{"id":29720,"date":"2022-10-17T15:15:30","date_gmt":"2022-10-17T13:15:30","guid":{"rendered":"https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/?p=29720"},"modified":"2022-10-17T15:15:30","modified_gmt":"2022-10-17T13:15:30","slug":"lage-soeben-noch-befriedigend-zukunftserwartungen-so-schlecht-wie-nie","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/lage-soeben-noch-befriedigend-zukunftserwartungen-so-schlecht-wie-nie\/","title":{"rendered":"Lage soeben noch befriedigend \u2013 Zukunftserwartungen so schlecht wie nie"},"content":{"rendered":"<p>\u201eNie zuvor brach das Konjunkturklima der regionalen Wirtschaft innerhalb eines Jahres so drastisch ein. Die Auswirkungen des Russland-Ukraine-Krieges treffen mit voller Wucht auf eine durch die Corona-Pandemie und durch Lieferengp\u00e4sse noch gezeichnete Wirtschaft. Die explodierenden Energiepreise und die historisch hohe Inflation belasten die heimischen Unternehmen stark. Alle Zeichen stehen auf Rezession.\u201c IHK-Pr\u00e4sident Walter Viegener kommentiert die Ergebnisse der neuesten IHK-Konjunkturumfrage, an der sich 522 Unternehmen mit mehr als 38.000 Besch\u00e4ftigten aus Industrie, Bauwirtschaft, Handel und Dienstleistungsgewerbe in den Kreisen Siegen-Wittgenstein und Olpe beteiligten, mit deutlichen Worten: \u201eDie Lage ist ernst und f\u00fcr zahlreiche Unternehmen existenzbedrohend. Wir brauchen jetzt schnelle, konsequente, zielgerichtete und mutige Entscheidungen der Politik \u2013 und nicht nur Ank\u00fcndigungen. Ansonsten werden die kommenden Monate \u00e4u\u00dferst schmerzhaft.\u201c<\/p>\n<p>Der Konjunkturklimaindex \u2013 er ergibt sich aus Lagebeurteilung und Erwartung \u2013 st\u00fcrzt um 28 Punkte auf einen Wert von 68 ab. Damit liegt er deutlich unter dem Mittelwert der letzten 20 Jahre (104). Seit Jahresbeginn hat er sich nahezu halbiert. Sowohl die Lagebeurteilung als auch die Zukunftserwartungen brechen in nahezu allen Wirtschaftszweigen ein. Nur noch 24 Prozent der Unternehmen berichten von guten Gesch\u00e4ften. Eine schlechte Gesch\u00e4ftslage melden aber bereits 22 Prozent. Zugleich st\u00fcrzen die Zukunftserwartungen auf ein Allzeittief. Walter Viegener: \u201eSelten waren die Unsicherheiten gr\u00f6\u00dfer! Von schwierigem Fahrwasser zu sprechen, ist noch untertrieben. Besonders d\u00fcster ist der Blick in die Zukunft im Einzelhandel sowie im Bau- und im Gastgewerbe.\u201c<\/p>\n<p>Nur 5 Prozent der Unternehmen aus Siegen-Wittgenstein und Olpe blicken optimistisch in die Zukunft, 59 Prozent sind zum Teil \u00e4u\u00dferst pessimistisch. Die v\u00f6llig aus dem Ruder gelaufenen Energiepreise m\u00fcssten endlich auf ein akzeptables Ma\u00df reduziert werden. Klaus Fenster, stellvertretender Hauptgesch\u00e4ftsf\u00fchrer der IHK: \u201eBeim Gas zeichnet sich eine L\u00f6sung ab, bei Strom und \u00d6l allerdings nicht. Die Finanzlage der Unternehmen verschlechtert sich. Das Eigenkapital nimmt ab, die Liquidit\u00e4tsengp\u00e4sse nehmen zu. Irgendwann ist der Punkt erreicht, an dem sich die Firmen die Frage stellen, ob es sich hier noch lohnt, den Betrieb aufrechtzuerhalten. Pleiten oder Abwanderungen sind dann die logische Folge.\u201c<\/p>\n<p><strong>Besch\u00e4ftigungsneigung und Investitionsabsichten gehen zur\u00fcck<\/strong><\/p>\n<p>Aktuell h\u00e4tten bereits 12 Prozent der heimischen Industrieunternehmen mit Produktionsverlagerungen in L\u00e4nder reagiert, in denen die Energieversorgung sicherer und die Preise erschwinglicher seien. Das ist aus Sicht der IHK mehr als besorgniserregend. Klaus Fenster: \u201eWer unsicher ist, investiert nicht. Wie will man eine Industrie dekarbonisieren, wenn ein Gro\u00dfteil der Unternehmen an der Rentierlichkeit seiner Investitionen zweifelt? Gerade in der gegenw\u00e4rtigen Lage w\u00e4ren zus\u00e4tzliche Investitionen bitter notwendig, zumal der Staat dabei ist, sich \u00fcber beide Ohren zu verschulden. Es ist alarmierend, dass jedes dritte Unternehmen plant, in den kommenden Monaten weniger zu investieren.\u201c Neun von zehn Betrieben sehen die extrem hohen Energie- und Rohstoffpreise als gr\u00f6\u00dftes Risiko f\u00fcr die wirtschaftliche Entwicklung, mit deutlichem Abstand gefolgt von der Bef\u00fcrchtung einer r\u00fcckl\u00e4ufigen Inlandsnachfrage (70 Prozent) und steigenden Arbeitskosten (58 Prozent). Wahrscheinlich sind auch Auswirkungen auf den regionalen Besch\u00e4ftigungsstand. Die Zahl der Betriebe, die einen Besch\u00e4ftigungsr\u00fcckgang erwarten, hat sich innerhalb eines Jahres verdreifacht. 29 Prozent der Unternehmen gehen von einer geringeren Besch\u00e4ftigtenzahl aus.<\/p>\n<p><strong>Auslastung der Industrie noch passabel, Auftragseing\u00e4nge und Erwartungen im Sinkflug<\/strong><\/p>\n<p>Erstmals seit zwei Jahren \u00fcberwiegt in der Industrie wieder eine negative Lagebeurteilung. Die Produktionsauslastung geht zwar zur\u00fcck, bleibt aber noch auf einem halbwegs passablen Niveau. 46 Prozent der Industriebetriebe melden eine Auslastung zwischen 85 und 100 Prozent. Walter Viegener: \u201eDer Schein ist jedoch tr\u00fcgerisch. Oftmals liegen die Gr\u00fcnde f\u00fcr die gute Auslastung und den ordentlichen Auftragsbestand in dem Auftragsstau, der sich in den letzten Monaten wegen der erheblichen Lieferengp\u00e4sse aufgebaut hat. Diese Auftr\u00e4ge werden nun St\u00fcck f\u00fcr St\u00fcck abgearbeitet. Mit gro\u00dfer Sorge blicken wir jedoch auf den deutlich vernehmbaren R\u00fcckgang der Auftragseing\u00e4nge.\u201c 53 Prozent der Unternehmen vermelden weniger Inlandsauftr\u00e4ge und 48 Prozent weniger Auslandsauftr\u00e4ge. Zudem verschlechtert sich die Ertragslage weiter. Die Zukunftsprognosen sinken in beiden Kreisen seit Jahresbeginn nahezu im Gleichschritt. Im Kreis Siegen-Wittgenstein mit seinem hohen Anteil an energieintensiven Unternehmen liegen sie allerdings auf einem noch niedrigeren Niveau. Klaus Fenster: \u201eDer Pessimismus erreicht ein Rekordhoch. In der heimischen Industrie gehen drei von f\u00fcnf Unternehmen von schlechteren Gesch\u00e4ften aus. Selbst zu Beginn der Corona-Pandemie war der Blick in die Zukunft nicht so d\u00fcster. Die durch den Ukraine-Krieg ausgel\u00f6ste ,Zeitenwende\u2019 stellt etliche der bisher bestehenden Gewissheiten radikal in Frage. Unser Wohlstand wird sinken; darauf sollten wir uns einstellen.\u201c<\/p>\n<p><strong>Bausektor bricht als Konjunkturstabilisator weg<\/strong><\/p>\n<p>War in der Vergangenheit die Bauwirtschaft ein wichtiger konjunktureller Stabilisator, schlagen nun die hohen Preise, Materialknappheit und eine Bauzur\u00fcckhaltung voll durch. Stephan H\u00e4ger, Leiter des Referates Konjunktur, Arbeitsmarkt und Statistik: \u201eAktuell sind die Lage und der Auftragsbestand im Bausektor noch auf einem guten Niveau. Deutlich gestiegene Zinsen und die hohen Baukosten f\u00fchren jedoch zu sp\u00fcrbar weniger Neuauftr\u00e4gen. Es zeichnet sich ein deutlicher Abschwung ab. Der eklatante Fachkr\u00e4ftemangel tut ein \u00dcbriges. Jeder sechste Betrieb hat mittlerweile mit Forderungsausf\u00e4llen zu k\u00e4mpfen, viermal so viel wie vor einem Jahr.\u201c Sieben von zehn Bauunternehmen blicken pessimistisch in die Zukunft.<\/p>\n<p><strong>Gro\u00df- und Einzelhandel sp\u00fcren Kaufzur\u00fcckhaltung<\/strong><\/p>\n<p>Von allen Branchen im IHK-Bezirk f\u00e4llt im Einzelhandel die Beurteilung der Gesch\u00e4ftslage am schlechtesten aus. 17 Prozent der H\u00e4ndler bewerten ihre derzeitige Gesch\u00e4ftslage als gut, 32 Prozent als schlecht. Jeder zweite Einzelh\u00e4ndler meldete in den vergangenen Monaten schlechtere Ums\u00e4tze. Stephan H\u00e4ger: \u201eDie Stimmung im regionalen Einzelhandel ist schon fast depressiv. Die hohe Inflation f\u00fchrt zu einem erheblichen Kaufkraftverlust bei den Verbrauchern. Zudem wei\u00df niemand, wie hoch die Energiekostenabrechnung im Winter ausf\u00e4llt. Die Konsumenten halten daher vermehrt ihr Geld beisammen.\u201c Die Gesch\u00e4ftserwartungen sind besonders im Mode- und Kfz-Handel pessimistisch. Im Gro\u00dfhandel tr\u00fcbt sich das Stimmungsbild weiter ein, allerdings nicht so dramatisch wie in den anderen Wirtschaftszweigen. Die aktuelle Lage wird deutlich schlechter bewertet als noch im Fr\u00fchjahr. Die Gesch\u00e4ftserwartungen verharren auf dem historischen Tiefststand.<\/p>\n<p><strong>Dienstleistungsbranche und Gastgewerbe mit pessimistischem Blick in die Zukunft<\/strong><\/p>\n<p>Das Gastgewerbe ist die einzige Branche, in der sich die Gesch\u00e4ftslage in den vergangenen Monaten verbessert hat. 31 Prozent der an der Umfrage beteiligten Gastronomen bewerten ihre derzeitige Lage als gut, 23 Prozent als schlecht. Allerdings sind die Zukunftserwartungen \u00e4u\u00dferst d\u00fcster. Die Stimmung in der regionalen Dienstleistungsbranche hat sich merklich eingetr\u00fcbt. Sowohl die Lagebeurteilung als auch die Gesch\u00e4ftserwartungen verschlechterten sich deutlich. Besonders die personenbezogenen Dienstleister und das Verkehrsgewerbe bef\u00fcrchten schwere Zeiten.<\/p>\n<p>Die Grafiken zur neuesten IHK-Konjunkturumfrage finden Sie <a href=\"https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/wp-content\/uploads\/2022\/10\/072-22-Konjunktur-Grafiken.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">hier<\/a>.<\/p>\n<p>Text: <a href=\"https:\/\/www.ihk-siegen.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">IHK Siegen<\/a>; Foto: Jan Krumnow<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eNie zuvor brach das Konjunkturklima der regionalen Wirtschaft innerhalb eines Jahres so drastisch ein. 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