:08","modified_gmt":"2023-01-30T09:20:08","slug":"agv-olpe-klagt-ueber-buerokratische-huerden","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/agv-olpe-klagt-ueber-buerokratische-huerden\/","title":{"rendered":"AGV Olpe klagt \u00fcber b\u00fcrokratische H\u00fcrden"},"content":{"rendered":"<p>Der Arbeitgeberverband Olpe pr\u00e4sentierte k\u00fcrzlich die Ergebnisse seiner aktuellen, traditionell zum Jahresende durchgef\u00fchrten Konjunkturumfrage, an der Betriebe mit rund 9.250 Besch\u00e4ftigten sowie gut 440 Auszubildenden teilgenommen haben.<\/p>\n<p>War zum Ende des Jahres 2021 mit Blick auf die Entwicklung der Corona-Pandemie ein leichter Optimismus und eine gewisse Aufbruchstimmung sp\u00fcrbar, so hatte sich diese gerade zu Beginn des Jahres 2022 durch den Angriffskrieg Russlands auf die Ukraine, der damit verbundenen Inflation aber auch der Energiekrise zerschlagen. Unter dem weiterhin vorherrschenden Druck von Lieferkettenst\u00f6rungen, Materialengp\u00e4ssen sowie der Chip-Krise d\u00e4mpften sich deutlich die Erwartungen.<\/p>\n<p>\u201eDie staatliche Unterst\u00fctzung von B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrgern sowie den Unternehmen war ein notwendiger und richtiger Schritt, um die Auswirkungen der verschiedenen Krisen insbesondere der Energiekrise zu begrenzen\u201c, konstatiert Christopher Mennekes. \u201eDie Ma\u00dfnahmen als solche werden ausdr\u00fccklich von der Wirtschaft begr\u00fc\u00dft, jedoch entsteht der Eindruck, dass diese teilweise zu langsam ankommen und zu b\u00fcrokratisch ausgestaltet sind. Dies tr\u00e4gt zu einer hohen Unsicherheit in den Unternehmen bei\u201c, so Mennekes weiter.<\/p>\n<p>Arndt G. Kirchhoff res\u00fcmiert, dass \u201egr\u00fcndliches und solides Arbeiten mit Recht zu den deutschen Tugenden z\u00e4hle, dies d\u00fcrfe jedoch nicht &#8211; wie in der aktuellen Krisensituation &#8211; durch komplexe B\u00fcrokratie und Verwaltungsprozesse die notwendigen Ma\u00dfnahmen und Infrastrukturprojekte hemmen.\u201c \u201eHier werden zuk\u00fcnftig &#8211; gerade auch im Hinblick auf die Konjunkturlage im Kreis Olpe &#8211; dringend beschleunigte Verfahren ben\u00f6tigt\u201c, so die weiteren Ausf\u00fchrungen von Kirchhoff. \u201eDies betrifft die Unterst\u00fctzung der Wirtschaft durch staatliche Ma\u00dfnahmen zur \u00dcberwindung der Energiepreiskrise, den Ausbau erneuerbarer Energien, die politische Begleitung der Transformation aber auch regional gesehen die weitere Vorgehensweise beim Neubau der Talbr\u00fccke Rahmede sowie die teilweise vorhandenen Prozesse im Umgang mit Gewerbegebieten. Deutschland stehe am Scheideweg, weitere Einschnitte in die Wettbewerbsf\u00e4higkeit der Unternehmen k\u00f6nnten gravierende Auswirkungen auf den Industriestandort Deutschland haben. Gerade vor dem Hintergrund globaler Krisen ist hierbei auch der europarechtliche Vergaberahmen zu pr\u00fcfen und den ge\u00e4nderten Rahmenbedingungen anzupassen, um Standortnachteile in Europa und auch Deutschland zu vermeiden und nicht den Anschluss zu verlieren\u201c, so Kirchhoff weiter.<\/p>\n<p>Die Ergebnisse der diesj\u00e4hrigen Konjunkturumfrage zeugen vor dem Hintergrund der aktuellen Krisen mit vielen Unsicherheiten im Vergleich zur wesentlich optimistischer Grundstimmung des Vorjahres von einer deutlichen Abk\u00fchlung. So hat sich sowohl die Gesch\u00e4fts- als auch die Auftragslage in der Tendenz gegen\u00fcber dem Vorjahr deutlich eingetr\u00fcbt. \u00a0Aktuell beurteilen rund 45 % der Betriebe die Gesch\u00e4ftslage als gut, dies entspricht im Vergleich zum Vorjahr einem R\u00fcckgang von gut 12 Prozentpunkten. 36 % konstatieren eine befriedigende und 18 % eine schlechtere Gesch\u00e4ftslage. Optimistischer als der Landesschnitt stellt sich das Bild f\u00fcr die Erwartung der Gesch\u00e4ftslage in den kommenden 6 Monaten dar. Hier erwarten zumindest gut 83 % eine gleichbleibende Lage, 8 % eine Verbesserung. Dies d\u00fcrfte vor allen Dingen mit abnehmenden Unsicherheiten und einer Stabilisierung der krisenbedingten Rahmenbedingungen erkl\u00e4rbar sein. Bei der Auftragslage zeigt sich ein deutlich differenziertes Bild. Beurteilten rund 67 % der Mitgliedsunternehmen die inl\u00e4ndische Nachfrage im Vorjahr noch als gut, so sehen dies aktuell lediglich rund 42 % der Mitgliedsbetriebe im Kreis Olpe. Bei der ausl\u00e4ndischen Nachfrage verh\u00e4lt sich dies umgekehrt. Hier beurteilten 45 % der Betriebe die Auftragslage im Vorjahr als gut, in diesem Jahr sind es gut 58 %. Ein Gro\u00dfteil der Betriebe erwartet in den kommenden sechs Monaten keine wesentliche Ver\u00e4nderung dieser Tendenz. Immerhin ein Viertel geht sowohl bei der inl\u00e4ndischen als auch der ausl\u00e4ndischen Nachfrage von einer Verbesserung aus.<\/p>\n<p>\u201eDies darf jedoch nicht dar\u00fcber hinwegt\u00e4uschen, dass sich diese Entwicklungstendenz zwar auch anhand des bundesweiten Gesch\u00e4ftsklimaindex f\u00fcr die Metall- und Elektroindustrie best\u00e4tigen l\u00e4sst, der saisonbereinigt im Dezember 2022 auch im Hinblick auf die Erwartungen gestiegen ist, jedoch seit M\u00e4rz 2022 \u00fcberwiegend im negativen Bereich liegt\u201c, so Christian Hermann. \u201eMit Blick auf die konjunkturelle Entwicklung d\u00fcrfte insbesondere die Entwicklung der letzten Monate &#8211; gerade auch vor dem Hintergrund sinkender Gaspreise sowie einer leichten Entspannung bei den Lieferkettenst\u00f6rungen &#8211; mit einem klaren Aufw\u00e4rtstrend dazu beitragen, dass eine m\u00f6gliche Rezession moderater ausfallen d\u00fcrfte als noch im Fr\u00fchjahr\/Sommer 2022 zun\u00e4chst angenommen\u201c, so Hermann weiter. \u201eEntscheidend hierf\u00fcr seien jedoch im Hinblick auf dieses und das kommende Jahr, dass die Ma\u00dfnahmen zur Bew\u00e4ltigung der Krise zielgerichtet und rechtzeitig bei den Unternehmen ank\u00e4men, um die Wettbewerbsf\u00e4higkeit im internationalen Vergleich zu erhalten.\u201c<\/p>\n<p>Bei der Ertragslage zeigt sich ein heterogenes Bild. Hier beurteilt ein Drittel der Unternehmen seine Ertragslage als gut, ein Drittel geht von einer befriedigenden Ertragslage aus und ein Drittel beurteilt die Lage als schlecht. Auch hier ergibt sich im Vorjahresvergleich eine deutliche Eintr\u00fcbung. So beurteilten rund 50 % die Ertragslage im Vorjahr noch als gut. Die Erwartungen geben immerhin Hoffnung auf eine leichte Aufhellung. Beurteilten rund 75 % die Ertragserwartungen im Vorjahr als stabil, so sehen immerhin rund 17 Prozent f\u00fcr die aktuellen Erwartungen eine Verbesserung, 58 % gehen von einer gleichbleibenden Erwartung aus. Die aktuellen Ergebnisse sind ein Spiegel der verschiedenen heterogenen Branchen unter dem Dach der Metall- und Elektroindustrie. So konnte der Maschinenbau teilweise bestehende Auftragsr\u00fcckst\u00e4nde, die sich w\u00e4hrend der Coronapandemie und den damit zum Teil einhergehenden Lieferkettenst\u00f6rungen aufgestaut hatten, abarbeiten. Aber auch hier \u2013 so zeigen Angaben des Branchenverbandes VDMA \u2013 werden die Unternehmen nur durch die bestehenden vollen Auftragsb\u00fccher in das neue Jahr getragen, w\u00e4hrend sowohl im Oktober als auch November 2022 ein zweistelliges Orderminus zu verzeichnen war.<\/p>\n<p>\u201eAuf der anderen Seite\u201c, so die Ausf\u00fchrungen von Kirchhoff, \u201ewar die Automobilzulieferindustrie insbesondere durch den Chipmangel aber auch durch die Lieferkettenst\u00f6rungen sowie die hohen Energie- und Rohstoffpreise insbesondere im ersten Halbjahr des zur\u00fcckliegenden Jahres erheblich belastet\u201c.<\/p>\n<p>\u201eInsgesamt\u201c, so Mennekes, \u201ebest\u00e4tigen die Ergebnisse der Umfrage in weiten Teilen die Prognosen des Sachverst\u00e4ndigenrates zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung aber auch der Wirtschaftsforschungsinstitute.&#8220; Es zeige sich zum Teil anhand der Befragungsergebnisse, dass sich der konjunkturelle Ausblick im Vergleich zum Vorjahr eingetr\u00fcbt habe bzw. zum Teil auf Vorjahresniveau stagniere. Diese Entwicklung ist vor dem Hintergrund des permanenten Krisenmodus, in dem sich die hiesige Wirtschaft befinde, kritisch zu beurteilen und stellt ein erhebliches Risiko f\u00fcr die Wettbewerbsf\u00e4higkeit des Industriestandortes Deutschland dar.<\/p>\n<p>Auf die Besch\u00e4ftigungssituation \u00fcberleitend, spricht sich Christopher Mennekes vor dem Hintergrund der aktuell volatilen Zeiten daf\u00fcr aus, an Instrumenten wie der Kurzarbeit weiterhin festzuhalten, nur so k\u00f6nne Planungssicherheit f\u00fcr das Halten der Fachkr\u00e4fte in Krisenzeiten gelingen.<\/p>\n<p>Hinsichtlich der Besch\u00e4ftigung zeigt sich, dass diese nach wie vor stabil ist. 33 % der Unternehmen weisen eine unver\u00e4nderte Besch\u00e4ftigung auf, 33 % haben gegen\u00fcber dem Vorjahr Neueinstellungen vorgenommen und rund 28 % haben auf ver\u00e4nderte Auftragslagen mit Mehrarbeit reagiert. Lediglich rd. 5,6 % der Unternehmen haben zur Besch\u00e4ftigungssicherung auf Instrumente wie Kurzarbeit zur\u00fcckgreifen m\u00fcssen. Von Entlassungen scheint sowohl im aktuellen Status als auch in der Vorausschau kein Mitgliedsunternehmen auszugehen. \u00c4hnlich positiv sieht die aktuelle Sicht auf die Besch\u00e4ftigungsentwicklung aus. 80 % planen mit einer stabilen Besch\u00e4ftigung und\/oder Neueinstellungen, rd. 13 % mit Mehrarbeit und weitere 6,7 % mit Kurzarbeit. Auch die Entwicklung bei den Ausbildungspl\u00e4tzen erweist sich als sehr stabil.<\/p>\n<p>Der Blick auf die Besch\u00e4ftigung im Kreis Olpe offenbart bei aller Euphorie \u00fcber die niedrige Arbeitslosigkeit jedoch auch, dass sich die Situation am Arbeitsmarkt zunehmend versch\u00e4rft. Im Kreis Olpe trifft mittlerweile jeder Bewerber auf durchschnittlich 2,48 offene Ausbildungsstellen (Stand September 2022). Die Schere zwischen Angebot und Nachfrage klafft dabei immer weiter auseinander. Laut Bundesagentur f\u00fcr Arbeit lag die Zahl unversorgter Bewerberinnen und Bewerber im September 2022 bei 22, die Zahl der unbesetzten Ausbildungsstellen im Vergleich dazu bei 108. Olpe liegt damit NRW-weit an der Spitze. Deshalb fordern die Unternehmen im Kreis Olpe von der Politik, den Mut f\u00fcr notwendige Reformen &#8211; insbesondere eine Rentenreform &#8211; zeitnah aufzubringen. Unisono sehen Mennekes, Kirchhoff sowie Hermann im aktuellen Rentensystem mit der Rente mit 63 bei gleichzeitig steigender Lebenserwartung auf der einen Seite eine Versch\u00e4rfung des Fachkr\u00e4fteproblems sowie auf der anderen Seite eine deutlich gestiegene Belastung der Rentenkassen, die in letzter Konsequenz zu einer Erh\u00f6hung der Arbeitskosten in Deutschland beitr\u00e4gt. Insofern sei es aus Sicht der Verbandsunternehmen im Kreis Olpe mit Blick auf die demografische Entwicklung zwingend erforderlich, eine offene und konstruktive Debatte dar\u00fcber zu f\u00fchren, wie &#8211; vor dem Hintergrund der Fachkr\u00e4ftel\u00fccke sowie der Belastungen der Sozialsysteme &#8211; auch ein sp\u00e4terer Renteneintritt als derzeit mit 67 zuk\u00fcnftig gelingen kann. Ein Drehen an der Beitragsschraube w\u00fcrde nur zu einer weiteren Belastung der Arbeitskosten und damit zu Wettbewerbsnachteilen im internationalen Vergleich f\u00fchren.<\/p>\n<p>\u201eDies darf jedoch nicht dar\u00fcber hinwegt\u00e4uschen, dass auch nachhaltige Konzepte f\u00fcr eine qualifizierte Zuwanderung dringend notwendig sind, um einer Versch\u00e4rfung der Fachkr\u00e4ftel\u00fccke entgegenzuwirken\u201c, so Christian Hermann. \u201eAuch hier sei die Politik gefordert, gemeinsam mit der Wirtschaft bedarfsorientierte, tragf\u00e4hige Konzepte zu entwickeln.\u201c<\/p>\n<p>Text: AGV Olpe, Foto: Mariann Sz\u0151ke\/Pixabay<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Arbeitgeberverband Olpe pr\u00e4sentierte k\u00fcrzlich die Ergebnisse seiner aktuellen, traditionell zum Jahresende durchgef\u00fchrten Konjunkturumfrage, an der Betriebe mit rund 9.250 Besch\u00e4ftigten sowie gut 440 Auszubildenden&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":7,"featured_media":30342,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_jetpack_memberships_contains_paid_content":false,"footnotes":""},"categories":[1,32,30,11],"tags":[],"class_list":["post-30332","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-aktuell","category-infos","category-vermischtes","category-regionale-wirtschaft"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/documents-3816835_1920.jpg","jetpack_sharing_enabled":true,"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/30332","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/wp-json\/wp\/v2\/users\/7"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=30332"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/30332\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":30343,"href":"https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/30332\/revisions\/30343"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/wp-json\/wp\/v2\/media\/30342"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=30332"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=30332"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=30332"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}