{"id":28594,"date":"2022-05-16T13:43:00","date_gmt":"2022-05-16T11:43:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/?p=28594"},"modified":"2022-05-16T13:43:00","modified_gmt":"2022-05-16T11:43:00","slug":"geschaeftslage-noch-passabel-zukunftserwartungen-im-sinkflug","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/geschaeftslage-noch-passabel-zukunftserwartungen-im-sinkflug\/","title":{"rendered":"Gesch\u00e4ftslage noch passabel, Zukunftserwartungen im Sinkflug"},"content":{"rendered":"<p>\u201eSeit Monaten bremsen Preissteigerungen und Lieferengp\u00e4sse bei Rohstoffen, Energie sowie Vorprodukten die wirtschaftliche Entwicklung. Der Krieg in der Ukraine versch\u00e4rft diese Probleme nun deutlich. Hinzu kommen die Risiken eines vollst\u00e4ndigen Energieembargos sowie die Null-Covid-Strategie in China: Alles in allem eine toxische Mischung. Die Unsicherheiten waren selten gr\u00f6\u00dfer!\u201c Mit diesen Worten kommentiert IHK-Pr\u00e4sident Felix G. Hensel die Ergebnisse der neuesten IHK-Konjunkturumfrage, an der sich 499 Unternehmen mit mehr als 37.000 Besch\u00e4ftigten aus Industrie, Bauwirtschaft, Handel und Dienstleistungsgewerbe in den Kreisen Siegen-Wittgenstein und Olpe beteiligten.<\/p>\n<p>Der Konjunkturklimaindex \u2013 er ergibt sich aus Lagebeurteilung und Erwartung \u2013 f\u00e4llt um 24 Punkte auf einen Wert von 96. Damit liegt er erstmals seit einem Jahr wieder unter dem Mittelwert der letzten 20 Jahre (105). Dabei bewerten weite Teile der regionalen Wirtschaft die aktuelle Gesch\u00e4ftslage noch als passabel. Die Zukunftserwartungen brechen jedoch auf breiter Front ein. Felix G. Hensel: \u201eEs ist erfreulich, wie robust ein Gro\u00dfteil der heimischen Unternehmen immer noch dasteht. Was die Unternehmen jedoch vor der Brust haben, zeigt der historische Absturz der Zukunftsaussichten, der sogar st\u00e4rker ausf\u00e4llt als zu Beginn der Corona-Pandemie. Besonders d\u00fcster fallen die Prognosen im Baugewerbe, im Gro\u00dfhandel und in Teilen der Industrie aus.\u201c<\/p>\n<p>Nur 11 Prozent der Unternehmen aus Siegen-Wittgenstein und Olpe blicken derzeit noch optimistisch in die Zukunft, 37 Prozent sind zum Teil \u00e4u\u00dferst pessimistisch. IHK-Hauptgesch\u00e4ftsf\u00fchrer Klaus Gr\u00e4bener: \u201eWir hatten gehofft, dass wir die lange Corona-Durststrecke langsam hinter uns h\u00e4tten. Klar ist mittlerweile jedoch vielerorts in den Unternehmen: Wir kommen vom Regen in die Traufe. Schlimmer geht eben immer.\u201c Die Probleme n\u00e4hmen durch den gewaltigen Container-Stau in Shanghai deutlich zu. Ein Ende der Preisspirale und Materialknappheit sei nicht in Sicht. Die Unternehmen w\u00fcrden zudem deutlich zur\u00fcckhaltender bei Besch\u00e4ftigung und Investitionen.<\/p>\n<p><strong>Breite Zustimmung f\u00fcr Bundesregierung<\/strong><\/p>\n<p>84 Prozent der Unternehmen aus Siegen-Wittgenstein und Olpe sind direkt bzw. indirekt von den Folgen des Krieges betroffen. Besonders starke Auswirkungen sp\u00fcrt die heimische Industrie. Dennoch bef\u00fcrwortet die \u00fcberw\u00e4ltigende Mehrheit die Sanktionen gegen Russland, unterst\u00fctzt dabei jedoch zugleich ein Vorgehen mit Augenma\u00df. Klaus Gr\u00e4bener: \u201eEs kann keine Sanktionen zum Nulltarif geben. Allerdings ist es auch nicht besonders klug, sich selbst st\u00e4rker zu schw\u00e4chen als den Gegner. Blinder Ehrgeiz schadet hier. 86 Prozent der heimischen Betriebe unterst\u00fctzen daher das eher behutsame Vorgehen der Bundesregierung, sich nur schrittweise von der gro\u00dfen russischen Energie-Abh\u00e4ngigkeit zu l\u00f6sen.\u201c Jetzt gelte es, mit aller Kraft s\u00e4mtliche Bremskl\u00f6tze beim Ausbau der erneuerbaren Energien zu l\u00f6sen, den Netzausbau konsequent voranzutreiben und alternative Bezugsquellen zu sichern, damit schnellstm\u00f6glich eine von den russischen Energietr\u00e4gern unabh\u00e4ngige Grundlastsicherung gew\u00e4hrleistet werden kann.<\/p>\n<p><strong>Auslastung der Industrie noch auf gutem Niveau aber Auftragseing\u00e4nge brechen ein<\/strong><\/p>\n<p>In Teilen der Industrie \u00fcberwiegt derzeit noch eine positive Lagebeurteilung. 38 Prozent der Firmen beurteilen ihre derzeitige Gesch\u00e4ftslage als gut. Jeder zweite Industriebetrieb meldet eine Produktionsauslastung zwischen 85 und 100 Prozent. Felix G. Hensel: \u201eDas ist ein sehr ordentlicher Wert, der den noch guten Auftragsbestand widerspiegelt. Aber: Jedes dritte Unternehmen berichtet inzwischen von geringeren Auftragseing\u00e4ngen. Entsprechend gehen gro\u00dfe Teile der Industrie von Umsatzr\u00fcckg\u00e4ngen aus.\u201c Zudem breche die Ertragslage f\u00f6rmlich ein. 41 % der Unternehmen berichten von einer schlechteren Ertragslage. 39 Prozent, und somit mehr als doppelt so viele Industriebetriebe wie noch zu Jahresanfang, blicken pessimistisch in die Zukunft, vor allem im Kreis Siegen-Wittgenstein.<\/p>\n<p><strong>Gro\u00dfhandel so pessimistisch wie seit mehr als 30 Jahren nicht mehr<\/strong><\/p>\n<p>War in der Vergangenheit die Bauwirtschaft ein wichtiger konjunktureller Stabilisator, schlagen nun die Engp\u00e4sse und die exorbitant hohen Preise bei nahezu s\u00e4mtlichen Materialien voll durch. Stephan H\u00e4ger, Leiter des Referates Konjunktur, Arbeitsmarkt und Statistik: \u201eZwar ist der Auftragsbestand auch im Bausektor noch ordentlich. Zahlreiche Unternehmen berichten jedoch von gestoppten oder verschobenen Bauprojekten, weil die Preise durch die Decke gehen. Ein weiteres Problem: Inzwischen hat jeder f\u00fcnfte Betrieb mit Forderungsausf\u00e4llen zu k\u00e4mpfen, was zu Liquidit\u00e4tsengp\u00e4ssen f\u00fchrt.\u201c<\/p>\n<p>Ein \u00e4hnliches Stimmungsbild zeichnet sich im Gro\u00dfhandel ab. W\u00e4hrend die aktuelle Lage weiterhin so positiv bewertet wird wie zu Jahresbeginn, fallen die Zukunftserwartungen auf einen historischen Tiefststand. Inzwischen blicken 41 Prozent pessimistisch in die Zukunft. Zu Jahresbeginn waren es nur 7 Prozent. Insbesondere der produktionsnahe Gro\u00dfhandel geht von zuk\u00fcnftig schlechteren Gesch\u00e4ften aus.<\/p>\n<p><strong>Etwas bessere Stimmung in Teilen des Einzelhandels und im Gastgewerbe <\/strong><\/p>\n<p>Dagegen f\u00e4llt die Lagebeurteilung im Einzelhandel besser aus als zu Jahresbeginn. 28 Prozent der H\u00e4ndler bewerten ihre derzeitige Gesch\u00e4ftslage als gut, 18 Prozent als schlecht. Ein Viertel konnte in den vergangenen Monaten seine Ums\u00e4tze steigern. Stephan H\u00e4ger: \u201eIm Lebensmitteleinzelhandel f\u00e4llt die aktuelle Lagebeurteilung nach wie vor am besten aus, aber auch der Textil- und der Kfz-Handel bewerten ihre derzeitigen Gesch\u00e4fte besser als noch zu Jahresbeginn. Aber: Trotz Aufhebung der ,Corona-Zugangsbeschr\u00e4nkungen\u2018 ist der Aufholprozess noch nicht richtig in Gang gekommen. Steigende Lebenshaltungskosten, gepaart mit gro\u00dfer Unsicherheit der Verbraucher, belasten immer st\u00e4rker das Konsumverhalten.\u201c Von der Kaufzur\u00fcckhaltung besonders betroffen ist der Kfz-Einzelhandel (62 Prozent), den zudem starke Lieferverz\u00f6gerungen bei Neuwagen sowie ein Mangel an Gebrauchtwagen belasten. Noch sp\u00fcrbarer verbessert sich die Gesch\u00e4ftslage im Gastgewerbe. Inzwischen bewerten 22 Prozent der regionalen Gastronomen ihre Lage als gut. \u201eNur\u201c noch 18 Prozent melden schlechte Gesch\u00e4fte. 42 Prozent konnten in den vergangenen Monaten eine Umsatzsteigerung verbuchen. Allerdings ist wegen der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen die Hoffnung auf eine Erholungsphase verhalten.<\/p>\n<p><strong>Dienstleistungsbranche weiterhin zufrieden, blickt aber pessimistischer in die Zukunft<\/strong><br \/>\nDie Stimmungslage in der regionalen Dienstleistungsbranche ist ged\u00e4mpft. Zwar ist die Lagebewertung nahezu unver\u00e4ndert \u2013 35 % berichten von einer guten und 13 Prozent von einer schlechten Lage &#8211; allerdings ist der Blick auf die kommenden Monate von Pessimismus gepr\u00e4gt, wenn auch nicht so ausgepr\u00e4gt wie in anderen Wirtschaftszweigen. Erstmals seit knapp zwei Jahren \u00fcberwiegen auch hier die negativen Zukunftserwartungen.<\/p>\n<p>Die Grafiken gibt es <a href=\"https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/wp-content\/uploads\/2022\/05\/034-22-Konjunktur-Grafiken.pdf\">hier<\/a>.<\/p>\n<p>Text und Grafiken: <a href=\"https:\/\/ihk-siegen.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">IHK Siegen<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eSeit Monaten bremsen Preissteigerungen und Lieferengp\u00e4sse bei Rohstoffen, Energie sowie Vorprodukten die wirtschaftliche Entwicklung. Der Krieg in der Ukraine versch\u00e4rft diese Probleme nun deutlich. 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