{"id":29560,"date":"2022-09-26T15:06:13","date_gmt":"2022-09-26T13:06:13","guid":{"rendered":"https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/?p=29560"},"modified":"2022-09-26T15:06:13","modified_gmt":"2022-09-26T13:06:13","slug":"marode-strassen-und-buerokratie-chaos-bei-schwertransporten-bereiten-sorgen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/marode-strassen-und-buerokratie-chaos-bei-schwertransporten-bereiten-sorgen\/","title":{"rendered":"Marode Stra\u00dfen und B\u00fcrokratie-Chaos bei Schwertransporten bereiten Sorgen"},"content":{"rendered":"<p>Mindestens 1.000 neue Windenergieanlagen sollen nach dem Willen der nordrhein-westf\u00e4lischen Landesregierung bis 2027 neu errichtet werden. Ein ambitioniertes Ziel, dessen Erreichen jedoch durch Missst\u00e4nde in einem Bereich gef\u00e4hrdet wird, \u00fcber den in politischen Kreisen gemeinhin nicht viel gesprochen wird: die Schwertransporte. \u201eKaum jemand wei\u00df, dass rund 80 genehmigungspflichtige Schwertransporte f\u00fcr eine einzelne Windenergieanlage erforderlich sind\u201c, erl\u00e4utert Klaus Gr\u00e4bener von der IHK Siegen. Wenn man sich anschaut, mit welchen Widrigkeiten es die Disponenten in den produzierenden Betrieben und Speditionen tagt\u00e4glich bei jedem einzelnen Transport zu tun haben, f\u00e4llt es schwer zu glauben, dass die politisch gesetzten Ausbauziele erreicht werden k\u00f6nnen &#8211; um es sehr zur\u00fcckhaltend zu formulieren\u201c, betont der Hauptgesch\u00e4ftsf\u00fchrer.<\/p>\n<p>Die Region S\u00fcdwestfalen bietet f\u00fcr den Ausbau klimafreundlicher Energien durchaus Potenzial. Das betrifft unter anderem Windenergieanlagen und den Aufbau einer Wasserstoffindustrie, f\u00fcr die Pipelines und Druckbeh\u00e4lter ben\u00f6tigt werden. Der heimische Wirtschaftsraum z\u00e4hlt viele Unternehmen, die hierf\u00fcr ihre Kompetenzen einbringen k\u00f6nnen. F\u00fcr den Transport der Produkte indes sind Schwertransporte und damit ein leistungsf\u00e4higes Stra\u00dfennetz unentbehrlich. Genau hier liegen die Probleme. \u201eWir wissen inzwischen kaum noch, wie wir die gro\u00dfen und schweren Teile \u00fcberhaupt aus der Region bekommen sollen. Nach dem Komplettausfall der A45 ist die A4 Richtung K\u00f6ln unsere Nabelschnur. Sie h\u00e4ngt am seidenen Faden, seitdem eine Br\u00fccke bei Untereschbach vor wenigen Tagen f\u00fcr Transporte \u00fcber 78 Tonnen gesperrt werden musste. Marode Br\u00fccken und Stra\u00dfen sperren uns in der Region geradezu ein\u201c, beschreibt Fabian Jung von der Spedition Bender GmbH die katastrophale Situation.<\/p>\n<p><strong>16 Millionen\u00a0Blatt Papier f\u00fcr den Transport von Windanlagen<\/strong><\/p>\n<p>Hinzu kommt, dass die Transporte f\u00fcr die Speditionen zeitlich und finanziell kaum noch kalkulierbar sind. Nach jahrelanger Diskussion wurde zuletzt eine neue Geb\u00fchrenordnung eingef\u00fchrt, mit der die Antragsbearbeitungsgeb\u00fchren bundesweit einheitlich berechnet werden sollen. \u201eDas Ergebnis ist, dass sich die Transportkosten vervielfacht haben und sich die Geb\u00fchrenh\u00f6he durch frei bestimmbare Kostenparameter dennoch von Kommune zu Kommune unterscheidet\u201c, kritisiert J\u00f6rg Reichmann, Vorstand der Spedition STL Logistik AG. Bislang sei es mit beinahe jeder neuen gesetzliche Regelung zu einer \u201eVerschlimmbesserung\u201c der Situation gekommen. Die Auflagendichte nehme kontinuierlich zu, jeder Bescheid bestehe aus einem rund 200 Seiten dicken Buch. \u201eAlleine die Genehmigung nur der Transporte f\u00fcr 1.000 neue Windr\u00e4der bedeutet Genehmigungsbescheide mit 16 Millionen Blatt Papier, einfache Ausfertigung, selbstverst\u00e4ndlich ausgedruckt!\u201c<\/p>\n<p>IHK-Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer Hans-Peter Langer: \u201eEs zeigt sich immer deutlicher: Die Schwertransporte werden zum Schl\u00fcsselfaktor f\u00fcr das Gelingen der Energiewende. Es gibt nur zwei M\u00f6glichkeiten: Entweder, die politischen Entscheidungstr\u00e4ger nehmen dies zur Kenntnis und unternehmen jetzt alles, um die Rahmenbedingungen hierf\u00fcr endlich zu verbessern. Oder man blendet das Thema weiterhin kraftvoll aus und schaut zu, wie ein klimapolitisches Ziel nach dem anderen gerissen wird.\u201c<\/p>\n<p>Die schlechte Ausgangssituation trifft die Hersteller hart. Zu den betroffenen Branchen in der Region geh\u00f6ren unter anderem der Maschinenbau, der Apparate-und Beh\u00e4lterbau, die Rohrherstellung, die Walzenproduktion und der Betonfertigteilbau. \u201eDie Wettbewerbsf\u00e4higkeit ist einfach nicht mehr gegeben\u201c, erl\u00e4utert Klaus-Dieter Wolf, Robert Josef Wolf GmbH &amp; Co. KG. \u201eFachkr\u00e4ftemangel, Energiekosten, Lief\u00e4rkettenprobleme: Viele Probleme spitzen sich derzeit zu. Wenn wir unsere Produkte aber faktisch nicht mehr aus der Region bekommen, dann geht gar nichts mehr.\u201c Beispiele aus der Vergangenheit zeigten: Produktionen und Teilstandorte werden l\u00e4ngst verlagert &#8211; meist in andere Bundesl\u00e4nder oder direkt ins Ausland. Dies d\u00fcrfte unmittelbar Arbeitspl\u00e4tze gef\u00e4hrden, f\u00fcrchtet Hans-Peter Langer. Immerhin st\u00fcnden in der gesamten Wertsch\u00f6pfungskette f\u00fcr die Schwertransporte rund 10.000 sozialversicherungspflichtige Arbeitspl\u00e4tze alleine im heimischen IHK-Bezirk. Klaus-Dieter Wolf: \u201eBesonders dramatisch wird sich der Abfluss von Kompetenzen, also von Ingenieurwissen, aus der Region auswirken. Das ist ein kritischer Faktor, der zu einer weiteren, dauerhaften Schw\u00e4chung des heimischen Wirtschaftsraumes beitragen kann!\u201c<\/p>\n<p><strong>Unternehmen dringend entlasten<\/strong><\/p>\n<p>Defizite werden vor allem im Genehmigungsverfahren gesehen. Je nach L\u00e4nge und Aufwand m\u00fcssen Unternehmen bis zu acht Wochen auf Genehmigungen warten. Br\u00fcckenbauwerke m\u00fcssen immer wieder auf das Neue statisch nachgerechnet und Schleppkurven in den Antr\u00e4gen grafisch dargestellt werden. \u201eEs gibt immer mehr Auflagen, obwohl sich an den Grundlagen nicht viel ver\u00e4ndert\u201c, stellt Michael R\u00fcschoff von der Achenbach Buschh\u00fctten GmbH &amp; Co. KG fest. Wenn f\u00fcr einen Transport f\u00fcnf Begleitfahrzeuge zur Absicherung vorgesehen werden m\u00fcssen, fragt man sich, ob hier der Mehrwert f\u00fcr die Sicherheit nach der Devise \u201aviel hilft viel\u2018 berechnet wird. Fachlich begr\u00fcndbar ist das irgendwann jedenfalls nicht mehr, betont der erfahrene Versandleiter.<\/p>\n<p>Der Zustand der Stra\u00dfen und Br\u00fccken sei das eine, die mittlerweile absurde B\u00fcrokratie das andere gravierende Problem, so Hans-Peter Langer. Ben\u00f6tigt werde ein Netz verl\u00e4sslicher Schwerlastrouten auf dem nachgelagerten Stra\u00dfennetz nach dem Modell der Route von Wilnsdorf nach Duisburg und Gelsenkirchen, so lange die Autobahnbr\u00fccken noch nicht erneuert seien &#8211; und zwar l\u00e4nder\u00fcbergreifend. Zudem m\u00fcssten sowohl auf Landes- als auch Bundesebene schnellstm\u00f6glich Wege f\u00fcr einen \u201ebrutalen\u201c B\u00fcrokratieabbau f\u00fcr Gro\u00dfraum-und Schwertrabsporte ermittelt werden, die dann auch umgesetzt werden.<\/p>\n<p>Text:\u00a0<a href=\"http:\/\/www.ihk-siegen.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">IHK Siegen<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mindestens 1.000 neue Windenergieanlagen sollen nach dem Willen der nordrhein-westf\u00e4lischen Landesregierung bis 2027 neu errichtet werden. 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