{"id":2836,"date":"2015-10-12T14:30:59","date_gmt":"2015-10-12T12:30:59","guid":{"rendered":"http:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/?p=2836"},"modified":"2015-10-12T16:07:16","modified_gmt":"2015-10-12T14:07:16","slug":"lage-o-k-aussichten-getruebt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.vdsm.net\/wronline\/lage-o-k-aussichten-getruebt\/","title":{"rendered":"Lage o. k. \u2013 Aussichten getr\u00fcbt"},"content":{"rendered":"<p>\u201eKonjunkturell haben wir in den letzten Monaten zwar leicht an Fahrt aufgenommen, der Blick nach vorn jedoch ist eingetr\u00fcbt. Die Dienstleister sowie der Handel blicken zuversichtlich in die Zukunft. In der Baubranche sind die Erwartungen verhaltener als noch zur Jahresmitte. Der Gro\u00dfhandel und Teile der Industrie gehen jedoch mit gemischten Gef\u00fchlen ins kommende Jahr. Zudem w\u00e4chst die Unzufriedenheit mit der Wirtschaftspolitik. Trotz \u00fcberwiegend passabler Lage alles in allem also kein Grund zur Euphorie\u201c, fasst IHK-Pr\u00e4sident Felix G. Hensel die Ergebnisse der j\u00fcngsten Konjunkturumfrage der Kammer zusammen, an der sich mehr als 450 Unternehmen aus Industrie, Handel und Dienstleistungen in den Kreisen Siegen-Wittgenstein und Olpe beteiligt haben.<\/p>\n<p>Das aktuelle Konjunkturklima hat sich gegen\u00fcber dem Sommer leicht verbessert. Deutlich mehr als ein Drittel aller Unternehmen beschreiben ihre Situation als gut. \u201eEtlichen Betrieben fehlen aber die Folgeauftr\u00e4ge, um auf mittlere Sicht besser durchstarten zu k\u00f6nnen. Dies erkl\u00e4rt die gestiegene Vorsicht der Unternehmen\u201c, so der IHK-Pr\u00e4sident. Nur noch knapp jeder F\u00fcnfte baut auf Steigerungen, im vergangenen Januar waren es 23 Prozent. Allerdings bef\u00fcrchten auch nur 17 Prozent k\u00fcnftig schlechtere Gesch\u00e4fte. Unter dem Strich ist der Konjunkturklimaindex, die Zusammenfassung von Lagebeurteilungen und Erwartungen, gegen\u00fcber Jahresbeginn leicht von 111 auf 112 Punkte gestiegen. Felix G. Hensel: \u201eBesser leicht nach oben als deutlich nach unten. Dennoch sind wir von richtig guten Werten weit entfernt. Anfang dieses Jahres jedenfalls hatte sich die regionale Wirtschaft eine st\u00e4rkere Dynamik erhofft.\u201c Die weltwirtschaftlichen Turbulenzen erschwerten einen breiter getragenen Aufschwung. Die Weltkonjunktur erhalte derzeit vor allem wegen der Schw\u00e4che Chinas und der Schwellenl\u00e4nder deutliche D\u00e4mpfer. Nicht zuletzt deswegen habe der IWF seine Wachstumsprognose f\u00fcr die Weltwirtschaft in der vergangenen Woche gesenkt, so der IHK-Pr\u00e4sident. Bei der wichtigen chinesischen Wirtschaft erwarten die regionalen Unternehmen allerdings keinen Einbruch. In Bezug auf Russland bef\u00fcrchten etliche Betriebe jedoch weitere Nachfrageausf\u00e4lle. Hier versch\u00e4rft sich insbesondere durch den niedrigen \u00d6lpreis und die Westsanktionen die Rezession.<\/p>\n<p>\u201eEs gibt jedoch durchaus Indikatoren, die zuversichtlich stimmen\u201c, erg\u00e4nzte IHK-Hauptgesch\u00e4ftsf\u00fchrer Klaus Gr\u00e4bener: \u201eDie Produktionsauslastungen haben in der Spitze noch einmal zugelegt, es wird im Inland wieder mehr investiert und auch die Besch\u00e4ftigungsentwicklung verbleibt alles in allem gesehen derzeit auf hohem Niveau.\u201c Inlands- und Auslandsumsatz der regionalen Industrie kletterten insgesamt um 3,4 Prozent bzw. um 1,8 Prozent. Positiv f\u00fcr den Export wirkten sich Impulse aus der EU und den USA aus. Der Konsum kurbelt auch die hiesige Wirtschaft an. Verbraucherorientierte Bereiche profitieren deutlich davon.<\/p>\n<p>Aus der Gemengelage ergeben sich zwischen den Wirtschaftszweigen und zum Teil auch innerhalb einzelner Branchen gro\u00dfe Unterschiede: Die Gesch\u00e4fte werden derzeit vor allem von Dienstleistern, Bauunternehmen und Einzelh\u00e4ndlern deutlich besser eingestuft als zum Jahresanfang. In der Industrie wird die Lage \u00e4hnlich gut beurteilt wie im Januar. Allerdings lief es f\u00fcr die Produzenten aus den Bereichen Automotive, Verbrauchsg\u00fcter und Bauprodukte besser als bei Betrieben, die auf dem russischen Markt oder in der \u00d6l-, Gas- oder Stahlindustrie wichtige Abnehmer haben bzw. hatten, wie etwa im Anlagenbau oder der Walzenherstellung. Der Gro\u00dfhandel urteilt insgesamt ung\u00fcnstiger. Klaus Gr\u00e4bener: \u201eUnsicherheit verbreitet sicherlich auch der VW-Skandal. Niemand wei\u00df, wie er sich auf das \u201emade in Germany\u201c auswirkt. Hier haben einige Wenige dem weltweiten Ansehen der deutschen Wirtschaft einen B\u00e4rendienst erwiesen, unter dem m\u00f6glicherweise sehr viele Unternehmen l\u00e4nger zu leiden haben werden als uns heute bewusst ist.\u201c<\/p>\n<p>F\u00fcr die nahe Zukunft sehen vor allem das Dienstleistungsgewerbe und der Einzelhandel weitere Steigerungen. Der Bau nimmt vorrangig aus saisonalen Gr\u00fcnden seine Erwartungen zur\u00fcck. Wie sich die hohen Fl\u00fcchtlingszahlen im Land auf die Konjunktur auswirken, ist unklar. In der \u00f6ffentlichen Wahrnehmung wird der derzeit ungeordnet verlaufende Zuzug von Fl\u00fcchtlingen oft als \u201eKrise\u201c wahrgenommen. Die damit verbundenen Herausforderungen f\u00fcr die \u00f6ffentliche Hand und die Gesellschaft sind sicherlich gro\u00df. Andererseits wirken sich die Bedarfssteigerungen f\u00fcr etliche Branchen positiv aus, etwa im Wohnungs- und Versorgungsbereich. Felix G. Hensel: \u201eOb sich die derzeit sehr volatile gesellschaftliche Stimmungslage d\u00e4mpfend auf die Konsumneigung auswirkt, bleibt abzuwarten. Unabh\u00e4ngig davon bieten mittel- und langfristig die vielen jungen Zuwanderer eine Chance, die Sozialsysteme zu entlasten. Dies wiederum h\u00e4ngt entscheidend davon ab, wie schnell und wie effektiv Fl\u00fcchtlinge in das Besch\u00e4ftigungssystem einm\u00fcnden.\u201c<\/p>\n<p>Nach wie vor betrachten die Unternehmen den Mindestlohn als Hindernis beim Besch\u00e4ftigungsausbau, auch in Verbindung mit der gestiegenen B\u00fcrokratie, betonte IHK-Referatsleiter Stephan J\u00e4ger: \u201eInsgesamt sehen 37 Prozent aller Betriebe die Entwicklung der Arbeitskosten als Risiko f\u00fcr die weitere Entwicklung. Die Wirtschaftspolitik verfolgen 43 Prozent mit Sorge. In der Industrie fallen diese Anteile sogar noch h\u00f6her aus. Nicht zuletzt haben Themen wie die Rente mit 63, die Erbschaftsteuerreform bis hin zum Klima- und Landesentwicklungsplan neben dem Mindestlohn dazu beigetragen.\u201c<\/p>\n<p>Zu den Ergebnissen im Einzelnen:<\/p>\n<p>In der Industrie gibt knapp ein Drittel eine gute Lage an, \u201eschlecht\u201c sagen nur 17 Prozent. 43 Prozent der Betriebe sind bis zur Spitze ausgelastet, acht Prozentpunkte mehr als im Januar. Mit den Auftragsbest\u00e4nden ist der Gro\u00dfteil zufrieden. Allerdings meldet fast ein Drittel fallende Inlandsauftr\u00e4ge, in Bezug auf Auslandsorders sind es noch mehr. Im Ergebnis erwartet nur noch knapp jeder f\u00fcnfte Industriebetrieb k\u00fcnftig Zuw\u00e4chse, etwas mehr bef\u00fcrchten Einbu\u00dfen. Deutlich \u00fcber die H\u00e4lfte setzt immerhin auf einen gleichbleibenden Verlauf. Die Betriebe im Kreis Olpe nehmen ihre Erwartungen nicht so stark zur\u00fcck wie im Kreis Siegen-Wittgenstein. F\u00fcr Letztere spielen die genannten Konjunkturrisiken wegen h\u00f6herer Anteile bei der Metallerzeugung sowie dem Maschinen- und Anlagenbau eine gr\u00f6\u00dfere Rolle.<\/p>\n<p>44 Prozent der Baubetriebe melden eine gute Lage, nur 4 Prozent eine schlechte. Zwei Drittel sind zu \u00fcber 85 Prozent ausgelastet, den Auftragsbestand stufen 41 Prozent als hoch ein. Vor allem saisonal bedingt gehen die wenigsten von weiteren Zuw\u00e4chsen aus. \u00dcber drei Viertel erwarten stabile Gesch\u00e4fte auf derzeitigem Niveau. Nur 15 Prozent sind skeptisch.<\/p>\n<p>Fast jeder dritte Einzelh\u00e4ndler stuft die Lage als gut ein, nur 14 Prozent als schlecht. Das Kaufverhalten wird besser als zu Jahresbeginn eingesch\u00e4tzt, allerdings nicht in allen Branchen. Unter dem Strich erhofft sich der regionale Einzelhandel durch die weiter guten Rahmenbedingungen f\u00fcr den Konsum und das anstehende Weihnachtsgesch\u00e4ft positive Impulse. Jeder F\u00fcnfte erwartet Zuw\u00e4chse, 16 Prozent R\u00fcckg\u00e4nge.<\/p>\n<p>Knapp jeder vierte Gro\u00dfh\u00e4ndler meldet eine gute Lage an, etwas mehr aber eine schlechte. Besonders im gewichtigen produktionsnahen Gro\u00dfhandel f\u00e4llt die Bilanz ung\u00fcnstiger aus. Im konsumnahen Bereich ist sie nur wenig besser. Auf gro\u00dfe Spr\u00fcnge setzt der gesamte Gro\u00dfhandel nicht: Nur noch ein F\u00fcnftel erwartet Zuw\u00e4chse, ebenso viele Einbu\u00dfen. Immerhin bauen \u00fcber 60 Prozent auf stabile Verl\u00e4ufe.<\/p>\n<p>Mehr als jeder zweite Dienstleister beschreibt die Lage als gut, nur 7 Prozent als schlecht. Verkehrs- und unternehmensnahe Dienstleister urteilen besonders positiv. Sie profitieren sowohl von hohen Produktionsauslastungen als auch von der guten Verbrauchernachfrage. Im Dienstleistungsgewerbe ist die Zuversicht weiter gro\u00df: Fast ein Viertel erwartet k\u00fcnftig bessere Gesch\u00e4fte, nur 7 Prozent schlechtere.<\/p>\n<p>Der regionale Arbeitsmarkt entwickelte sich positiv: Im September waren mit 11.559 Personen \u00fcber 400 weniger arbeitslos gemeldet als im Vorjahr. Die Arbeitslosenquote sank im Jahresvergleich um 0,2 Prozentpunkte. Allein die hiesige Industrie besch\u00e4ftigte im Sommer 2015 fast 700 Mitarbeiter mehr als genau vor einem Jahr. Allerdings planen nun nur noch 16 Prozent aller Betriebe mehr Besch\u00e4ftigte ein. Die gro\u00dfe Mehrheit von \u00fcber 70 Prozent h\u00e4lt die Belegschaft konstant, nur 14 Prozent bef\u00fcrchten einen Stellenabbau. In fast allen Branchen stabilisiert sich so die Besch\u00e4ftigung auf hohem Niveau. Die Dienstleister m\u00f6chten sogar weiterhin Personal aufstocken.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eKonjunkturell haben wir in den letzten Monaten zwar leicht an Fahrt aufgenommen, der Blick nach vorn jedoch ist eingetr\u00fcbt. 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